Wie schaffen Eltern Raum für ihre Beziehung?

Wie schaffen Eltern Raum für ihre Beziehung?

Abends sitzt man zu Zweit auf dem Sofa, befasst sich mit dem Second Screen und irgendwann geht es ins Bett. Zum Schlafen. Den ganzen Tag hat man gearbeitet, organisiert und sich gekümmert.

Abends ist kaum noch Energie übrig.

Man streitet sich aus lauter Überlastung und Müdigkeit wegen Nichtigkeiten und sorgt somit für noch ein klitzekleines Bisschen weniger Romantik.

An den Wochenenden wacht man nicht zu Zweit gemütlich auf und kommt auf die Idee, die Wärme unter der Bettdecke noch zu steigern, ehe man irgendwann zufrieden aufsteht. Man steht rechtzeitig auf, kümmert sich um Baby, Kinder, Einkauf, Verwandte – was auch immer auf der langen Liste steht. So ist man es irgendwann gewohnt.

Und so kann das ewige Zeiten weitergehen, bis man sich außer dem Organisatorischen, Alltäglichen, ein bisschen Nachrichten, ein paar Streits und ein paar netten Scherzen wenig zu sagen hat. Ich habe sehr oft davon gehört. Ich höre Gespräche zwischen Frauen und Müttern seit ich denken kann. Ich habe sie während meines Jobs gehört und höre sie privat auch immer mal wieder oder lese darüber. Ich erinnere mich an folgenden Gesprächsfetzen:

Freundin 1: „Wie oft habt ihr noch so Sex?“

Freundin 2: „Ach, seit Heinrich auf der Welt ist … hm, ja so zwei Mal.“

Freundin 1: „Aber Heinrich ist drei!“

Freundin 2 zuckt die Schultern: „Ach, ich vermiss das auch nicht so. Und wie isses bei dir?“

Manche Frauen waren ausgesprochen zufrieden mit dem klosterähnlichen Zustand. Mit Männern habe ich leider über das Thema noch nie geredet.

Jenen, die nicht gern klösterlich leben, geht es vor allem um die abhanden gekommene Nähe, das Prickeln, das Besondere. Und Sex erscheint oftmals irgendwann wie von alleine dritt- oder viertrangig zu werden. Was fehlt, ist wohl eine Kombination aus gemeinsamem Entspannen (nicht dem abendlichen Auf-dem-Sofa-Lümmeln), ähnlichen Interessen, tiefem Vertrauen, kleinen Geheimnissen, interessanten Gesprächen, gemeinsam erreichten Zielen, erotischer Anziehung sowie Aktivität und dem Gefühl, den besten Freund als Partner zu haben. Diese Mischung macht glücklich.

Es gilt als Allgemeinwissen, dass Eltern viel zu wenig Zeit für einander haben. Und dass sie weniger Sex haben. Das ist übrigens falsch: Sie haben nicht weniger Sex als Singles, sondern sogar mehr – das ist statistisch belegt. Und auch nicht weniger befriedigenden Sex. Auch das belegten Umfragen: Die sexuelle Qualität (tolles Wort, hm?) kann sich dann am besten entfalten, wenn man einen Partner gut kennt. Am besten seit einigen Jahren. Darauf hat das Elternsein keinen negativen Einfluss.

Wie erreicht man es, ein glückliches Paar zu bleiben, wenn man Kinder hat? 

Durch Abgrenzung. Es klingt hart und führt vielleicht zu einem schlechten Gewissen. Aber: Eltern sollten sich als Paar von Anfang an einige Räume im Leben sichern. Denn sie bleiben zwar immer Eltern, aber die Kinder brauchen sie irgendwann nicht mehr und dann sollten sie einander schließlich noch möglichst nahe sein. Kinder, die alle zehn Minuten im Wohnzimmer stehen und mitteilen, dass sie zum Klo müssen oder Hunger haben oder Durst bekommen, sind die perfekten Begleiter eines schönen Abends bei Wein und Kerzenschein. Manchen hilft es, ihr Schlafzimmer als Refugium zu betrachten. Dieses ist dann kein allgemein benutzter wohnlicher Bestanteil der Behausung voller Legosteine, sondern der Raum der Eltern. Die Kinder können daran intuitiv ablesen, dass es etwas gibt, in dem sie nicht integriert sind. Und das dies auch völlig in Ordnung ist.

