Umfrage: Selbstgestrickter Stress macht Eltern fertig

In der Welt gibt einen Artikel über gestresste Eltern, dessen Inhalte mir nicht neu waren:

Eltern haben überzogene perfektionistische Ansprüche an sich in ihren verschiedenen Rollen. Sie wollen perfekte Eltern, Frauen, Männer und Partner sein. Und natürlich perfekt im Job glänzen.

Es gehe um Entscheidungen vom bestmöglichen Kinderwagen bis zur Frage, ob das Kind in der KiTa Chinesisch lernen soll. Letzteres und eigentlich auch Ersteres kommt mir ein bisschen wie Realsatire vor. Aber gut – das mag daran liegen, dass wir Mehrfach-mehrfach-Eltern etwas abstumpfen mit der Zeit 😀 Wir kaufen halt den Wagen, der uns gefällt und unsere Ansprüchen entgegenkommt. Bei Kind Nummer 1 hatten wir noch einen ohne schwenkbare Räder …

Ein Satz fiel mir besonders auf – daneben, dass die Hälfte der Eltern es anscheinend als ihre Aufgabe empfindet für den Kontakt zu gleichaltrigen Kindern zu sorgen: „Sohn oder Tochter sollten das Gefühl haben, das Wichtigste auf der Welt zu sein.“

Wow. Das Wichtigste auf der Welt. Ich habe dann vier Mal das Wichtigste hier.

Ich mag es, wenn Kinder sich als unglaublich wertvolle Bestanteile einer Gemeinschaft empfinden, die es ohne sie gar nicht gäbe – der Familie. Hier sollten sie geliebte und respektierte Mitglieder sein, aber nicht der Mittelpunkt. Die Verschiebung des Kindes von einer Art naturgegebenem Anhängsel (meine Kindheit) zum Dreh- und Angelpunkt der (elterlichen) Welt halte ich für nicht gut.

Wir haben hier in manchen Artikeln Ähnliches festgehalten: Kinder sind für viele Eltern zu einem Projekt geworden. Allein der Aufwand für einen Kindergeburtstag lässt darauf schließen: Es werden kleine Kunstwerke als Einladungen erstellt, es werden Hunderte Euro investiert und neben dem Tag der Vorbereitungen und dem Nachmittag der Bastelarbeiten dann noch der Tag selber. Den man irgendwo in Versailles zu verbringen pflegt. Eigens mit rosa Helikoptern eingeflogen tanzen die Kinder in frisch genähten Kostümen zur für diesen Anlass komponierten Ballmusik. Fotografen kommen, Livrierte stehen bereit und am Ende bekommen die kleinen Prinzen und Prinzessinnen ein Körbchen voller kleiner Präsente, die dem Wert des mitgebrachten Geschenkes gefährlich nahe kommen. Letzteres angelte man aus einem Korb, in den das Geburtstagskind es zuvor hineinlegte und trug es zur Kasse, um es ganz persönlich von einer Fremden verpacken zu lassen. Und das, während es immer heißt „Sie haben schon viel zu viel Zeug – es belastet sie schon.“

Warum ist das so? Haben Eltern das Gefühl, den Kindern könnte etwas entgehen? Sollen sie die zauberhafteste Kindheit der Welt erleben? Ist es eine Wiedergutmachung für das ewige schlechte Gewissen? Hat sich das so hochgeschraubt, weil die Eltern immer schönere und bessere Geburtstage veranstalteten und dies die eigenen Erwartungen steigerte?

Warum auch immer: Es geschieht natürlich überwiegend aus Liebe und ist nichts Schlechtes. Aber die einmal von mir in einem Artikel über die Kindheit in den 80er Jahren erwähnte Mandarinen-Sahne-Torte hatte meine Mutter damals auch mit Liebe gebacken. (Ich habe die Torte übrigens nun auf einem alten Foto wiederentdeckt: Es war mein fünfter Geburtstag – ich weiß noch heute wie toll süß-sauer die Mandarinen schmeckten …)

Wie viel Aufmerksamkeit ist möglich, nötig und gut? Es darf zumindest nicht so weit gehen, dass immer mehr Mütter Burn-Out-Symptome haben. Dann läuft doch etwas schief, oder nicht?

