Lügen haben lange Beine?

Lügen haben lange Beine?

Seit einer kurzen Weile begegnen wir immer wieder Artikel zum Thema „Eltern belügen ihre Kinder“ wie dieser in der Huffington Post.

Jetzt möchte ich dazu mal etwas sagen – denn ich hatte das Thema der Lügen ja bereits im Rahmen meines Posts zur Fastenzeit.

Ich verstehe, dass man es manchmal gerne etwas einfacher und schneller haben will – mit Kindern kann der Alltag anstrengend genug sein. Aber ich verstehe Einiges am Lügen nicht:

1. Lehren wir unsere Kinder nicht, dass Lügen falsch ist?

2. Verlieren sie nicht das Vertrauen in uns, wenn wir sie anlügen und zugleich gegen eigene Vorgaben verstoßen?

3. Kann man den Kindern wirklich die Wahrheit nicht sagen oder möchte man sich

4. die Reaktionen einfach nicht antun?

5. Sehe ich das zu eng und es macht einfach nicht wirklich etwas aus oder hinterlässt keine tieferen Eindrücke auf die Kinder?

Ich habe eben Nummer 1 die Liste der elterlichen Lügen des Artikels vorgelesen und sie zog die Stirn kraus.

Sie fand die genannten Lügen „bekloppt, weil komplett unrealistisch“ und meinte, da „könne sie nur einen Vogel zeigen“. Klar, da ist einiges übertrieben dargestellt. Manche Lüge wiederum kam uns realistisch vor. Ihr drängte sich die Frage auf, wieso man seine Kinder belügt, worüber sie den Kopf schüttelte. Wir standen da ein bisschen vor einer fremden Welt, sie und ich.

Irgendwie war ich selbst etwas geschockt von diesem Thema, wo auch immer es mir in den letzten beiden Wochen begegnete. Ich habe wohl ganz naiv gedacht, dass es sich beim elterlichen Lügen eher um für beide Seiten irgendwie bewusste Scherze handeln würde. Und dass die Kinder sehr wohl wüssten, wenn man sie mit Unwahrheiten konfrontierte. Nun erst begreife ich, dass es sich hierbei für manche (viele?) Eltern um so etwas wie kleine Helfer im Erziehungsalltag zu handeln scheint. Es gibt also Eltern, die ihre Kinder (regelmäßig?) anlügen. Damit es im Alltag etwas einfacher ist. Okay.

Das muss ich erst einmal verdauen. Lauter große Pinocchios und Münchausens. Und ich dachte, diese beiden Geschichten hätten gelehrt, dass man nicht lügen soll. Na, dann kann man den pädagogischen Wert der erziehenden Lektüre wohl knicken – was mich im Fall des heute von mir bewerteten Buchs wiederum stark beruhigt 😀

Ich würde gern mal kurz auf die Lügenliste eingehen:

2. „Der Spielplatz hat heute zu.“ Im Fall, dass ich nicht zum Spielplatz wollte oder die Zeit nicht reichte habe ich meinen Kindern gesagt: „Ich möchte jetzt nicht zum Spielplatz.“ oder „Wir haben leider keine Zeit mehr für den Spielplatz. Wir müssen jetzt nach Hause, tut mir leid.“

5. „Mama und Papa gehen auch gleich ins Bett.“ Wenn Schlafenszeit ist und die Kinder fragen, was wir Eltern machen werden, dann sagen wir „Wir genießen die Zeit zu Zweit. Schlaft gut.“ oder „Nein, wir schlafen nun nicht, weil wir älter sind und weniger Schlaf brauchen.“

20. Die Bibi-Blocksberg-CD: Im Auto lief bei uns noch nie Kindermusik. Weil ich das nicht möchte, ich kann mich dabei einfach nicht auf die Straße konzentrieren. Zuhause im Kinderzimmer läuft natürlich, was immer die Kinder hören möchten. Von mir aus auch Hundert Mal. Aber nicht im Auto.

Wenn ich keine Fingermalfarben verwenden will, dann kaufe ich keine (habe ich noch nie), sondern benutze andere bunte Farbverteiler – gerne auch zusammen mit den Kindern.

Wenn ich keine Lust mehr auf etwas habe, dann sage ich: „Ich habe nun keine Lust mehr.“ Wenn Protest kommt, was ich verstehen kann, dann sage ich: „Guck mal, gestern hattest du keine Lust mehr, mit mir zu backen – das war okay. Nun habe ich keine Lust mehr zum Malen. Das ist auch okay.“

Ich habe nie erlebt, dass unsere Kinder an Kassen quengeln (sie „betteln“ aber gerne mal beim Einkaufen), sich schreiend am Boden wälzen oder andere Emotionalausbrüche bekommen, weil ich sie mit der Wahrheit konfrontierte.

Aber sie sagen Folgendes: „Ich vertraue dir, weil du mich nicht belügst. Das fühlt sich irgendwie nach Respekt an. Ich flunker trotzdem manchmal, weil ich keine Lust auf Konsequenzen hab. Das lass ich dann, wenn ich erwachsen bin.“

Es gibt Situationen, in denen die Wahrheit richtig schwierig ist. Und es gibt solche, in denen man sie verschleppt, verzögert oder verschweigt. Das habe ich auch alles schon getan oder tue es manchmal, wenn ich keinen anderen Weg sehe. Aber nicht innerhalb der Familie – irgendetwas daran fühlt sich für mich persönlich nicht gut an. Obwohl ich verstehe, warum Andere sich in dem Punkt anders entscheiden.

Hier wollte ich nun mal meinen gegensätzlichen Entwurf zeigen.

Ein Gedicht von Nummer 3

Timo sitzt im Knast

Am heutigen Tage, wo die Sonne hoch am Himmel steht

Und wo es Timo schlecht ergeht:

Denn er sitzt im Knaste und dreht die Daumen,

Zum Frühstück gab’s verschimmelte Pflaumen.

Dieser Tag fing nicht nur furchtbar an –

Timo denkt: Ob er noch schlimmer werden kann?

Ja, das konnt‘ er, wohlgemerkt,

Er dachte: „Der Knast wurd‘ von jemand Starkem gestärkt.“

Denn Ausbrechen war ziemlich leicht,

bis der starke Mann kam vorbei geschleicht:

„Entschuldigung, dass ich störe, ich wollte mich hier anmelden.

Denn ich gehöre zu den starken Polizei-Helden.“

Der Gefängnis-Wärter sagt:

„Und haben sie noch einen Grund dafür?“

„Ja, der Timo, der sitzt hier.

Ich muss mich für seinen Diebstahl rächen.

Denn ich hatte einen großen Stier,

Den stahl er mir. Jetzt muss er blechen!“

Der Timo hörte alles mit.

Er sagte: „Ach du Sh**.“

Man sagt, dass der starke Mann

Alle Leut‘ zum Schmause machen kann.

Jetzt lief der starke Mann zu Timos Zelle ran.

Doch die Zelle steht ja leer!

Es war ganz geheim bisher:

Timo ausgebrochen ist.

Der starke Mann sagt:

„So ein Mist.“

Timo läuft in die Welt hinaus,

er läuft so schnell er kann nach Haus‘.

Pflaumen isst er nun nicht mehr.

Er tarnt sich – die Polizei sucht ihn sehr.

Finden tut sie ihn ja nicht,

Aber das ist ihre Pflicht!

Timo hat ’ne neue Frisur –

Wie soll’n sie ihn erkennen nur?