Es gilt, sich Zeit zu schaffen, in der man nicht gestört wird. Will man absolut sicher sein, sollte man allerdings das Haus verlassen. Hierfür wäre dann der Babysitter ein Verbündeter. Oder Verwandte. Es ist unfassbar, wie schnell sich im Ambiente eines schönen Restaurants oder dunklen Kinosaals eine Stimmung von Abstand und Zweisamkeit einstellt. Und das ist die Basis für ein schönes Zusammensein. Zeit alleine, besondere Zeit. Regelmäßig am besten.

Eltern können durchaus auch ein Date miteinander haben.

Ein Date

Dates kann man durchaus auch nach über zehn Beziehungsjahren immer wieder haben …

Warum auch nicht? Man macht sich hübsch füreinander und ist ein bisschen aufgeregt wegen der bevorstehenden Stunden, in denen man sich nicht über Noten, Windelsoor oder Elternabende unterhält.

Es gibt ein paar weitere Dinge, die man tun kann

Etwas Neues ausprobieren:

Hier ist schon fast egal, was es ist. Und es meint nicht (nur) neue Dessous. Eine Nachbarstadt besuchen, einen völlig schrägen Film ansehen, spontan im Dunkeln zusammen spazieren gehen, sich gegenseitig Kleidung aussuchen beim Bummeln (Dinge, die man sich selbst nie gekauft hätte, die man später aber liebt) oder ein unbekanntes Restaurant ausprobieren. Ein Wochenende zusammen wegfahren, wenn Kinderbetreuung und Finanzen es erlauben. Sich etwas schenken, ganz ohne Anlass. Etwas Süßes in die Arbeitstasche der oder des Liebsten schmuggeln. Oder etwas auf’s Kopfkissen legen?

Etwas neues muss her. Immer mal wieder.

Und ja, natürlich gilt der Tipp des Neuen auch für das Sexleben. Mutig sein, etwas ausprobieren und es vielleicht doch nicht so toll finden, darüber lachen und sich auch in dieser Erfahrung nahe sein. Oder es ausprobieren und sich anschließend sehr lebendig und bereichert fühlen.

Ja, man braucht vielleicht echt Mut, um einander zu erzählen, was man sich schon immer mal vorgestellt oder gewünscht hat. Aber auch das kann sehr bereichernd sein. Weil man seinen Partner dadurch noch besser kennenlernt. ->Hierbei bitte nicht an die Geschichte von der Frau aus dem Forum denken, deren liebenswerter neuer Freund plötzlich im Vollkörpergummianzug mit Reißverschlussmaske vor ihr stand. Und gar nicht daran, wie sehr sie anschließend (im Bad mit Waschlappen vor den Mund gepresst) lachen musste. Und erst recht nicht daran, dass sie es aus Liebe auch ausprobierte und im Gummiröckchen durchs Zimmer hüpfte. Man sollte auch vergessen, dass ihr die Forenteilnehmerinnen danach rieten, die Beziehung zu beenden. Meistens läuft so ein Abend anders ab. Ganz sicher.

Es ist nicht mehr wie am Anfang - es ist viel besser!

Viele Jahre verbinden : Es ist nicht mehr wie am Anfang – es ist viel besser!

Den Kindern vermitteln, dass man nicht nur ein Eltern-Paar ist:

Kinder begreifen schnell und auch ohne Worte – das wissen wir Eltern. Sie sehen, wenn die Eltern sich anlächeln, umarmen, küssen und flirten. Wenn einem danach ist, immer heraus mit den Zuneigungsbekundungen. Man kann ihnen durchaus erklären, dass man Zeit gemeinsam und ohne sie verbringen möchte. Die Umsetzung hängt natürlich auch vom Alter der Kinder ab. Anfangen kann mit den Erklärungen nicht zu früh. Und man schenkt den Kindern nichts, wenn man ihnen mehr Raum gewährt als der Beziehung gut tut. Wer will schon frustrierte Eltern am Frühstückstisch haben?

