Auf der Suche nach den Hausfrauen

Auf der Suche nach den Hausfrauen

Rosalie vom interessanten Blog Parents Don’t hat mich mit ihrem Artikel über die Frage nach der klassischen Hausfrau in der eigenen Familie heute Morgen sehr inspiriert.

Das Bild zeigt eine fleißige Hausfrau beim Zubereiten des Abendessens (New England, März 1940): Ob sie nebenbei arbeitete oder ein kleines Geschäft besaß oder ausschließlich zuhause arbeitete, verrät uns das Foto nicht.

Klassische Hausfrauen kannte ich in meiner Kindheit während den 80er Jahren sehr viele. Nicht alle waren ausschließlich zuhause fleißig: Es gab eine halbtags arbeitende Lehrerin und eine Bäckereibesitzerin in Teilzeit. Letztere hatte eine behinderte Tochter zu versorgen. Auch viele andere Hausfrauen arbeiteten „eine Kleinigkeit“ nebenbei.

Manche gingen putzen (wie meine Mutter zunächst, später arbeitete sie in einem Geschäft für Geschenke und Dekorationen), eine Mutter arbeitete ein Mal pro Woche als Parfümerieverkäuferin und eine andere wiederum machte Büroarbeit im Unternehmen ihres Mannes.

Ich erinnere mich an eine vor lauter Lebensfreude im Garten singende und summende Nur-Hausfrau im Nachbardorf. Sie hatte zwei superliebe und ausgeglichene Töchter und der Vater hatte den beiden mal Weihnachten ein Wahnsinns-Puppenhaus gebaut. (Mit funktionierenden Rolläden aus Zahnstochern! Und Licht!). Auch er schien sein Leben und die Familie in vollen Zügen zu genießen.

Und da fällt mir noch eine Nur-Hausfrau ein, mit deren Kindern ich früher spielte. Sie hatte vier Kinder  – drei Jungs, ein Mädchen – und ein großes Haus mit großem Garten. Sie war insgesamt etwas gestresster, aber meist sehr freundlich. Ich meine, sie war auch irgendwie in der Kirchengemeinde tätig. Ihr Mann war ein totaler Familienmensch, hat viel mit den Kindern gemacht. Später ärgerte sich das ganze Dorf, weil sie mit einem wohlhabenden Arzt durchgebrannt ist.

Und wie war es in der Vergangenheit – gab es da klassische Hausfrauen in meiner Familie? Und wie wurden die Kinder erzogen? Nur von der Mutter? Oder von beiden Eltern? Wie lebte man zusammen? Waren die Frauen glücklich in ihren Leben?

Ich schreibe das aus den Erinnerungen der Erzählungen meiner Mutter und anderer Verwandter auf.

Meine Urgroßmütter

Meine Urgroßmutter mütterlicherseits, die Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde, hat über 10 Kinder bekommen – nicht alle Kinder haben überlebt. Ihr Mann war Kaufmann und sie hatten einen Laden, der in einer Stadt des heutigen Polens liegt. Dort hat sie zusammen mit ihrem Mann gearbeitet.

Die Kinderbetreuung übernahm eine Kinderfrau. Sie hatte auch eine Waschfrau. Und gekocht hat auch eine andere Frau – vielleicht eine Haushälterin? Die Frauen arbeiteten für Kost und Logis sowie ein Taschengeld. Eine der Kinderfrauen hat eines der Babies mal nicht warm genug zugedeckt. Oder gar nicht? Jedenfalls starb es an einer Lungenentzündung. Eine andere Tochter starb an Diphterie, soweit ich mich erinnere. Oder an einer anderen Krankheit, gegen die inzwischen geimpft wird.

Jedenfalls arbeitete meine Urgroßmutter den ganzen Tag. Der Urgroßvater war so ein klassischer Bestrafungsvater mit einer Menge Autorität. Meine Großmutter war die jüngste Tochter. Ich erinnere mich, dass sie auf Fotos immer sehr adrett aussah und viel Handarbeiten gemacht hat. Sonntags war Familientag. Da wurde noch mehr Handarbeit gemacht., wenn man aus der Kirche zurückkam.

Der älteste Sohn hatte immer die Verantwortung für die Geschwister und wenn seine Brüder etwas anstellten, dann wurde er am meisten verdroschen. Die Mädchen bekamen höchstens mal eine Ohrfeige, wenn sie den Erwachsenen ins Wort fielen, was sie daher wohl eher selten taten. So war die Grundstruktur des Familienlebens.

