Lügen haben lange Beine?

Lügen haben lange Beine?

Seit einer kurzen Weile begegnen wir immer wieder Artikel zum Thema „Eltern belügen ihre Kinder“ wie dieser in der Huffington Post.

Jetzt möchte ich dazu mal etwas sagen – denn ich hatte das Thema der Lügen ja bereits im Rahmen meines Posts zur Fastenzeit.

Ich verstehe, dass man es manchmal gerne etwas einfacher und schneller haben will – mit Kindern kann der Alltag anstrengend genug sein. Aber ich verstehe Einiges am Lügen nicht:

1. Lehren wir unsere Kinder nicht, dass Lügen falsch ist?

2. Verlieren sie nicht das Vertrauen in uns, wenn wir sie anlügen und zugleich gegen eigene Vorgaben verstoßen?

3. Kann man den Kindern wirklich die Wahrheit nicht sagen oder möchte man sich

4. die Reaktionen einfach nicht antun?

5. Sehe ich das zu eng und es macht einfach nicht wirklich etwas aus oder hinterlässt keine tieferen Eindrücke auf die Kinder?

Ich habe eben Nummer 1 die Liste der elterlichen Lügen des Artikels vorgelesen und sie zog die Stirn kraus.

Sie fand die genannten Lügen „bekloppt, weil komplett unrealistisch“ und meinte, da „könne sie nur einen Vogel zeigen“. Klar, da ist einiges übertrieben dargestellt. Manche Lüge wiederum kam uns realistisch vor. Ihr drängte sich die Frage auf, wieso man seine Kinder belügt, worüber sie den Kopf schüttelte. Wir standen da ein bisschen vor einer fremden Welt, sie und ich.

Irgendwie war ich selbst etwas geschockt von diesem Thema, wo auch immer es mir in den letzten beiden Wochen begegnete. Ich habe wohl ganz naiv gedacht, dass es sich beim elterlichen Lügen eher um für beide Seiten irgendwie bewusste Scherze handeln würde. Und dass die Kinder sehr wohl wüssten, wenn man sie mit Unwahrheiten konfrontierte. Nun erst begreife ich, dass es sich hierbei für manche (viele?) Eltern um so etwas wie kleine Helfer im Erziehungsalltag zu handeln scheint. Es gibt also Eltern, die ihre Kinder (regelmäßig?) anlügen. Damit es im Alltag etwas einfacher ist. Okay.

Das muss ich erst einmal verdauen. Lauter große Pinocchios und Münchausens. Und ich dachte, diese beiden Geschichten hätten gelehrt, dass man nicht lügen soll. Na, dann kann man den pädagogischen Wert der erziehenden Lektüre wohl knicken – was mich im Fall des heute von mir bewerteten Buchs wiederum stark beruhigt 😀

Ich würde gern mal kurz auf die Lügenliste eingehen:

2. „Der Spielplatz hat heute zu.“ Im Fall, dass ich nicht zum Spielplatz wollte oder die Zeit nicht reichte habe ich meinen Kindern gesagt: „Ich möchte jetzt nicht zum Spielplatz.“ oder „Wir haben leider keine Zeit mehr für den Spielplatz. Wir müssen jetzt nach Hause, tut mir leid.“

5. „Mama und Papa gehen auch gleich ins Bett.“ Wenn Schlafenszeit ist und die Kinder fragen, was wir Eltern machen werden, dann sagen wir „Wir genießen die Zeit zu Zweit. Schlaft gut.“ oder „Nein, wir schlafen nun nicht, weil wir älter sind und weniger Schlaf brauchen.“

20. Die Bibi-Blocksberg-CD: Im Auto lief bei uns noch nie Kindermusik. Weil ich das nicht möchte, ich kann mich dabei einfach nicht auf die Straße konzentrieren. Zuhause im Kinderzimmer läuft natürlich, was immer die Kinder hören möchten. Von mir aus auch Hundert Mal. Aber nicht im Auto.

Wenn ich keine Fingermalfarben verwenden will, dann kaufe ich keine (habe ich noch nie), sondern benutze andere bunte Farbverteiler – gerne auch zusammen mit den Kindern.

Wenn ich keine Lust mehr auf etwas habe, dann sage ich: „Ich habe nun keine Lust mehr.“ Wenn Protest kommt, was ich verstehen kann, dann sage ich: „Guck mal, gestern hattest du keine Lust mehr, mit mir zu backen – das war okay. Nun habe ich keine Lust mehr zum Malen. Das ist auch okay.“

Ich habe nie erlebt, dass unsere Kinder an Kassen quengeln (sie „betteln“ aber gerne mal beim Einkaufen), sich schreiend am Boden wälzen oder andere Emotionalausbrüche bekommen, weil ich sie mit der Wahrheit konfrontierte.