Den erschaffenen Raum zum Privatheiligtum erklären:

Wenn man sich die Abende an den Wochenende freihalten möchte, dann sollte man diese am besten – sobald gesichert – als geistigen Anker setzen. Gibt es ein Eltern-Date am Samstagabend, dann darf man sich bereits donnerstags darauf freuen. Und schon kehrt ein bisschen des Kribbelns zurück, das man vermisste. Es ist unerlässlich wichtig, keine Gewohnheit einschleifen zu lassen. Man muss diesen Raum schützen und wahren.

Wie erlebe ich persönlich das Elternsein als Paar?

Ich erlebe es so, wie ich es hier beschrieben habe. Wir haben das Refugium und das Privatheiligtum und bewahren beides. Wenn wir ausgehen, dann sind wir gern im Kino, shoppen ein bisschen oder gehen etwas essen. Oder, seltener, auf eine Party. Wenn wir zuhause bleiben, dann erklären wir den diversen Kindern, dass wir unsere Ruhe möchten. Sie machen dann gern einen „Mädelsabend“ mit einer Tüte Chips und einer DVD, die sie sich auf dem PC von Nummer 1 ansehen. Oder sie machen sich über Spielzeug her, das sie lange nicht benutzt haben. Wichtig ist, ihnen zu sagen, dass man einfach Zeit miteinander verbringen möchte. Und diese nutzt man nicht um DVDs zu gucken. Wir haben dann einen Elternabend. Einen ohne die viel zu kleinen Stühle und die nervigen Fragen …

Nach bald 15 Jahren freue ich mich immer, wenn ich meinen Mann sehe. Manchmal ist es schräg: Aber zu zweit alleine abends noch schnell durch den Regen zum Einkaufen zu fahren, hat etwas. Ich finde ihn genau so schön, wie als ich ihn mir geangelt habe und zugleich ist da dieses Vertrauen und das Wissen um so vieles, das wir erlebt haben. Trotzdem bleibt er interessant für mich und uns war immer wichtig, dem Anderem viel Raum zu geben und vor allem Respekt entgegen zu bringen. Ich mische mich in seine Entscheidungen nicht ein und er respektiert meine. Gemeinsame Entscheidungen gibt es natürlich auch. Es fiel niemals ein beleidigendes Wort. Ich habe ihn nie herabgewürdigt. Streits und Krisen verarbeiten wir auf eine tatsächlich stets konstruktive Art. Wenn wir am Ende nicht zufrieden sind, dann ist der Streit auch noch nicht vorbei. Allerdings streiten wir uns vielleicht zwei Mal im Jahr. Er versteht mich, ist mein Kumpel (mit Biertrinken und Zocken), mein Freund (mit Verständnis und sehr direkten, ehrlichen Hinweisen), mein Ehemann (und Vater – beides großartig) und mein Liebhaber (niemals langweilig)

Es scheint also zu funktionieren, dieses Konzept des Elternsein-aber-Paar-Bleibens. Man muss aber bereit sein, Durststrecken (Schwangerschaften, Babyzeiten, Krankheiten …) zusammen zu überbrücken und zu meistern. Denn diese kommen in jedem Fall. Oft suchen sie einen immer wieder heim.

Viele glückliche und zufriedene Paare zeigen dies. Aber vor allem darf man nicht annehmen, kinderlose Paare würden auf Grund der vielen Zeit in  per se glücklicher sein – das ist ja völlig klar. Bloß haben Eltern eine Menge zusätzliche Herausforderungen zu meistern, die nicht immer hilfreich sind, wenn es um die Paarbeziehung geht. Dies zu schaffen ist nicht immer einfach.

