Das große Glück am frühen Morgen

Heute Morgen war ich mit Nummer 1 um 7 Uhr schon on the road.

Es ging zu einem Turnier ihrer Voltigier-Gruppe, die zur 2. Sichtung der Deutschen Meisterschaft unterwegs war.

Ich möchte gar nicht viel von Pferden, Stallluft und Hufgetrappel erzählen. Nur kurze Infos. Unser Voltigier-Pferd sieht so aus:

FullSizeRender … und ist ziemlich groß ist, wie man sieht. Kleine Voltigiererinnen sehen darauf aus wie Frösche auf einem Elefanten. das ist bemerkenswert. Wer nicht weiß, was Voltigieren ist, kann das bei Interesse hier nachlesen und sich ein paar Bilder dazu ansehen.

Was ich bemerkenswert fand war nicht nur, dass unsere schweigsame Nummer 1 und ich fast ohne Wortwechsel 40 Minuten hin und zurück im Auto saßen. Zuerst hatte ich den Eindruck, die Stille füllen zu müssen: Hey, da hatte ich mal Zeit allein mit einem der Kinder und dann schwieg man sich an. Aber so müde wie wir waren, hatten wir eigentlich keinen Redebedarf.

Also genoss ich die Stille im Auto.

Angekommen ließ Nummer 1 sich die Haare zur standardisierten Gruppenfrisur flechten und zog sich das Trikot an. Ich hatte einen pferdischen Freund gefunden, mit dem ich eine kleine Unterhaltung mit Streicheleinheiten und Hand-Ablecken pflegte.

IMG_3776

Ich hatte ja mal vor ewigen Jahren ein eigenes Pferd und erinnerte mich daran. Der Pferdefreund und ich verstanden uns prächtig und er war das erste Pferd, das ich irgendwie mochte, seit dem irgendwie stressigen und etwas angstbeladenen Ende meiner eignen Reiterinnen-Zeit. Sobald ich wegging trat er gegen die Box und streckte Kopf so nahe an mich heran wie möglich. Das Hand-Geschlecke schien im gut zu tun – er schloss die Augen genießerisch und ich mochte das Geschlabber komischer Weise schon immer. Nummer 1 fand es eklig und wollte es lieber nicht ausprobieren. Zudem hatte sie irgendwie Angst, das fremde Pferd anzufassen. Vorsichtig erkundete sie nach meiner Ermutigung die Samtnase und fand das so schön, dass sie es danach sogar noch einmal kurz wiederholte.

Die Begegnung mit dem Tier war echt richtig schön und ich bemerkte so vieles an ihm: Die interessanten Streifen auf der Nase des, die samtweiche Fell“straße“ zwischen den Nüstern, die drahtigen Tasthaare und auch, dass seine Mähne an den Spitzen viel heller war als am Ansatz und einen schönen Farbverlauf hatte. Ich war so unglaublich achtsam. Wusste gar nicht, dass ich das kann …

Ich genoss danach wie immer den Auftritt der Gruppe, filmte ihn diesmal und anschließend hieß es warten auf die Siegerehrung. Wir vertrieben uns die Zeit damit, diverse Lose zu kaufen und gewannen für Nummer 2 einen Brockhaus „Astronomie“, für mich einen blumenbedruckte Gartenschaufel sowie einen Deko-Schmetterling, für Nummer 3 Glitzer-Pferde-Sticker und für Nummer 1 eine sehr witzige Uhr.

Dann futterten wir Kuchen und spazierten durch die Kälte. Anschließend holten wir uns Pommes und saßen in der warmen Cafeteria der Reitanlage. Immer noch quatschten wir wenig und hatten dennoch so unseren Spaß.

Während Nummer 1 sich für die Siegerehrung vorbereitete und auch schon zuvor, während sie sich warm machte, hatte ich Zeit für mich. Ich schlenderte herum, sah den anderen Gruppen zu, besuchte meinen Pferdefreund und sah mich um.

Das war ein seltsames Gefühl. Mit nur einem Kind irgendwo, zwischendurch auf mich konzentriert. Irgendwie war es so unbekannt unstressig.

Ich konnte mich selbst wahrnehmen, statt dauernd irgendwo gefordert zu werden, irgendwen zu suchen oder tausend Hunger-Pipi-Durst-Langeweile-Belange hören zu müssen.

