Tabuthema Fehlgeburt?

Ich las gerade diesen Artikel und wundere mich nun: Ist das Thema Fehlgeburt wirklich ein Tabu?

Mich hat das Thema irgendwie nie beschäftigt, muss ich zugeben. Ich bekam meine drei Töchter ohne große Angst vor einer Fehlgeburt. Meiner Mutter muss das damals unglaublich blauäugig vorgekommen sein. Sie sagte jedes Mal: „Freu dich nicht zu sehr. Es heißt nicht umsonst Guter Hoffnung sein. “ Das war mir aber zu schwarzmalerisch und ich hab es abgetan.

Weil ich es unsinnig fände, aus etwas Natürlichem und Menschlichen wie einer Fehlgeburt ein Tabu zu machen, schreibe ich meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema auf. Geburtsberichte gibt es nämlich wirklich wie Sand am Meer. Aber kaum welche über Schwangerschaften, die zu früh enden. Dabei ist das bei einer sehr großen Prozentzahl so.

Als wir uns für eine Nummer 4 entschieden hatten, war ich nicht mehr Mitte Zwanzig sondern tendenziell eher so irgendwie Ende Dreißig. Und da hatte ich mehr Sorgen als Blauäugigkeit. Letztere war inzwischen eigentlich verschwunden. Ich hatte das Gefühl, es würde ein Jahr dauern bis es klappen würde. Und schwierig werden. Ich dachte: „Jetzt ist es März und im kommenden März bin ich dann erst schwanger.“

Ich war zwar nicht mehr blauäugig aber meine gute alte Intuition war wohl geblieben, wie sich zeigen sollte. Zwischen dem einen und dem anderen März lagen bald ein paar negative Schwangerschaftstests. Früher, als ich noch nicht eine uralte Schachtel gewesen war, da war ich immer sehr schnell schwanger geworden. So dachte ich. Und das ärgerte mich – klar, wer spürt schon gern den Zahn der Zeit an sich nagen?
Ich nahm das aber so an und entspannte mich ein wenig. Dann hatte ich den ersten positiven Test. Ich freute mich zuerst über den dünnen zweiten Strich, starrte ihn dann an und dachte: „Der Strich ist zu dünn – das gibt nix.“ Abends bin ich etwas ängstlich ins Bett. Sonntagmorgens wachte ich mit einem typischen menstruationsartigen Ziehen im Bauch auf: „Aus der Traum“ habe ich wortwörtlich gedacht und so war es auch.

Dann, gleich im übernächsten Monat blieb die Regel wieder aus. Neuer Test musste her. Zwei knallblaue Striche! Yeah! Aber das flaue Gefühl blieb. Ich war bei der Frauenärztin, bekam ein Ultraschallbild. Die Fruchthöhle sah irgendwie länglich aus. Die Ärztin sagte, dass müsse nichts bedeuten. Es sei besser, wenn sie sofort rund sei, klar. Aber sie habe genug längliche gesehen, aus denen auch etwas geworden wäre. Ich googelte Tausend Mal „Längliche Fruchthöhle“ und erfuhr, dass dies sowohl ein schlechtes Zeichen als auch nicht von Bedeutung sein konnte.

Ich fuhr über’s Wochenende zu Freunden und hatte recht entspannte Stunden – die beiden freuten sich sehr mit mir über die Neuigkeit, die ich nicht an die große Glocke hängte, aber ihnen mitteilte. Auf der Rückfahrt im Zug dachte ich nach und fühlte in mich hinein. Ich hatte total bekloppte Gefühle. Als hockte da ein panischer kleiner Kerl in mir. Einer, der nicht wusste, ob er gehen oder bleiben wollte.

