Nicht untypische Momentaufnahme aus dem Leben mit Kindern

Die Mädels hatten beschlossen, sich durch das Spazierengehen mit Nummer 4 Medienminuten zu verdienen. Diese setzt man bei uns ein, um eben Medien nutzen zu dürfen. Man erhält sie durch Bewegung an der frischen Luft. Es ist eine Währung mit knallhartem Wechselkurs, die aber von den Kindern sehr geliebt wird.

Bereits gestern kündigten sie an, einen nachmittäglichen Spaziergang machen zu wollen. Heute warteten sie ungeduldig und gefühlt 1000 mal nachfragend darauf, dass ihr Mini-Bruder aufwachte. Als es endlich so weit war, rannte Nummer 3 nach oben. Ich (beschäftigt) rief ihr nach, dass sie ihn doch ohnehin nicht aus dem Bett heben könne und sich besser eine größere Schwester mitnehmen solle. Abwinkend verschwand sie, um zwei Sekunden später durch das Haus (und das Babyphone) Nummer 1 zu rufen. Immer lauter und immer ungeduldiger quakte sie den Namen durch das Haus. Schließlich stand Nummer 1 augenrollend auf und ging ins Wohnzimmer, um sich dort auf das Sofa zu setzen.

Ich fragte, ob sie nicht höre, dass Nummer 3 Hilfe brauche und dass Nummer 4 bereits meckere, weil er endlich aus dem Bettchen wolle. Sie brummelte etwas von „Ja, die kann doch wohl auch Nummer 2 rufen. Ich bin beschäftigt“. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits etwas angenervt, blieb aber wie gewohnt (zu) freundlich. Ich komplimentierte sie nach oben und bald kamen sie zu Dritt wieder herunter. Kurz darauf folgte Nummer 2.

Sie holte in der Tat ohne Murren den Kinderwagen aus dem Auto und brachte ihn vor die Tür während Nummer 1 den Kleinen in den warmen Overall steckte. Ich argwöhne, dass sich Nummer 2 so schnell für das Kinderwagenholen meldete, weil sie weniger Bock darauf hatte, die quirlige Nummer 4 in den Overall zu stecken. Aber gut. Nummer 2 und Nummer 3 wollten mit den Inlinern fahren. Bereits gefühlte 1000 Mal hatte ich gesagt, dass Inlinern und Kinderwagenschieben im Grüppchen kontraproduktiv für das Fortkommen ist und sie bei solchen Aktionen schnell die Lust verlieren, weil mindestens Nummer 3 nur mit Gezeter und/oder Gejammer und meterweise Abstand hinterher inlinert. Ich sagte nichts weiter dazu. Sie würden eben herausfinden, ob es Spaß macht. (Sie hatten in den erwähnten 1000 Malen zuvor bereits herausgefunden, dass es keinen Spaß macht)

Irgendwann zog es so eisig zu mir um die Ecke und ich stand auf um nachzusehen. Eigentlich hatte ich das im Sinne der Selbstständigkeit nicht tun wollen. Immerhin sollten sie nur ein Kleinkind in einen Kinderwagen setzen. Der eisige Hauch rührte daher, dass sie die Haustür zu lange offen gelassen hatten. Im Flur lagen Schuhe herumgeworfen. Weil sie sich ja für Inliner entschieden hatten. Sie riefen mich. Ich ging nach draußen, wo Nummer 1 mit recht wenig Elan versucht, Nummer 3 in den Fußsack des Wagens zu stopfen. Ich stand frierend auf Hausschuhen im Nieselregen, verpackte den Kleinen, zog die Regenhaube auf den Wagen (denn beim Tempo der Schwestern wäre er nass bevor es losging) und ging wieder rein.

Dort sah ich mich um und entdeckte in exakt jedem Raum der unteren Etage sowie auch auf den Sofas Popcorn. Popcorn aus der zyklopischen (nun fast leeren) Karnevalsleckerchen-Schüssel. Also nutzte ich die Ruhe des Spaziergangs nicht für etwas Entspannendes, sondern holte den nervtötenden Staubsauger runter. Dem fällt seit der letzten Behandlung durch Mr. Essential dauernd ein Rad ab und die Kinder haben die Plastikschiene geschrottet, in die man das Rohr einrastet, damit man den Sauger kompakt hinstellen kann und das Rohr nicht irgendwo anlehnen muss. Nach der letzten Benutzung durch Nummer 1 (gestern, wegen Popcorn überall…) war der Staubbehälter des beutelfreien Saugers natürlich nicht geleert worden wie es angeordnet wurde. Und so durfte ich das auch zuerst tun.

Ich saugte die untere Etage, räumte auf und schob mir dann zwei Scheiben Brot in den Toaster (mein glutenfreies Brot, das ich heute bekam, als ich mit dem noch nicht abgelaufenen aber verschimmelten Vorgänger-Brot zum Supermarkt fuhr um mich zu beschweren) und machte mir einen Tee.

Das sah dann wohl so verdächtig nach einer Auszeit für Mama aus, dass die Kinder auf ihrem Spaziergang eine star-wars-mäßige Erschütterung der Macht spürten. Denn kaum saß ich mit zwei köstlichen Scheiben Toast und einem ebenfalls leckeren Tee auf dem Sofa, hörte ich Nummer 2 miesgelaunt das Haus betrampelntreten. Sie sei ja (nach knappen 20 Minuten) wieder umgedreht, weil die beiden anderen sich nur gestritten haben. Ganz furchtbar sei das gewesen. Es sei ihr ganz gleich, dass sie nun auf wertvolle Medienminuten verzichten müsse. Sie habe das einfach nicht aushalten können. Nummer 3 sei auf den Inlinern so lahm gewesen und habe sich daher dauernd an den Kinderwagen gehängt, was Nummer 1 genervt habe.

Die Anderen kämen gleich. Man könne das Ganze ja in ein paar Wochen bei schönem Wetter und bester Laune viel toller machen.

Daraufhin ging sie in ihr Zimmer, um es sich dort gemütlich zu machen.

Hatte ich erwähnt, dass sie vor dem Spaziergang eine gute Halbe Stunde zu Dritt auf dem Sofa saßen und sich stritten, weil Nummer 3 pausenlos plapperte oder mindestens nervige Geräusche mit dem Mund produzierte? Nicht? Dann sei das hiermit erwähnt.

Zurück kamen sie übrigens nach rund einer Stunde. Und erzählten, Nummer 2 habe sich plötzlich abgesetzt, nachdem sie einen Streit mit ihnen begonnen hatte. Während Nummer 1 lieb und gut gelaunt vom Spaziergang berichtete, quakte Nummer 3 ungeduldig aus dem Flur, weil sie Hilfe bei den Inlinern brauchte …

So und nun freue ich mich auf den Feierabend 😀

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5 Gedanken zu “Nicht untypische Momentaufnahme aus dem Leben mit Kindern

    • ❤ :-* Wie ich gestern mitten in der Nacht schon sagte, als ich aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte und Du so großartig mit mir geplaudert hast, bis der Stress verflogen war: Du bist der Beste :-* ❤

      Gefällt 1 Person

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