Nummer 1′ Gruppe bekam den 3. Platz, womit ich sehr glücklich war, während die Mädels sich natürlich erhofft hatten, wieder auf dem Ersten zu landen, so wie bei der Kreisentscheidung zuvor.

Für den Rückweg machte ich die Heizung im Auto an und wir ließen unsere wieder eingefrorenen Füße auftauen. Und schwiegen. Die Landschaft hier ist halt so urlaubsortmäßig und man kann sie durchaus genießen. Strahlender Himmel, schneeweiße Wolkenberge und darunter sanfte grüne Hügel.

Zuhause freute ich mich, die anderen Kinder zu sehen und hatte auch richtig Lust, mit Nummer 4 zu spielen, statt das irgendwie so zwangsweise abzuspulen.

Man kann sich dem Zusammensein mit Kindern weit besser hingeben, wenn man sie auch mal gründlich los ist. Das war schon immer meine Erfahrung – ich hatte es nur inzwischen wieder vergessen.

FullSizeRender Kopie

… oder in einem Morgen, der für mich besonders war, weil ich Ruhe, Achtsamkeit, Spannung, Freude, Genuss und Stolz gefunden habe. Einfach so, mitten im Reitstall, drumherum geschäftige Eltern und aufgeregte Kinder. Mittendrin ich – ganz bei mir.

Advertisements

Auf dem Weg zur Erholung, Teil 2

Auf dem Weg zur Erholung, Teil 2

Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden, was die Organisation meiner Kur betrifft.

Gestern Vormittag war ich bei der Kurberaterin der Caritas.

Ich hatte mir vorher natürlich einige Gedanken gemacht und ein paar Fragen bekam ich sofort beantwortet:

Ich : „Was ist mit meinem Mann? Den bin ich ungern drei ganze Wochen los – kann er am Wochenende zu Besuch kommen?“

Frau Kurberaterin: „Ja, schon, aber die Ehemänner sind Personen des täglichen Lebens und genau dieser Alltag soll so weit wie möglich außen vor bleiben – ein Ausflug am Sonntag ist in Ordnung. Aber ein ganzes Wochenende wäre nicht zielführend.“

Ich verstand, dass derjenige, dessen Socken und Unterhosen ich wasche, ein Teil meiner Arbeit ist. Und von genau der soll ich ja Abstand erhalten. Okay. Bisher hatte ich das so noch nie betrachtet. Der Typ repräsentiert quasi einen Teil meines Stresses – und da war ich nicht sofort froh gewesen, ihn mal ’ne Weile los zu sein?!

Nummer 4 würde nicht so ultraviel Betreuungszeit bekommen, da er noch so klein ist. Die Großen schon mehr. Insgesamt hörte ich mir das so an und dachte, die echte Erholung kriegt also der Typ, dem ich die Socken wasche. Der drei Wochen lang schön alleine seine Ruhe hat und machen kann was er will. Genau davon träume doch eigentlich ich!

Aber Mutti nimmt, was sie kriegen kann. Drei Wochen, in denen ich nichts putze und nichts koche – das allein ist Musik in meinen geschundenen, vollgeplapperten Ohren.

Ich habe vergessen, nach den räumlichen Möglichkeiten zu fragen. Ich erfuhr etwas von einem Appartement mit Zimmer für Mama und Zimmer für Kinder. Und wohin soll Nummer 4? Wenn er im Kinderzimmer schläft, werden sie ihn definitiv beim späteren Hinterher-„Schleichen“ wecken.

Und wenn er in meinem Zimmer schläft, ja, dann kann ich nicht schlafen. Neben schlafenden Babies im Dunkeln liegen und nicht mal husten dürfen sorgt bei mir für enorme Schlafstörungen. Vor allem, weil ich zum Einschlafen immer was auf dem iPad lese oder gucke …

Das muss ich vorher klären – davon hängt die Sache ja fast ganz ab …

Ich: „Was ist denn der nächstmögliche Termin?“

Frau Kurberaterin tippte auf der Tastatur: „Anfang November.“

Ich: „Brrr, schön in der besten Jahreszeit.“

Sie: „Ja, leider. Wenn sie früher hier gewesen wären, dann wären die Herbstferien noch gegangen. Aber jetzt ist alles voll. Eventuell gibt es etwas ab dem 28. Oktober. Aber man muss sehen, wie schnell da ihr Antrag durch ist und so. Oder sie warten bis zu den Osterferien.“