Der Krieg setzte meiner Urgroßmutter zu. Die Familie musste ihre Heimat verlassen. Später verstreute sie sich über halb Deutschland. Ein großer Teil meiner Großtanten- und onkel landete oder blieb in Berlin. Eine Großtante lebte in Düsseldorf. Meine Oma war zuerst in Norddeutschland und dann später ganz im Westen des Landes. Ein anderer Teil der Familie lebt auf Fehmarn, wo mein Großonkel und meine Großtante eine gut laufende Bäckerei eröffneten. Ein weiterer Onkel (der erwähnte älteste Sohn) lebte mit seiner Familie in Frankfurt an der Oder.

Bis auf einen Großonkel bekamen sie alle Kinder – diese Ehe blieb ungewollt kinderlos. Nur-Hausfrauen gab es dennoch wenige. Mir sind keine bekannt.

Ich frage mich gerade, wo mein Urgroßvater „abgelieben“ ist, denn er wurde von meiner Mutter nie direkt erwähnt. Als meine Mutter ein Kind war, lebte er jedenfalls bereits nicht mehr. Ein Onkel meiner Mutter hatte sich das Leben genommen, als er nach dem Fronturlaub wieder in den Krieg sollte. Und der Rest der Familie, wie erwähnt, verteilte sich. Waren ja genug Leute …

Man brachte eine Menge Energie auf, um das Erlebte des Krieges heftigst zu verdrängen und weiterzumachen. Die Idealbild der Hausfrau erschien vielleicht auch verlockend, in den folgenden 50er Jahren: Friede – Freude – selbstgemachte Eierkuchen. Wer wollte das nicht?

Meine Urgroßmutter war immer supersauber angezogen und ging nur mit Hut (inklusive Hutnadel) und Handschuhen in die Stadt. So wie meine Mutter sie beschrieb, war sie eine niveauvolle und liebe Frau, die trotz aller Lebensereignisse ein ausgeglichenes Gemüt hatte und sich liebevoll um die Enkelin kümmerte. Warum sie das tat, erkläre ich im nächsten Abschnitt.

Über die andere Urgroßmutter weiß ich nichts Zuverlässiges zu sagen.

Meine Großmütter

Meine Großmutter bekam meine Mutter unehelich. (Ja und sie lebte auch noch als zugezogene Protestantin zwischen lauter Katholiken. Das alles zusammen war hart ….) Meine Großmutter war gelernte Köchin und eben alleinerziehend. Sie hat gearbeitet und den Haushalt nach der Arbeit gemacht. das war aber nicht viel: 50 Quadratmeter gab es und das Wohnzimmer wurde nur zu besonderen Gelegenheiten aufgeschlossen und lag unter einer musealen Staubschicht stets abgestaubt als Diorama hinten links in der Wohnung. Meine Urgroßmutter passte auf meine Mutter auf und kochte mittags für sie. Nach der Arbeit holte meine Großmutter ihre Tochter dann gesättigt und sauber dort ab, um von ihrer Mutter noch einen Kaffee serviert zu bekommen und über den Arbeitstag zu quatschen. Irgendwie hatte meine Mutter nie Lust, so etwas in ihrer Oma-Rolle auch anzustreben ^^

Meine Oma weigerte sich strikt, die Heiratsanträge des Vaters meiner Mutter anzunehmen. Später heiratete sie einen „Kriegsversehrten“ und meine Mutter hatte einen bettlägerigen Stiefvater. Für diesen stand sie nachts oft auf, wenn meine Oma zu müde war oder einfach keine Lust hatte. Oma sagte dann immer: „Guck mal, was der schon wieder will.“ Da meine Mutter weder ein eigenes Zimmer noch ein eigenes Bett hatte, konnte meine Oma sie immer super wecken – schließlich hatten sie ein Familienbett. Wenn meine Mutter mitbekommt, dass das wieder in Mode ist, dann rauft sie sich sicher das Haar, bei ihren Erinnerungen daran …

Bis dahin also mütterlicherseits keine Hausfrau in Sicht. Auch meine Großtanten waren keine Hausfrauen. Eine war Schauspielerin in Berlin am Theater und übernahm auch kleine Rollen im Fernsehen sowie Statistenrollen. Ihre Töchter arbeiteten als Model, Altenbetreuerin und – ups, habe vergessen, was die dritte Großcousine machte. Aber sie war jedenfalls eine kinderlose Nicht-Hausfrau. Irgendwie hab ich im Kopf, sie sei Flugbegleiterin gewesen. Keine Ahnung. Irgendwie kommen aus der Mutterseite meiner Familie ’ne Menge sehr hübscher Frauen. Diese erwähnte Großtante sah als junge Frau aus wie ein Romy-Schneider-Double. Unglaublich, diese Gene. Hätte ich auch gerne mehr von abgestaubt. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.