Aber sie sagen Folgendes: „Ich vertraue dir, weil du mich nicht belügst. Das fühlt sich irgendwie nach Respekt an. Ich flunker trotzdem manchmal, weil ich keine Lust auf Konsequenzen hab. Das lass ich dann, wenn ich erwachsen bin.“

Es gibt Situationen, in denen die Wahrheit richtig schwierig ist. Und es gibt solche, in denen man sie verschleppt, verzögert oder verschweigt. Das habe ich auch alles schon getan oder tue es manchmal, wenn ich keinen anderen Weg sehe. Aber nicht innerhalb der Familie – irgendetwas daran fühlt sich für mich persönlich nicht gut an. Obwohl ich verstehe, warum Andere sich in dem Punkt anders entscheiden.

Hier wollte ich nun mal meinen gegensätzlichen Entwurf zeigen.

Ein Gedicht von Nummer 3

Timo sitzt im Knast

Am heutigen Tage, wo die Sonne hoch am Himmel steht

Und wo es Timo schlecht ergeht:

Denn er sitzt im Knaste und dreht die Daumen,

Zum Frühstück gab’s verschimmelte Pflaumen.

Dieser Tag fing nicht nur furchtbar an –

Timo denkt: Ob er noch schlimmer werden kann?

Ja, das konnt‘ er, wohlgemerkt,

Er dachte: „Der Knast wurd‘ von jemand Starkem gestärkt.“

Denn Ausbrechen war ziemlich leicht,

bis der starke Mann kam vorbei geschleicht:

„Entschuldigung, dass ich störe, ich wollte mich hier anmelden.

Denn ich gehöre zu den starken Polizei-Helden.“

Der Gefängnis-Wärter sagt:

„Und haben sie noch einen Grund dafür?“

„Ja, der Timo, der sitzt hier.

Ich muss mich für seinen Diebstahl rächen.

Denn ich hatte einen großen Stier,

Den stahl er mir. Jetzt muss er blechen!“

Der Timo hörte alles mit.

Er sagte: „Ach du Sh**.“

Man sagt, dass der starke Mann

Alle Leut‘ zum Schmause machen kann.

Jetzt lief der starke Mann zu Timos Zelle ran.

Doch die Zelle steht ja leer!

Es war ganz geheim bisher:

Timo ausgebrochen ist.

Der starke Mann sagt:

„So ein Mist.“

Timo läuft in die Welt hinaus,

er läuft so schnell er kann nach Haus‘.

Pflaumen isst er nun nicht mehr.

Er tarnt sich – die Polizei sucht ihn sehr.

Finden tut sie ihn ja nicht,

Aber das ist ihre Pflicht!

Timo hat ’ne neue Frisur –

Wie soll’n sie ihn erkennen nur?

Ich mag die Binnenzäsur am Ende der dritten Strophe – die ist so heinz-erhardt-mäßig irgendwie 😀

Artig. Fein. Schrecklich!

Artig. Fein. Schrecklich!

Meine liebe Freundin Cathérine zeigte mir neulich, mit bereits unterdrücktem wie sympathischem Lächeln, ein Buch aus ihrer Kindheit. Dieses Wunderwerk schwarzer Pädagogik war bisher an mir vorübergegangen, aber nun saßen wir da und blicken es Seite für Seite durch.

Ich möchte nun eigentlich keine detaillierte Buchbesprechung schreiben. Lieber einen Verriss 😀

Okay. Genießt mit mir die Bild- und Wortgewalt dieses Zeitzeugnisses der 60er Jahre. Erleben wir gemeinsam innerhalb eines Auszugs, wie mit ausreichend Gewalt aus einem schrecklichen ein artiges Kindlein wird:

Foto 2 (2) Unsere Protagonistin Liese liegt lieber im warmen Bett, als beim Weckerrrasseln aufzuspringen und freudig der Mutter einen Kuss aufzudrücken, um sich für das köstlich mundende Frühstück zu bedanken und anschließend flötend den Schulweg anzutreten. Sogar die Katze Miezchen ist entsetzt über so viel Lethargie und Protest. Dann rafft das Kind sich endlich, endlich auf, um dann am eiskalten Wasser herumzumäkeln. Nein – man glaubt es kaum: Es möchte sich nicht waschen, die Fingerlein bleiben schmutzig!