Ich: „Ach nö, lieber nicht. Ich brauche ein bisschen Veränderung in Aussicht. Damit ich weiß, wohin ich mich innerlich schleppen muss.“

Frau Kurberaterin stimmte zu: „Ich denke auch, es ist besser, wenn sie den nächstmöglichen Termin anstreben. Ich denke, sie können das gut brauchen. Wenn man bedenkt, was sie alles zu tun haben …“

Ich: „Ich müsste echt mal lernen, auf mich selbst zu achten. Ich schilderte:

Gestern war mal wieder so ein typischer Tag: Morgens zur Tagesmutter, danach nach Hause, um auf den Treppenbauer zu warten. Der sich um über eine Stunde verspätete. Ich hastete bei seiner Abkunft sofort los zu einem Termin – dort verspätete sich der nächste Terminpartner, so dass ich mich schnell verabschieden musste und zurück zur Tagesmutter. Zurück nach Hause zum Mittagessen. Dann schnell die Kinder gescheucht, weil wir zum Opa fahren mussten, damit Nummer 4 dort schlafen konnte, weil ja der Treppenbauer ja Lärm machte.

Im Opa-Asyl beschloss ich, etwas Nettes zu machen und fuhr mit Nummer 1 in den Billig-Laden „Action“, um Bastelzeug zu kaufen (das ist so günstig da und ist wirklich hochwertig). Dort traf ich eine Verwandte, die ich eigentlich auch noch gerne besucht hätte – aber dazu fehlte mir einfach die Zeit an dem Nachmittag. Es war bereits nach Vier. Sie fragte auch sofort, warum ich mich nicht bei ihr angemeldet hätte, wenn ich schon mal am Ort sei. (Opa wohnt 30 Minuten von hier auf der anderen Rheinseite).

Dann zurück beim Opa (Hier trank ich übrigens das erste Glas (Wasser) des Tages – um 16:30 Uhr)  meldete dieser, Nummer 4s Großtante habe bereits angerufen, ob ich denn nicht mehr kommen und wie verabredet die Gartenrutsche abholen würde. Ach ja, die Babyrutsche! Sofort wieder ins Auto und mit Nummer 2 los. Kurz meinen Patensohn dort gesehen, Rutsche verladen und zurück.

Dort Abendessen gemacht, danach Tisch abgeräumt, alles sauber gemacht. Ich wollte fahren, die Kinder aber installierten sich im Garten. Bis wir fuhren war es dann 19:30 Uhr. Zuhause wurde dann Nummer 4 bettfertig gemacht und der Tag neigte sich dem Ende zu.“

Frau Kurberaterin: „Und sie haben noch nie zuvor eine Kur gemacht, nein? Okay, wow, da sind sie ja weit gekommen, dass sie erst jetzt eine brauchen …“

Ich sagte noch, dass ich keinesfalls ohne die Kinder fahren würde, fasste rasch die Zeit von Mr. Essentials Krankheit zusammen, die mich mit den Fufels so zusammengeschweißt hat. Frau Kurberaterin notierte auch dies und meinte, es sei augenscheinlich für mich besser, mit den Kindern zu fahren.

Wir gingen den Antrag kurz durch.

Der Antrag bestand aus diversen vorgedruckten Seiten für Hausärztin und Kinderarzt. Ich erfuhr, dass meine Krankenkasse seit Frau Kurberaterin ihren Job macht nie einen Antrag abgelehnt hatte. Das macht Mut.

Ich teilte noch mit, dass ich keine Anreise wünsche, die länger als drei Stunden dauern würde. Drei Stunden als Fahrerin im Auto mit vier Kindern – da ist meine Grenze erreicht.

Spannende Nebeninfo

Interessant war, dass sie mir erklärte, wie das Müttergenesungswerk (in deren Kurklinik sie vermittelt) in den 1950er Jahren gegründet wurde. Ziel war es, belastete Mütter zu regenerieren. Wegen des Kriegs und so. Aber die Inhalte der mütterlichen Belastung hätten sich null verändert. Es sei eben nur ohne Krieg, dafür mit Auto (Kinder kutschieren+zu anderen Terminen hetzen), Mikrowelle (Kinder schieben ihr Essen rein, weil Mama arbeitet und Mama hat dafür ein schlechtes Gewissen) und weiteren Komponenten. Im Prinzip sei alles aber immer noch das Gleiche.