Meine andere Großmutter war allerdings Hausfrau und sehr in der Gemeinde engagiert. Sie war sehr katholisch und viel mit der Kirche beschäftigt. Sie hatte vier Kinder – zwei Jungs und zwei Mädchen. Sie war eine jener stets informierten und gern zu Auskünften bereiten Dorffrauen. Ich kann nicht sagen, ob sie zufrieden war oder nicht. Insgesamt machte sie allerdings keinen sehr glücklichen Eindruck auf mich. Eine ihrer Töchter wurde Sozialpädagogin und bekam einen Sohn – sie arbeitete in einem Kinderheim. Auch während sie Mutter war. Ihre Schwester bekam keine Kinder und arbeitete daher stets Vollzeit. Der eine Sohn heiratete eine Frau, die stets als Arzthelferin arbeitete, während die gemeinsame Tochter von der Oma mütterlicherseits betreut wurde – soweit ich mich erinnere. Ja und der andere Sohn, der heiratete logischer Weise meine Mutter.

(Ich weiß, an dieser Stelle der aufgezählten Verwandtschaftsgrade hat Mr. essential schon längst innerlich abgeschaltet. Er hat eine legendäre Verwandtschaftsgrad-Phobie. Sobald man „… und mein Cousin mütterlicherseits …“ sagte, fährt sein Gehirn in einen Notzustand herunter :D)

Meine Mutter

Meine Mutter war lange Jahre Nur-Hausfrau. Sie erhielt von ihrer (leider vermutlich durch Kriegserlebnisse psychisch erkrankten) Mutter keinerlei Unterstützung. Ihr Stiefvater war inzwischen längst gestorben und der Kontakt zu ihrem leiblichen Vater war anstrengend, da er mittlerweile eine andere Frau geheiratet hatte, welche zu Eifersüchteleien und kleinkarierten Intrigen neigte. Bis meine Mutter keinen Nerv mehr hatte und den Kontakt abbrach.

Jedenfalls hatten wir eine kleine Wohnung, die sich rasch pflegen ließ. Drei Zimmer KDB und so. Vielleicht 70 Quadratmeter. Mein Bruder und ich teilten uns 15 qm. Meine Mutter war sehr viel bei ihrer Mutter, um sie zu betreuen und zu besuchen. Dann war sie auch oft mit uns Kindern unterwegs mit dem Rad. Zum Spielplatz und so weiter. Sie besuchte häufig ihre beste Freundin mit mir und ich spielte mit deren beiden Töchtern. Abends ging es schnell nach Hause zum Abendessen-Kochen, mein Vater hatte gern pünktlich warmes Essen vor sich stehen. Das war also das erste, „klassische“ Hausfrauen-Leben in der Familie binnen fast 100 Jahren. Also quasi seit Erfindung der Hausfrau im Zuge der späteren industriellen Revolution …

Dafür aber richtig „true“ mit einem Familienoberhaupt, das pünktlich und reichlich essen wollte und stets im Mittelpunkt der Bedürfnisbefriedigung stand. Und einer fleißigen und reinlichen Hausfrau, die emsig bügelte (ja, anfangs echt auch Unterwäsche und Handtücher), putzte und so weiter. Sie kochte viel, zeitweilig zwei Mal am Tag. Einmal mittags für sich und uns Kinder und dann abends frisch für den Hausherrn. Sie war sehr, sehr sparsam und sorgte dafür, dass es dem angestrengten Ehemann immer gut ging und er ausreichend Geld für seine Vergnügungen, seine regelmäßigen Neuwagenkäufe und die diversen Hobbies hatte. Sie selbst hat als Zeitvertreib Liebesromane gelesen, gestrickt und gelesen.

Später arbeitete meine Mutter ja wie erwähnt als Putzfrau bei älteren Damen. Eine ältere, blinde Dame unterstützte sie auch schon, während ich noch klein war. Von der lieben Dame bekam ich immer Äpfel mit extra Zucker, was ich ganz toll fand. Als ich so 13 oder 14 war, habe ich meine Mutter belabert, dass sie endlich einen Job annehmen sollte – der Job als Verkäuferin von Dekorationsartikeln war wie für sie gemacht und ich wollte unbedingt, dass sie sich das gönnte.

Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dann zwei, drei Mal die Woche alleine Mittagessen musste. Aber das Essen bereitete sie immer vor und ich hab es meist nur in die Mikrowelle geschoben und in aller Ruhe beim Essen gelesen. Es war himmlisch. Freitags habe ich dann immer die Küche geputzt. Da endete dann also das Nur-Hausfrauen-Leben meiner Mutter nach zwanzig Jahren offiziell.

Und ich selbst?

Ich war auch Nur-Hausfrau bis Nummer 1 fünf Jahre und Nummer 2 drei Jahre alt war. Nummer 3 war rund neun Monate alt, als ich mit dem Job als Texterin begann. Da dies problemlos von zu Hause aus ging, konnte ich das immer gut umsetzen. Und ich habe es geliebt. Später dann bin ich in der PR-Agentur angestellt gewesen, in der auch Mr. Essential arbeitet, weil sie dort Unterstützung suchten und ich großes Interesse an PR hatte/habe. Da habe ich eineinhalb Jahre halbtags gearbeitet und als ich aus familiären Gründen ausgestiegen bin, habe ich wieder für meine Haupt-Auftraggeberin als Freelancerin gearbeitet, bis Nummer 4 auf die Welt kam.

Ich bin also auch keine Nur-Hausfrau. Dafür habe ich zum ersten Mal eine Elternzeit gemacht und ein Jahr pausiert. Mutterschutz und Co gab es nicht, weil ja eben Freiberuflerin. Aber gut – man kann auch hinter einem dicken Bauch noch das Notebook auf dem Schoß sehen und tippen …

In dem Jahr mit total viel Arbeit hier und keiner vergüteten/abwechslungsreichen Tätigkeit nebenbei war ich am Ende ein Nervenbündel. Nur den Haushalt und die Kinder zu versorgen halte ich einfach nicht lange aus, echt. Ich bin dann zuletzt eine neurotische, ausgelaugte Perfektionistin auf einem gefühlt sinkenden Schiff.

Und wie sieht es bei Euch so aus? Gibt es in Eurem Stammbaum die angeblich so klassische Hausfrau?

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8 Gedanken zu “Auf der Suche nach den Hausfrauen

  1. Ich weiß nicht, wie es auf väterlicher Seite ist, da meine Großmutter lange vor meiner Geburt verstarb. Die war aber auch keine Nur-Hausfrau.

    Ansonsten hat meine Ugroßmutter als Sopranistin und Pianistin gearbeitet (und hatte auch Kindermädchen und Haushälterin), meine Großmutter war alleinerziehende Lehrerin, meine Mutter ist mit 6 Monaten (also nach meiner Geburt, nicht als sie selbst 6 Monate alt war) wieder als Finanzbeamte tätig gewesen und ich, ich bin als Selbständige 2 Wochen nach der Entbindung wieder ins Büro gefahren. Zum einen kann man einen laufenden Laden natürlich nicht einfach nur auf Eis legen, zum anderen fehlte mir recht schnell was 🙂

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    • Liebe Kathi, danke für den interessanten Einblick in Deine Familiengeschichte. Deine Uroma war also musikalisch – klingt irgendwie sehr toll 🙂
      Anscheinend setzt sich das innerhalb einer Familie fort. Ist bei mir ja auch eher so. Wobei ich ja bei den beiden ersten Kindern zuhause war, bis sie zusammen in den Kindergarten gingen. Aber die längere Zeit des Mutterseins arbeite ich (sehr gerne).

      Bei Mr. Essential waren z.B. beide Omas Hausfrauen. Die eine war bis zum Krieg Bäuerin auf dem eigenen Hof und nach der Flucht Hausfrau. Und seine Mutter selber war ebenfalls Hausfrau, die später ein paar Wochenstunden als Verkäuferin tätig war – gelernt hatte sie allerdings etwas anderes und um Zeitpunkt der Heirat war sie auf der Karriereleiter höher als ihr Mann, der den gleichen Beruf erlernt hatte.

      Liebe Grüße!

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      • Ich denke auch, dass man diese Erfahrung irgendwie weitergibt. Zumindest ist es dann das normale Lebensbild. Umgekehrt mit dem „Hausfrauen“dasein auch. Ich denke, gerade deshalb ist es so wichtig, dass junge Väter sich auch in die Erziehung einbringen und wenn es geht, ihre 2 Monate Elterzeit machen. Einfach damit, die Kinder sehen, dass das normal ist.