Interessant hierzu auch ein aktueller Artikel der Nido (mit Test zum Thema Beziehung …)

Der Elternabend:

Hierfür lohnen Anschaffungen schöner Weingläser, Kerzenleuchter, Musik, bequemer aber schöner Kleidung und ähnlichen Klassikern. Sowie all den netten Joujoux, die man als Eltern nicht nur aufräumt, sondern vorher auch selber nutzt …

Man unterhält sich, vergisst die leidigen Alltagsthemen und wendet sich wieder einander zu. Oder man liest sich etwas vor – erotische Literatur je nach Gusto gibt es wirklich in rauen Mengen. Ebenso kann man je nach Lust und Laune durchaus auch selber etwas schreiben – wie eine Kurzgeschichte. Ach, es gibt so viele Möglichkeiten, die Zeit mit etwas Schönem zu füllen … ganz gleich, ob kultiviertes Gespräch oder guter Pornofilm. (Neulich noch Empfehlung auf Facebook von Katja von Krachbumm gelesen – es ging um eine Serie von weiblicher Regie und ebenfalls weiblichem Team gemachter Filme, in denen die eingeschickten Phantasien der Zuschauerinnen verarbeitet wurden. xConfession heißt diese Reihe von Erika Lust.) Es ist wirklich egal, wie man seinen Abend füllt – wichtig ist, die Zeit zu nutzen, um sich nahe zu sein und immer einmal wieder neu kennenzulernen. Schließlich wollen die meisten eigentlich ein ganzes Leben miteinander verbringen …

Foto 2

Strumpfband zuletzt zur Hochzeit getragen? Viel zu schade … 😉

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10 Gedanken zu “Wie schaffen Eltern Raum für ihre Beziehung?

      • Abstinz predigen ist übertrieben, aber ich erlebe Mütter, die gleichgültig gegenüber Sex sind und es als lästige Pflicht sehen. Ja denen sind 2x im Monat zuviel, nicht als Phase, sondern als Dauerzustand über JAHRE 😲

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      • Ja, das habe ich auch schon immer mal wieder mitbekommen.
        Und was mir noch einfiel ist schon, dass ab und an jemand es richtig zu finden scheint, wenn Eltern sich „bei dem Thema mal zurücknehmen“.
        Hab ich öfter auch mal gelesen, wenn es um das Streitthema Familienbett geht: „Es kann ja wohl kein Grund sein, dass man sein Bett als Eltern selber nutzen möchte. Also da muss man einfach viel mehr an die Kinder denken.“
        Irgendwie so. Das geht ja in die Richtung einer kleinen Abstinenz-Predigt 😉
        Aber ich glaube, wenn jemand keine Lust mehr hat, dann liegt das nicht daran, dass er/sie Kinder hat. Ja, die kosten eine Menge Energie, die man dann nicht mehr investieren kann. Aber dahinter stecken dann ja vielleicht Probleme und die Kinder sind da eher so ein vorgeschobener Grund …?

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      • Sexualität wird überfrachtet, es MUSS immer ganz besonders toll und einzigartig sein, außerdem „befriedigend“, nebenbei noch verschmelzend, weil man tut „es“, weil die Seelen miteinander verschmelzen etc etc…….rein und ätherisch und voller Liebe…….nun ja, bei so einem Katalog vergeht die Lust 😉
        Ich finde Maslow hat es mit seiner Bedürfnis Pyramide ziemlich auf den Punkt gebracht.

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      • Als Seelenverschmelzung zelebriere ich es primär nicht 😀

        Befriedigend, besonders, aufregend oder einfach leidenschaftlich darf es gerne sein. Ich empfinde es nicht als Alltags-Bedürfnis-Befriedigung wie Essen oder so.
        Es hat aber einen festen Raum in meinem Leben und ich empfinde es als etwas Wertvolles, Kraft und Energie Spendendes.

        Zu hohe Erwartungen zerstören die Lust, weil sie zu viel Druck aufbauen – das sehe ich auch so.

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