Mütter haben die gleichen Aufgaben. Nur mehr. Dafür aber keinen Krieg hinter sich. Die meisten Mütter würden heute im Antrag die gleichen Kreuzchen machen wie früher: „Keine Zeit für mich, keine Zeit für Hobbies/Freizeit, keine Zeit für Freunde, Mehrfachbelastungen, zu wenig Zeit am Tag.“ Neu sei, dass absolut jede Mutter ein Kreuzchen machte bei: „Zu viele Termine“

Das andauernde schlechte Gewissen war auch eines der Themen, die wir kurz ansprachen, während sie mir den Antrag erläuterte.

Sie erläuterte, dass ihre Nachsorge-Referentin, eine Heilpraktikerin für Psychotherapie, ihr widerspräche, wenn sie selbst sagen würde, man bekäme quasi mit der Geburt des ersten Kindes das schlechte Gewissen mitgeliefert. Doch ich stimmte ihr natürlich absolut zu. Bin schon gespannt auf den Vortrag dieser Referentin – werde sie dann mal befragen.

Zettelwirtschaft

Zuhause füllte ich die diverse Seiten aus. Das letzte Blatt (Blatt 8) soll für Erläuterungen genutzt werden. Hier kann man knapp mitteilen, was genau belastet und wodurch. Irgendwie ist mein Blatt jetzt voll geschrieben …

IMG_3764

in den kommenden Tagen muss ich mit den restlichen Unterlagen, wie erwähnt, zum Kinderarzt und zu meiner Hausärztin. Dafür werde ich Termine machen müssen. Ich hasse dieses Wort inzwischen: Termin. Als ich 20 war klang das mächtig wichtig, wenn man mal so etwas wie einen Termin hatte …

Es gibt also noch ein bisschen etwas zu tun, ehe es weitergehen kann.

Mama, Mama, Kind – Warum die konservativen Argumente gegen die „Homo-Ehe“ komplett ins Leere gehen

Stehen auf Rothaarige: Nummer 3s Animator-Puppen

Stehen auf Rothaarige: Nummer 3s Animator-Puppen

Ich bin mittlerweile weiß Gott ein konservativer Mensch. Das hat mit meiner Rolle als Familienvater zu tun, aber auch mit meiner Partizipation am Wirtschaftssystem und dem gewöhnlichen Reifungsprozess der menschlichen Einsichten über die unterschiedlichen Lebensalter hinweg. Ich bin so konservativ, dass ich noch immer mit der gleichen Frau verheiratet bin. Sie ist katholisch und wir haben vier Kinder (für alle, die es noch nicht wissen). Die auch katholisch getauft sind. Ich verbringe meine Samstage im Garten und mähe den Rasen und ärgere mich, wenn der Nachbar mal wieder blöd an meinem Grundstück parkt. Wenn ich politische Kinderlieder aus den Siebzigern höre denke ich „Oh wie niedlich, dieser Kommunisten-Hippie-Scheiss!“ Ich drohe meinen Töchtern, ihre ersten (männlichen) Freunde in unserem Wasserbassin im Garten zu entsorgen. Ich wasche mein Auto und poliere dabei die Felgen.

Was meine konservativen „Brüder im Geiste“ jetzt aber wieder zur Homo-Ehe vermelden fällt mir wirklich schwer zu unterstützen. „Fortschritt braucht Vater, Mutter, Kinder„, heißt es beispielsweise aktuell in der FAZ. Ich meine, wem wird noch einmal etwas weggenommen, wenn gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte haben wie „normale“ Paare? Was kann ich mir nochmal davon kaufen, wenn die „Homos“ sich nur „eingetragene Lebenspartner“ nennen dürfen? Inwiefern schützt das meine Ehe?