Doch die liebende Mutter weiß Rat! Sie hat schließlich Johanna Haarers Horrorbuch der Kindererziehung unter dem Kopfkissen. Sie schnappt sich das unartige Kind und setzt sich angemessen gegen dessen Willkür zur Wehr. Armes Mutterherz, dies schmerzte Dich sicher mehr, als es dem Kind Panik machte:

Foto 4Hier ist schön zu sehen, dass die Mutter mit den vielversprechend kräftigen Armen das brave Lächeln nicht vergisst. Sie weiß ja, wie ihre Mutterrollenvorbilder aus der Waschmittelwerbung aussehen …

Foto 3 So sieht Lieschen aus, als es in der Schule ankommt. Die anderen Kinder grinsen hämisch von rechts. Mein Zoom hat diese Kameraden ausgegrenzt. Ich wollte doch zeigen, welche unterschwellige Erotik der rebellischen Verwahrlosung Liese uns präsentiert. Der Rock reicht kaum über den Slip, die Strümpfe rutschen aus den Haltern, die Bluse ist offen bis zum Nabel und das Gesicht lässt mich arg vermuten, dass der Illustrator Charly Greifoner eventuell latent unterdrückte Irgendwas-Gefühle hat. Liese wird hier sicherlich wider den bewussten Willen der Gestaltenden als eine Art sexy Bad Girl vorgeführt. Gut, dass die Autorin von Psychologie keine Ahnung hatte, sonst wäre ihr das vielleicht noch aufgefallen …

Es folgen Seiten, auf denen Liese nicht für das Essen dankt, sondern in der Tat doch kein Gemüse mag. Dieses außergewöhnlich aus der Reihe tanzende Individuum hört noch die Katze Miezchen sowie diesen Hund (oder ist es ein tollwütiger Wer-Hase?) sagen:

Foto 2 Kopie„Iß, das ist gesund!“. Trotz des ökotropholigschen Rats der Fellträger mag sie den Gemüsebrei nicht. Unkraut jäten widerstrebt ihr ebenfalls. Liese hat aus Rache und im vollen Bewusstsein der Folgen alle Möhren aus der Erde gerissen. Der Opa ist ganz stumm vor Schreck und „freut sich Heißassa!“ mit ironischer Aggression. Der Text verrät jedoch nicht, was das Bild des Großvaters zeigt: Er hält bereits eine Rute hinter dem Rücken, während er Liese anschaut.

Als nächstes kommt es noch ärger: Liese fummelt am Radio herum (ohne Foto). Liese ist technisch interessiert und neugierig ungehorsam und nicht rollenkonform. Und dann! Endlich! Straft sie sich selbst und bekommt – Schadenfreude der Autorin erntend – einen Stromschlag. Na, das hat sie davon, diese unartige Göre! Und das Radio selbst blickt auch ganz verstört und enttäuscht drein. Ob der Druck von außen ausreicht, um Liese, diesen „herausstehenden Nagel“ endlich einzuklopfen?

Als nächstes drückt sie ihren Bewegungsdrang und den wohl kläglichen Rest ihrer kindlichen Lebensfreude dadurch aus, dass sie auf einen Baum klettert. Tja, und das Leben ist doch der beste Lehrmeister: Sie fällt natürlich hinab, mitten in die Eierkiepe der Bäuerin. Eier kaputt, Bäuerin schockiert. Doch das trotzige Wesen entschuldigt sich nicht, sondern läuft von hinnen. Allerdings nicht ohne ungebrochene Rebellion gegen die Welt der dominanten, einschüchternden, hämischen wohlwollenden, liebevollen Erwachsenen: Sie zeigt der fluchenden Bäuerin eine lange Nase (links im Bild unten).

Anschließend bricht aus dem Kind auch etwas ganz schreckliches heraus: Kreativität und Phantasie (rechts):Foto 4 (2)

Liese schüttelt das Federbett durch, um Schneefall zu spielen und darin Skier zu fahren. Die Mutter wird schimpfen. Das steht fest. Gott sei Dank! Was, wenn sie am Ende noch Verständnis für kindliche Eigenschaften gezeigt hätte? Wo wären wir da hingekommen? Was für ein Glück Lieschen mit ihrer Erziehungsberechtigten doch hat, wäre es mit seinem widerwärtigen Charakter doch ohne sie vollends verloren.