Wenige Tage danach, am Donnerstagabend, saß ich mit der Familie am Tisch und hatte plötzlich Schmerzen. Ich bekam richtig Panik und spürte sofort: „Oh nein, das war’s“ und legte mich auf das Sofa. Mein Mann versuchte mich mit „Das wird schon nix Schlimmes sein“ zu beruhigen, aber ich wusste, alle seine Versuche, mich aufzumuntern würden sich nicht bewahrheiten. Freitagmorgens fuhren wir zur Ärztin.
Da saß ich dann eineinhalb Stunden mit dem Abortus imminens, dem drohenden Abort, im Wartezimmer. Und blutete immer mehr und spürbarer. Irgendwann begann ich vor lauter Verzweiflung zu weinen und mein Mann brachte mich zu den freundlichen  Arzthelferinnen.

Er: „Meine Frau glaubt, dass sie eine Fehlgeburt hat, wie sie ja auch zuvor am Telefon angekündigt hat. Sie blutet immer stärker. Wenn das nun kein Notfall ist und sie schnell drangenommen wird, dann weiß ich nicht.“

Arzthelferin aus der Vorhölle: „Tja, und? Da könnte man ja nun auch nichts mehr machen. Dann weise ich sie eben jetzt ins Krankenhaus ein!“

Ich: „Nein, ich habe schon fast zwei Stunden blutend hier gewartet. Ich will nicht ins Krankenhaus rüberfahren, mich anmelden und noch mal zwei Stunden warten.“

Sie: „Tja, da kann ich ihnen auch nicht helfen. Mehr kann ich nicht …“

Sie wurde unterbrochen, weil meine Ärztin aus dem Sprechzimmer kam und mich (weinendes Häufchen) geschockt ansah. Dann befragte sie mich, warf der Bösen einen ebensolchen Blick zu und nahm mich mit ins Behandlungszimmer.

Ein kurzer Ultraschall, noch mehr Tränen – sogar bei der Ärztin. Ja, es war ein vollständiger Abort. Eine Fehlgeburt.

Ich musste danach dann zum Drogeriemarkt und mir zwei Packungen dicker Binden kaufen, um aufzufangen, was von meiner einstigen, unsicheren Freude noch übrig war.

Zuhause erklärte der Mann den Kindern, was passiert war. Sie konnten das nicht recht greifen. Jedenfalls eierten und kreischten sie bald ausgelassen und nervten mich Trauerkloß kolossal. Ich hab sie dann angeschnauzt und mich noch mieser gefühlt.

Ich habe in den folgenden ersten zwei Wochen des Vor-mich-hin-Blutens immer wieder Panik gehabt, das Blut könnte Reste der Frucht enthalten und ich würde das sehen – daran erinnere ich mich noch. Und ich empfand das irriger Weise alles als schmerzhaft demütigend, dieses Bluten. So, als würde ich es einfach nicht mehr können , das Schwangersein.

Ich war echt traurig und musste dann lernen, denjenigen, den ich wegen seiner mir so erschienen Angst vor dem Leben Prinz Panik genannt hatte, loszulassen. Ich dachte mir, er findet eine andere Familie – eine, in der man sich nur auf ihn, den Verängstigen, konzentrieren kann. Und das gefiel mir. Ich stellte mir ein Paar vor, das am besten schon lange auf ein Kind gewartet hatte, bei denen er dann die Nummer 1 war. Das gefiel mir sehr. So konnte ich ihn loslassen. Den Schwangerschaftstest habe ich mit dem Ultraschallbild umwickelt und alles zusammen in einen Schrank gelegt. Der Geburtstermin wäre der 24.6.2013 gewesen. Dieses Datum vergesse ich irgendwie nicht.

Das war im Oktober 2012.

Ich bin nicht lange sehr traurig gewesen. Nur die folgenden Monate waren anstrengend, weil ich mich ja immer fragen musste, ob es jemals (erfolgreich) wieder klappen würde. Ich wurde zum Hämatologen geschickt, der erzählte was von leichter Hämophilie und leichter Thrombophilie. Bei einer folgenden Schwangerschaft würde ich mir täglich Heparinspritzen verpassen müssen. Später, bei der Anmeldung zur Geburt, belächelte der Chefarzt der Gynäkologie im Geburtskrankenhaus diese übervorsichtige Diagnose. Er meinte nicht, dass diese im Zusammenhang mit den Fehlgeburten stünde.

