Das Kleinkind-Stress-Syndrom

Ich bin ja gerade dabei, endlich mal darauf zu achten, was ich eigentlich empfinde und brauche. Klingt schräg – denn ich bin ja schließlich schon etwas länger kein Kind mehr. Aber als ich eines war, wurde meine Gefühle so von außen diktiert und kommentiert, dass ich ihnen irgendwann gar nicht mehr traute. Zugleich drehte sich wenig darum, was ich brauchte oder empfand. Nun muss ich Teile des emotionalen Lernprozesses nachholen. Ich muss nicht – ich will.

Über zwölf Jahre mit Kindern halfen natürlich nicht gerade dabei, zu lernen, wie ich auf meine Bedürfnisse und Gefühle achten kann … ich erkläre mal kurz, wie es zum Status Quo kam und schlage dann den Bogen um Kleinkind-Stress-Syndrom.

Kurze Beispiele zur Erklärung

Kleines Beispiel: War ich zum Beispiel krank, dann bekam ich latente Vorwürfe. Irgendwie galt es als schwach und zugleich auch für Muttern anstrengend, krank zu sein. Sie musste sich Sorgen machen und zugleich noch Tee kochen. Das überforderte sie aus irgendwelchen Gründen. Ich fühlte mich immer ein bisschen als Verräterin am System, wenn ich hustete. Heute schäme ich mich immer noch, wenn ich krank bin. Örnks.

Einmal, da war ich schon 14, war meine Mutter unglaublich fürsorglich als ich heftig erkältet war. Sie kaufte sogar Kekse und sah immer mal wieder nach mir. Ich weiß noch, was ich da empfand: Verwunderung und Misstrauen

Großes Beispiel: Ich wohnte an einem Unfallhäufungspunkt (ja, nun kommt eine leider wirklich dramatische Geschichte):

Gerne wäre ich da als Kind weggezogen, denn an der Bundesstraße zu wohnen bedeutete mehr als nur immer mal wieder Unfälle mitzubekommen: In unserem beschaulichen Dorf war es die einzige große (und oft zu schnell) befahrene Straße und Mütter hatten Angst, ihre Kinder zu uns zu lassen. Manchmal brachten sie meine Freunde dann direkt zur Haustür oder sie hatten dazu keine Lust und niemand kam. Das war doof.

Doofer noch, dass ich natürlich Unfälle sah.

Ich sah mal ein junges Mädchen mit dem Mofa von unserem Mietshaus losfahren und wie es dann seitlich gegen ein Auto fuhr. Es landete erst auf der Motorhaube und flog dann nach links Richtung Gehweg.

Das Mädchen starb.

Ein Quietsch, ein Rumms, ein unguter Knall. Da lag sie in einer Blutlache auf dem Gehweg, der Fahrer schrie und sah sich verzweifelt nach Hilfe um (Danke, eidetisches Gedächtnis. Danke an dieser Stelle, dass ich jeden Mist meines Lebens wie einen Film abrufen kann … )

Der Vater des Mädchens kam natürlich auch noch zufällig vorbeispaziert und kniete dann verzweifelt neben der Tochter. Er rief ihren Namen und eine Menge herzzerreißende Dinge, die ich hier aus Rücksicht nicht auch noch mitteilen will.

Ich stand also mit offenem Mund am Fenster. Meine Mutter kam dazu und fragte mich, wie das passiert sei. Ich erklärte, das Mädchen habe jemandem gewunken, der wohl in der Wohnung über uns wohnte und sei dann losgefahren, ohne noch einmal nach vorne auf die Straße zu gucken. Ich sagte, sie habe vielleicht versehentlich auf das Gas getreten und deshalb einfach losgefahren. Meine Mutter fuhr mich an:

„Bei einem Mofa gibt es kein Gaspedal! Da gibt man mit dem Griff Gas!“

Und damit ließ sie mich stehen. Mehr wurde darüber nicht gesprochen.

Ich schämte mich. Weil ich geguckt hatte. Ich hatte schon vor dem Unfall aus dem Fenster gesehen, nicht erst wegen des Knalls. Aber so sah ich das nicht. Ich schämte mich auch, weil ich so dumm gewesen war, nicht zu verstehen, wie man bei einem Mofa Gas gibt. Okay, ich war Grundschülerin, da weiß man das vielleicht nicht. Aber ich war in meinem Urteil über mich nie besonders gnädig. Hatte ich so nicht gelernt.