Ich mag die Binnenzäsur am Ende der dritten Strophe – die ist so heinz-erhardt-mäßig irgendwie 😀

Artig. Fein. Schrecklich!

Artig. Fein. Schrecklich!

Meine liebe Freundin Cathérine zeigte mir neulich, mit bereits unterdrücktem wie sympathischem Lächeln, ein Buch aus ihrer Kindheit. Dieses Wunderwerk schwarzer Pädagogik war bisher an mir vorübergegangen, aber nun saßen wir da und blicken es Seite für Seite durch.

Ich möchte nun eigentlich keine detaillierte Buchbesprechung schreiben. Lieber einen Verriss 😀

Okay. Genießt mit mir die Bild- und Wortgewalt dieses Zeitzeugnisses der 60er Jahre. Erleben wir gemeinsam innerhalb eines Auszugs, wie mit ausreichend Gewalt aus einem schrecklichen ein artiges Kindlein wird:

Foto 2 (2) Unsere Protagonistin Liese liegt lieber im warmen Bett, als beim Weckerrrasseln aufzuspringen und freudig der Mutter einen Kuss aufzudrücken, um sich für das köstlich mundende Frühstück zu bedanken und anschließend flötend den Schulweg anzutreten. Sogar die Katze Miezchen ist entsetzt über so viel Lethargie und Protest. Dann rafft das Kind sich endlich, endlich auf, um dann am eiskalten Wasser herumzumäkeln. Nein – man glaubt es kaum: Es möchte sich nicht waschen, die Fingerlein bleiben schmutzig!

Doch die liebende Mutter weiß Rat! Sie hat schließlich Johanna Haarers Horrorbuch der Kindererziehung unter dem Kopfkissen. Sie schnappt sich das unartige Kind und setzt sich angemessen gegen dessen Willkür zur Wehr. Armes Mutterherz, dies schmerzte Dich sicher mehr, als es dem Kind Panik machte:

Foto 4Hier ist schön zu sehen, dass die Mutter mit den vielversprechend kräftigen Armen das brave Lächeln nicht vergisst. Sie weiß ja, wie ihre Mutterrollenvorbilder aus der Waschmittelwerbung aussehen …

Foto 3 So sieht Lieschen aus, als es in der Schule ankommt. Die anderen Kinder grinsen hämisch von rechts. Mein Zoom hat diese Kameraden ausgegrenzt. Ich wollte doch zeigen, welche unterschwellige Erotik der rebellischen Verwahrlosung Liese uns präsentiert. Der Rock reicht kaum über den Slip, die Strümpfe rutschen aus den Haltern, die Bluse ist offen bis zum Nabel und das Gesicht lässt mich arg vermuten, dass der Illustrator Charly Greifoner eventuell latent unterdrückte Irgendwas-Gefühle hat. Liese wird hier sicherlich wider den bewussten Willen der Gestaltenden als eine Art sexy Bad Girl vorgeführt. Gut, dass die Autorin von Psychologie keine Ahnung hatte, sonst wäre ihr das vielleicht noch aufgefallen …

Es folgen Seiten, auf denen Liese nicht für das Essen dankt, sondern in der Tat doch kein Gemüse mag. Dieses außergewöhnlich aus der Reihe tanzende Individuum hört noch die Katze Miezchen sowie diesen Hund (oder ist es ein tollwütiger Wer-Hase?) sagen:

Foto 2 Kopie„Iß, das ist gesund!“. Trotz des ökotropholigschen Rats der Fellträger mag sie den Gemüsebrei nicht. Unkraut jäten widerstrebt ihr ebenfalls. Liese hat aus Rache und im vollen Bewusstsein der Folgen alle Möhren aus der Erde gerissen. Der Opa ist ganz stumm vor Schreck und „freut sich Heißassa!“ mit ironischer Aggression. Der Text verrät jedoch nicht, was das Bild des Großvaters zeigt: Er hält bereits eine Rute hinter dem Rücken, während er Liese anschaut.

Als nächstes kommt es noch ärger: Liese fummelt am Radio herum (ohne Foto). Liese ist technisch interessiert und neugierig ungehorsam und nicht rollenkonform. Und dann! Endlich! Straft sie sich selbst und bekommt – Schadenfreude der Autorin erntend – einen Stromschlag. Na, das hat sie davon, diese unartige Göre! Und das Radio selbst blickt auch ganz verstört und enttäuscht drein. Ob der Druck von außen ausreicht, um Liese, diesen „herausstehenden Nagel“ endlich einzuklopfen?

Als nächstes drückt sie ihren Bewegungsdrang und den wohl kläglichen Rest ihrer kindlichen Lebensfreude dadurch aus, dass sie auf einen Baum klettert. Tja, und das Leben ist doch der beste Lehrmeister: Sie fällt natürlich hinab, mitten in die Eierkiepe der Bäuerin. Eier kaputt, Bäuerin schockiert. Doch das trotzige Wesen entschuldigt sich nicht, sondern läuft von hinnen. Allerdings nicht ohne ungebrochene Rebellion gegen die Welt der dominanten, einschüchternden, hämischen wohlwollenden, liebevollen Erwachsenen: Sie zeigt der fluchenden Bäuerin eine lange Nase (links im Bild unten).

Anschließend bricht aus dem Kind auch etwas ganz schreckliches heraus: Kreativität und Phantasie (rechts):Foto 4 (2)

Liese schüttelt das Federbett durch, um Schneefall zu spielen und darin Skier zu fahren. Die Mutter wird schimpfen. Das steht fest. Gott sei Dank! Was, wenn sie am Ende noch Verständnis für kindliche Eigenschaften gezeigt hätte? Wo wären wir da hingekommen? Was für ein Glück Lieschen mit ihrer Erziehungsberechtigten doch hat, wäre es mit seinem widerwärtigen Charakter doch ohne sie vollends verloren.

Es kommt aber noch besser, das Leben hört einfach nicht auf, Liese zu formen:

Foto 1 (1)

Das Kind erschreckt in einem Streich die Anna. Wer oder was genau auch immer Die Anna ist. The Anna Herself ist jedenfalls kreidebleich und verlässt tagsdrauf das Haus. Ich nehme an diesem Punkt an, Die Anna ist so etwas wie Die Marie es damals auch war: Eine Hausangestellte. Sie trägt auch so eine Art Spitzenhäubchen.

Jetzt kommt der erste Höhepunkt: Liese erhält die passende Strafe. Die einzig passende, wo sie doch Die Anna verschreckt hat: Sie kommt in den Kerker (Bild oben, rechte Seite). Und diese Demütigung zusammen mit der Tatsache, dass man sie aushungert reicht sogar (fast) aus, das Kind zu bekehren:

„Hat mich Mutti denn vergessen?

Ach, wie gut wär jetzt Gemüse!“

Tja, da hilft kein Seufzen, Du Struwwelliese.

Kaum aus dem Kellerloch raus allerdings, hat Liese all die gute Erziehung wieder vergessen und liest ein Buch. Dieses fesselt sie so sehr, dass sie etwas völlig Unkindliches tut: Sie läuft einfach über die Straße. Zum Glück kommt das Leben in Form eines Autos und zeigt ihr, was sie davon hat:

Foto 2 (1)

Die vorletzte Seite (hier nicht im Bild) zeigt dann das Kind im Krankenhausbett, wie es von sprechenden Suppenschüsseln, missachteten Spielzeugen und zerbrochenen Dingen heimgesucht wird.