Es war März 2013, als ich den dritten positiven Test hatte, der dann auch wirklich und wahrhaftig die heutige Nummer 4 anzeigte.

Bis ich der neuen Schwangerschaft traute vergingen circa fünf Monate derselben und einige Ultraschalluntersuchungen. Ich lernte, mich selbst zu spritzen. Seitdem machen mir Spritzen und Blutabnahmen nix mehr aus. Insgesamt wuchs mit jeder Woche der Schwangerschaft das wackelige Gefühl der Sicherheit. Ich hatte anfangs die irrige Angst, es könnte schon wieder Prinz Panik sein, der sich bei mir einnistete, um dann vielleicht nicht in der 9. oder 10. Woche, sondern in der 13. oder 14. Woche zu verschwinden. Die Angst blieb eine Weile. Aber plötzlich war ich mir sicher: Das ist jemand anderes und er wird bleiben.

Ich glaube, ich habe die Fehlgeburt recht gut überwunden, weil ich glaube, dass sie zum Leben einfach dazugehört. Weil ich nicht davon ausgehe, dass Kinder entstehen, weil Eltern sie machen oder schöner: zeugen, sondern weil es Seelen sind, die bei passenden Familien leben wollen. Manchmal entscheiden sie sich dann um. Das muss man ihnen zugestehen. Man muss sich dann in Liebe trennen. Aber dies spiegelt nur meine persönliche Einstellung wieder. Inzwischen lebt Prinz Panik sicher irgendwo und wird prima umsorgt. Das ist doch eine tröstliche Vorstellung. Ich bin nur traurig, weil ich ihn niemals kennenlernen werde. Ansonsten habe ich das Erlebte gut verdaut.

Manchmal aber, wenn ich abends müde und etwas unkonzentriert etwas im Internet schreibe, wie einen Kommentar oder Ähnliches, dann ertappe ich mich dabei, zu schreiben „Ich habe 5 Kinder“ und das einfach korrigiere. So als hätte ich den Überblick verloren. Aber erst, als ich diesen Artikel hier geschrieben habe, wurde mir überhaupt erst bewusst, warum das so ist.

Leben ist nicht selbstverständlich. Und zugleich alltäglich – es ist schwer, in einem Leben voll scheinbarer Sicherheit mit den letzten großen Unsicherheiten zu leben. Das macht Fehlgeburten heute so schwierig. Und man spricht vielleicht echt nicht viel darüber. So entsteht der Eindruck, sie passierten so selten.

Nummer 4, unser bezaubernder Minimann mit den rund fünfzig Kosenamen, ist inzwischen ein Jahr bei uns.

Ja, der energiegeladene kleine Junge, der zu mir passt und den ich so von Herzen zu uns eingeladen habe, wohnt nun hier. Das verflixte erste Jahr, in dem etwas wie SIDS droht, ist auch vorbei – es sieht so aus, als bliebe er.

Während der Trauer über die Fehlgeburt las ich mal, dass es einen alten Mythos gibt, nach dem der Erzengel Gabriel die – stets protestierende – Seele aus dem Paradies hole und während der neun Monate im Mutterleib erzöge. Ich musste bei dem bildhaften Gedanken schmunzeln: Eine Seele wehrt sich bei der Idee, ein Mensch zu werden und ein Leben meistern zu müssen.
Und so hatte ich aus irgendeinem Grund Verständnis mit Prinz Panik. Ich dachte mir, er hat zwei Anläufe gebraucht und immer nur kurz in meinem Bauch durchgehalten. Er braucht wohl noch etwas Zeit … im Paradies …. Oder wo auch immer.