Ich bin später auf den Friedhof geschlichen, um das Grab zu suchen. Ich brauchte das für mich. Das fand meine Mutter damals ganz einfach krank. Ja, ja, sie war überfordert von der Situation. Ich weiß das alles. Aber wenn die Erwachsenen nun mal dauernd überfordert sind, dann bleibt alles an den Kindern hängen … das war doof.

Ich erinnere mich gerade, dass mein Bruder an der Unfallstelle vorbei latschte und seine gelben Gummistiefel blutverschmiert vor der Haustür abstellte, woraufhin meine Mutter einen halben Nervenszusammenbruch bekam, während er sie schulterzuckend ansah. Er hatte da irgendwie keinen Ausdruck im Moment, war vielleicht überfordert. Er ist Autist. Meine Mutter wusste das damals noch nicht. Daher war sie zusätzlich entgeistert über ihren vermeintlich gefühlskalten Sohn und drehte ziemlich durch.

Ich spüre immer noch eine kleine Druckwelle kurz bevor ein Unfall passiert. Bevor man den Knall hört. Zum Glück habe ich das seit vielen Jahren nicht erlebt. Die Jahre an der B56 haben mich geprägt ^^

Gesund geht anders

Natürlich wäre so eine Situation heutzutage bei mir (und den meisten anderen Müttern) hier so:

Kind sieht Unfall, ich kümmere mich um Kind. Rede mit ihm, fühle mit ihm. Überlege, ob es irgendeine professionelle Unterstützung braucht. Höre mich um, lese nach, bespreche mit anderen Menschen deren Gedanken zum Thema. Damit mein Kind diese traumatische Erfahrung gut verarbeiten kann. Okay, ich würde nicht mit Kindern an einem Unfallhäufungspunkt wohnen. Aber das ist ja nur Kosmetik.

Ich weiß natürlich, dass meine Mutter sich eigentlich selbst geschämt hat, weil sie eben mit ihren Kindern (aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen) dort wohnte und weil ich eben nun etwas Schlimmes gesehen hatte. Nur die Reaktion war halt für mich als Kind recht ungünstig. Ich wusste ja nicht, warum sie so reagierte.

Es gab viele solche Erlebnisse, in denen ich mir meiner eigenen Gefühle nicht sicher war oder in denen ich lernte, dass meine Gefühl anscheinend falsch oder unangebracht waren.

Ebenso im ganz normalen Alltag: Ich stellte meine Bedürfnisse zurück. Klar, als ich klein war hab ich auf Autofahrten genervt und mich vor lauter Langeweile mit meinem Bruder gestritten. Große Brüder können recht penetrant sein. Und kleine Schwestern eben auch. Ich habe sicher gesagt, dass ich Durst habe, wenn ich welchen hatte. Und dann bekam ich etwas zu trinken, klar. So weit waren die Bedürfnisse erfüllt. Ich hungerte nicht und war stets sauber in heilen Klamotten.

Heute begreife ich erst, was das mit mir gemacht hat. Ich muss das alles nachholen und reifen lassen. Ich fühle mich ein bisschen „gefühlsbehindert“, so nenne ich das. Nur, dass man meine Behinderung eben nicht sieht und ich sie sehr gut verstecken kann.

In den letzten Monaten sehe ich mir diese ganze Gefühls- und Bedürfniskiste genauer an. Weil es längst überfällig ist und weil ich inzwischen schon mit körperlichen Beschwerden reagiere, wenn ich gewohnheitsmäßig übersehe, was ich fühle oder brauche. Es sind so die Klassiker der Psychosomatik wie Rückenschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Erschöpfungsgefühle, Müdigkeit etc.

Zum Kleinkind-Stress-Syndrom

Das Wort stammt von meiner Freundin Cathérine und ich finde es sehr passend.