Alle diese Dinge hüpfen auf ihr herum und kommen unter dem Bett hervor. Die nicht eingenomme Medizin, die kaputte Puppe, die nicht verwendete Bürste – alle sie kommen und reden auf sie ein. Die Szene mutet absolut überhaupt nicht an wie die eines in den 60er Jahren cineastisch festgehaltenen Nervenzusammenbruchs, mitnichten! Man sieht, wie Liese endlich zur Besinnung kommt:

Still liegt Liese in dem Bett,

was sie hört ist wenig nett,

Und sie denkt: „Sie haben recht,

Ich war manchmal wirklich schlecht!“

Den Abschluss bildet ein wunderbares Bild, das die verwandelte Liese zeigt. Das Mädchen verwandelte sich so sehr, das sogar die Tiere es endlich leiden können:

Foto 4 (1) An dieser Stelle gefällt mir sehr, dass meine liebe Cathérine einen dicken Filzstift genommen und das brave, angepasste Lieschen bemalt hat.

Sie sagte mir übrigens, dass sie als Kind immer große Angst vor dem Hund gehabt habe. Kann ich gar nicht verstehen :D:

Foto 1

Ich möchte dem Kinderbuch abschließend minus 5 Sterne geben. Ich hasse es und bei jeder weiteren Seite kräuselt sich alles, das mich ausmacht. Ich ächze geradezu unter der Ansammlung widerlichen geistigen Altmetalls, das sich Erziehung nannte und uns alle folgenreich geprägt hat.Ich schüttle mich und mein Mutterherz ächzt. Alles in mir, das Pädagogin, Mutter oder einfach nur geistig gesunder Mensch ist, möchte das Buch gerne als Brennmaterial verwenden – damit es überhaupt einen Nutzen hat außer dem, ein abschreckendes Beispiel und typisches Zeitzeugnis zu sein. Wenn ich darüber nachdenke, dass so etwas benutzt wurde, um Kinder in die Reihe einzufügen, dann werde ich tatsächlich sauer. Oder traurig? Oder beides?

Die systematische Unterdrückung natürlicher, kindlicher Bedürfnisse und Ausdrücke ist furchtbar. Und man müsste sich ja vielleicht nicht aufregen, wenn das alles ewig her wäre und keine Auswirkungen mehr auf das Jetzt hätte. Aber das hat es natürlich, denn Erziehung wirkt nun mal transgeneratorisch. Entweder, weil man sie umkehrt in der Hoffnung, sich davon abzuspalten oder indem man sie in gewissen Dosen weitergibt, weil man sie einfach noch nicht komplett „ausgeschwitzt“ hat. Man kann sich einfach nicht binnen einer oder zweier Generationen komplett pädagogisch entschlacken.

Wenn ich mich umsehe, dann freue ich mich aber. Ich kenne so viele Eltern, die sehr bewusst erziehen (das Wort mag ich eigentlich nicht besonders) oder besser: begleiten. So viele ihrer Gedanken und Reflexionen gelten ihren Kindern. Sie nehmen eine Menge auf sich und viele schaffen es sogar, sich – wenn nötig – selbst aus alten Mustern zu befreien, damit es ihren Kindern gut geht.

In diesem Sinne: Rauf auf die Bäume, ihr Struwwelliesen! Esst Pommes, lest Bücher, stellt Fragen, spielt Streiche und schaut auf die Reaktionen, benässt euch die Stirn statt der täglichen Wäsche – macht Eure Erfahrungen mit Euch selbst und dem Leben! Und wisst, dass Euch dabei weder Häme, noch Waterboarding drohen: Da sind liebevolle und wohlwollende Begleiter in Eurer Nähe, die auf Euch aufpassen und Euch groß werden lassen. Sie wissen, dass sie da sind, um Euch zur Seite zu stehen und nicht, um Euch zu verformen ❤

P.S.:

Bei Lovely Books hat das Buch bis zu 5 Sterne.

Hier gab es folgende Rezension:

„Die Struwwelliese gefiel mir immer besser als der Struwwelpeter. Und später dann hab ich durch Zufall das Buch nochmal gefunden und wieder gekauft. Mein Sohn hat es geliebt. Kein Abend ohne Struwwelliese…“

Bei Amazon bringt das Werk es auf 4,5 Sterne.

Eine Rezensentin meint sinngemäß, man solle die Geschichten mit den Kindern interpretieren, damit sie den Schrecken verlören – sie seien ähnlich wie Märchen.

Sehr wenige bekommen die Krise wie ich. Die meisten lieben den Klassiker ihrer Kindheit, freuen sich über die stabilen Pappseiten oder empfinden das Buch als reine Fiktion, die nichts mit Schwarzer Pädagogik zu tun hat.

Hier sind abschließend meine beiden Lieblingsrezensionen bei Amazon:

„(…) ich mochte das Buch in meiner Kindheit (60-er Jahre) sehr gern, und genau wie eine Vorschreiberin mochte ich Liese auch nur solange sie wild war. Das Püppchen am Schluss fand ich langweilig und blöd.
Als ich die Geschichte für meine Kinder wieder hervor geholt habe, ist mir aufgefallen, dass die Zeichnungen zT nicht mit dem Text übereinstimmen. ZB „Großpapa ist stumm vor Schreck, aber Liese sagt ganz keck“ zeigt einen brutal aussehenden großen kräftigen Großpapa, der hinter seinem Rücken schon die Rute gezückt hat, und sich offensichtlich freut das erschrockene und verängstigte Kind vor sich zu verprügeln (…)“ schreibt Susanne.

Katja von Brauck findet, das Buch gehöre verboten: „Antiquiert, gewaltverherrlichend, unreflektiert. Dieses Buch sollte auf den Index, damit kein Kind mehr deshalb Alpträume haben muss. Das böseste Buch das ich je gesehen habe. Taugt für den Mülleimer.“

Zur Verteidigung unserer Vorgenerationen:

Ja, die Eltern vergangener Zeiten haben all dies verinnerlicht und umgesetzt, weil sie das Beste für ihre Kinder wollten. Es entsprach mal dem Zeitgeist, seine Kinder zu verhauen bis sie weinten und bluteten. Man glaubte, genau dies brächte sie in die Lage, ihr Leben zu meistern und ein gutes Gesellschaftsmitglied zu werden.

Und in Teilen der Welt gilt dies noch heute so.

Gewalt als Komponente des Umgangs mit Kindern ist vielerorts so normal, dass sich eigentlich niemand wundern muss, woher all die gewalttätigen Menschen kommen. Mich wundert manchmal, wie schwer es zu begreifen sein muss, dass aus einem geschlagenen Hänschen eben nicht nur ein lebenstüchtiger sondern auch ein schlagender Hans werden kann. Wenn Hans sich nie eingesteht, wie schmerzhaft seine Kindheitserfahrungen waren und seine ganze unterdrückte Wut, die Demütigung, den Vertrauensverlust und die Entmündigung zu verarbeiten kann …

Schöne Karten gesucht?

Schöne Karten gesucht?

Mit freundlicher Unterstützung von Eventkingdom

Als Nummer 4 geboren wurde habe ich lange überlegt, ob ich die Geburtskarten selber basteln oder anfertigen lassen wollte. Ich habe mich im Internet umgesehen und nichts gefunden, das mir wirklich gefiel. Es gab sehr nette Karten der Fotoabteilungen von Drogeriemärkten und auch einige weitere Anbieter, aber bei mir sprang kein Funke über.