Dann kam eben einer und hat wohl nicht so sehr protestiert. Was für ein Glück, für das man durchaus Dank empfinden darf.

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18 Gedanken zu “Tabuthema Fehlgeburt?

  1. Ein Hammerbeitrag, danke 🙂 Ich hatte selber auch eine Fehlgeburt, in der 15. Woche, mit Auskratzung. Fühlte sich schrecklich an und ich dachte, die Welt geht unter. Ging sie nicht! Heute habe ich zwei erwachsene Kinder und werde das Gefühl aber nie vergessen, wenn man weiss, dass sich das kleine Wesen da drin wieder verabschiedet hat. Scheissgefühl! 😦 Ich folge Dir unauffällig!

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    • Ja, an das Gefühl erinnerte ich mich beim Schreiben auch wieder. Man muss es geschehen lassen, hat keinen Einfluss, keine Möglichkeiten etwas zu ändern.
      Ich freue mich, wenn Du mir unauffällig folgst. 🙂

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  2. Ganz, ganz berührender Beitrag! Der Gedanken mit den Seelen gefällt mir sehr! Kennst du das Fotoprojekt 4thtrimesterbodies.com. Dort berichten sehr viele (mehrfach)Mamas von Sternenkindern. Ich finde dieses Projekt sehr schön, da immer wieder deutlich gemacht wird, dass man auch dann Mama ist, wenn das Baby während der Schwangerschaft von einem gegangen ist.
    Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass Fehlgeburten ein Tabu-Thema sind, aber bei mir im Freundes- und Familienkreis ist es leider ein sehr präsentes Thema. Ich kenne nur wenige Frauen, die problemlos schwanger wurden. Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften, Thrombosen und Künstliche Befruchtung sind in meinem Umfeld sehr häufig 😦 Umso dankbarer bin ich, dass ich so unkompliziert schwanger wurde und blieb und gesunde Kinder bekommen durfte. Immer wieder ein Wunder!

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    • Ja, man begreift oft erst, wie dankbar sein kann, wenn man solche Schwierigkeiten sieht oder erlebt.
      Ich finde es gut zu hören, dass es kein Tabuthema in Deinem Umfeld ist.

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  3. Tränen und Herzklopfen zum frühen Morgen. Und ein DANKE ❤ Ich habe mein Mariechen achtundzwanzig Stunden gebären müssen in der siebenundzwanzigsten SSW, durfte sie nicht sehen, es gibt kein Grab (1992 war eine andere Zeit…) und zum ersten Mal bei der Geburtsvorbereitung von unserem Kleinsten sagten die Hebammen, das sei mein drittes Kind. Vorher war sie nur ein "Spätabort" für alle. Niemand konnte verstehen, dass ich nach so vielen Jahren immer noch an dieser Tochter hänge, sie in meinen Träumen wachsen sah. Alle sagten, das sei nun auch mal wieder gut… nein. Gut. Gut ist das nicht, wird das nie. Ich glaube, die winzige Nabelschnur zwischen uns und unseren Kindern besteht von der ersten Zellteilung bis zu unserem eigenen Tod. Ganz egal, wie zart sie war. Wie soll man das vergessen können? Warum soll man müssen? Herzenswarme Grüße, Rike

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  4. Liebe Rike,

    ich glaube, Menschen, die keine solche Erfahrung gemacht haben, sind manchmal schnell mit einem Urteil dabei. Vielleicht können sie einfach nicht verstehen, wie sehr man trauert, auch wenn man mit dem, den man verloren hat, nie ein Wort sprach oder eine Stunde verbringen konnte.
    Natürlich hängst Du an Deiner Tochter und sie wird wohl immer ein Teil Deiner Gedanken und Gefühle sein. Und ein Teil der Familie. Siebenundzwanzig Wochen sind eine lange Zeit, wenn es darum geht, eine Bindung aufzubauen. Und das tun wir Mütter nun mal – sollten wir es denn prophylaktisch lassen, weil man ein Kind auch verlieren kann? Ich glaube nicht einmal, dass das geht oder gehen sollte.
    Das, was Du erlebt hast – eine so lange Geburt ohne glücklichen Ausgang, weil viel zu früh – tut mir von ganzem Herzen leid. Auch wenn es bereits her ist.