Ich will nun nicht das polemische Fass „Hatten wir alles auch nicht und hat uns nicht geschadet“ öffnen. Ich ziehe meine Kindheit lediglich als Vergleich heran. Meine individuelle Kindheit kann ich ohnehin nicht als Beispiel für alle nehmen, dafür war sie zu speziell. Aber ich erinnere mich ja an den Stellenwert der Kinder damals. Wir wurden geliebt und beachtet und bekamen, was wir brauchten. Es gab Geschenke an den Feiertagen und wenn man etwas gespart oder von der Tante zugesteckt bekam, dann kaufte man sich auch mal was Größeres zwischendurch. Meine Hausaufgaben erledigte ich bis auf Ausnahmen alleine, ich konnte mich mit zwei Jahren alleine an und ausziehen. Und das war nichts Besonderes. Es war selbstverständlich, dass ich meine Schultasche nicht mitten in den Flur werfe und mein Meerschweinchen selber fütterte. Ausgezogene Kleidung kam in den Wäschekorb, mein Zimmer räumte ich selber auf. Ich fuhr mit dem Fahrrad und dem Bus zu meinen Freunden. Ich sehe nicht, was daran falsch oder schlecht war. Ich war stolz, ganz alleine klarzukommen, als ich auszog. Da konnte ich streichen und tapezieren und vieles mehr. Fand ich klasse! Und werde ich meinen Kindern auch gerne alles vermitteln.

Aber:

Trotz des Wissens, dass manche Dinge heute eigentlich nicht ganz optimal verlaufen, traue ich mich nicht immer, es anders zu machen.

Ich muss eh schon öfter mal mit mir ringen, weil unsere Kinder sich eine Menge Aufmerksamkeit teilen müssen. Ich sage mir dann immer tapfer, dass eine größere Geschwisterzahl als 0 und 1 nichts Unnatürliches ist. Sondern sehr artgerecht. Und es macht selbstständig und so. Aber das hilft nicht immer. Umgeben von Eltern, die ihre Kinder nachmittags ohne Murren herumkutschieren, ihre Schultaschen bis zur Schultür tragen, ihnen die Jacken ausziehen bis sie Zwölf sind und ihre Zimmer aufräumen, habe ich es schwer mit meinen eigenen rebellischen Ansprüchen. Ich möchte Bügeln, Nummer 1 und 2 müssen auf Nummer 4 aufpassen – manchmal bemitleide ich sie dann. Verrückt, oder? Dabei hatten sie davor und haben danach massig Freizeit. Und machen es gerne.

Vielleicht liegt da eines der Probleme. Manches würde man vielleicht gerne anders machen, herunterschrauben und ganz bleiben lassen – aber wie stünde man dann da? Man hätte vermutlich mal wieder das typische schlechte Gewissen.

Elternsein war definitiv immer anstrengend – aber nie so komplex und vielschichtig wie heute, da bin ich mir sicher.

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14 Gedanken zu “Umfrage: Selbstgestrickter Stress macht Eltern fertig

  1. Wunderbarer Post!
    Um ganz ehrlich zu sein, als die Dame nach 2 Jahren in eine andere Kita kam, war ich ernsthaft total geschockt, als sie auf einmal mit einer rosa Tüte voller Zeugs ankam. Ein Give-Away in der Kita? Seither hab ich viele solcher Tütchen gesehen, einmal eine Lillyfeetüte mit lauter Lillyfee-Kruscht darin. Da ist mir dann doch der Kragen geplatzt und ich hab der Mutter freundlich klar gemacht, dass ich das nicht nur übertrieben, sondern sehr unnötig finde. Denn sie hatten die rosa Lillyfeetüten und die blauen Piratentüten abgezählt und meine Tochter kennt die kleine Lillyfee gar nicht und hätte so gern so eine Piratentüte gehabt. Also die Relation ist da nicht mehr vorhanden. Sympathisch war mir eine Mutter, die dem Kindergartendruck einfach auswich und ne Tüte mit Smarties-Schächtelchen an die Kinder verteilte. Tut’s im Fall auch.