Schließlich habe ich gebastelt. Damit war ich sehr zufrieden, das will ich nun mal nicht schmälern 😀 Es waren schlichte weiße Karten aus hochwertigem Material, auf die ich mittig einen hellblauen, nostalgischen Stoffkinderwagen aufgeklebt habe. Darunter befand sich der Name aus den weißen Perlchen, mit denen auch in Krankenhäusern die Geburtsarmbändchen gefertigt werden.

Die Danksagungen habe ich ebenfalls selber gemacht. Es gab Zeiten, in denen ich laufend Karten gebastelt habe – Zeiten, in denen ich eben genau davon mehr hatte: Zeit.

Und wie das so ist, findet man, wonach man sucht, wenn man es gerade nicht mehr braucht. So war es auch im Fall der Karten. Ich bin erst hinterher auf Eventkingdom gestoßen. Ich fand die Farben und Designs sofort ansprechend. Natürlich kann man nicht nur Geburtskarten bestellen. Alle Karten lassen sich per Post oder online versenden. Seine individuellen Karten kann man mit Hilfe von Hunderten verschiedene Motiven, sowie eigenen Fotos hochladen anfertigen lassen. Es juckte mir in den Fingern, aber ich brauchte keine Karten. Ich warte nun auf einen Anlass.

Die Motive der Kindergeburtstagseinladungen gefallen mir übrigens besonders gut:

Screenshot 2015-02-26 15.14.11

Über das Angebot der Karten hinaus gibt es auch noch einen Hochzeitsplanungsservice, Save the Date Karten und vieles mehr. Und überhaupt bekam ich einen romantischen Summton in mir, während ich mich durch die Seite klickte.

So. Noch ein Kind werde ich definitiv nicht bekommen, aber heiraten könnte ich durchaus, wir sind bisher nämlich nur standesamtlich getraut 😀

Lotterleben in Dosen

Die beiden Großen haben seit einer Weile öfter mal abwechselnd übernommen, abends die Schulbrote für alle zu machen und in den Kühlschrank zu stellen. Ab und an wurde es vergessen und morgens nachgeholt. Immer mal wieder hörte ich Beschwerden – vor allem von der wählerischen Nummer 3 – über die Qualität der Brotboxinhalte. 

Heute morgen versammelten sie sich alle in meinem Bett.

Ich: „Hey Mädels, ich hab gestern eure Brotdosen gefüllt. Irgendwie hatte ich abends einen Energieüberschuss und außerdem habe ich ja gehört, dass da irgendwas mit den Brotdoseninhalte nicht so ganz in Ordnung war. Sie stehen im Kühlschrank. Ich hab Nameszettel draufgelegt.“

Sie bedankten sich und meinten, sie hätten die Dosen schon längst eingepackt.

Ich (betont theatralisch): „Aber alles im Leben hat seinen Preis. Ihr wisst ja: Wenn ich Brote mache, dann bin ich waaaahnsinnig traurig, wenn ihr sie mal wieder im Kühlschrank vergesst.“

Nummer 2: „Den Preis zahl ich gerne. Das ist tausendmal besser, als so verlotterte Lappen mit zur Schule zu kriegen, bei denen man sich wünscht, man hätte sie im Kühlschrank stehen lassen …“

Verlotterte Lappen. So haben sie unter ihrer eigenen Selbstständigkeit also gelitten 😀

Hasenparty

Wir gucken einen Doris-Day-Film. Das hat Tradition, wenn Mr. Essential auf Geschäftsreise ist. Heute gibt es „Ein Pyjama für zwei“. In einer Szene tanzen Frauen revuemäßig in knappen, weißen Hasenkostümen. Auf dem Kopf eine Haube mit Ohren und am Popo natürlich ein Puschelschwänzchen.

Mir entkommt ein lakonischer Kommentar: „Oh Mann, wofür Frauen sich so alles hergeben …“

Nummer 3 (mit kompletten Unverständnis für die Darbietung): „Äh, wieso tanzen die in so beknackten knappen Badeanzügen?“

Ich: „Tja, hm, also ich denke, das soll sexy sein.“

Nummer 2: „Ja, wenn ich einen Hasen sehe, denke ich als erstes an das Wort Sex.“

Nummer 1 (gibt sich den neutral-wissenschaftlichen Anstrich): „Vielleicht kommt das daher, dass der Hase ein heidnisches Symbol für Fruchtbarkeit ist.“

Nummer 2 geht etwas zu trinken holen und meint im Weggehen (nicht ohne zynischen Unterton natürlich): „Macht ja auf Pause, ich will nichts verpassen, vom Fruchtbarkeits-Karnickel-Zirkus.“

So können die Zeiten sich ändern. Als ich den Film im gleichen Alter gesehen habe, sind mit die Tanzhäschen nicht mal aufgefallen. Und ich hätte nach einem Kommentar meiner Mutter (der so niemals gekommen wäre) ganz sicher dazu nichts zu sagen im Kopf gehabt.

Ich freu mich gerade sehr über die Gesellschaft in der ich mich an unserem Mädelsabend befinde … 🙂

Liebster Award

Liebster Award

Vielen lieben Dank an die Wildnisfamilie für die Nominierung.

Ich habe mich richtig gefreut, Euren Blog kennenzulernen und habe prompt etwas gelernt: Der Begriff der Lotus-Geburt war mir bisher fremd. Danke für`s Dazulernen also. Ich glaube, bei meiner Hausgeburt der zweiten Tochter damals hätte ich über so etwas nachgedacht. Haben doch mein Mann und mein Vater (der wohl sehr grün im Gesicht war dabei) die Plazenta ganz archaisch an einem Baum im Wald vergraben und ich hätte für so etwas den richtigen Raum im Leben gehabt 🙂

Zum Liebster Award

Der Liebster Award macht Blogger untereinander bekannt, stellt neue/junge/verschiedene Blogs vor. Man wird nominiert und nominiert seinerseits fünf bis elf Blogs, die einem gut gefallen und unter 1.000 Follower haben. Dazu überlegt man sich Fragen, die von der Bloggerin oder dem Blogger beantwortet werden.

Los geht es mit den Fragen der Wildnisfamilie:

1. Wann bist du zum letzten Mal auf einen Baum geklettert?

Vorletztes Jahr, als ich meine Tochter heraus geangelt habe, die etwas zu hoch geklettert war.

2. Hast du schon einmal alleine im Wald geschlafen?

Nein, alleine nicht. Dafür aber ab und zu auf dem blanken Boden, ein paar Felle unter mir und eine Wolldecke auf mir. Die Erfahrung zeigte: Dies empfiehlt sich nicht bei Bodenfrost …

3. Du darfst Dir eine Fähigkeit aussuchen – welche nimmst Du? Fliegen können, Gedankenlesen, Unsichtbar sein können, Verwandlung in ein Tier, Zeitreisen, Krankheiten heilen.  

Zeitreisen wäre einfach großartig und ein Kindheitstraum von mir. Aber ich würde mich definitiv für das Heilen entscheiden. Eine Kombination wäre genial! Wie dann die Welt wohl aussähe, nachdem ich zahllose Pestkranke geheilt hätte und dann zurückkehren würde?