    Gerade, wenn man sein Kind nicht sehen darf fehlt ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung und Verarbeitung. Heute weiß man das und bietet den Eltern an, das Kind zu sehen und Abschied zu nehmen. Und ein Grab, das man besuchen kann, hilft ebenfalls. Beide fehlt Dir und da ist es kein Wunder, wenn man auch zwanzig Jahre und mehr danach noch trauert und sich erinnert. Manche Mütter begraben rituell ein Mützchen oder kaufen einen kleinen Engel, den sie in den Garten stellen. So haben auch sie einen Ort, an den sie gehen können, wenn es kein Grab gibt.

    Meine Schwiegermutter hat ihre Tochter (das war in den Siebziger Jahren) auch in der 27. oder 28. Woche verloren. Sie wurde allerdings narkotisiert, wachte aber während dieses Eingriffs wohl auf und hörte das Kind. Man bat sie darum, einen Namen zu nennen und sie sagte den ersten, zu dem sie eine Verbindung hatte, ehe sie wieder „eindöste“. Dieses Kind wurde im Grab ihres Vater bestattet. Die Tochter gehörte für meine Schwiegermutter und auch ihren Mann immer dazu.
    Jeder au der Familie kannte ihren Namen und ebenfalls die Geschichte ihrer Geburt. Und immer um die Weihnachtszeit kam das alles wieder hoch, weil diese Tochter eben fehlte, während sich alle anderen Kinder versammelten.

    Für Verlust und Trauer muss man sich nicht schämen – beides gehört fest zu unsere Leben. Und niemand darf beurteilen, wie lange man trauert oder sich erinnert. Letzteres wird man wohl immer tun.

    Ganz herzliche Grüße von mir

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  5. Ein wunderschöner Eintrag! Ehrlich! Und was für ein tröstlicher Gedanke, dass die Seele sich umentscheidet… und nun woanders lebt. Ich finde, Fehlgeburten sollten kein Tabuthema sein. Obwohl ich nicht mitreden darf, weil ich das Glück hatte, zweimal Mama zu werden ohne Fehlgeburt dazwischen, davor oder so. Unser zweiter kleiner Kerl ist nun 3 Monate bei uns und ich hoffe, er bleibt und verlässt uns nicht im verflixten ersten Jahr…

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    • Hallo MiA,

      schön, dass Du bei uns liest und mitschreibst – willkommen!
      Es freut mich, dass Dir der Artikel gefallen hat und auch, dass Du ebenfalls findest, über Fehlgeburten sollte man sprechen dürfen.
      Gratulation zum kleinen Kerl, der ganz bestimmt bleiben wird – man kennt ja inzwischen so viele vermeidbare Risiken. Eine Rest-Angst bleibt uns Müttern/Eltern sicherlich immer erhalten, aber man kann ja doch viel tun, um es zu verhindern.
      Herzliche Grüße!

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  6. Ein schöner Beitrag. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können. So unterschiedlich wie die Menschen, trotz der ähnlichen Erfahrung.
    Aber das ist vielleicht der Grund, warum man es als Tabuthema bezeichnen könnte. Diese ganz unterschiedlichen Denkansätze machen es unberechenbar, wie eine Frau damit umgeht und das verunsichert alle. Darum will man sich im Allgemeinen um dieses unschöne Thema drücken. Bei Geburten ist es doch recht einfach. Da weiß man, dass man zum neuen Baby gratulieren muss…

    Ich habe dich übrigens verlinkt, wenn’s genehm ist.

