Gelöschter Kommentar

Ich habe eben zum ersten Mal einen Kommentar gelöscht, statt ihn freizuschalten.

Es ging um den Artikel Regretting Motherhood.

Ein Leser schrieb, ich sei ein Mensch ohne Größe und Charakter. Ein Mensch mit halber Seele.

Seine Mutter habe im Krieg vier Kinder geliebt und sich nie beschwert, obwohl sie sogar vergewaltigt worden sei.

Er sei froh, nicht bei so einer emanzipierten Frau wie mir groß geworden zu sein.

Ich hatte eine Antwort geschrieben und dann entschieden, dass unser Blog in seiner Art für respektvollen Umgang miteinander steht. Kommentare, die verletztend oder hasserfüllt sowie himmelschreiend unreflektiert sind, möchte ich nicht veröffentlichen. 

Dazu haben wir, unsere lieben Leser sowie wir Schreibenden, es uns zusammen viel zu nett hier gemacht, finde ich.

Um aber der Vollständgkeit gerecht zu werden, habe ich den Kommentarinhalt hier wiedergegeben.

Was sagt ihr dazu? Noch mehr seelelose Emanzen-Mütter da draußen, die es wagen, sich über Dinge ihrer Mutterrolle oder ihres Alltags zu beschweren? Fear the mighty Nachkriegskind-Police … 

23 Gedanken zu “Gelöschter Kommentar

  1. Oh ja, als Frau soll man also dann sich selbst aufgeben und nur noch Mama sein, die Kinder lieben und alles still über sich ergehen lassen?

    Ganz bestimmt nicht.

    Ich finde deine Einstellung super und kann die Löschung des Kommentars auch sehr gut nachvollziehen, zumal du dir ja einfach bei einigen Menschen den Mund fusselig reden kannst und sie doch nicht anders denken bzw. toleranter werden.

    Ich merke das ja jetzt schon in der Schwangerschaft, wenn ich es wage mal zu erwähnen, dass ich mal wieder echt so richtig Lust auf nen kühles Bier hätte: „Dein armes Kind, wie stellst du dir das nur vor wenn es dann mal da ist, so egoistisch“. Dazu dann auch mein neuer Post heute „Sind wir nicht alle ein bisschen Rabenmama“, falls du mal reinlesen möchtest 😉 (ganz ohne Werbeabsichten ;)).

    Die Welt ist nicht rosarot – nicht als Schwangere und ganz bestimmt auch nicht als Mama… Wie denn auch? Sie ist es ohne Kinder ja auch nicht, nur da ist meckern, auskotzen und genervt sein ok?!
    Du siehst – hier triffst du einen Nerv ;).

    Wünsche dir noch einen schönen und sonnigen Tag :).

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    • Liebe Klaudia,

      Danke für Deinen Kommentar und Deinen Zuspruch.
      Ich lese gerne gleich mal bei Dir 😉

      Ja, das hat wohl einen Nerv getroffen.
      Mindestens bei denen eine Gute und Richtige Mutter dadurch ausgezeichnet ist, sich nie zu beschweren. Immer klaglos fleißige Mutterhändchen wirken …. das ist ja so unfassbar rückstandig. So einen Müll hat Friedrich Schiller in seiner berühmten „Glocke“ (mein Lieblingsgedicht…) auch verzapft. Und schon damals lachten einige darüber. Aber manche lieben eben auch das, was schon 1799 belächelt wurde 😉

      Mütter stecken im Moral-Korsett. Sie sollen keine eigenen Bedürfnisse haben und schon gar nicht umsetzen. Sie sind vielleicht so etwas wie aufopferungsvolle Roboter. Ohne den Anspruch auf etwas, das für alle anderen Menschengruppen ganz normal ist.
      Dabei ist es sicherlich nicht hilfreich, wenn Mütter sich aufopfern, denn von einem Opfer bleibt meist nicht viel übrig nach der Opferung.
      Und dabei brauchen Kinder glückliche Mütter, um selbst entspannt und glücklich zu sein. Menschen, die voller unterdrückter Bedürfnisse und Wünsche stecken, sind vermutlich nicht besonders glücklich …

      Ganz liebe Grüße! (Lust auf ein Bier hatte ich in den Sommermonaten der Schwangerschaften auch öfter mal ;-))

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  2. Ich habe ja gerade heute morgen von dir inspiriert einen Artikel zu dem Thema geschrieben und auch gestehen müssen, dass mich mein Kind manchmal nervt und ich froh bin, wenn ich sie Montags abgeben kann….

    Die Nachkriegspolizei darf sich dann gerne bei mir melden. 🙂

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    • Nachtrag: Ich glaube, dass sich auch (Nach)kriegsmütter wahrscheinlich gerne mal beschwert hätten. Natürlich sind unsere Sorgen Luxussorgen, wir müssen uns nicht Gedanken machen, woher wir genug Essen kriegen, ob unsere Kinder im ersten Lebensjahr an einer Krankheit sterben oder woher unser Wasser kommen könnte. Aber meine Güte, wir sind alle nur Menschen und haben trotz „Luxusproblemen“ sicherlich das Recht, genervt zu sein.