„Hm, wir haben schwere Eheprobleme und würden uns eigentlich scheiden lassen, aber weil wir ja Eheleute sind und nicht nur eingetragene Lebenspartner überdenken wir das nochmal?“

„Oh, ich habe ein Aggressionsproblem und würde jetzt eigentlich zünftig meine Frau und die Blagen verwämsen, aber weil ich ja ein Ehemann bin und nicht nur so ein komischer schwuler Lebenspartner lasse ich das lieber mal sein?“

Wenn man immer über die Sonderrolle der Hetero-Ehe schwadroniert und den besonderen Schutz der Familie kann es doch am Ende nur um eins gehen: die steuerliche Bevorzugung von Ehepaaren. Und die ist doch in der aktuellen Gesellschaft totaler Blödsinn! Der Staat ist es noch gewohnt – aus Zeiten, in denen Ehen quasi immer Kinder hervorbrachten – dass die Ehe ihm als Gegenleistung für ein paar Vorteile neue Mitglieder liefert. Das können Homo-Ehepaare alleine so nicht – klar. Aber genug Hetero-Paare tun es doch auch nicht mehr! Also kann es nur eine logische und gerechte Lösung geben: Ehegattensplitting abschaffen und Familiensplitting einführen. Dann genießen gleichgeschlechtliche Paare, die sich die Mühe machen, Kinder großzuziehen, zu Recht (!) die gleichen Vorteile wie Hetero-Paare, die das tun. Wir belohnen Ehepartner doch nicht für die theoretische Fähigkeit, Kinder zu bekommen – wenn wir eine finanzielle Sonderstellung begründen dann doch wohl nur als Ausgleich für die Mühe und die Einbußen, die Kinder nun mal so mit sich bringen.

Klar brauchen wir Frauen, die bereit sind, diese Kinder auch zu bekommen. Aber ganz im Ernst – welche heterosexuelle Frau wird denn ihren eigenen Kinderwunsch davon abhängig machen, dass sie eine Sonderstellung gegenüber homosexuellen Eltern hat? Es verfängt leider überhaupt nicht zu unterstellen, dass heterosexuelle Ehepartner hier einen besonderen Schutz benötigen. Natürlich gibt es sehr viele Bereiche, in denen eine familienfreundliche Familienpolitik, ein Schutzraum für die Familie, dringend notwendig wäre – Betreuungsplätze, echte Wahlfreiheit, vernünftige Anerkennung der Familienarbeit, you name it. Aber all diese Punkte werden doch nicht besser, wenn ich aus einer verbrämten Ideologie heraus ein paar schwulen und lesbischen Paaren mit einem saftigen „Du kommst hier ned rein!“ die Tür vor der Nase zuschlage.

P.S. Der Stern hat hier nochmal die Unterschiede zusammengestellt. Das Ehegattensplitting ist nicht mal mehr ein Unterschied, man kann also höchstens eine ungerechtfertigte steuerliche Bevorzugung kinderloser Ehepaare/ Lebenspartner gegenüber Familien monieren. Aber das hat ja mit der sexuellen Ausrichtung zu tun – und ließe sich per Familiensplitting ebenfalls lösen.

Screentime: „Hedi Schneider steckt fest“

Heute gibt es aus der Reihe Screentime den Film „Hedi Schneider steckt fest“.

Keine Sorge und ich werde nicht spoilern 😉

Das Thema:

Der Film zeigt das plötzliche Auftreten einer Depression im Ausdruck einer Angsterkrankung mit Panikattacken und wie sowohl die Betroffene als auch ihr Umfeld (Familie und Arbeit) damit umgehen. Es wird dargestellt, wie die fragile Konstruktion des alltäglichen Lebensgefüges plötzlich enden oder auf den Kopf gestellt werden kann. Und es fällt auf, dass man diese Konstruktion wohl nicht hinterfragt bis sie eben nicht mehr besteht.

Rezension

Die Hauptdarstellerin Laura Tonke hat nicht umsonst in ihrer Karriere Auszeichnungen bekommen: Während des Films dachte ich immer wieder, man könnte ihr ruhig einen Oscar in die Hand drücken.

Der Film stellt fast kammerspielartig die Beklemmung einer Angsterkrankung dar. Die enge Klimbim-Bude, in der die Familie lebt, tut ihr Übriges. Außen mit Baugerüst und Plane versehen, erstickt der Wohnkarton einen förmlich. Das Kinderzimmer scheint 4 Quadratmeter groß zu sein und aus ein bisschen Pappe an den Wänden, einem hölzernen 80er Jahre Anti-Fliegenvorhang und einem Schlafstatt mit viel zu großem Moskitonetz zu bestehen.

Die Kinderbettwäsche der Ehepaars, die winzige Toilette, die tausend Döschen auf dem Regal der Küche, die so eng ist, dass man mit dem Essstuhl wohl bei jedem Aufstehen gegen den Backofen knallt – alles ist minutiös und perfekt gestaltet.