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    • Hallo Rosalie,

      das Verlinken ist genehm 🙂
      Ja, vielleicht sorgt die Unsicherheit für ein Gefühl von Tabuisierung. Man weiß nicht, wie die Mutter das Ganze sieht und empfindet. Eine Freundin hat mich ganz direkt gefragt: „Und? Wie sortierst du das für dich ein?“ Das war mir, wenn ich es recht bedenke, ganz angenehm so.
      Von meiner Antwort konnte sie dann ausgehend etwas dazu sagen, bei dem sie nicht unsicher war. Vielleicht ist das einfach ein guter Umgang damit: Erst einmal nachfragen.

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  7. Wirklich ein guter Beitrag! Ich kenne tatsächlich auch eine handvoll Frauen, die eine oder mehrere Fehlgeburten hatten. Immerhin haben sie darüber gesprochen, aber meist auch zurückhaltend. Eine berichtete auch, dass sie als Paar durch das Erlebnis sehr stark zusammen gewachsen sind. Eine Frau ist meine Oma. Es ist bei ihr bei einem Kind geblieben, weil sie danach mehrere Fehlgeburten hatte. Sie spricht garnicht darüber, auch nicht, wenn man nachhaken möchte. Ich kann nicht einordnen, ob sie das noch heute sehr belastet, oder ob es für die Generationen damals zum ’normalen’Geschehen gehörte. Oder ob beides zutrifft. Es belastet, kommt aber immer wieder vor (und wie wir wissen ja auch nicht zu selten) und deshalb beklagte man sich nicht bei anderen. Was sich unter umständen dann bis heute so weiter gegeben hat. Darüber spricht man nicht, weil es ist ’normal‘ und leidet still vor sich hin. Und dann die Kombination aus Unsicherheit, wie man sich verhalten soll, seitens der Frauen, die das noch nicht erlebt haben und vielleicht, sofern sie Kinder haben, auch noch ein dummes Gefühl dabei haben, weil sie ja gut reden haben.
    Ich weiß es nicht.
    Was mir aber auch noch niemand erklärt hat ist, wieso die meisten Frauen ( die ich kenne) ihre Schwangerschaft die ersten drei Monate vor vielen Leuten geheim halten. Mir ist zwar klar, dass in dieser Zeit das meiste schief gehen kann, aber wenn es mir dann mies geht, dann merken das die anderen doch auch! Wieso macht man zum Beispiel den eigene Eltern oder sogar guten Freunden gegenüber dann so ein Geheimnis? Wenns mir schlecht geht, möchte ich doch darüber sprechen, warum. Das ist doch nicht mit ’schlechter Laune‘ oder Grippe abgebügelt. Ich habe auf die Frage bisher Schulter-zucken und zweimal die Antwort, die Trauer ginge niemanden etwas an, bekommen. Mmmh. Es ist und bleibt vorerst ein schwieriges Thema.
    Ansonsten kann ich nur sagen, die moderne Medizin ist in vielen Dingen ein Segen. Aber sie kann eine Fehlgeburt meistens nicht verhindern. Schlimmer noch, sie macht unnötige Angst. Beim zweiten und dritten Kind war jeweils bei den ersten Ultraschalluntersuchungen einmal keine Fruchthöhle zu sehen. Statt zu sagen, es ist auch noch sehr früh, wir gucken nächste Woche nochmal, kam ein Sorgenvoller Blick der Ärztin mit dem Hinweis, dass dringend in der nächsten Woche nochmal nachgesehen werden müsse, um eine Eileiterschwangerschaft 100%auszuschließen. Ich machte mir eine Woche lang schreckliche Sorgen und achtete auf jedes Ziepen. Die zweite Untersuchung zeigte dann aber, dass alles tiptop war.
    Bei der dritten Schwangerschaft hieß es, es sei noch freie Flüssigkeit in der Gebärmutterschleimhaut (wenns medizinisch nicht korrekt ist tuts mir leid, ich weiß nur noch wie es auf dem Ultraschall aussah, aber die genaue Bezeichnung nicht mehr). Da gabs auch wieder Sorgenvolle Blicke und dringende Kontrolluntersuchungen, um sicher zu gehen, dass sich die Flüssigkeit auflöst, ansonsten drohe einFehlgeburt. Wieder war ich total aufgewühlt und hatte große Sorgen. Dabei kommt das nicht selten vor und macht, wenns nicht zuviel ist auch nichts aus. So meine Recherchen.
    So wars dann auch. Aber da wird einem doch der Kopf gespannt ohne Grund. Wenn das eine sich nicht oder an der falschen Stelle entwickelt hätte, hätte ich das dann eine Woche später auch schlimm gefunden, mich aber nicht tagelang gesorgt und wenn das dritte sich verabschiedet hätte, dann wäre das ja auch ohne das Wissen um das Risiko mit der Flüssigkeit passiert. (Ich könnte da ohnehin noch eine für mich leicht traumatische Kranknehauserfahrung aus der ersten Schwangerschaft berichten. Doch meine Zeit reicht jetzt nicht und es passt auch nur ganz entfernt zu dem Thema hier.
    In diesem Sinne…