    Das sich viele schwer tun, bei all diesen Hypes nicht mitzumachen, ist schon seltsam. Ich bin eben ein besonders bockiges Exemplar, aber ich lüge mir auch gern etwas in die Tasche. Ich meine, wir haben nen Oberklasse Kiwa vor der Tür stehen und ich hab Tragen im Wert von ca. 500 Euro hier hängen. Beides benutz ich zwar auch gerne, aber immer wenn ich den Wagen hab, denk ich ‚hättest doch lieber eine Trage genommen, wär besser für’s Kind‘ und wenn ich die Trage habe denk ich ‚jetzt haben wir nen super Wagen und ich schlepp mir eins ab und der Wagen verstaubt, so schade’… Naja, ich hab Kinderzeugs kaufen einfach zum neuen Hobby erhoben. Das kann man auch super rechtfertigen, denn natürlich brauchen die Kinder immer irgendwas und dann auch immer das Beste/Schönste 😉
    Zum Glück bin ich aber auch mit einem übermächtigen Pragmatismus gesegnet und nehme am liebsten den einfachsten Weg. Das hat mir schon viel Hickhack erspart.
    Dabei ist es ganz einfach: Was brauchen Kinder um wirklich glücklich zu sein und sich geliebt zu fühlen? Glückliche Eltern! Was auch immer die Eltern brauchen, um sich gut zu fühlen, hilft auch den Kindern… Wenn Mama nen Mittagsschlaf braucht, profitieren die Kinder davon vor und nach dem Mittagsschlaf, nur in der einen Stunde ohne Mama müssen sie sich arrangieren. Eigentlich eine einfache Rechnung, oder?

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    • Glückliche Eltern zeigen den Kindern nebenbei auch etwas Wichtiges: Erwachsensein ist erstrebenswert.
      Wenn man dauergestresst ist, dann haben die Kinder keine Lust auf Selbstständigkeit.

      Die geschlechtsweise getrennten Tüten kennen wir auch…und unsere Kinder haben das auch immer kommentiert.

      Teuren Kinderkrams haben wir unter Anderem auch, aber auch durchaus auch Sachen aus dem Second-Hand. Kinderwagen ist neu teuer gewesen. Vieles reicht aber auch gebraucht.

      Ich finde es nicht leicht, einfach einen Gang runter tu schalten vom modernen Elternsein, aber dadurch, dass wir vier Kinder haben, legitimiert sich manches fast von alleine 🙂

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  2. …..puh
    Den Post find ich jetzt etwas unschön offengestanden und im Kontext des zeitwandels etwas wenig beleuchtet 😔
    @rosalie: da reden wir hier zuvor über mummy-wars…..iwie find ich dann deine Ansicht/Art und weise/u.ä. Gerade auch unpassend….rebellisches Exemplar hin oder her…

    Es hab zu jeder Zeit Extreme bei Eltern – vermutlich wären Sie auch so, wenn Sie keine Kinder hätten.
    Ich könnte nun auch einige Beispiele anführen in denen mir Eltern/ehemalige Kinder mitteilen, was sie heute alles so viel besser finden und „wenn es das damals gegeben hätte“ sie es auch gerne so gemacht hätten…
    ….wieviele Geschichten könnte ich von meiner immer wieder weinenden Großmutter erzählen, was in ihrer Kindheit nicht gut gelaufen ist, wie ihre Mutter am Rande des Zusammenbruchs stand (heute dann eben „burn out“ genannt) und alles gegeben hat, um ihren Kindern es so schön wie möglich zu machen uswusw…
    Wenn mir jetzt halt DAS und anderes spontan durch den Kopf geht, dann finde ich den Post nicht so gelungen…

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    • Hallo Kerstin,

      Ich finde Deinen Kommentar sehr gut, weil er beleuchtet, welche Bereiche des Elternseins in Deiner persönlichen Erfahrung schon immer schwierig waren. Da gebe ich Dir Recht. Es ist ja fast tröstlich, weil es einem nicht das Gefühl gibt, man stünde heute unter einer neuen Form der Anspannung.

      Ja und zum Thema Toleranz: klar habe ich die Darstellung der Kindergeburtstage überspitzt. Aber auch betont, dass sie aus. Liebe heraus gestaltet werden. Ich habe über Deinen Hinweis nachgedacht – es ist schwer, eine Grenze zu ziehen. Da, wo man die Meinung und das Leben anderer tolerant stehen lässt und da, wo man etwas aufzeigen möchte, das einem aufstößt. Puh, nicht einfach …

      Ich finde es persönlich schwierig, mich abzugrenzen von den anscheinend allgemein gültigen Ansprüchen an das Elternsein, das mitunter zu arbeits- und kostenintensiven Kindergeburtstagen und weiterem Aufwand führt, den ich inhaltlich und der Form nach eigentlich nicht unterstützen möchte. Die Formulierung finde ich dann gelungener. Und Du?