        Letztlich sollte jede Familie die Aufteilung nach eigenem Empfinden regeln können, ohne Druck und Beeinflussung von außen. Das ist aber leider Utopie, wenn ich mir anschaue, wie hier oft Männer angeschaut werden, die länger als die 2 Monate machen wollen und Frauen, die „zu schnell“ wieder einsteigen.

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      • Das ist in der Tat so, die Vorbildfunktion kann äußerst umfassend sein.
        Mr. Essential ist ja abends immer spät zu hause und daher ist er nur marginal am Haushalt beteiligt. Als die Kinder ihn mal irgendwann samstags mit dem Wischmop sahen, amüsierten sie sich irgendwie und kommentierten das so irgendwie: „Haha, guck mal, der Dada putzt, haha.“
        Da erst fiel uns auf, dass sie nur diesen Zustand kennen und haben das mal erklärt. Eben dass es verschiedene Lebensmodelle gibt und selbstverständlich auch Väter sich um Kinder und Haushalt kümmern können, wenn sie genug Zeit dazu haben oder sich ganz dafür entscheiden.
        War uns vorher nie bewusst, dass die Mädels das so „klassisch“ wahrgenommen hatten, denn ansonsten sind wir eher eine Familie, die eben viel Wert auf Emanzipation/Gleichberechtigung legt.
        Jetzt kichern sie jedenfalls nicht mehr, wenn der „Dada“ hier mal einen Lappen in der Hand hat oder Ähnliches ….

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  2. Guten Morgen!
    Ich hasse die Schublade „Hausfrau“ und wehre mich mit Händen und Füßen dagegen, dort eingedrückt zu werden.
    Trotzdem entspreche ich vollkommen der gesellschaftlichen Definition der „Hausfrau“.
    Denn ich bin nicht erwerbstätig und kümmere mich um Haus und Hof. Während der Mann der Familie für das Auskommen sorgt. Und ausreichend verdient, um auch meine Altersversorgung abzusichern.
    Ich habe einen Universitätsabschluss samt Promotion hingelegt und dann einige Jahre in meinem Beruf gearbeitet.
    Dann wurde Kind 1 geboren – ein echtes Klammeräffchen. Absolut kein „Einsteigerbaby“. Kein Gedanke an Fremdbetreuung und arbeiten gehen. Wir wären beide im Unglück versunken…
    Dann wurde Kind 2 geboren, später Kind 3 und Kind 4.
    Irgendjemand war immer gerade klein…
    Inzwischen sind fast 13 Jahre vergangen, in denen ich zu Hause bin.
    Ich sehe einigermaßen mit Schrecken, dass sämtliche Bekannte und Freundinnen erheblich in die Knie gehen unter dem Spagat zwischen Familie und Beruf.
    Mich schreckt das.
    Unser Familienleben ist so, wie es gerade ist, völlig ausbalanciert. Immer genügend Akkureserven da, würde ich sagen.
    Die „ständige Basis“ steht stabil, so dass Krankheiten der Kinder oder KITA-Streiks über Wochen keinen Streßfaktor darstellen.
    Vielleicht bin ich ein ehrgeizloses und etwas feiges Menschenskind, dass ich mein/unser Leben so gestalte.
    Aber so ist es eben – in dieser Lebensphase fühlt es sich *für mich* richtig an.
    Vor Langeweile vergehen – dieser Gedanke ist mir, so oft ich ihn auch höre, fremd.
    Ich habe ausreichend Interessen und Hobbys neben dem „Hausfrauendasein“ und nichts hindert mich daran, mich mit anregenden Dingen zu fordern und auch ohne Arbeitsvertrag weiter zu bilden.

    In meiner Kindheit war immer jemand zu Hause. Entweder Mama oder Papa.
    Beruflich war es den beiden möglich, sich gut abwechseln zu können.
    Später, als die Familie wuchs (sie wurde 7-köpfig), ist meine Mutter dann viele Jahre ganz zu Hause geblieben. „Hausfrau“ (zu kaum einem Menschen passt dieser Begriff schlechter, als zu meiner Mutter. Ich kenne kaum jemand, der so unendlich interessiert an einfach allem ist und eine so breite Bildung hat, wie sie…).
    Als auch das letzte Kind in der Schule war und dort sicher Fuß gefasst hatte, hat sie wieder angefangen, stundenweise in ihrem Beruf zu arbeiten. Das tut sie bis heute, obwohl sie inzwischen 70 Jahre alt ist, mit ungebremstem Elan.