Es geht darum, dass ich in den letzten Gefühlsfindungs-Wochen bemerkte, dass ich nie richtig „runterkomme“. Ja, ich lernte inzwischen, dass es typisch für einstige Trauma-Patienten ist, immer auf der Hut zu sein. Dauerangespannt sozusagen. Doch es gibt auch darin Stufen. Jedenfalls bemerkte ich, dass ich mich ständig unter Strom fühlte. Mal mehr und mal weniger. Aber wenn es mal um mich still ist, dann mindestens spüre ich das sehr genau.

Eher im Nebensatz erwähnte ich das dann gegenüber der Mutter von Nummer 3s Freundin in so einem „Hausflur-Gespräch“ beim Kind-Hinbringen. Und ich war unsicher dabei, tastete mich im Gespräch vor, weil ich nicht wusste, ob das vielleicht sehr schräg war. Und was sagt die andere Mutter zu mir?

„Ja, das kenne ich! Und ich dachte, das geht nur mir so. Ich hab das immer, wenn ich ein Kleinkind oder Kindergartenkind habe. In den Phasen ist das so krass. Ich komme im Moment immer noch nicht abends runter, obwohl die Jüngste der Dreien schon bald in die Schule kommt.“

Oh-ha.

Daraufhin erwähnte ich das Cathérine gegenüber im Smartphone-Chat. Sie:

„Das kenne ich! Ich hab das auch, dieses Kleinkind-Stress-Syndrom!“

Ich glaube, sie schrieb, diese „Kleinkind-Stress-Symptome“, aber als Syndrom klingt es fast noch etwas griffiger, finde ich.

Diese Situation bestätigte mir, was ich seit einer Weile ahne: Vieles von dem, was ich empfinde ist vielleicht normal und ich halte es für schräg, weil ich es eben bin, die es empfindet. Nach außen bin ich ziemlich hochfunktional, wie das bei „Beeinträchtigten Menschen“ genannt wird. Ich kriege alles gebacken, das im Alltag wichtig ist. Leider auch mit einer Portion Perfektionismus, der niemals gesund ist. Es kostet sehr viel Energie. Und das ist sehr aufoktroyiert. Daher möchte ich jetzt lieber ganz ich selbst sein und meinen Gefühlen folgen.

Haha, das klingt ziemlich disney-mäßig, ne?

Kleinkind-Stress-Symptome

Ich bin angespannt, kann nicht wirklich mal loslassen, schlafe schlecht (auch wenn Nummer 4 inzwischen überwiegend gut schläft) und fühle mich nie erholt. Ich eiere morgens aus den Federn und kippe da abends wie ein Stein wieder rein. Ich war echt schon entspannter im Leben, wirklich. Ich fühle mich dauernd latent gehetzt, alles ist schließlich von außen getaktet. Ich habe mich von den zermürbend anstrengenden ersten Monaten mit diesem High-Need-Boy („Leg mich niemals ab! Nein, auch nicht wenn du pieselst! Stille mich jede Stunde! Trage mich stundenlang im Tuch! Nachts musst du nicht schlafen! Gib mir! Gib mir! Ich langweile mich! Ich bin unzufrieden! Ich schlafe niemals im Liegen ein! Gib mir mehr von dir! Mehr! Meeeeehr!“) nicht erholt und immer noch muss ich dauerpowern. Und hab das schon drei Mal hinter mir. Daher vermutlich diese Daueranspannung. Aber ich bin damit anscheinend nicht alleine.

Hat hier vielleicht noch jemand das Kleinkind-Stress-Syndrom?

Fände es ganz spannend zu lesen, ob es anderen Müttern genau so oder ähnlich oder eben ganz und gar nicht so ergeht. Bei letzteren werde ich dann versuchen, mir etwas abzugucken 😀 …

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23 Gedanken zu “Das Kleinkind-Stress-Syndrom

  1. Ich ich ich…. Gerade nach einem schrecklich vernörgelten Tag mit den Großeltern (leider an meiner Arbeit, daher mitkriegbar) 40 Minuten bei Gegenwind mit dem Rad und Anhänger nach Jause Gestrampelt, bei Dauergeheul. Und ich bin sowas von müde und erschöpft. Nicht schön, gar nicht.

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  2. Oh Mann, das klingt auch wirklich alles andere als schön.
    Und bist Du auch so innerlich angespannt und kannst Dich schlecht entspannen?