Es kommt aber noch besser, das Leben hört einfach nicht auf, Liese zu formen:

Foto 1 (1)

Das Kind erschreckt in einem Streich die Anna. Wer oder was genau auch immer Die Anna ist. The Anna Herself ist jedenfalls kreidebleich und verlässt tagsdrauf das Haus. Ich nehme an diesem Punkt an, Die Anna ist so etwas wie Die Marie es damals auch war: Eine Hausangestellte. Sie trägt auch so eine Art Spitzenhäubchen.

Jetzt kommt der erste Höhepunkt: Liese erhält die passende Strafe. Die einzig passende, wo sie doch Die Anna verschreckt hat: Sie kommt in den Kerker (Bild oben, rechte Seite). Und diese Demütigung zusammen mit der Tatsache, dass man sie aushungert reicht sogar (fast) aus, das Kind zu bekehren:

„Hat mich Mutti denn vergessen?

Ach, wie gut wär jetzt Gemüse!“

Tja, da hilft kein Seufzen, Du Struwwelliese.

Kaum aus dem Kellerloch raus allerdings, hat Liese all die gute Erziehung wieder vergessen und liest ein Buch. Dieses fesselt sie so sehr, dass sie etwas völlig Unkindliches tut: Sie läuft einfach über die Straße. Zum Glück kommt das Leben in Form eines Autos und zeigt ihr, was sie davon hat:

Foto 2 (1)

Die vorletzte Seite (hier nicht im Bild) zeigt dann das Kind im Krankenhausbett, wie es von sprechenden Suppenschüsseln, missachteten Spielzeugen und zerbrochenen Dingen heimgesucht wird.

Alle diese Dinge hüpfen auf ihr herum und kommen unter dem Bett hervor. Die nicht eingenomme Medizin, die kaputte Puppe, die nicht verwendete Bürste – alle sie kommen und reden auf sie ein. Die Szene mutet absolut überhaupt nicht an wie die eines in den 60er Jahren cineastisch festgehaltenen Nervenzusammenbruchs, mitnichten! Man sieht, wie Liese endlich zur Besinnung kommt:

Still liegt Liese in dem Bett,

was sie hört ist wenig nett,

Und sie denkt: „Sie haben recht,

Ich war manchmal wirklich schlecht!“

Den Abschluss bildet ein wunderbares Bild, das die verwandelte Liese zeigt. Das Mädchen verwandelte sich so sehr, das sogar die Tiere es endlich leiden können:

Foto 4 (1) An dieser Stelle gefällt mir sehr, dass meine liebe Cathérine einen dicken Filzstift genommen und das brave, angepasste Lieschen bemalt hat.

Sie sagte mir übrigens, dass sie als Kind immer große Angst vor dem Hund gehabt habe. Kann ich gar nicht verstehen :D:

Foto 1

Ich möchte dem Kinderbuch abschließend minus 5 Sterne geben. Ich hasse es und bei jeder weiteren Seite kräuselt sich alles, das mich ausmacht. Ich ächze geradezu unter der Ansammlung widerlichen geistigen Altmetalls, das sich Erziehung nannte und uns alle folgenreich geprägt hat.Ich schüttle mich und mein Mutterherz ächzt. Alles in mir, das Pädagogin, Mutter oder einfach nur geistig gesunder Mensch ist, möchte das Buch gerne als Brennmaterial verwenden – damit es überhaupt einen Nutzen hat außer dem, ein abschreckendes Beispiel und typisches Zeitzeugnis zu sein. Wenn ich darüber nachdenke, dass so etwas benutzt wurde, um Kinder in die Reihe einzufügen, dann werde ich tatsächlich sauer. Oder traurig? Oder beides?

Die systematische Unterdrückung natürlicher, kindlicher Bedürfnisse und Ausdrücke ist furchtbar. Und man müsste sich ja vielleicht nicht aufregen, wenn das alles ewig her wäre und keine Auswirkungen mehr auf das Jetzt hätte. Aber das hat es natürlich, denn Erziehung wirkt nun mal transgeneratorisch. Entweder, weil man sie umkehrt in der Hoffnung, sich davon abzuspalten oder indem man sie in gewissen Dosen weitergibt, weil man sie einfach noch nicht komplett „ausgeschwitzt“ hat. Man kann sich einfach nicht binnen einer oder zweier Generationen komplett pädagogisch entschlacken.

Wenn ich mich umsehe, dann freue ich mich aber. Ich kenne so viele Eltern, die sehr bewusst erziehen (das Wort mag ich eigentlich nicht besonders) oder besser: begleiten. So viele ihrer Gedanken und Reflexionen gelten ihren Kindern. Sie nehmen eine Menge auf sich und viele schaffen es sogar, sich – wenn nötig – selbst aus alten Mustern zu befreien, damit es ihren Kindern gut geht.