      Liebe Grüße! 🙂

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      • 🙂
        Dieser ganz Konkurrenzdruck nervt massiv, da gebe ich Euch recht (…das diskutieren darüber aber auch 😛 )
        Der Druck ist heute insgesamt gross, vielleicht auch weil wir es mit der Emanzipation an manchen Stellen übertreiben – die Globalisierung tut ihr übriges.
        Früher war es insofern einfacher, als das klar war: heiraten – Wohnung/ Haus – auf sittlichem Wege Kinder bekommen – Mutti bleibt zu Hause – Vati geht arbeiten….Klare regeln, die eigentlich jeder akzeptiert und gelebt hat.
        Heute gibt es so viele Konzepte des Zusammenlebens, was grundsätzlich für die Frau einiges erleichtert hat, aber andere Dinge erschwert. Die Aufgabe der Männer definiert sich auch dadurch immer wieder neu. Oft fällt mir auf, wie unklar die Rollenbilder für die Erwachsenen sind – da kann man einem Kind keine Vorwürfe machen, dass es sich auch nicht entscheiden kann wie es sein soll/kann/will….darüber bekomme ich auch ADHS mit schizoiden Zügen.
        Geburtstagstütchen find ich iwie auch Banane – hab das aber jetzt schon 2x mitgemacht, weil es auch hier die „Gepflogenheiten“ sind – es gibt aber nur das Mottotütchen mit Mottokruscht ohne geschlechtliche Anpassung – wenn ich zu Annalena gehe, dann gibts auch ein Annalen Tütchen und beim Sven eben das Sventütchen. Schöner fände ich, so kenne ich das von früher, wenn man gemeinsam etwas auf der Feier macht, was man anschliessend mitnehmen kann – das ist halt ein Erinnerungstück an ein bestimmtes Ereignis – wie dieses Tütchen auch. Ich bin aber grad zu faul Bastelkram vorzubereiten – vielleicht nächstes Jahr 😛
        Abgrenzen ist „schwer“, je nachdem wo man vielleicht auch wohnt. Hier auf dem Dorf fällt jeder Pups auf, das nervt mich ganz schön und verletzt auch oft sehr – ich habe meinen Frieden damit gefunden, dass wir eh immer „die Neuen“ sein werden – dann kann ich auch gleich noch „komisch“ dabei sein, weil ich nicht jeden Scheiss mitmache. Wer dann noch übrig bleibt der kann gerne kommen, die anderen können mich mal.
        Bei 4 Kindern hast Du schon mehr Beitrag für unsere Welt/ Eure Liebe geleistet als viele andere hier. Deine Kinder sind so wichtig für uns – das verstehen halt viele nicht, weil sie nur an sich denken und ihren aktuellen Wohlstand, aber nicht daran denken, wer ihren Wohlstand noch mitfinanziert – das weiss man in der Regel nur, wenn man in der Schule aufgepasst hat oder Nachrichten hört.
        Ergo: Bei 4 Kindern oder auch 3 oder 5 kann man erhobenen Hauptes, nach Michlkotze stinkend, beschmiert und mit Augenringen durch die Welt ziehen, weil wir das erhalten, was andere mit Ihren eigenen Händen und vielen Schmerzen und Entbehrungen aufgebaut haben.
        (Für die anderen „Vermehrer“ die dies aufgrund des Kindergeldes für Ihre Zigaretten tun, würde ich allerdings noch einen differenzierten weiteren Blog überlegen)

        P.S.: Ich schildere hier nicht nur meine eigenen Erfahrungen im engeren Sinne, auch die meiner Patienten im laufe der letzten Jahre…. 🙂