    Liebe Grüße!

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    • Angespannt bin ich dann. Schlafen geht immer, ich fühle mich aber selbst nach einer Nacht ohne Störung nicht erholt. Und da es heute so weiter ging, hab ich das Kindchen direkt mal zu den Schwiegereltern ausquartiert :-/

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  3. Ich habe diese Anspannung phasenweise, vor allem wenn ich zu viele Dinge gleichzeitig im Kopf zu wälzen habe. Womit ich fast immer Probleme habe ist das Runterkommen zum Einschlafen. Ohrenstöpsel und Lesen sind ein Muss, sonst kreisen meine Gedanken unendlich umeinander und jedes kleine Geräusch lässt mich hochschrecken. Wenn ich dann schlafe, schlafe ich aber schon gut. Müde bin ich trotzdem ständig – da habe ich allerdings einen Eisenmangel im Verdacht.
    Ist eine leichte Form von Autismus bei dir eigentlich ausgeschlossen? Ich habe einen Bekannten, bei dem wurde das erst im Erwachsenenalter diagnostiziert.

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    • Hey,

      danke für Deinen Kommentar.
      Klingt ja wirklich nach ein paar „Kleinkind-Stress-Symptomen. Wie es scheint gibt es doch mehr Mütter die das haben, als ich gedacht habe.
      Hm, mit dem Thema Autismus habe ich mich nicht bei mir selbst nicht beschäftigt, muss ich sagen. Ich habe drei Freundinnen, deren Söhne autistisch sind, was wir alle als ungewöhnliche Häufung ansehen. Ein interessanter Hinweis von Dir. Kam Dir der Gedanke, weil mein Bruder Autist ist oder kam Dir der Eindruck wegen etwas, das ich schrieb?
      Ich denke jetzt erst mal darüber nach – wirklich sehr interessanter Hinweis. Danke 😊

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  4. Also, ich bin eigentlich immer davon ausgegangen, dass es den meisten Müttern so geht wie mir. Nach Jahren des „Mit-einem-Auge-und-Ohr-Schlafens“ wegen der Kinder kann man das ja auch nicht so einfach abschalten. Ich habe jedenfalls einige Frauen im Bekanntenkreis, denen es gleich geht und sehe das darum (für mich selbst) als ganz normal an.
    Was den Autismus angeht muss ich als allererstes sagen, dass ich kein Mediziner oder Psychologe bin oder so. Es war nur ein Gedanke, als ich gelesen habe, dass du Schwierigkeiten hast deine Gefühle zu realisieren und dass du scheinbar eine besondere Fähigkeit hast, nämlich so eine Art fotografisches Gedächtnis, wenn ich das richtig verstehe. Ich weiss nicht mal, ob das Symptome für eine Art Autismus sein könnten. Wie gesagt, es war ein kurzer Gedanke, als ich dann las, dass du einen autistischen Bruder hast.
    Hast du schon mal autogenes Training oder Yoga ausprobiert? Bei manchen Leuten wirkt das ja Wunder. (Ich finde es leider einfach nur langweilig, darum ist das nichts für mich)
    Liebe Grüsse

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    • Yoga mache ich in der Tat, aber leider nicht regelmäßig genug – was ich da häufiger mache ist so eine 5-Minuten-Anti-Stress-Session. Das wirkt in der Tat oft Wunder. Bei autogenem Training schlafe ich eher ein 😀
      Ja, ich habe so ein fotografisches Gedächtnis. Nicht nur visuell – ich erinnere mich auch sehr spezifisch an Geschmäcker oder Geräusche sowie die damit assoziierten Stimmungen. Und das wirklich über Jahrzehnte hinweg. Ich dachte früher immer, das sei „normal“, aber das ist es anscheinend nicht.