    Meine Großmütter waren beide erwerbstätig bis sie Mütter wurden. Danach nie wieder. Danach waren sie „Hausfrauen“.

    Liebe Grüße!

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    • Liebe Silke,

      das klingt für mich absolut wunderbar, wie Du Dein oder besser gesagt Ihr Euer Leben organisiert habt.
      Der Begriff „Hausfrau“ klingt echt schon fast stigmatisierend – das sollte so natürlich nicht sein. Man assoziiert die völlig falschen Dinge damit: Mangelnde Bildung, geringe Aufgabenkreis, Frustration und so weiter.
      Die Bilder dazu stammen sicherlich noch aus den 1950er Jahren – man sieht ja förmlich die geblümte Schürze und das obligatorische Hausputz-Kopftuch.

      Ich empfinde gar nichts an Deiner geschilderten Lebensentscheidung als „feige“, wie Du es erwähnst. Ich finde es gut.Die wachsenden Zahlen an Burnout und Eva-Infarkten unter Müttern sprechen doch eine eigene Sprache.

      So zu leben, dass man in der Gegenwart ausgeglichen ist und zugleich für die Zukunft sorgt, das ist doch ein Geschenk, oder?

      Ich freue mich sehr über Deine Schilderung und danke Dir für Deinen Kommentar.

      Ganz liebe Grüße 🙂

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    • Liebe Silke, was für eine schöne Schilderung Eures Lebens. Ich empfinde Dich nicht als feige, sondern als jemanden der sich bewusst entschieden hat und diese Entscheidung genießt.
      Leider dnenken bei Nur-Hausfrau gleich alle an Frauen die keine Themen neben Putzmittel und Kuchentezepten kennen…

      Ich bin die ersten Jahre in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Meine Großmutter hat 6 Kinder bekommen und war sehr aktiv in der Partei. Meine Mutter war die Jüngste und sollte schon als Baby von den Geschwistern mit versorgt werden – hat nicht immer so gut geklappt 😂. Da sie einen angeborenen Hüftschade hatte, hat meine Tante (gerade mal 18) meine Mutter zu sich und ihrem Mann geholt. Auch sie hat als Rettungsassistentin, Bademeisterin und Schwimmlehrerin gearbeitet während ihr Mann Lehrer war.
      Meine Mutter selbst müsste eigentlich nach 8 Wochen wieder arbeiten, konnte durch „leise“ sein 4 Monate Zeit mit mir genießen bevor sie dann wieder zur Arbeit ging. Sie hat mir immer wieder erzählt wie gerne sie länger zu Hause geblieben wäre…
      Ich habe das große Glück alles machen zu können – und aufgrund meines tolles Umfelds auch zu machen. Mit Kind 1 war ich 7 Monate zu Hause, mein Mann hat die anderen 7 Monate Elternteil genommen weil ich meine „Position“ nicht verlieren wollte. Bei Kind zwei bin ich ganze 12 Monate zu Hause geblieben und hab es geliebt, denn der Große war ein paar Stunden in der Krippe und einmal die Woche hatte ich Hilfe im Haushalt.
      Momentan arbeite ich Vollzeit (offiziell allerdings nur 30 Stunden), darf meinen Traumjob machen und habe trotzdem viel Zeit mit meiner Familie. Für mich/uns ist gerade alles perfekt und ich hoffe das dieses Gefühl immer die Entscheidung beeinflusst wie wir leben.

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  3. Danke für Deine lieben Worte.
    Ja, ich empfinde es ganz bewußt als Privileg und als Geschenk.
    Ich habe mich auch oft gefragt, was ich wohl als alte Frau eines Tages mehr bedauern werde:
    Die nicht verfolgte berufliche Karriere oder die an mir im Alltag vorbeigegangene Zeit mit den Kindern zu Hause.
    Die Antwort fällt mir dann – ohne sozialen Nöten zu unterliegen – sehr leicht.
    Die Bilder zum Begriff „Hausfrau“, die Du oben erwähnst, treffen sehr gut das gesellschaftliche Bild.
    Und dieses Stigma ist es tatsächlich, was mich an diesem Zustand am allermeisten stört.
    Ich habe sehr oft das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Was natürlich Quatsch ist. Sollte ich besser ablegen 😉

    Liebe Grüße!

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