Lampenfieber

Gestern gab es in irgendeiner Serie zu irgendeinem Anlass eine Cellistin, die einen Sänger beim Ave Maria begleitete.

Wenn ich etwas liebe, dann das Ave Maria. Ich mag das klassische lateinische in der Version von Bach/Gounod und auch dieses wunderbare von Schubert mit der Textstelle „…wir schlafen sicher bis zum Morgen, ob Menschen noch so grausam sind.“ 

Ich kenne es schon lange und erinnere mich an ergreifende Situationen, in denen ich es hörte oder selber gesungen habe.

Die ganze Familie kennt meine Liebe zu diesem Musikstück.

Nummer 1 und ich sahen uns also diese Serie an.

Ich: „Ooh! Wenn Dad und ich irgendwann in den nächsten Jahren kirchlich heiraten, dann will ich genau das! Eine Cellistin und das Ave Maria. Das wäre ja die Verbindung aus zwei wunderbaren Sachen auf einmal!“

Nummer 2 meldete sich zu Wort: „Also die Ignatia aus meiner Klasse spielt Cello. Die frag ich dann.“
Ich (nach kurzer Überlegung): „Ja, warum irgendwen engagieren! Ich hab doch auch eine Tochter, die so schön singen kann. Nummer 1, DU singst dann für uns das Ave Maria.“
Ein leicht panisches Flattern um die Augen eines schüchternen Mädchens.
Dann, heldenhaft:
„Okay. Kann ich machen.“
Ich jubelte, behielt sie aber gut im Auge.
Und schon kam ganz leise:
„Äh, außer, da sind viele Leute.“
Ich: „Na ja, das kommt drauf an. Wie viele genau wären denn für dich viele?“
Sie: „Mehr als … Fünf.“

Es spricht ja nichts dagegen, irgendwen zu engagieren … 

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6 Gedanken zu “Lampenfieber

  1. Bis ich 8Jahre alt wurde kannte ich das Gefühl „Lampenfieber“ nicht. Das war spitze. Ab 8war es nicht mehr so toll, ich schämte mich für alles und in der Schule alleine vor die Klasse zu müssen war für mich jedes Mal wie eine Ohnmacht. Auch als Erwachsene würde es nicht besser. Vor über 10Jahren besuchte ich ein Rhetoriktraining und hielt 10Vorträge in drei Tagen vor ca. 20 Leuten, es ging mir besser aber das Lampenfieber ist nie weggegangen. Solange ich sitzen kann geht es halbwegs aber sobald ich stehen muss oh je oh je. Das kuriose an der Sache ist, dass meine Aussenwirkung nicht so ist wie mein Innenleben. Viele merken gar nicht dass ich kurz vorm Sterben bin.
    Ich bewundere Menschen, die so frei vor Anderen sprechen und singen und tanzen können.
    Liebe Grüße
    Dani

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    • Das geht mir ähnlich: Wenn ich irgendwo öffentlich reden oder singen „muss“, dann bin ich schweißnass und hab klebrige Hände und mein Herz donnert vor sich hin.
      Hinterher höre ich dann so etwas wie:“ Wow, wie mutig und selbstbewusst!“
      Dann denke ich mir, es geht bestimmt vielen so und wir Zuhörenden merken es überhaupt nicht. Das hilft mir dann.
      Mr. Essential muss auch öfter mal vor vielen und/oder fremden Personen reden. Und obwohl er wohl eher introvertiert ist, kann er das sehr gut.
      Das ist eine Übungssache, glaube ich.
      Aber ich glaube auch, dass ich immer nervös sein werde. Egal, wie oft ich rede… 😉

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  2. Als Kind kannte ich auch kein Lampenfieber. Der Höhepunkt meiner Karriere als Violinist war der 70. Geburtstag meiner Großmutter. Nie wieder habe ich so viel Geld durch Musizieren verdient. Gut, ich war erst sechs Jahre alt, hatte blonde Locken, spielte ‚Summ, summ, summ, Bienchen summ herum‘ und bekam dafür von den ganzen älteren Damen und Herren reihenweise 5 DM-Stücke zugesteckt. Nähme ich heute eine Geige in die Hand, gäben mir die Leute wahrscheinlich Geld, damit ich aufhöre zu spielen. Und das Instrument verbrenne. LG, Christian

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    • Hahaha … was für eine geniale Beschreibung kindlichen Muts. Oder ist es diese beneidenswerte Unbedarftheit?

      Als kleines Kind war ich auch mutiger. Irgendwie ließ das leider nach. Liegt wohl doch an der Unbedarftheit, denn die ist auch futsch 😄

      Gefällt 1 Person

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