4. Wenn Du die Möglichkeit hättest etwas an der Schule zu ändern, was wäre das?

Uff. Da bräuchte ich nun aber viel Platz zum Schreiben und Beantworten. Ich würde ändern: Das Stillsitzen und seine gesamten preußischen Anleihen. Die Idee, alle müssten über einen Kamm geschoren und gleichgeschaltet werden. Die Problematiken, die auftreten, wenn jemand „aus der Norm fällt“ und die Startzeit der Schule würde ich auch ändern. Und die Möglichkeit einräumen, dass man ein Kontingent an tagen pro Jahr hätte, an denen man einfach nicht hin muss, sondern „Home Office“ macht. Und die Didaktik ist ausbaufähig. Und die Fähigkeiten der Lehrer damit, mit Konflikten umzugehen – da könnte ich auch Einiges ändern … und … und … und

5. Möchtest Du mit Deinem Blog auf längere Sicht hinweg Geld verdienen bzw. und verdienst Du bereits damit Geld?

Das ist nicht mein Primärziel. Ich verdiene sehr selten etwas und dann eher in Form von Testobjekten, die ich behalte. Ich würde keine Produkte oder Dienstleistungen empfehlen, hinter denen ich nicht stehe. Irgendwie habe ich da eine Art Idealismus, glaube ich.

6. Wenn es bei Dir brennen würde und du könntest 5 Dinge retten – welche Dinge wären das und warum ausgerechnet sie? (Keine Menschen oder Tiere – die Hast Du bereits gerettet 🙂

Diese Frage habe ich mir als Kind ungefähr eine Millionen Mal gestellt. Damals hätte ich gesagt: Trösti. Das ist mein heißgeliebter Teddy. Und ich glaube, der wäre heute noch ganz oben auf Platz 1, wenn alle Anderen gerettet wären. Dann würde ich meine Fotoalben retten wollen – wobei das mehr als die restlichen möglichen vier Dinge wären. Sie sollten also am besten in vier Kartons verpackt sein 😀

7. Für was spürst Du Dankbarkeit?

Für so viel! Jeden Tag, glaube ich. Ich bin dankbar für alle Erfahrungen meines Lebens. Ja, auch für die, bei denen Außenstehende nicht mit Dankbarkeit rechnen würden. Ich bin natürlich dankbar für meine Kinder, die nicht nur meine Gefühle sondern auch meinen Geist bereichern. Und ebenso für meinen Mann, der als mein Seelenverwandter Ehemann, Partner, Lover und bester Kumpel für mich ist. Ich bin dankbar für meine wunderbaren Freunde, deren Persönlichkeiten allein schon durch ihre Verschiedenheit unendlich bereichernd ist. Der Dank gilt nicht in dieser oder einer bestimmten Reihenfolge.

8. Welches Buch und welcher Film bedeutet Dir am meisten und warum genau?

Es gibt zwei Filme, die ich sehr liebe: Cloud Atlas (und da wäre auch das Buch mein Favorit) und Francis F. Coppolas Dracula. Ersteres liebe ich, weil ich die tiefgreifende Idee der Wiedergeburt im Zusammenhang mit bestimmten seelischen Konstellationen, innerhalb derer man dazulernt, unfassbar schön finde. Und der zweite Film ist für mich der schönste Liebesfilm, den ich kenne. Ja, nun würde mein Mann sagen: „Das IST kein Liebesfilm sondern der Kategorie nach ein Horrorfilm – aber ich verstehe dich ja.“

9. Wenn du etwas ändern könntest in Deinem Leben – was wäre das und wieso würdest Du es ändern?

Puh … das ist auch eine sehr gute Frage! Ich glaube ich würde mir mehr Freiheit einräumen. Wenn es ginge, würde ich von der Überdosis Alltag zurücktreten und mir eine gute Dosis Begegnungen geben. Mir fehlt der Austausch mit (gleichaltrigen) Menschen immer wieder und ich empfinde ihn als sehr bereichernd. Ich bin genervt von Dingen wie Einkaufen, Elternabend und Hausaufgaben.

10. Eine Fee schenkt Dir einen Wunsch. Welcher wäre das?

100 weitere 😀 ? Okay, okay: Ein einziger Wunsch? Dann wünschte ich, mein Mann, meine Kinder und ich würden so lange gesund und wohlbehalten leben, wie wir es möchten.

11. Wie viel Menschen hast du pro Monat auf Deinem Blog?

Rund 4.000 bei bis zu 10.000 views.

Ich nominiere nun folgende Blogs für den Liebster Award und würde mich freuen, wenn sie teilnehmen:

Gozzilla – nice to eat you

(Blog meiner hier erwähnten Freundin Concetta, die ehrlich, liebenswürdig und sehr humorvoll über ihr Leben mit den drei Söhnen und ihrem Mann schreibt.)

Nieselpriem

(Ich lese so richtig gerne die unterhaltsamen, interessanten und auch tiefgründigeren Blogposts und empfehle daher „das Nieselpriemchen“ sehr zum Lesen)

Das zweite Kind sind Zwillinge

(Mara schreibt richtig unterhaltsam und lebensnah über ihr sehr mit Leben gefülltes Leben)

Mama Luja

(Ein richtig schöner/s Blog mitten aus dem Leben – von hier hatte ich die Idee zum Blogpost „Kindergesetze“ …)

Kreatives Familienleben

(Hier geht es um das Leben, die Gedanken und Gefühle im Leben mit zwei kleinen Kindern. Und Kreativität natürlich.)

Schnipselsammlung

(Bei der Schnipselsammlung wird es richtig bunt und man kann eine Menge Eindrücke sowie Gedanken genießen)

Meine Fragen an Euch:

1. Warum führst Du ein/en Blog?

2. Was macht Dich richtig glücklich?

3. Auf welchen Moment oder Zeitpunkt des Tages freust Du Dich am meisten?

4. Auf welchen Moment oder Zeitpunkt des Tages freust Du Dich am wenigsten?

5. Deine schönste Kindheitserinnerung?

6. Gibt es etwas, das Du gern ganz anders machen würdest und es doch nicht umgesetzt bekommst?

7. Wenn Du der Welt eine Botschaft schreiben könntest, die wirklich jeder Mensch lesen oder mitgeteilt bekommen würde, wie würde sie lauten?

8. Wovon hättest Du gerne mehr in Deinem Leben?

9. Wovon hättest Du gern weniger in Deinem Leben?

10. Was ist Dein größter Traum?

Liebster Award

Geschichte eines Rechtsstreits

Ich bin ja blogmäßig echt eine Schlampe gewesen in letzter Zeit. Oder heißt das Schlamper? Egal, Mrs. Essential hat das so super hier gemacht dass ich echt froh bin, dass der Laden hier nicht total verwahrlost ist, sondern sogar deutlich besser läuft als zu der Zeit, als ich hier noch Alleinherrscher war. 🙂

Heute bin ich allein zuhause, die Kinder sind gerade im Bett und ich habe jetzt die ca. 60 Minuten Freizeit, die wir momentan so am Tag haben, ehe man „besser ins Bett gehen sollte“ *hüstel*. Diese nutze ich also, um mich mit einem Problem zu beschäftigen, dass gestern wieder akut geworden ist: Unserem Rechtsstreit mit dem Vorbesitzer unseres Hauses. Gestern flatterte nämlich eine neue Rechnung des Gerichts ins Haus, das gerne noch ein wenig Kohle von uns sehen möchte. Da unser werter Anwalt wenig von zeitigem Feedback hält, weiß ich nie so recht, wie die Sachlage gerade so aussieht in punkto Justiz. Der Prozesskostenrechner, den ich gerade bemüht habe, informierte mich aber darüber, dass wir vermutlich eine Instanz weiter sind, wenn wir jetzt noch mal blechen dürfen. Passiert ist subjektiv irgendwie … gar nichts. 