In diesem Sinne: Rauf auf die Bäume, ihr Struwwelliesen! Esst Pommes, lest Bücher, stellt Fragen, spielt Streiche und schaut auf die Reaktionen, benässt euch die Stirn statt der täglichen Wäsche – macht Eure Erfahrungen mit Euch selbst und dem Leben! Und wisst, dass Euch dabei weder Häme, noch Waterboarding drohen: Da sind liebevolle und wohlwollende Begleiter in Eurer Nähe, die auf Euch aufpassen und Euch groß werden lassen. Sie wissen, dass sie da sind, um Euch zur Seite zu stehen und nicht, um Euch zu verformen ❤

P.S.:

Bei Lovely Books hat das Buch bis zu 5 Sterne.

Hier gab es folgende Rezension:

„Die Struwwelliese gefiel mir immer besser als der Struwwelpeter. Und später dann hab ich durch Zufall das Buch nochmal gefunden und wieder gekauft. Mein Sohn hat es geliebt. Kein Abend ohne Struwwelliese…“

Bei Amazon bringt das Werk es auf 4,5 Sterne.

Eine Rezensentin meint sinngemäß, man solle die Geschichten mit den Kindern interpretieren, damit sie den Schrecken verlören – sie seien ähnlich wie Märchen.

Sehr wenige bekommen die Krise wie ich. Die meisten lieben den Klassiker ihrer Kindheit, freuen sich über die stabilen Pappseiten oder empfinden das Buch als reine Fiktion, die nichts mit Schwarzer Pädagogik zu tun hat.

Hier sind abschließend meine beiden Lieblingsrezensionen bei Amazon:

„(…) ich mochte das Buch in meiner Kindheit (60-er Jahre) sehr gern, und genau wie eine Vorschreiberin mochte ich Liese auch nur solange sie wild war. Das Püppchen am Schluss fand ich langweilig und blöd.
Als ich die Geschichte für meine Kinder wieder hervor geholt habe, ist mir aufgefallen, dass die Zeichnungen zT nicht mit dem Text übereinstimmen. ZB „Großpapa ist stumm vor Schreck, aber Liese sagt ganz keck“ zeigt einen brutal aussehenden großen kräftigen Großpapa, der hinter seinem Rücken schon die Rute gezückt hat, und sich offensichtlich freut das erschrockene und verängstigte Kind vor sich zu verprügeln (…)“ schreibt Susanne.

Katja von Brauck findet, das Buch gehöre verboten: „Antiquiert, gewaltverherrlichend, unreflektiert. Dieses Buch sollte auf den Index, damit kein Kind mehr deshalb Alpträume haben muss. Das böseste Buch das ich je gesehen habe. Taugt für den Mülleimer.“

Zur Verteidigung unserer Vorgenerationen:

Ja, die Eltern vergangener Zeiten haben all dies verinnerlicht und umgesetzt, weil sie das Beste für ihre Kinder wollten. Es entsprach mal dem Zeitgeist, seine Kinder zu verhauen bis sie weinten und bluteten. Man glaubte, genau dies brächte sie in die Lage, ihr Leben zu meistern und ein gutes Gesellschaftsmitglied zu werden.

Und in Teilen der Welt gilt dies noch heute so.

Gewalt als Komponente des Umgangs mit Kindern ist vielerorts so normal, dass sich eigentlich niemand wundern muss, woher all die gewalttätigen Menschen kommen. Mich wundert manchmal, wie schwer es zu begreifen sein muss, dass aus einem geschlagenen Hänschen eben nicht nur ein lebenstüchtiger sondern auch ein schlagender Hans werden kann. Wenn Hans sich nie eingesteht, wie schmerzhaft seine Kindheitserfahrungen waren und seine ganze unterdrückte Wut, die Demütigung, den Vertrauensverlust und die Entmündigung zu verarbeiten kann …

Schöne Karten gesucht?

Schöne Karten gesucht?

Mit freundlicher Unterstützung von Eventkingdom

Als Nummer 4 geboren wurde habe ich lange überlegt, ob ich die Geburtskarten selber basteln oder anfertigen lassen wollte. Ich habe mich im Internet umgesehen und nichts gefunden, das mir wirklich gefiel. Es gab sehr nette Karten der Fotoabteilungen von Drogeriemärkten und auch einige weitere Anbieter, aber bei mir sprang kein Funke über.