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      • … Das sehe ich wie Du.
        So lange ich um mein Leben kämpfe, denke ich nicht daran, wie schön es wäre, meine Persönlichkeit zu entfalten oder wie es wäre, weniger Stress zu haben.
        Aber jeder Mensch, der nicht um sein Leben kämpft, hat Raum für Gedanken. Und das ist ja das Schöne. Denn der Krieg oder der Hunger halten uns letztlich von all dem ab und beides macht aus uns Überlebensmaschinen – das ist doch nicht wünschenswert!

        Diese von ihm beschriebene klaglose Mutter, die sogar vergewaltigt wurde und dennoch nicht klagte, hätte sich vielleicht etwas Anderes im Leben gewünscht. Die Idee, eine vergewaltigte Frau sollte sich schön aufopfern und nur ja nie klagen ist ohnehin schon unfassbar.

        Das Höchste Gut der Frau ist, nicht klagend stets zu arbeiten und sich aufzugeben. Das hätte man ja den Männern der Zeit damals als Lebensinhalt offerieren können. Die wären sicherlich genau so begeistert gewesen, wie ich gerade …

        Bin froh, dass die Emanzipations-Hasser in der Minderheit sind und keine großen Einfluss mehr nehmen können. Echt.

        Als emanzipierte Frau beschimpft zu werden ist mir noch nie passiert, aber das hat was 😀

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  3. Eine Mutter, die nie klagt, hat wahrscheinlich einfach niemanden, dem sie ihre Gedanken mitteilen kann, niemanden, der ihr mal zuhört. Krass gesagt: Keinen, der sich um ihre Wünsche, Sorgen und Nöte einen Deut schert.

    Auch mal genervt zu sein heißt sicher nicht, daß man seine Kinder nicht liebt, daß man nicht vieles für sie tun, für sie aufgeben würde. Es heißt nur, daß man ein Mensch ist.

    Sage ich als Nicht-Mutter. Ich habe nur einen Hund, der mich bei aller Liebe auch gelegentlich nervt.

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    • Hunde können definitiv auch nerven 😀

      Die Beobachtung, einer solchen Frau hat vielleicht niemand zugehört, finde ich sehr gut.
      Es gab Zeiten ohne Raum für Verarbeitung und Zeiten mit noch strengeren Moralvorstellungen für Frauen und Mütter … wohin sollte man da mit seinen Gefühlen und Problemen? Vor allem nach einer traumatischen Erfahrung?

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  4. ….wer ließt euren Blog und kommentiert jetzt aus der lameng heraus so negativ?!
    Ein Schelm wer da böses denkt?!
    Ansonsten sind vergleiche dieser Art einfach engstirnig und antiquiert.
    Dennoch trägt er mein Mitgefühl,da er die Last seiner Mutter noch immer mit sich trägt und austrägt.nich würde nicht wundern, wenn er schon diverse Rückenschmerzen hat,der Arme.

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  5. Ehrlich gesagt, habe ich mich noch nicht getraut, bei Regretting motherhood zu lesen …
    Ich habe vielleicht Angst vor zuviel (negativen) Emotionen …

    Ansonsten hatte ich das Glück, eine sehr ehrliche Nachbarin zu haben, die mir (ich war der Babysitter ihrer Kinder) damals schon sagte, dass sie ihre Kinder manchmal am liebsten gegen die Wand klatschen würde. Ich fand das gut, denn so konnte ich meine Gefühle recht schnell als normal einordnen, als hier Babygebrüll einzog.

    Leider gibt es sie aber tatsächlich – die Mütter, die Kinder haben und sich wirklich fast nie um sie kümmern. Gott sei Dank ist das wohl sehr selten und mir wurde auch bisher nur von zweien berichtet.

    Kommentare, die sich im Ton vergreifen, haben wirklich nichts zu suchen auf einem Blog. Man kann ja anderer Meinung sein, sollte sie dennoch zivilisiert vortragen können … einen habe ich auch schon gelöscht …

    Übrigens habe ich heute Abend meinen großen kuschelbedürftigen Sohn wieder in sein eigenes Bett gescheucht – später habe ich ihm erklärt, dass die Ferien für mich auch anstrengend sind, ich mich den ganzen Tag um die Wünsche meiner Kinder gekümmert hätte und nun einfach mal eine halbe Stunde allein sein wolle. Ich glaube, er hat es verstanden …

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  6. Ich habe den Kommentar ja auch im Posteingang gehabt. Das war schon harter Tobak. Eine Unverschämtheit, auf Deutsch gesagt, und das von einer Person die ja vorgeblich Wert auf Anstand legt. Na ja. Auf jeden Fall ein interessanter Beleg dafür dass Du recht hast: Mütter werden sanktioniert, wenn sie ihre negativen Gefühle ausdrücken. Von daher danke dafür, dass Du den Punkt des Artikels unterstrichen hast, mein lieber von einer „richtigen Mutter“ schlecht erzogener Kommentator.