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  8. Liebe Bea,

    danke für Deinen Kommentar.
    Ich glaube, die ersten drei Monate als goldene Schweige-Regel gibt es, weil es der Mutter unangenehm wäre „zurückzurudern.“ Von „Yeah, ich bekomme ein Kind!“ auf „Ach ne, doch nicht.“
    Weil man es dann auch jedes Mal jedem erzählen müsste, dem man vorher die Schwangerschaft angekündigt hatte. Ich hatte es bei den Kindern so vor, nachdem ich die Fehlgeburten hatte.
    Damit sie sich nicht umsonst freuen. Leider hat die Älteste mitgehört, wie ich (allerdings chiffriert und leise) einer Freundin morgens davon berichtete. Sie hat es jedenfalls sofort verstanden und freudig den Schwestern mitgeteilt.
    Es ging ja bekanntlich gut und Nummer 4 ist prima gewachsen und geblieben.
    Eine Tabuthema sollte es jedoch keinesfalls sein, finde ich. Vielleicht ist das wirklich ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten, als man über „gewisse Dinge“ nicht offen sprach. Aber das dürfte ja heute nicht mehr so sein. Eigentlich …

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  11. Danke für diesen Artikel. Du hast mir damit tatsächlich Mut gemacht, meine Erfahrungen aufzuschreiben. Ich habe tatsächlich um meine Sternchen nur relativ kurz getrauert, sodass mir sogar gesagt wurde, ich würde das alles verdränge und solle erstmal richtig trauern, bevor ich wieder schwanger würde. O.o Die medizinische Behandlung war jedoch so traumatisch, dass ich daran wohl noch eine Weile werde knabbern müssen (Ausschabung ohne Aufklärung darüber, was da jetzt gemacht würde (musste einen Wisch auf Chinesisch unterschreiben, den ich aber natürlich nicht verstand) und ohne jegliche Betäubung oder Schmerzmittel und dann wurde mir noch von der Ärztin gesagt, ich sei halt besonders empfindlich)…

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    • Das klingt ja furchtbar. Schlimm, wie mit uns Frauen (oft von anderen Frauen) manchmal umgegangen wird…
      Traurig genug, sich von Ungeborenen verabschieden zu müssen – da muss man nicht auch noch lieblos behandelt werden, während man einen Eingriff erlebt (während dem man sich ja durchaus auch noch ausgeliefert fühlen kann).
      Ich glaube, es hilft sehr, über Erlebtes ganz offen und ehrlich zu schreiben.

      Zuerst hilft es einem selbst und dann oft noch Anderen, dieses lesen.
      Ich freue mich, wenn ich Dir Mut machen konnte.

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