Schließlich habe ich gebastelt. Damit war ich sehr zufrieden, das will ich nun mal nicht schmälern 😀 Es waren schlichte weiße Karten aus hochwertigem Material, auf die ich mittig einen hellblauen, nostalgischen Stoffkinderwagen aufgeklebt habe. Darunter befand sich der Name aus den weißen Perlchen, mit denen auch in Krankenhäusern die Geburtsarmbändchen gefertigt werden.

Die Danksagungen habe ich ebenfalls selber gemacht. Es gab Zeiten, in denen ich laufend Karten gebastelt habe – Zeiten, in denen ich eben genau davon mehr hatte: Zeit.

Und wie das so ist, findet man, wonach man sucht, wenn man es gerade nicht mehr braucht. So war es auch im Fall der Karten. Ich bin erst hinterher auf Eventkingdom gestoßen. Ich fand die Farben und Designs sofort ansprechend. Natürlich kann man nicht nur Geburtskarten bestellen. Alle Karten lassen sich per Post oder online versenden. Seine individuellen Karten kann man mit Hilfe von Hunderten verschiedene Motiven, sowie eigenen Fotos hochladen anfertigen lassen. Es juckte mir in den Fingern, aber ich brauchte keine Karten. Ich warte nun auf einen Anlass.

Die Motive der Kindergeburtstagseinladungen gefallen mir übrigens besonders gut:

Screenshot 2015-02-26 15.14.11

Über das Angebot der Karten hinaus gibt es auch noch einen Hochzeitsplanungsservice, Save the Date Karten und vieles mehr. Und überhaupt bekam ich einen romantischen Summton in mir, während ich mich durch die Seite klickte.

So. Noch ein Kind werde ich definitiv nicht bekommen, aber heiraten könnte ich durchaus, wir sind bisher nämlich nur standesamtlich getraut 😀

Lotterleben in Dosen

Die beiden Großen haben seit einer Weile öfter mal abwechselnd übernommen, abends die Schulbrote für alle zu machen und in den Kühlschrank zu stellen. Ab und an wurde es vergessen und morgens nachgeholt. Immer mal wieder hörte ich Beschwerden – vor allem von der wählerischen Nummer 3 – über die Qualität der Brotboxinhalte. 

Heute morgen versammelten sie sich alle in meinem Bett.

Ich: „Hey Mädels, ich hab gestern eure Brotdosen gefüllt. Irgendwie hatte ich abends einen Energieüberschuss und außerdem habe ich ja gehört, dass da irgendwas mit den Brotdoseninhalte nicht so ganz in Ordnung war. Sie stehen im Kühlschrank. Ich hab Nameszettel draufgelegt.“

Sie bedankten sich und meinten, sie hätten die Dosen schon längst eingepackt.

Ich (betont theatralisch): „Aber alles im Leben hat seinen Preis. Ihr wisst ja: Wenn ich Brote mache, dann bin ich waaaahnsinnig traurig, wenn ihr sie mal wieder im Kühlschrank vergesst.“

Nummer 2: „Den Preis zahl ich gerne. Das ist tausendmal besser, als so verlotterte Lappen mit zur Schule zu kriegen, bei denen man sich wünscht, man hätte sie im Kühlschrank stehen lassen …“

Verlotterte Lappen. So haben sie unter ihrer eigenen Selbstständigkeit also gelitten 😀

Hasenparty

Wir gucken einen Doris-Day-Film. Das hat Tradition, wenn Mr. Essential auf Geschäftsreise ist. Heute gibt es „Ein Pyjama für zwei“. In einer Szene tanzen Frauen revuemäßig in knappen, weißen Hasenkostümen. Auf dem Kopf eine Haube mit Ohren und am Popo natürlich ein Puschelschwänzchen.

Mir entkommt ein lakonischer Kommentar: „Oh Mann, wofür Frauen sich so alles hergeben …“

Nummer 3 (mit kompletten Unverständnis für die Darbietung): „Äh, wieso tanzen die in so beknackten knappen Badeanzügen?“

Ich: „Tja, hm, also ich denke, das soll sexy sein.“

Nummer 2: „Ja, wenn ich einen Hasen sehe, denke ich als erstes an das Wort Sex.“

Nummer 1 (gibt sich den neutral-wissenschaftlichen Anstrich): „Vielleicht kommt das daher, dass der Hase ein heidnisches Symbol für Fruchtbarkeit ist.“

Nummer 2 geht etwas zu trinken holen und meint im Weggehen (nicht ohne zynischen Unterton natürlich): „Macht ja auf Pause, ich will nichts verpassen, vom Fruchtbarkeits-Karnickel-Zirkus.“

So können die Zeiten sich ändern. Als ich den Film im gleichen Alter gesehen habe, sind mit die Tanzhäschen nicht mal aufgefallen. Und ich hätte nach einem Kommentar meiner Mutter (der so niemals gekommen wäre) ganz sicher dazu nichts zu sagen im Kopf gehabt.