Es gibt neben der gut gewählten Musik auch einmalige Geräuschkulissen – und Teppiche. Das Ticken der Uhr, das Bein-Zappeln des anderen Patienten im Wartezimmer nach der neuerlichen Panikattacke, das penetrante Bohren und Hämmern der Handwerker an der Häuserfassade … ebenfalls sehr gut gemacht. Man hört den hyperventilierenden Atem Hedi Schneiders während ihrer Angstattacken und sieht ihre aufgerissenen Augen in ihrem Innersten wühlend nach Antworten suchen:

Warum fühle ich mich so?

Was geht hier vor?

Muss ich sterben?

Wie lange wird das dauern?

Woher kommt das alles so plötzlich?

scheinen ihre Augen zu rufen.

Ihr Ehemann (Hans Löw) wird von der Kamera sehr gut durch seine Berg-und Talfahrten begleitet. Er ist hilflos, ambitioniert, besorgt, dann ungeduldig, überfordert und auch wütend. Auch sein Schauspiel ist herausragend.

Man kann, wenn man ein analytisches Auge hat, sehr gut herausfinden, was die Hauptperson deprimiert, bedrängt, bedrückt und in die Enge treibt. Hierbei hilft auch der Kurzauftritt ihrer sie mit Essen und unempathischen Tipps bedrängenden Mutter. Auch die Trigger (Auslöse-Impulse) der ersten Panikattacke werden überschaubar dargestellt.

Die mit Pillen besonders generöse aber an Einfühlungsvermögen verarmte Ärztin ist ein weiteres Highlight der Komposition des Films.

In den ersten Sequenzen, ehe die Krankheit auftritt, wirft man sich aus dem Kinosessel vor Lachen. Laura Tonkes Mimik allein ist schon herzerwärmend, aber diese vor Lebensfreude sprühende Frau mit dem einen ewig selben Bürooutfit (prima Symbol für die Rolle, die sie im Job spielt) reißt einen mit. Während des gesamten Films wird man emotional bewegt.

Wir waren einem zauberhaften Kino mit vielleicht 20 Sitzen (und einer alten Orgel neben dem Eingang) – so hörte man gut die leisen Kommentare der wenigen anderen Zuschauer*innen. „Ist die süß!“ kam immer mal wieder, dann hörte man Empörung über das oft fehlende Einfühlungsvermögen der Außenstehenden und auch über manche Bewältigungsstrategie ihres Mannes.

Der Film ist so liebenswert, so lustig-lebensfroh und so gut bebildert, dass ich sagen kann: Einen so guten deutschen Film habe ich wirklich noch nie gesehen. Ich bin allerdings auch kein Fan deutscher Filme, die mir allesamt zu hölzern, aufgesetzt und gestelzt sind. Natürlich wirkende Personen sind bestenfalls überkandidelt. Alles wirkt wie unbeholfene (Real-)Satire in einem blechernen Regen vorhersehbarer Szenen. Dieser Film ist ganz anders. Auch er wählt die Übertreibung gern als Stilmittel, aber bleibt dabei immer gefühl – und geschmackvoll.

Ich weiß nun nicht, wie der Film auf Menschen wirkt, die nicht vom Thema Angsterkrankung oder Depression irgendwie betroffen sind. Doch sowohl Mr. Essential als auch ich haben uns zumindest immer wieder wissend angegrinst und lakonisch gelacht, wenn typische Situationen vorkamen.

Negative Kritik?

Etwas negativ betrachten würde ich die einseitig unzureichende Behandlung der Krankheit durch die beiden Profis. Die Ärztin war furchtbar, der Therapeut versiert. Es wurde nur eine kurze Therapie-Szene gezeigt, das empfand ich als zu wenig. Man kuriert eine so heftige Erkrankung nicht binnen weniger Monate mit ein paar (oder ein paar zu viel ) Pillen. Es wäre schön gewesen, wenn etwas mehr von Hedi Schneiders Arbeit mit sich selbst zu sehen gewesen wäre. Es wurde auch das Achtsamkeitstraining sowie die progressive Muskelentspannung erwähnt (und gekonnt humorvoll-überzeichnet/ironisch umgesetzt) aber insgesamt fehlte ein bisschen die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“.

Ich konnte mir denken, wieso Hedi Schneider depressiv wurde und was ihr das Gefühl zu Ersticken gab. Aber ob das für themenfremde Zuschauer auch leicht zu erfassen war, das kann ich echt nicht sagen.