Ich nutze die Gelegenheit mal, um kurz mit Euch zu teilen, was bisher so passiert ist.

Bisher bei Essential Unfairness:

2011 haben wir ein Haus gekauft. Ein schönes Ding, groß, richtig groß, und für einen Laden dieser Gewichtsklasse angenehm bezahlbar. Das Haus war relativ neu (14 Jahre alt), gefiel optisch und hatte mehr als genug Zimmer auch für die ganze Meute hier. Der Nachteil – und meiner damaligen Meinung nach auch der Grund für den recht angenehmen Kaufpreis – war das Heizungssystem: Die Bude wird mit einem Holzgrundofen und ursprünglich einer Solarthermieanlage beheizt.

„Ein ausgefallenes System, ja, aber voll funktionsfähig!“ versicherte mir damals der Makler.

„Ausgefallen“ bedeutet, dass man im Winter das komplette Haus über den Holzofen beheizt, der an die Heizungsanlage angeschlossen ist. Ich verwende dazu Holzbriketts, von denen ich jeden Winter drei bis vier Tonnen bestelle und die in der kalten Saison entsprechend befeuere. Macht ein wenig Arbeit, ist aber kostengünstig und ökologisch. Im Sommer, so der Plan, übernimmt die Solarthermie das. Im ersten Frühling stellte sich heraus, dass die Solaranlage nicht funktionierte. Und die Heizungen auch nicht. Die Handwerker, die wir konsultierten, verzweifelten an der Anlage, die weitgehend Marke Eigenbau ist. Nur ein treuer Haustechniker investierte Zeit und Mühe, das System zu verstehen und in Schuss zu bringen. Er fand damals heraus, dass die Heizungen nicht funktionierten, weil die Pumpe defekt ist – ärgerlich, aber kein großes Ding. Nur tat es die Solaranlage immer noch nicht, so dass wir einen Solarspezialisten beknieen musste, sich das Ding einmal anzuschauen. Das Ergebnis: Ein langes Schreiben darüber, dass die Anlage nach deutschen Vorgaben unzulässig gelötet sei und man eigentlich keine Verantwortung übernehmen wolle, sie jetzt aber für 2.500 Euro repariert habe. Cool, oder?

Zwischenzeitlich hatten sich noch so diverse weitere kleine Mängel gezeigt, die wir aber unter „irgendwas ist ja immer“ verbucht hatten. Als aber schon drei Monate nach der obigen kostspieligen Reparatur der Solaranlage das ganze Ding schon wieder ausfiel, sahen wir uns gezwungen, einen Anwalt zu konsultieren. Und jetzt geht es erst richtig los! Mittlerweile rutschten uns die Solarröhren so langsam vom Dach – was der Tatsache zuzuschreiben war, dass sie teilweise mit Panzertape (!) befestigt waren. Der Anwalt meinte, dass das ein klarer Fall von Betrug sei, und dass er höchstwahrscheinlich einen Vergleich erzielen könnte, weil die Lage so eindeutig sei.

Ich war skeptisch – auf riesige Prozesskosten hatte ich eigentlich keine Lust, aber die Vergleichsgeschichte klang verlockend. Immerhin war es auch sehr unbefriedigend, aus Angst vor den Kosten einen betrügerischen Vorbesitzer einfach so davonkommen zu lassen, oder? Also gaben wir dem Anwalt grünes Licht.

Leider entpuppte sich auch der als ein ziemlicher Dünnbrettbohrer. Das gesamte Jahr 2013 verbrachten wir damit, ihn alle drei Monate nach Neuigkeiten zu fragen, woraufhin er einen Termin machte und immer wieder das gleiche erzählte. Einmal hatte er einen Unfall bei der Fuchsjagd, dann wochenlang die Grippe, dann blockierte ein umgestürzter Baum seine Einfahrt und er konnte das Auto nicht benutzen. Wenn Ihr Euch jetzt fragt, warum wir uns nicht direkt einen anderen Vertreter gesucht haben – keine Ahnung. Er war uns empfohlen worden, und irgendwie war ich auch froh, dass es langsam voranging, weil ich doch ahnte, das jeder Schritt nur hohe Kosten verursachen würde, aber erst einmal nichts bringen würde. Wir hatten mittlerweile einen Durchlauferhitzer einbauen lassen und verfügten über warmes Wasser (vorher nur, wenn der Ofen sehr heiß war), und die Heizung tat es auch. Warum also Geld aus dem Fenster werfen?

Trotzdem wollten wir natürlich irgendwann mal Ergebnisse sehen. Die kamen auch, in Form einer Anwaltsrechnung über 1.300 Euro. Bis dahin hatte der Typ außer diversen geschwätzigen Terminen noch nichts gemacht, meiner bescheidenen Meinung nach. Kurz nach der Rechnung ging dann auch der erste Brief an den Gegner raus. So, dachte ich, dann geht ja jetzt mal was!

Von wegen. Monatelange Funkstille, dann ein neuer Termin, Gegner stellt sich stur, wir müssen erstmal klagen, „können uns aber immer noch außergerichtlich einigen“ …

Na ja, 1.300 mussten wir ja eh schon zahlen, also weiter. Man will den blöden Vorbesitzer ja auch nicht einfach so durchkommen lassen. Kurz darauf die Rechnung des Gerichts, 1.000 Euro. Na jetzt muss aber was kommen, dachte ich. BÄM! kriegt der blöde Vorbesitzer die Klage mitten ins Gesicht! Mal wieder: von wegen. Monatelange Funkstille.

Der Anwalt sagte, dass läge jetzt am Gericht. Die seien ja auch überlastet.

„So schlimm kann das nicht sein“, meinte ich. „Die Rechnungen schreiben die ziemlich schnell!“

Zwischenzeitlich fiel uns die erste Solarröhre vom Dach. Ich rief den Anwalt an, wir müssen das jetzt machen lassen, sonst können wir ja den Garten nicht mehr betreten.

„Schicken Sie mir Fotos,“ meinte er. „Die leite ich ans Gericht weiter, dann sehen die ja dass Gefahr im Verzug ist.“

Das war im November 2014. Seitdem? Nix. Anwalt meldet sich nicht, wir verdrängen den ganzen Mist auch gerne mal ein paar Wochen, und auf E-Mails reagiert er meist nur wenn man einen eskalatorischen Tonfall anschlägt. Zu seiner Verteidigung kann ich höchstens sagen, dass wir vorwiegend per E-Mail kommunizieren und nur in Notfällen telefonieren. Wir haben nämlich beide irgendwie immer sehr viel zu tun und schätzen die asynchrone Kommunikation deswegen sehr, weil wir uns um so was immer erst nach 21.00 Uhr kümmern können. Vielleicht ginge alles schneller, wenn man ihn jeden zweiten Tag anrufen würde. Ich habe aber meine Zweifel daran.

Gestern flatterte eine neue Gerichtsrechnung ins Haus – 1.400 Euro. Wir warten noch immer auf Antwort vom Anwalt, daher habe ich mal ein wenig gegoogelt. Und gesehen, dass diese neuen Kosten in der nächsten Instanz anfallen. Plus 2.200 Euro Anwaltskosten bei unserem Streitwert. Es ist doch noch gar nichts passiert?! 