Ich freu mich gerade sehr über die Gesellschaft in der ich mich an unserem Mädelsabend befinde … 🙂

Liebster Award

Liebster Award

Vielen lieben Dank an die Wildnisfamilie für die Nominierung.

Ich habe mich richtig gefreut, Euren Blog kennenzulernen und habe prompt etwas gelernt: Der Begriff der Lotus-Geburt war mir bisher fremd. Danke für`s Dazulernen also. Ich glaube, bei meiner Hausgeburt der zweiten Tochter damals hätte ich über so etwas nachgedacht. Haben doch mein Mann und mein Vater (der wohl sehr grün im Gesicht war dabei) die Plazenta ganz archaisch an einem Baum im Wald vergraben und ich hätte für so etwas den richtigen Raum im Leben gehabt 🙂

Zum Liebster Award

Der Liebster Award macht Blogger untereinander bekannt, stellt neue/junge/verschiedene Blogs vor. Man wird nominiert und nominiert seinerseits fünf bis elf Blogs, die einem gut gefallen und unter 1.000 Follower haben. Dazu überlegt man sich Fragen, die von der Bloggerin oder dem Blogger beantwortet werden.

Los geht es mit den Fragen der Wildnisfamilie:

1. Wann bist du zum letzten Mal auf einen Baum geklettert?

Vorletztes Jahr, als ich meine Tochter heraus geangelt habe, die etwas zu hoch geklettert war.

2. Hast du schon einmal alleine im Wald geschlafen?

Nein, alleine nicht. Dafür aber ab und zu auf dem blanken Boden, ein paar Felle unter mir und eine Wolldecke auf mir. Die Erfahrung zeigte: Dies empfiehlt sich nicht bei Bodenfrost …

3. Du darfst Dir eine Fähigkeit aussuchen – welche nimmst Du? Fliegen können, Gedankenlesen, Unsichtbar sein können, Verwandlung in ein Tier, Zeitreisen, Krankheiten heilen.  

Zeitreisen wäre einfach großartig und ein Kindheitstraum von mir. Aber ich würde mich definitiv für das Heilen entscheiden. Eine Kombination wäre genial! Wie dann die Welt wohl aussähe, nachdem ich zahllose Pestkranke geheilt hätte und dann zurückkehren würde?

4. Wenn Du die Möglichkeit hättest etwas an der Schule zu ändern, was wäre das?

Uff. Da bräuchte ich nun aber viel Platz zum Schreiben und Beantworten. Ich würde ändern: Das Stillsitzen und seine gesamten preußischen Anleihen. Die Idee, alle müssten über einen Kamm geschoren und gleichgeschaltet werden. Die Problematiken, die auftreten, wenn jemand „aus der Norm fällt“ und die Startzeit der Schule würde ich auch ändern. Und die Möglichkeit einräumen, dass man ein Kontingent an tagen pro Jahr hätte, an denen man einfach nicht hin muss, sondern „Home Office“ macht. Und die Didaktik ist ausbaufähig. Und die Fähigkeiten der Lehrer damit, mit Konflikten umzugehen – da könnte ich auch Einiges ändern … und … und … und

5. Möchtest Du mit Deinem Blog auf längere Sicht hinweg Geld verdienen bzw. und verdienst Du bereits damit Geld?

Das ist nicht mein Primärziel. Ich verdiene sehr selten etwas und dann eher in Form von Testobjekten, die ich behalte. Ich würde keine Produkte oder Dienstleistungen empfehlen, hinter denen ich nicht stehe. Irgendwie habe ich da eine Art Idealismus, glaube ich.