Eine Anmerkung: Eventuell wirkt die erste Panikattacke der Hauptfigur triggernd auf Menschen mit akuten Angsterkrankungen. Sie ist lang und sehr eindrucksvoll gespielt. Dazu hört man laut den panischen Atem, sieht die Verzweiflung der Frau und die schockierte Hilflosigkeit des Mannes. Das könnte für manche zuschauende Person (zu) heftig sein. Daher mache ich eine kleine „Sicherheits-Warnung“: Die Szene folgt auf die Situation mit der „Dengue-Krätze“ (jahaa, das ist auch eine lustige Szene …). Wer sich also unsicher ist, wie das Ganze auf ihn wirkt, könnte da zur Toilette gehen 😉

Fazit: Ein sehenswerter Film der etwas anderen Art. Er unterhält spielerisch und greift dabei ein schweres Leiden so auf, dass man merkt: Das Leben ist die Essenz des Seins, ganz gleich, was einem begegnet. Die Bandbreite der Selbsterfahrung ist riesig und jeder hat eine individuelle Art der Problembewältigung. Das ist nicht zu toppen. Der Film betrachtet liebevoll seine Charaktere und schafft es, die Leichtigkeit zu erhalten wobei der Humor niemals plump oder deplatziert wird. Sehr gefühlvoll inszeniert und definitiv ein Tipp für alle Interessierten.

… und das „Bratkartoffellied“ hat man auf dem ganzen Heimweg im Ohr 😀

-> Haben inzwischen das ganze Album („Grips Theater: „Wir werden immer größer“) und tanzen dazu durch’s Haus …

Nach dem Film:

Am Ende sind wir bereichert aus dem empfehlenswert einladenden Kino mit dem erwärmenden Retro-Charme (Galerie Cinema in Essen) rausgegangen.

Wir haben uns lange über den Film unterhalten und mussten dauernd über ein Wort lachen, mit dem der Film-Sohn den Film-Vater in seiner hilflosen Wut beschimpft hatte. Das wird wohl ein neuer Running Gag hier bei uns 😉

Persönliche Anmerkung zum Film:

Insgesamt ist meine Angsterkrankung nach außen sehr viel „leiser“ abgelaufen. Die Kinder haben sie zum Beispiel nie bemerkt. Mr. Essential konnte ganz normal seiner Arbeit nachgehen, nachdem ich begriffen hatte, dass ich körperlich gesund war. Ich habe ihn nicht angerufen oder wollte gar nicht mehr alleine bleiben. Wer hätte denn auch bei mir bleiben sollen?

Während meiner Panikattacken habe ich nach außen locker weiter eingekauft oder gebügelt. Ich hatte echt keinen Raum, so einen „Krempel“ auch noch nach außen zu zeigen und wollte ganz sicher niemanden mit „meinem Kram“ belasten. Das ist kein vorbildlicher Ansatz, wie ich inzwischen weiß. Aber so konnte ich mich nur zum Teil mit der Hauptfigur identifizieren.

Zugleich war es wohltuend für mich persönlich zu spüren, wie viel Verständnis ich für die vorgestellte Hauptperson hatte. So steht sie in einer Szene in der Küche und kämpft mit ihrer Panik, als der Sohn (auch ein ganz besonderer Schauspieler: Leander Nitsche) immer lauter brüllt: „Piiiep! Piiiiieeeep! Mama! Such mich! Mamaaaaa! Piiiiiiep!“ Am Ende sucht und findet der Papa ihn im Küchenschrank. Wie erdrückend es doch ist, mit sich so arg beschäftigt sein zu müssen und dabei so fremdbestimmt zu sein. Wer will schon krank sein und dabei laut gebrüllte Forderungen an die eigene Person hören?

Wie überlebt man einen Bärenkontakt?

Wie überlebt man einen Bärenkontakt?

Ich habe Angst vor Bären.

Teddies finde ich toll. Jedes Kind sollte einen haben. Und jedes unserer Kinder hat auch (mindestens) einen.

Echte Bären jagen mir einen Schauer über den Rücken.