      Deine Bemerkung bezüglich des Autismus behalte ich im Hinterkopf und sinne darüber nach 🙂

      Und es tut wirklich gut zu wissen, dass es anscheinend vielleicht sogar den meisten Müttern so geht. Da hält man aber ’ne Menge aus, wenn man über Jahre nicht wirklich entspannen kann, wenn ich es recht bedenke …. 😉

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      • Auf wundersame Weise hält es aber gleichzeitig jung. Das ist echt ein Phänomen. Auch wenn man sich an manchen Tagen uralt fühlt – im Großen und Ganzen finde ich, dass kleine Kinder (und auch die größeren) einen zwingen, jung zu bleiben. Und damit meine ich natürlich nicht Bauchstraffung und Botox, sondern innen drin.
        Dazu fällt mir gerade spontan ein Songtext ein: „Baby slow down, the end is not as fun as the start.
        Please stay a child somewhere in your heart.“ (U2 – Original of the Species [ich liebe diesen Song 😻])

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      • Ja, das ist wirklich eine tolle Textpassage! Regt sehr zum Nachdenken an!
        Im Moment fühle ich mich durch Haus und Kinder eher rapide gealtert. Aber das wird sich auch wieder ändern, denke ich.
        Wenn die Kleinkind-Phase vorbei ist …*hüstel* …
        Doch, ich weiß genau, was Du damit meinst, dass es einen jung hält und das Gefühl kenne ich auf jeden Fall auch. Nur halt nicht im Moment 😄…

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      • Ich sage immer im Scherz, dass es schon einen Sinn hat, warum kleine Kinder so niedlich sind, selbst wenn sie gerade einen Trotzanfall haben. Wäre es anders würde man sie doch an der nächsten Raststätte aussetzen.
        Ich finde auch immer die Kleinkindzeit am anstrengendsten. Die drei jüngsten Kinder haben den Dickschädel vom Papa geerbt, so richtig deftig. Mit dem Kopf durch die Wand, koste es, was es wolle. Und darin richtig konsequent. Man glaubt ja gar nicht, wie konsequent ein Vierjähriger sein kann.
        Aber ich sehr, dass es sich später als eine gute Sache entpuppt, dieses Dranbleiben an etwas und konsequent sein. Nur im Moment würde ich mir doch ein „zahmeres“ Bürschlein wünschen. Es braucht extrem Energie, da mitzuhalten.

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      • Das klingt wirklich sehr anstrengend, so eine Horde kleiner Dickköpfe!
        Konsequent muss man echt bleiben, sonst geht man irgendwann unter…

        Ja, sie wurden wohl bewusst so niedlich gestaltet, damit sie nicht ausgesetzt oder an den Paketmann verschenkt werden.

        Letztres hab ich damals bei Nummer 1, dem Schreikind, gerne gedacht. Aber ich war sicher, dass der arme Mann sie eh schnell zurückgebracht hätte…😄

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  5. Oh Mann, das kenne ich auch, bzw. kannte ich auch. Bei meiner Großen hatte ich dassselbe Problem: nachts keine Erholung, morgens früh raus und dann noch arbeiten, sich immer hetzen, weil ja die Tagesmutter wartet…und, und, und. Bei mir wurde es nachher richtig schlimm. So schlimm, dass ich mich ein paar Mal mit ner Rasierklinge geschnitten habe um endlich mal was anderes zu fühlen, zu gucken, ob da überhaupt noch was anderes ist. War nicht schön, hat aber kurzfristig geholfen. Eine Bindehautentzündung mit anschließender Mittelohrentzündung hat mir dann irgendwann den Rest gegeben. Ich bin heute noch dankbar, dass meine Hausärztin mir einen Kurantrag zugeschoben hat. Die drei Wochen wirkten Wunde, wirklich. Ich kann es nur jedem empfehlen! Versuche es doch mal damit. Meine Krankenkasse hat den Antrag innerhalb von zwei Wochen anstandslos genehmigt. Und obwohl die Kur jetzt schon fast drei Jahre her ist, profitiere ich immer noch davon. Dort hat man mir auch beigebracht, dass Pausen – dass man selbst – auch wichtig ist!
    Meine Kleine ist jetzt fast 11 Monate alt und bis auf zwei Nächte, die ich bei der besten Freundin verbracht habe, hat sie mich jede Nacht geweckt, Ich schlafe dennoch besser als bei der Großen und suche mir für meine Zeit kleine Nischen. Meistens morgens, so gegen fünf. Dann schlafen hier noch alle und dann genieße ich momentan das Vogelzwitschern und eine Tasse Kaffee. Das tut sooo gut. Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du für Dich Deine freie Zeit zulassen kannst. Ich kenne Dich leider nicht persönlich, aber wenn ich hier lese, dann sehe ich, wie glücklich und zufrieden Deine Kinder sind. Daher können Du und Dein Mann nur wunderbare Eltern sein! Denkt ruhig mal an Euch!