Der Prozesskostenrechner klärte mich auch auf, dass die gesamten Prozesskosten über alle Instanzen bei 20.000 Euro liegen. Das ist übrigens auch der Streitwert. Ich hatte das früher schon mal ergoogelt, aber wieder verdrängt, weil ich ja dachte, dass wir vielleicht einen Vergleich hinbekommen …

Jetzt lasse ich mir das mal auf der Zunge zergehen. Um prüfen zu lassen, ob meine Forderung über 20.000 Euro gerechtfertigt ist, muss ich 20.000 Euro zahlen, wenn ich Pech habe. Klar, am Ende zahlt das der Unterlegene – aber meine bisherige Erfahrung mit dem deutschen Justizsystem haben mich nicht darin bestärkt, diesem zu vertrauen. Vielleicht (!) gewinnen wir ja auch nicht! Und dann? Habe ich kein repariertes Heizungssystem … sondern nichts. Echt erschreckend, dieses System. ich denke ernsthaft darüber nach, den ganzen Mist abzublasen und unser Geld lieber in das Haus zu stecken. Aber dann, wieder der Gedanke dass der Vorbesitzer mit seinem Betrug durchkommt …

Ich bin von diesem Thema gerade echt angefressen. Wie heute schon auf Twitter angedeutet: Wenn das alles nix wird, lege ich mir eine querulatorische Persönlichkeitsstörung zu und zahle es der Gesellschaft heim. Das wäre dann Plan B.

Jetzt gucke ich erstmal Better Call Saul auf Netflix.

40 Tage ohne

40 Tage ohne

Ich habe mit dem Fasten gute Erfahrungen gemacht.

Allerdings faste ich nicht auf der geistig-physischen Ebene, sondern nur auf der geistigen. Ich verzichte hierbei also nicht auf bestimmte Lebensmittel. Vor ein paar Jahren habe ich mit dem Fasten begonnen. Ich nahm mir im ersten Jahr Folgendes vor: Keine Lügen, keine Ausreden, keine Ausflüchte – nur die Wahrheit. Ich verzichte auf Unwahrheiten.

Und das gefiel mir in den 40 Tagen so gut, dass ich es beibehielt. Ich spürte, dass die Menschen, die mein Fastenziel kannten, mir viel mehr Vertrauen entgegenbrachten. Ich spürte, dass sie sich gewertschätzt fühlten, weil ich sie nicht mit klassischen Ausreden „abspeiste“, wenn ich zu spät kam oder etwas verbaselt hatte. Ich hatte den Eindruck, Menschen spüren, wenn sie belogen oder angeflunkert werden.

Ich sage beim Zuspätkommen ungefähr so etwas: „Es ist mir unangenehm, dass ich zu spät bin, aber ich habe meinen Hintern nicht früher hochbekommen. ich bin heute einfach unmotiviert und müde. Entschuldige“ oder beim Verbaseln: „Tut mir leid, ich hatte Aufschieberitis. Hab ich echt selten, aber nun hatte ich sie und daher habe ich das-und-das nicht rechtzeitig fertig bekommen.“ Schwieriger sind die White Lies. Also jedes „Du bist zu dick für dieses Kleid.“ Da habe ich mich inzwischen einfach auf Diplomatie und Empathie besonnen. „Ich finde, das Kleid steht dir nicht ganz so gut, es wirft Falten an genau den Stellen, an denen du sie bestimmt nicht haben willst“ ist nicht unbedingt immer einfach auszusprechen. Manchmal wartete ich mit den (meinen) Wahrheiten auch einfach lange auf den richtigen Augenblick. Das Verschweigen in der Zwischenzeit habe ich dann aber nicht auf’s Konto notiert.

Ich habe nämlich ein kleines Konto im Kopf, auf dem ich zahlenmäßig meine Fehltritte notiere. Jedes unwahre und leider so verführerisch einfache „ich muss den Termin absagen, weil ein Kind krank ist“ landete dort. Ich bin nach vier Jahren inzwischen bei 28 Unwahrheiten gelandet – die meisten davon waren Ausreden.

Letztes Jahr habe ich mir das Fasten ein Mal geklebt. Ich war im ersten Babyjahr und verzichtete bereits auf Schlaf, Spaß, Entspannung, Freizeit und Selbstbestimmtheit 😀

Dieses Jahr habe ich die ganze Familie eingeladen, das Experiment des geistigen Fastens mit mir zu teilen. Ich sagte, wer Lust hat kann mitmachen. Niemand muss. Sie wollten alle. Daher habe ich kleine Kärtchen vorbereitet, die ich für jeden mit einem schon leicht österlichen Aufkleberchen versah. Jeder bekam eines und schrieb sein Fasten-Vorhaben auf. Wir hängten diese an den Seidenblumenstrauß, den wir in Richtung Ostern mit immer mal wieder einem österlichen Anhänger dekorieren werden, bis er fertig ist.

Es ergaben sich beim Ausfüllen der Karten folgende Gesprächssequenzen:

Nummer 1: „Was soll ich nur nehmen? Ich hab verpennt, mir etwas zu überlegen. Auch wenn Mama mich tausend Mal dran erinnert hat. Hab’s wohl irgendwie aufgeschoben bis es zu spät war. Öhö …“

Mr. Essential: „So wie ich das verstehe soll man auf etwas verzichten, von dem man sich befreien möchte. Oder auf etwas, dessen Wert man erfassen will. In deinem Fall empfehle ich Ersteres. Schreib doch drauf: Ich verzichte auf meine Aufschieberitis.“

Nummer 1 (lachte selbstironisch <-tolle Eigenschaft ihrerseits): „Das kann ich gleich lassen. Das schaff ich nie.“

Wir bestärkten sie allesamt darin, es zu versuchen und ich erklärte noch mal, dass wir uns jeden Tag ein bisschen davon erzählen wollen, wie der Verzicht so bisher klappt und welche Erfahrungen man dadurch macht. Wir sagten ihr, dass wir glauben, dass sie es viel besser schaffen kann als sie selbst glaubt. Da notierte sie plötzlich den Vorschlag ihres Vaters und war zufrieden.

Ich: „Um ehrlich zu sein weiß ich nicht genau, wie ich mein Vorhaben aufschreiben soll.“

Nummer 3 (als heiliger Augustinus ja quasi Profi im Thema): „Was ist denn dein Fastenziel? Willst du von etwas den Wert erkennen oder dir was Gutes tun? Oder was genau?“

Ich: „Ich würde es gut finden, wenn ich es schaffe, wieder etwas besser dafür zu sorgen, dass ich meine Freiräume und Bedürfnisse schütze und mich im Gleichgewicht halte. Ich verliere das Wissen zu oft aus den Augen, dass ich mich gesund abgrenzen sollte.“

Nummer 3: „Schreib doch auf: Ich will mich endlich durchsetzen. Das wäre genau das, was du brauchst.“

Ich (leicht verdattert von ihrer punktgenauen Analyse): „Äh, der Satz soll aber beginnen mit Ich verzichte auf …

Nummer 3: „Dann eben: Ich verzichte auf Selbstaufgabe.“

Verblüfft (obwohl ich sie ja eigentlich doch gut kenne) nahm ich den Stift und schrieb.

Nummer 3 liebt seit Jahren meine Ehrlichkeit und notierte für sich selbst das gleiche Ziel. Wobei sie sagte, es sei für sie härter, weil sie ein Kind sei und die schneller und mehr lügen würden. Ich sagte ihr, dass ich das bezweifle, weil Erwachsene allein schon mindestens so viele Ausreden benutzen wie Kinder. Zudem sei es auch wichtig, auf Selbstlügen zu verzichten und genau das falle Erwachsenen oft richtig, richtig schwer.