Als wir vor ein paar Wochen echte Bären sahen, klapperten mir abends noch die Zähne und Mr. Essential tat das, was ich immer gegen Angst empfehle: Sich Wissen aneignen. Er ergoogelte sich Wissen bezüglich Überlebenstipps bei Bärenkontakt:

1. Man soll sich größer machen: Arme nach oben und heftig mit den Händen wedeln

2. Sollte das den Bären nicht vertreiben, dann soll man dazu schreien. Egal wie. Zum Beispiel: „Aaaaaaaaa“

3. Geht der Bär zu einer Attacke über, soll man sich tot stellen. Dann verliert er im Bestfall das Interesse.

Gestern stand ich in der Küche, die Mädels waren in der Nähe versammelt.

Ich: „Mädels, wisst ihr, was ihr tun müsst, wenn euch mal ein Bär begegnet?“

Nummer 1: „Wie? Ein Bär? Im Zoo? Meinst du Erdnüsse und Bananen durch Gitter werfen?“

Ich: „Nein, ich meine einen echten Bären. In der freien Wildbahn.“

Nummer 2: „Und unter welchen ominösen Umständen soll das bitte passieren?“

Ich: „Ja, was weiß denn ich? Wenn ihr mal auf einem Selbstfindungstrip in den kanadischen Wäldern unterwegs seid oder in Sibirien herumpirscht.

Seltsamer Weise quittierten sie meine Fürsorge mit einem ironischen Grinsen.

Nummer 3 wollte mir wohl zur Seite springen und fragte artig: „Und was genau macht man dann, wenn einem ein Bär begegnet?“

Daraufhin legte ich los. Ich hatte das schon mal unter den Augen des neuen Bärenexperten Mr. Essential geübt.

Ich wedelte und schrie enthusiastisch.

Sechs Augen lagen sich weitend auf mir.

Drei versteinerte Gesichter.

Dann prustendes Lachen.

Meine Arme sanken nach unten.

Nummer 2: „Jepp, Mama, alle Teddybären im Haus brauchen jetzt ’ne Therapie. Und wir auch. Danke dafür.“

Undank ist der Welten Lohn.

Aber wenn sie mal in ein paar Jahrzehnten in Kanadas Wäldern unterwegs sind und ein Bär kommt, dann wird diese lebhafte Erinnerung sofort in ihren Köpfen sein.

Und das lässt mich ganz beruhigt schlafen 😀

Upcycling

Upcycling

Ich habe es geschafft und – wie auf Facebook angekündigt – endlich einmal daran gedacht, VOR dem Upcycling mal ein Foto zu machen.

Heute habe ich den Mittags/Nachmittagsschlaf von Nummer 4chen genutzt, um loszulegen.

Als erstes habe ich mir Nummer 2s ausrangierte Jeans aus der Tüte mit den Upcycling-Vorräten geholt:

FullSizeRender (3)

Sie war einfach zu kurz und bis sie Nummer 3 passen würde, müssten schon drei Jahre vergehen …

Also habe ich das gemacht, was ich schon lange mal machen wollte: Jeanshose -> Jeansrock.

Hier ist das Ergebnis:

FullSizeRender (1)

Sie wollte gerne, dass der untere Saum beim Tragen und Waschen langsam ausfranst, daher habe ich ihn nicht umgenäht, sondern einfach mit einem Stretch-Zickzack versehen.

Der Rock kam sehr gut bei ihr an.

Dauer des Auftrennens: Circa 40 Minuten

Dauer des Absteckens, Keile-Zuschneidens, Nähens: Circa 30 Minuten 😀

Während ich im Nähstübchen herummachte, kam Nummer 3 und wollte auch gerne etwas genäht bekommen. Wir wühlten auf der Suche nach Inspiration durch die besagte Tüte.

Dann fand sie etwas, bei dem uns sofort eine Idee kam:

FullSizeRender

Nummer 1s alte Bluse, die Nummer 2 und Nummer 3 absolut nicht steht. Das Muster brachte Nummer 3 auf die Idee:

„Kannst du daraus ein Kleid für meine Merida machen?“

Nummer 3s Merida ist eins von ihren drei Heiligtümern aus der Disney Animators Collection (davon hat sie auch noch Anna und Kristof von der Eiskönigin).

Ich habe zwei Teile gemacht: Ein Bluse mit Schößchen, das im Rücken durch ein Gummiband gesmokt ist und einen Rock dazu. Und ein Haarband, denn die feuerrote Mähne hängt ihr dauernd im Gesicht.

Nun sieht Merida ganz traditionell aus, oder?:

FullSizeRender (2)