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      • Genau das meinte ich: Natürlich haben Eltern früher auch schon z.B. Nebenjobs angenommen, damit dir Kinder studieren können und es mal besser haben.
        Heute sind es andere Dinge, die auf den Eltern lasten (wobei Finanzielles nicht für unerhebliche Probleme sorgen kann, auch heute).
        Die von Dir beschriebene Einfachheit des Lebensplans ist aufgelöst. Die Welt ist erreichbarer, voller, „bunter“ und überfordernder. Es scheint Dinge zu geben, die es früher nicht gab. Und all das muss man für sich sortieren, bewerten und entweder annehmen oder ablehnen.
        Das HeiratHausKinder-Ding von einst kann man als Option ansehen, aber ist längst nicht mehr selbstverständlich.
        Und durch die hohe Aufmerksamkeit, die den nun nicht mehr selbstverständlichen Kindern zukommt, kommen viel mehr Gedanken,Sorgen, Möglichkeiten und Gefahren auf die Eltern zu. Das verunsichert Eltern.
        Es gab auch immer schon arbeitende Frauen, klar. Meine Uroma hat 14 (!) Kinder geboren, von denen 12 überlebten. Sie arbeitete immer mit ihrem Mann zusammen in ihrem Geschäft. Er war Kaufmann. Die beiden hatten ein Kindermädchen und eine Waschfrau. Beide halfen auch im Haushalt. Meine Uroma hat das irgendwie alles hinbekommen. Die Großen erzogen die kleinen Kinder und wurden schnell selbstständig.
        Heute ist das anders. Man scheint Kindern nichts mehr zumuten zu wollen und zu dürfen.
        Eine gewisse Schieflage kommt da auf, wo Eltern sich verausgaben, damit sie alle Ansprüche erfüllen.
        Spannend an der Umfrage fand ich vor allem, dass Eltern sich all diesen Stress selbst zu machen scheinen …

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      • Ich muss ein bisschen widersprechen:
        Früher war es bei Weitem nicht einfacher oder klarer. Aufgewachsen in einem kleinen schwäbischen Dorf kann ich berichten, dass Frauen schon immer zum Überleben der Familie beigetragen haben. In jener Familie haben immer alle Frauen gearbeitet, des Geldes wegen. Denn auch der Druck war hoch. Man hat damals ein Haus gebaut, weil man es so machte. Die Frauen gingen putzen, weil das mit der Schule für 1 ganze Generation nicht geklappt hat. Und die Väter, die aus dem Krieg heim kamen, oder auch nicht, waren nicht grad eine Hilfe. Die Frauen haben Akkord gearbeitet oder sind putzen gegangen. Heute gehen sie eben ins Büro. Also ich zumindest kann nicht von einer klarer Rollenverteilung berichten. Damals wie heute sind die Menschen meist damit beschäftigt zu machen, was gemacht werden muss. Erst wenn das alles abgearbeitet ist, kann man machen was man will und es ist trotz sozialer Absicherung durchaus ein Luxus überhaupt an diesen Punkt zu kommen. Man stelle sich jetzt noch vor in einem Kriegsgebiet oder einer sehr armen unterentwickelten Region zu leben.
        Ich meine, wir leben doch in einer super Zeit, haben alles, können alles, tun auch alles. Warum ist es überhaupt von so immenser Bedeutung, ob mein Kind Karottenbrei isst, oder Karottenstückchen? Oder in welchem Bettchen es schläft? Der Sinn dieser Diskussion erschließt sich mir nicht, es sei denn man sucht bewusst nach einer in Stein gemeißelten Regel, die alle befolgen müssen. Aber warum sollte man sich solche Regeln aufzwängen lassen? Um Überforderung zu meiden?
        Und wenn man überfordert ist von den heutigen Möglichkeiten, warum sucht man sich nicht einfach eine aus, befolgt die und gut ist? Da braucht man sich dann keine weiteren Gedanken zu machen und kann auch getrost seine Mitmenschen ignorieren.

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  3. Ich habe dazu aber mal noch eine andere Frage und nehme wieder das Geburtstagsbeispiel: Natürlich wünsche ich mir aus Liebe zu meinem Kind, dass es einen schönen Geburtstag hat. Aber, was ist denn ein schöner Geburtstag? Ich bezweifle nämlich, dass meine Tochter rosa und blaue Give-Aways auf ihrer Liste hat.
    Das kommt eindeutig von den Eltern, nicht von (kleinen) Kindern. Das wiederum legt den Schluss nahe, dass das Prädikat ‚gute Mutter‘ von anderen Müttern vergeben wird, gar nicht von denen, die eigentlich beurteilen können, wie gut sie ihre Eltern finden: den Kindern. Sagte eine Studie nicht, dass über 90% der Kinder finden, sie hätten die besten Eltern der Welt? Sind sie nicht die Experten bei dieser Frage? Und ist somit die Kabbelei und das Konkurrenz-Leistungs-Denken nicht einfach ein Problem der Eltern mit ihrem eigenen Ego? Denn offensichtlich reicht ihnen die Meinung der Kinder-experten nicht aus.
    Im Gegenteil, sie verlangen geradezu eine Leistungsbeurteilung durch Fremde. Nur, wer von euch würde denn zu seiner Frisörin gehen und sich von ihr ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen, um sich zu bewerben? Nur, weil die Frisörin auch arbeitet und Steuern zahlt? Auf diese Idee käme niemand, oder? Warum halte ich mich also in der Frage ‚Bin ich eine gute Mutter?‘ nicht an mein Kind, sondern an eine fremde Frau, nur weil diese ebenfalls ein Kind hat? Wieso sollte ich mich vom Verhalten anderer Mütter irgendwie verunsichern lassen, wenn doch mein Kind mir sagt ‚Mami ich hab dich soo lieb?‘ Doch nur, weil ich die Meinung anderer Erwachsener, selbst zu intimsten Dingen, höher Gewichte, als die des eigenen Kindes. Würde ich die Meinung einer Person, die mich beurteilen kann, zB meiner Chefin weniger hoch gewichten als die meiner Kollegen, würde meine Chefin das sicherlich als Respektlosigkeit empfinden. Wie unsere Kinder das wohl sehen?
    Und zudem: wozu soll diese ewige Leistungsbeurteilung eigentlich dienen, wenn nicht dem eigenen Ego? Wie passen denn Liebe und Leistung zusammen? In dem Fall kann ich aber nur schwerlich behaupten, es ginge mir ums Kind…