    Liebste Grüße
    Michi

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    • Liebe Michi,

      Ich freue mich sehr über Deinen Kommentar. Danke dafür.
      In der Tat denke ich jetzt darüber nach, es vielleicht doch mit einer Kur zu versuchen. Bisher kannte ich eher negative Schilderungen einer Mutterkur, aber nur wenige.
      Dein Kommentar lässt mich daher umdenken. Ich kann das ja nun wirklich mal mindestens mit meiner Hausärztin durchsprechen.

      Freut mich, dass Du aus Deinem Hamsterrad innerlich so gut entkommen konntest. Das ist ganz toll zu lesen!

      Und lieben Dank für Dein Feedback bezüglich unserer Kinder – gerade wenn man sich belastet fühlt oder erschöpft ist, tut so etwas sehr gut. Denn man zweifelt dann ja auch irgendwie an sich und seinen Kompetenzen den Kindern gegenüber.

      Ganz liebe Grüße! 😊🌞

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      • Danke. Ich denke, die negativen bei der Kur sind Einstellungssache. Als ich damals die Zusage bekommen habe, habe ich weder einen Moment überlegt, noch gezweifelt, ob das eine gute Sache ist. Im Gegenteil, ich habe mich gefreut. So richtig. Und für mich War es gut. So richtig, richtig gut! Ich kann nicht sagen, dass es dreckig War oder das Essen schlecht. Ich fand es einfach klasse, 3x in der Woche das Bad geputzt und mein Zimmer gestsubsaugt zu bekommen. Wie ich meine gelesen zu haben, eart Ihr ja auch mal LARPer und was man da in so mancjer Herberge oder auf dem Zeltplatz erlebt an „Sauberkeit“ davon ist so eine Kureinrichtung meilenweit entfernt. Das Essen hat auch geschmeckt und es gab jeden Tag ein anderes Gericht. Morgens und abends kaltes Buffet mit Obst und Gemüse, Wasser, Tee..
        Leute, die meckern gibt es immer, aber die haben dann auch keine Kur nötig, zumindest nicht bei dem Luxus, den man da hat. Was ich noch sagen kann: dadurch, dass ich den Tag über Therapie und Freizeit hatte, war ich nachmittags viel entspannter und habe die Zeit mit meinem Kind richtig genossen. Das hat unserer bis dato etwas verkorksten Beziehung richtig gut getan! Hab keine Angst und wenn es soweit ist, dann freue Dich drauf. Einen schönen Tag im Freizeitaktivitäten, Euch!

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      • Vielen Dank! Der Tag war echt schön.
        Und danke, dass Du mir die positiven Seiten einer Kur aufzeigst, ich werde das definitiv mit meiner Ärztin durchsprechen demnächst.
        Ja, als Larper ist man einiges gewohnt, haha, wie waren mal 1998 auf einem Con mit rund 200 Leuten und zehn miesen Dixie-Toiletten. Seitdem schockt mich wenig, oder auch 120 Leute, zwei Klos, vier Duschen und keine Geschlechtertrennung 😂

        Geputztes Bad und jemand anderes kocht – sounds like paradise😉

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      • Mit so einem kleinen Kind ist eine Mutterkindkur anstrengend, weil man das Kind ja doch ziemlich oft „am Hals“ hat. Kinderbetreuung gibt es, aber die Eingewöhnung ist bei so Kleinen schwierig und mit viel Weinen verbunden. Wenn es dann endlich eingewöhnt ist, sind die drei Wochen auch schon wieder um. Und nachmittags ab 4, (nachts auch, klar) und am Wochenende mußt Du Dich eh die ganze Zeit um das Kind kümmern, das kann auch ganz schön anstrengend werden. (Z.B. Wochenende mit schlechtem Wetter und keine/wenig Spielmöglichkeiten drinnen. Daher vielleicht auch nicht unbedingt im Herbst/Winter fahren, auch wenn einem die Kassen einreden wollen, dass das sooo toll für die Abhärtung wäre. Außerdem ist da Magen-Darm-Hochzeit.)