Nummer 2 wollte darauf verzichten, aufbrausend zu sein. Aber sie notierte auch gleich noch, dass sie keine emotionalen Ausraster zeigen wolle. Nichts Hysterisches, nichts Aggressives, keine Beleidigungen und sie wollte das Petzen an den Nagel hängen. Statt nur eines Vorhabens hatte sie sich gleich ein Paket geschnürt, diese kleine Perfektionistin.

Ich bin nun gespannt, wie das ab morgen so laufen wird. Vielleicht berichte ich hier ja zwischendurch mal ein wenig darüber.

Nicht untypische Momentaufnahme aus dem Leben mit Kindern

Die Mädels hatten beschlossen, sich durch das Spazierengehen mit Nummer 4 Medienminuten zu verdienen. Diese setzt man bei uns ein, um eben Medien nutzen zu dürfen. Man erhält sie durch Bewegung an der frischen Luft. Es ist eine Währung mit knallhartem Wechselkurs, die aber von den Kindern sehr geliebt wird.

Bereits gestern kündigten sie an, einen nachmittäglichen Spaziergang machen zu wollen. Heute warteten sie ungeduldig und gefühlt 1000 mal nachfragend darauf, dass ihr Mini-Bruder aufwachte. Als es endlich so weit war, rannte Nummer 3 nach oben. Ich (beschäftigt) rief ihr nach, dass sie ihn doch ohnehin nicht aus dem Bett heben könne und sich besser eine größere Schwester mitnehmen solle. Abwinkend verschwand sie, um zwei Sekunden später durch das Haus (und das Babyphone) Nummer 1 zu rufen. Immer lauter und immer ungeduldiger quakte sie den Namen durch das Haus. Schließlich stand Nummer 1 augenrollend auf und ging ins Wohnzimmer, um sich dort auf das Sofa zu setzen.

Ich fragte, ob sie nicht höre, dass Nummer 3 Hilfe brauche und dass Nummer 4 bereits meckere, weil er endlich aus dem Bettchen wolle. Sie brummelte etwas von „Ja, die kann doch wohl auch Nummer 2 rufen. Ich bin beschäftigt“. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits etwas angenervt, blieb aber wie gewohnt (zu) freundlich. Ich komplimentierte sie nach oben und bald kamen sie zu Dritt wieder herunter. Kurz darauf folgte Nummer 2.

Sie holte in der Tat ohne Murren den Kinderwagen aus dem Auto und brachte ihn vor die Tür während Nummer 1 den Kleinen in den warmen Overall steckte. Ich argwöhne, dass sich Nummer 2 so schnell für das Kinderwagenholen meldete, weil sie weniger Bock darauf hatte, die quirlige Nummer 4 in den Overall zu stecken. Aber gut. Nummer 2 und Nummer 3 wollten mit den Inlinern fahren. Bereits gefühlte 1000 Mal hatte ich gesagt, dass Inlinern und Kinderwagenschieben im Grüppchen kontraproduktiv für das Fortkommen ist und sie bei solchen Aktionen schnell die Lust verlieren, weil mindestens Nummer 3 nur mit Gezeter und/oder Gejammer und meterweise Abstand hinterher inlinert. Ich sagte nichts weiter dazu. Sie würden eben herausfinden, ob es Spaß macht. (Sie hatten in den erwähnten 1000 Malen zuvor bereits herausgefunden, dass es keinen Spaß macht)

Irgendwann zog es so eisig zu mir um die Ecke und ich stand auf um nachzusehen. Eigentlich hatte ich das im Sinne der Selbstständigkeit nicht tun wollen. Immerhin sollten sie nur ein Kleinkind in einen Kinderwagen setzen. Der eisige Hauch rührte daher, dass sie die Haustür zu lange offen gelassen hatten. Im Flur lagen Schuhe herumgeworfen. Weil sie sich ja für Inliner entschieden hatten. Sie riefen mich. Ich ging nach draußen, wo Nummer 1 mit recht wenig Elan versucht, Nummer 3 in den Fußsack des Wagens zu stopfen. Ich stand frierend auf Hausschuhen im Nieselregen, verpackte den Kleinen, zog die Regenhaube auf den Wagen (denn beim Tempo der Schwestern wäre er nass bevor es losging) und ging wieder rein.

Dort sah ich mich um und entdeckte in exakt jedem Raum der unteren Etage sowie auch auf den Sofas Popcorn. Popcorn aus der zyklopischen (nun fast leeren) Karnevalsleckerchen-Schüssel. Also nutzte ich die Ruhe des Spaziergangs nicht für etwas Entspannendes, sondern holte den nervtötenden Staubsauger runter. Dem fällt seit der letzten Behandlung durch Mr. Essential dauernd ein Rad ab und die Kinder haben die Plastikschiene geschrottet, in die man das Rohr einrastet, damit man den Sauger kompakt hinstellen kann und das Rohr nicht irgendwo anlehnen muss. Nach der letzten Benutzung durch Nummer 1 (gestern, wegen Popcorn überall…) war der Staubbehälter des beutelfreien Saugers natürlich nicht geleert worden wie es angeordnet wurde. Und so durfte ich das auch zuerst tun.

Ich saugte die untere Etage, räumte auf und schob mir dann zwei Scheiben Brot in den Toaster (mein glutenfreies Brot, das ich heute bekam, als ich mit dem noch nicht abgelaufenen aber verschimmelten Vorgänger-Brot zum Supermarkt fuhr um mich zu beschweren) und machte mir einen Tee.

Das sah dann wohl so verdächtig nach einer Auszeit für Mama aus, dass die Kinder auf ihrem Spaziergang eine star-wars-mäßige Erschütterung der Macht spürten. Denn kaum saß ich mit zwei köstlichen Scheiben Toast und einem ebenfalls leckeren Tee auf dem Sofa, hörte ich Nummer 2 miesgelaunt das Haus betrampelntreten. Sie sei ja (nach knappen 20 Minuten) wieder umgedreht, weil die beiden anderen sich nur gestritten haben. Ganz furchtbar sei das gewesen. Es sei ihr ganz gleich, dass sie nun auf wertvolle Medienminuten verzichten müsse. Sie habe das einfach nicht aushalten können. Nummer 3 sei auf den Inlinern so lahm gewesen und habe sich daher dauernd an den Kinderwagen gehängt, was Nummer 1 genervt habe.

Die Anderen kämen gleich. Man könne das Ganze ja in ein paar Wochen bei schönem Wetter und bester Laune viel toller machen.

Daraufhin ging sie in ihr Zimmer, um es sich dort gemütlich zu machen.

Hatte ich erwähnt, dass sie vor dem Spaziergang eine gute Halbe Stunde zu Dritt auf dem Sofa saßen und sich stritten, weil Nummer 3 pausenlos plapperte oder mindestens nervige Geräusche mit dem Mund produzierte? Nicht? Dann sei das hiermit erwähnt.

Zurück kamen sie übrigens nach rund einer Stunde. Und erzählten, Nummer 2 habe sich plötzlich abgesetzt, nachdem sie einen Streit mit ihnen begonnen hatte. Während Nummer 1 lieb und gut gelaunt vom Spaziergang berichtete, quakte Nummer 3 ungeduldig aus dem Flur, weil sie Hilfe bei den Inlinern brauchte …

So und nun freue ich mich auf den Feierabend 😀