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    • Hallo Rosalie,

      Ich glaube, das passiert unbewusst.
      Die Verunsicherung der Eltern, die aus der großen Verantwortung für einen anderen Menschen erwächst, triebt eben manchmal solche Blüten.
      Ich kenne kleine Mädchen, die einen Feen-Geburtstag mit Blüten und Glitter möchten. Hatten wir hier auch schon. Aber eben auch einen Star-Wars-Geburtstag, der von den Freundinnen zunächst etwas argwöhnisch betrachtet wurde (weil Mädchen kein Star Wars mögen) und dann dich akzeptiert.

      Ich glaub es läuft nicht unbedingt so, wie in Deinem Beispiel mit der Frisörin. Denn Männer vergleichen sich ja zum Beispiel auch untereinander und nicht nur eingeteilt nach Berufsgruppen. Es wird ja geguckt, wer stärker, größer, erfolgreicher oder was-auch-immer ist. Und Frauen vergleichen sich untereinander auch.

      Das dient wohl dem Ausmerzen des Gefühls eigener Unzulänglichkeiten oder Unsicherheiten.

      Generell sollte man ablesen können, wie gut man seinen Job als Mutter oder Vater macht, wenn man sieht, wie gut es den Kindern geht. Man spürt doch haargenau, an welchen Stellen man wirklich noch an sich arbeiten müsste oder könnte. Der Rest ist eben aufoktruiert. Und den darf man getrost vernachlässigen, denke ich. 😉

      Herzliche Grüße!

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    • Strafen muss man doch diejenigen, die Bewertungen abgeben ohne die Zufriedenheit der Eltern und Kinder zu berücksichtigen (…da freue ich mich auf meine baldiges Entwicklungsgespräch 🙂 )
      Viele sind doch derart verunsichert, dass sie sich wünschen, dass ihnen jemand sagt “ Sie machen alles richtig“
      Wir haben doch verlernt einen gesunden Menschenverstand waten zu lassen geschweige denn diesen wahrzunehmen….es ist ja auch keine Zeit dafür. Der wahre Luxus unsere beschissenen Zeit ist doch gerade „Zeit“/ „Entschleunigung“ – aus ihr heraus kann man ggf auch eher die Kraft entwickeln sich stolz abzugrenzen und eine Sicherheit für die Interaktion mit seinen Lieben wahrzunehmen und zu reflektieren…
      Ich mache mit meinen „Eltern“ gerne ein Pingpong- Spiel, wenn Sie die Frage nach der „Richtigkeit“ ihres Verhaltens fragen. Allein die erste Frage „Was meinen Sie? Wie fühlt es sich für Sie an?Woran merken Sie, dass sie etwas falsch machen könnten?“ usw. führt eigentlich regelmässig dazu, dass sie sich selbst fragen, warum sie sich von anderen so verunsichern lassen, wenn es für sie selbst eigentlich völlig in Ordnung ist…
      Vielleicht Rosalie, und ich glaube die Kraft hast Du, kannst Du auch so ein keines Fragespiel machen, aus reinem Interesse, warum sie so oder so handeln….andernfalls stirbst du vielleicht noch an einem Herzinfarkt (letzteres bitte nicht wortwörtlich nehmen 🙂 )