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  7. Ui, ich bin sehr sicher, dass die Mütter von damals nicht viel Zeit hatten, um über ihre Situation nachzudenken, ABER ganz gewiss auch sehr gerne mal pausiert hätten. Und wenn s nur aufn Kaffe gewesen wäre. Und gesellschaftlich hat sich ja auch einiges gewandelt. man sprach damals über gewisse Dinge nicht UND man kannte auch keine Alternativen zum gelebten Modell. Man hatte das schon vorgelebt bekommen, hatte keine Gelegenheit etwas anderes kennenzulernen und wuchs ganz selbstverständlich in die Mutteraufgaben hinein. Und es ging den meisten Frauen ähnlich. Wem sollte man da sagen: Ach, ich würde gerne mal in die Karibik reisen, wie die Ursel von nebenan!? Weil Ursel von nebenan hatte warscheinlich auch Kinder und die gleichen Aufgaben und Sorgen. Und überhaupt! Wir haben heute ‚Luxusprobleme‘. Ja. Aber ist der Luxus nicht auch manchmal eine Last? Man kann und darf alles sein, rein theoretisch. Man muss sich aber auch ständig entscheiden. Die Rollen sind neu verteilt, nichts ist mehr starr. Es werden alte Werte und neue Aufgaben von Müttern erwartet. Ich will weder die alte Zeit, noch die neue Zeit schlecht reden. Ich glaube jede Zeit hat ihre Herausforderungen, Höhen und Tiefen. Heute ist man nur vernetzt und spricht über sein Innerstes. Herrlich, dass wir heute nicht mehr im Stillen mit uns allein alles ausmachen müssen! Die arme Mutter, des unreflektierten Kommentators!!!

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    • Liebe Bea, da sehen wir vieles sehr ähnlich – oder gleich!
      Mir zur die Mutter auch leid und ich sehe keine Vorzüge darin, Traumata verschweigen zu müssen.
      Unfassbar, was für Schicksale manche Mütter stumm ertragen mussten….

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  8. Einfache Antwort: Dein Blog, Deine Entscheidung. Blogs sind nicht objektiv und sollen es ja gar nicht sein. Wer rumblöckt, dem wird der Mund verboten. Denn niemand ist verpflichtet auf einem privaten Blog alle Kommentare zu veröffentlichen. Zensur hat ja durchaus einen Sinn und man kann dies auch sinnvoll einsetzen.

    Andererseits finde ich es durchaus irritierend, wie BerlinmitteMom und aufZehenspitzen richtiger Weise hinweisen, dass sich über seine Kinder mal beschweren und echter Reue so über einen Kamm geschert werden.

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    • Das finde ich auch sehr schräg.
      Man darf doch wohl mal sagen: “ Ist grad alles ein bisschen nervig/anstrengend.“ Aber nein, die böse Mutter will gleich ihre Kinder nicht …
      Wenn der Chefarzt sagt, Patient X nervt gerade mit seinem Was-auch-immer, dann nimmt man ja auch nicht an, er hätte besser Botanik studiert und würde seinen Job sowie die Patienten hassen.

      Die Moral-Keule ist schon echt ein Kracher, mit der wir Mütter da manchmal so bearbeitet werden.

      Das sage ich als „Mensch mit halber Seele und ohne Charakter. Eine böse, emanzipierte Frau, die keine richtige Mutter ist…“ (Zitatende) …. 😀

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  9. Entschuldige, aber das ist doch richtig lustig.
    Die Mutter des Kommentators hat sich (angeblich) nie beschwert.
    Aber ein entspannt ausgeglichener oder gar reflektierter Mensch ist der Kommentator offensichtlich nicht geworden.
    Warum wohl?
    Werden belastende Themen nicht ausgesprochen, evtl. weil kein Raum dafür da ist, werden psychische Belastungen von Generation zu Generation weitergereicht.
    (vgl. „Kinder der Kriegskinder“ und „Kriegsenkel“)
    Insofern sind solche Kommentare als Outing der Störungen des Kommentators zu sehen und m. E. nicht ernst zu nehmen.

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    • Hallo Jo,

      das sehe ich haargenau wie du!
      Diese transgeneratorische Weitergabe von Unverdautem führt(e) zu einer Menge psychischer Probleme.

      Ich habe mir exakt das gedacht: Richtig glücklich und frei von unterdrückten Aggressionen sowie reflektiert ist der Schreiber nicht gewesen.

      Letztlich habe ich mich nicht verletzt gefühlt, sondern mir gefiel es ein bisschen, als emanzipiert „beleidigt“ zu werden und zugleich war die Analyse so offenkundig, dass ich einfach nicht wirklich beleidigt war, sondern mal wieder sah, was ich seit Langem beobachte in Bezug auf die Kinder und Kindeskinder der Kriegsgeneration.

      Vielleicht Dank für Deinen Kommentar!

      Lieben Gruß 😊

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