Screentime: Marvel´s Daredevil

Screentime: Marvel´s Daredevil

Also, mit dieser Rezension tue ich mich echt ein wenig schwer. So ungefähr das gesamte Internet ™ findet das neue Netflix Original total großartig. Weil es ja so düster, rau und realistisch ist.

Hört man schon raus, dass ich da nicht ganz zustimme? Vermutlich. Also düster, rau und „realistisch“ (eine schwierige Kategorie für eine Superheldenserie) trifft vermutlich sogar zu. Wir haben hier einen Anwalt, der bei Nacht das Böse bekämpft, blind ist und dabei aber durch eine Art Sonar seine Umgebung besser wahrnimmt als die meisten anderen mit ihren Augen. Das ist jetzt nicht unbedingt meine exakte Vorstellung von Realismus, aber ich sehe ein dass das schon eine Stufe näher dran ist als ein blitzeschießender Halbgott oder ein unsterblicher Mutant mit Adamantiumüberzug über den Knochen.

Marvel´s Daredevil spielt zwar im Marvel Cinematic Universe, hat aber mit den weltbewegenden Kaboom-Geschichten der Avengers erstmal nicht viel zu tun. Der Protagonist Matt Murdoch ist eher eine Art blinder Sherlock Holmes (Mr. Holmes war ja ebenso wie er kampferprobt und beherrschte Bartitsu), der es physisch ein wenig mehr darauf anlegt als der englische Gentleman, und der Kosmos, in dem wir uns bewegen, ist relativ down-to-earth.

Ich habe viel Gutes von der Serie gelesen, und nachdem wir die zweite Staffel von The Killing durchhatten, habe ich einfach mal Daredevil angemacht. Die Kurzfassung? Die Charaktere gefallen mir teilweise sogar gut, die grundsätzliche Story auch, aaaaber … die endlosen Prügeleien waren schon in den ersten beiden Folgen einfach nur öde. Sicher, sie waren gut gemacht und vermutlich sportliche Höchstleistungen und so weiter. Ich hatte meine Ladung Martial Arts Porn aber schon im Jahr 1999 bei Matrix. Hier hat es mich einfach irgendwie … gelangweilt.

Das Gesamtpaket stimmte zu Anfang aber noch. Ich habe zwar immer so ein bißchen mental gegähnt, wenn mal wieder losgekloppt wurde, aber es gab ja auch Szenen zwischen den Schlägereien, die gut gefallen haben. Mir gefiel auch Vincent D´Onofrio als Kingpin sehr gut – grandiose Darstellung, wirklich mehr als der typische Bösewicht-Obermufti. So ungefähr in der Mitte der Staffel hat mich die Accompagnie Netflix/ Marvel dann doch verloren. Es wurde einfach zu gewalttätig, weit über ein dramaturgisch notwendiges Maß hinaus. Ganz ehrlich – wir haben ja verstanden, dass ihr Euch an ein erwachsenes Publikum richtet (auch wenn vermutlich Teenies viel mehr auf solche Gewaltorgien abfahren). Wir haben auch verstanden, dass die Menschen in Hell´s Kitchen sich Verletzungen nicht wie Hulk, Wolverine und Co. einfach nur abschütteln und dann weiterkloppen. Trotzdem. Es ist einfach zu viel, sich gefühlt minutenlang anzuschauen, wie Kingpin den Kopf seines Schergen mit einer Autotür zermatscht, bis dieser … ich spare mir die Details.

Ich verstehe, dass Ekel, Angst und Gewalt drei sehr sichere Mittel sind, um im Publikum eine Reaktion auszulösen. Das ist irgendwie, irgendwo auch okay. Aber eben nicht, wenn man es übertreibt. Ich muss bei solchem Geschmodder immer an Teenie-Gamer denken, die sich beklagen dass in der bösen, bösen geschnittenen Version ihres Lieblingsshooters nicht genug Blut spritzt. Ich hatte in meiner Jugend auch meine martialischen Phasen und habe mich darüber gefreut, was für brutalen Blödsinn man beispielsweise bei Werwolf – The Apocalypse anstellen konnte. Aber mittlerweile steht so was halt auf meiner Murtaugh-Liste.

Mein Fazit? Wir werden Marvel´s Daredevil nach Folge 5 vermutlich nicht mehr weiterschauen. Was sehr schade ist, weil das schon die zweite Marvel-Serie* ist, die für mich vor die Hunde geht – wenn auch aus vollkommen unterschiedlichen Gründen. Obwohl ich Fan der Filme bin und mir selbst die schwächeren davon gerne anschaue. Marvel, ihr solltet dringend mal am Thema Serie arbeiten. Oder ich bin halt einfach zu alt für diesen Scheiss …

*Die erste ist logischerweise Agents of S.H.I.E.L.D. – auch bekannt als Barbie und Ken bekämpfen des Böse 😀

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