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      • Kerstin, aber ist es nicht genau das? Wenn meine Tochter mir bestätigt, dass ich es richtig mache und mir auch direkt Rückmeldung gibt, wenn ich es nicht so gut mache, dann sollte die Sache doch erledigt sein. Ich meine, sie fällt mir entweder um den Hals, oder schreit mich an. Beides ist ja nun eine klare Aussage.
        Ich muss auch sagen, ich habe eher selten das Problem, mich verunsichre zu lassen. Ich beobachte das eher bei anderen und wenn die dann aber von mir Bestätigung wollen, muss ich mich öfter beherrschen, nicht zu direkt zu werden. Darum beschäftigt mich die Fragestellung. Ich denke mir jedes Mal ‚Was wollen die von mir? Sollen sie doch ihr Kind fragen.‘ Das führt dann zu Frustration auf beiden Seiten, weil ich schnell genervt bin und die anderen ihre Bestätigung nicht bekommen.
        Mich beschäftigt aber doch auch die Hintergrundfrage: Zählt das Wort eines Erwachsenen mehr, als das eines Kindes? In der Gesellschaft? In der Familie? Denn entweder ich vertrete das Denkmuster einer hierarchischen Struktur und brauch dann auch keine Bedenken zu haben, in diesem Sinne zu handeln. Oder ich lehne das ab und behandle meine Mitmenschen inkl. Kindern auf Augenhöhe – sofern ungefährlich und strukturell möglich. Diese Verunsicherung ist vielleicht dem sinnbefreiten Gemisch beider Seiten geschuldet. Man akzeptiert die hierarchische Struktur, hat sie aber nicht wirklich verinnerlicht und weiß jetzt auch nicht, wie man sich aus dem Schlamassel rausziehen soll. Es soll ja auch vielen Paaren so gehen mit der Rollenverteilung. Die Kombi von eigener Meinung, ohne Fähigkeit/Möglichkeit/Willen/Kraft etc. diese kund zu tun oder sogar zu vertreten. Rein objektiv betrachtet ist das eine ungute Mischung. Da wäre es noch besser, man hätte keine Meinung und machte einfach alles, wie’s im Ratgeber steht.
        Oder habe ich da jetzt den falschen Gedankengang?

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  4. Ja,so ist es…
    Ich spreche aus was ich denke,wenn ich unsicher bin was man mit der ein oder anderen Frage von mir will…
    Sinngemäß:“ich bin jetzt unsicher was sie von mir möchten?!“ Soll ich ihnen zuhören oder möchten sie meine Meinung dazu hören?“
    Ich hab Klarheit und die andren auch-woran man gegenseitig ist – dann verschwende ich auch keine Energien im Dinge die man von mir nicht erwartete…
    Dein Beispiel (ehe-rollen) haben wir hier auch.
    Mein Mann als ossi liebst hierarchisch und ich als (fach-) Frau und wessi mag’s auf Augenhöhe.er liebt das an mir, aber beim eigenen Kind bekommt er es nicht hin (…“auf der Nase rumtanzen“usw)
    Schreckliche Konflikte :-/
    Unser armes Hascherl hat’s aber jetzt nach 4 Jahren raus,differenziert mit ins umzugehen :-))
    Vielleicht schaff ich es in den nächsten 4 Jahren ihm dann den „ossi“ auszutreiben :-p

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      • Also … Die Antwort vermurkste, weil ich sie versehentlich abgeschickt hatte 😀
        Was ich sagen wollte: Gerade heraus zu fragen ist wohl das Beste.

        Eltern mit unterschiedlicher Auffassung haben es nicht unbedingt leicht. Ich bin auch eher nicht der hierarchische Typ. Erlebe es öfter mal, dass Väter noch so Reste der „guten alten Zeit“ in sich haben. Das führt dann schon mal zu so Konflikten, die eher nach Macht/-Positionskampf als nach Erziehung aussehen 😉
        Ganz selten kenne ich es auch andersherum, dass die Mutter da eher streng und etwas autoritärer ist. Gibt es aber auch. Kinder können das gut unterscheiden. Bei Autoritäten rebellieren die heute zum Glück meist selbstbewusten Kinder schnell, was zu noch mehr Konfliktpotential führt.
        Aber ich finde es nich schlecht, wenn sie gleich im Elternhaus so verschiedene Richtungen kennenlernen.

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