6. Wenn es bei Dir brennen würde und du könntest 5 Dinge retten – welche Dinge wären das und warum ausgerechnet sie? (Keine Menschen oder Tiere – die Hast Du bereits gerettet 🙂

Diese Frage habe ich mir als Kind ungefähr eine Millionen Mal gestellt. Damals hätte ich gesagt: Trösti. Das ist mein heißgeliebter Teddy. Und ich glaube, der wäre heute noch ganz oben auf Platz 1, wenn alle Anderen gerettet wären. Dann würde ich meine Fotoalben retten wollen – wobei das mehr als die restlichen möglichen vier Dinge wären. Sie sollten also am besten in vier Kartons verpackt sein 😀

7. Für was spürst Du Dankbarkeit?

Für so viel! Jeden Tag, glaube ich. Ich bin dankbar für alle Erfahrungen meines Lebens. Ja, auch für die, bei denen Außenstehende nicht mit Dankbarkeit rechnen würden. Ich bin natürlich dankbar für meine Kinder, die nicht nur meine Gefühle sondern auch meinen Geist bereichern. Und ebenso für meinen Mann, der als mein Seelenverwandter Ehemann, Partner, Lover und bester Kumpel für mich ist. Ich bin dankbar für meine wunderbaren Freunde, deren Persönlichkeiten allein schon durch ihre Verschiedenheit unendlich bereichernd ist. Der Dank gilt nicht in dieser oder einer bestimmten Reihenfolge.

8. Welches Buch und welcher Film bedeutet Dir am meisten und warum genau?

Es gibt zwei Filme, die ich sehr liebe: Cloud Atlas (und da wäre auch das Buch mein Favorit) und Francis F. Coppolas Dracula. Ersteres liebe ich, weil ich die tiefgreifende Idee der Wiedergeburt im Zusammenhang mit bestimmten seelischen Konstellationen, innerhalb derer man dazulernt, unfassbar schön finde. Und der zweite Film ist für mich der schönste Liebesfilm, den ich kenne. Ja, nun würde mein Mann sagen: „Das IST kein Liebesfilm sondern der Kategorie nach ein Horrorfilm – aber ich verstehe dich ja.“

9. Wenn du etwas ändern könntest in Deinem Leben – was wäre das und wieso würdest Du es ändern?

Puh … das ist auch eine sehr gute Frage! Ich glaube ich würde mir mehr Freiheit einräumen. Wenn es ginge, würde ich von der Überdosis Alltag zurücktreten und mir eine gute Dosis Begegnungen geben. Mir fehlt der Austausch mit (gleichaltrigen) Menschen immer wieder und ich empfinde ihn als sehr bereichernd. Ich bin genervt von Dingen wie Einkaufen, Elternabend und Hausaufgaben.

10. Eine Fee schenkt Dir einen Wunsch. Welcher wäre das?

100 weitere 😀 ? Okay, okay: Ein einziger Wunsch? Dann wünschte ich, mein Mann, meine Kinder und ich würden so lange gesund und wohlbehalten leben, wie wir es möchten.

11. Wie viel Menschen hast du pro Monat auf Deinem Blog?

Rund 4.000 bei bis zu 10.000 views.

Ich nominiere nun folgende Blogs für den Liebster Award und würde mich freuen, wenn sie teilnehmen:

Gozzilla – nice to eat you

(Blog meiner hier erwähnten Freundin Concetta, die ehrlich, liebenswürdig und sehr humorvoll über ihr Leben mit den drei Söhnen und ihrem Mann schreibt.)

Nieselpriem

(Ich lese so richtig gerne die unterhaltsamen, interessanten und auch tiefgründigeren Blogposts und empfehle daher „das Nieselpriemchen“ sehr zum Lesen)

Das zweite Kind sind Zwillinge

(Mara schreibt richtig unterhaltsam und lebensnah über ihr sehr mit Leben gefülltes Leben)

Mama Luja

(Ein richtig schöner/s Blog mitten aus dem Leben – von hier hatte ich die Idee zum Blogpost „Kindergesetze“ …)

Kreatives Familienleben

(Hier geht es um das Leben, die Gedanken und Gefühle im Leben mit zwei kleinen Kindern. Und Kreativität natürlich.)

Schnipselsammlung

(Bei der Schnipselsammlung wird es richtig bunt und man kann eine Menge Eindrücke sowie Gedanken genießen)

Meine Fragen an Euch:

1. Warum führst Du ein/en Blog?

2. Was macht Dich richtig glücklich?

3. Auf welchen Moment oder Zeitpunkt des Tages freust Du Dich am meisten?

4. Auf welchen Moment oder Zeitpunkt des Tages freust Du Dich am wenigsten?

5. Deine schönste Kindheitserinnerung?

6. Gibt es etwas, das Du gern ganz anders machen würdest und es doch nicht umgesetzt bekommst?

7. Wenn Du der Welt eine Botschaft schreiben könntest, die wirklich jeder Mensch lesen oder mitgeteilt bekommen würde, wie würde sie lauten?

8. Wovon hättest Du gerne mehr in Deinem Leben?

9. Wovon hättest Du gern weniger in Deinem Leben?

10. Was ist Dein größter Traum?

Liebster Award