        Dann kommt es noch sehr auf das Haus an. „Mama arbeitet“ (http://mama-arbeitet.de/urlaub/mutter-kind-kur-so-war-es-wirklich (bin zu doof, den Link einzubinden) z.B. war in so einer Kur bei einer Kette, die war wohl eher schlecht, nicht auf ihre Probleme ausgerichtet, lieblos geführt, mit Mittagpause für die Anwendungen/Erzieher etc. Sie kam sich auch ständig beobachtet vor – das wäre etwas, was mich extrem gestört hätte.

        Man sollte sich auch überlegen, das Auto mitzunehmen, ansonsten ist man oft ziemlich angebunden. (Mütter, die noch Platz im Auto haben, sind sehr begehrt bei Mitmüttern.) Bei uns gab es zweimal pro Woche eine Großtaxi-Fahrt in den nächsten Ort, die waren extrem schnell ausgebucht. Also: Aushänge oft und gründlich lesen, dann hat man eine Chance. Waschmaschinen gab es da auch, allerdings mit Voranmeldeliste, die auch oft ausgebucht war. Alternativ später zuhause ein Wäscheberg. Bahnfahren geht auch, dann schickt man seine Koffer vor, kostet zwar heftig, aber alles zu schleppen – unmöglich.

        Es gibt verschiedene Foren/Portale, in denen die Kliniken bewertet werden. (Bei Interesse geh ich nochmal den für mich besten Link suchen. Find ich grad nicht.) Dort muß man sich mal durchforsten. Nicht nur nach den Noten, sondern nach den Texten der Bewertungen gehen. Bei „meiner“ Klinik waren sich alle einig: freundliches, sehr bemühtes Personal. Das war mir schon mal sehr wichtig und es hat auch gestimmt (bis auf eine Ausnahme an der Anmeldung, aber die hab ich nur einmal gesehen). Bemängelt wurde eine etwas ältere Ausstattung (Schränke, Fernseher), alte Fenster und Türen etc., damit konnte ich leben. Sauber war es und das war die Hauptsache.

        Bei der Beantragung ist es sehr wichtig, genügend Vorlaufzeit zum Termin zu haben, denn die meisten (guten) Häuser sind 6-8 Monate im Voraus belegt. Plus (Sommer)ferienzeit – wird sich natürlich drum geprügelt. Und dann gucken, mit welchen Häusern Deine Krankenkasse einen Vertrag hat – die kriegst Du ohne Murren, wenn die Kur denn bewilligt ist. Soll es ein spezielles Haus sein, kannst Du mit Hartnäckigkeit das auch bekommen (rein rechtlich steht Dir das eigentlich zu), aber manche Kassen sind da seeeehr stur. Gute Argumente hast Du z.B., wenn das Haus auf Deine vom Arzt bescheinigten Indikationen spezialisiert ist.
        Wenn Du z.B. ein Fan der Berge bist, dann fahr auch dahin und laß Dir nichts anderes einreden. Dann hast Du schon so ein Erholungs-Grundgefühl, das ich sehr wichtig finde.

        Der Arzt sollte sich bei der Beantragung mit MuKiKuren auskennen, denn einige Indikationen ziehen gut bei den Kassen, andere überhaupt nicht (Streß? Machen Sie doch einen Yoga-Kurs, gleich bei Ihnen um die Ecke ist da ein Angebot, das würden wir auch zu 80% übernehmen…).

        Ich persönlich bin mit einem Vorschulkind gefahren und fand, das war das ideale Alter für eine Kur. (Kind schlief durch, ließ sich gut eingewöhnen – obwohl schüchtern -, war alt genug für ein paar längere Ausflüge, es war wie Urlaub.) Mütter mit kleinen Kindern kamen mir dort immer sehr gestreßt/gehetzt vor. Es geht sicherlich auch mit 4jährigen gut, aber drunter würde ich es nicht machen. Schon allein Duchschlafen ist mir sooo wichtig. Aber vielleicht seh ich das Ganze auch nur aus der Luxusperspektive, und drei Wochen alleine nur mit Mini wären schon Erholung genug für Dich 😉

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      • Hey Anna,

        Ganz lieben Dank für Deine vielen Tipps und die Einblicke. Es ist gut, so etwas auch schon vor dem Arztbesuch zu wissen. Dann kann manches besser in die Wege geleitet werden.
        Auch der Tipp, nicht im Herbst zu fahren ist prima.
        Aber für diese Sommerferien ist es bereits etwas knapp…

        Ich müsste dann schon alle Kinder mitnehmen und nicht nur Nummer 4. Eine Familienpflegerin/Haushaltshilfe würde nicht so viele Stunden kommen können, wie Mr. essential täglich aus dem Haus ist. Und somit müssten auch die Großen mit.
        Außerdem halte ich es nicht drei Wochen ohne sie aus… 😉

        Nummer 4 ist sehr schlecht einzugewöhnen. Da muss ich mal sehen, wie es laufen würde. Und der Hinweis auf eigenes Auto und Waschmaschine ist auch Gold wert!

        Danke (auch für den Link) und ganz liebe Grüße!

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  6. Oooh, eine Kur, das werde ich machen, sobald alle etwas größer sind. Mir scheint die Erholung mit 3kindern unter 4jahren nicht wirklich gegeben.

    Das Kleinkind-Stress-Syndrom kenne ich auch! Sobald ich mir mal 5minuten mit einer Tasse Kaffe gönne, überfällt mich sofort das schlechte Gewissen.
    Sitze ich alle Jubeljahre mal bei einem Arzt im Wartezimmer (ohne Kinder, quasi Mama-wellness) freue ich mich mal in Ruhe eine Zeitschrift lesen zu können und bin gleichzeitig total gehetzt, weil ich Angst habe, ich könne mitten in einem spannenden Artikel aufgerufen werden. Dauert das Warten dann doch länger, werde ich hektisch, weil ich denke, hoffendlich läuft zu Hause alles gut und hoffendlich schaffe ich die Einkäufe noch hinterher.
    Mein Prozessor läuft gelegentlich dann auch noch soooo heiß, dass ich (ich nenne das so) Phantomkinderhüten praktiziere. Obwohl alle meine 3vor mir sitzen beim essen z.B. Lausche ich die ganze Zeit, ob ‚das Kind‘ im Kinderzimmer wach wird. Oder ich bin mit den 3en unterwegs und habe Begleitung mit der ich mich unterhalte, also etwas abgelenkt bin, dann sehe ich mich auch ständig um, ob alle Kinder da sind, obwohl eines im Kinderwagen sitzt, eines an meiner Hand geht und eines vorraus läuft.
    Kennt das Phantomhüten denn auch noch jemand?

    Und das möchte ich auch noch sagen, liebe Lareine, von dir kann man sich mal ne dicke Scheibe abschneiden!!! Ich habe den Eindruck du machst das alles super gut! Ein Vorbild!

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    • Liebe Bea,

      Danke für das Lob 😊
      Ich kenne Dein „Phantomhüten“ auch. Manchmal hab ich auch so akustische Halluzinationen. Dann denke ich, der Kleine weint in seinem Zimmer, aber er schläft tief und fest…

      Mit drei Kleinen unter vier hat man hammerviel zu tun und läuft sicher wirklich auf Hochtouren.

      Ich bin so hibbelig innerlich. Wenn ich mal einfach sitze oder etwas lese, dann spüre ich, wie meine Füße wibbeln oder es einfach in mir so ist wie in einem wuseligen Ameisenhaufen.

      So als dürfte ich nicht sitzen, weil ich ja so viel zu tun habe. Sitzen sorgt dann quasi automatisch für „Land unter“, was es ja zu vermeiden geht. Leider ist so ein Gedankenweg oder so eine Einstellung für mich eine Einbahnstraße in Richtung drohendem Burnouts. Daher ziehe ich jetzt die Notbremse. Aber ich bin nicht gut darin – der Bremsweg scheint seeehr lang zu sein 😉

      Ist aber schön zu wissen, dass wir Mütter untereinander genau wissen, wie viel wir leisten. Ich finde drei so kleine Kinder richtig heftig anstrengend! Da schaffst Du täglich beachtliche Leistungen, wirklich! 💐

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