Lachtränen im warmen Schimmer der Salzlampe

Lachtränen im warmen Schimmer der Salzlampe

Geburtsberichte habe ich auf unserem Blog bisher ausgespart. Ich finde, es gibt einfach schon genug. Und ich finde sie meistens entweder zu blumig („Der schönste Tag meines Lebens“) und wenn man es dann liest, gefriert einem das Blut in den Adern. Oder sie sind sehr effektiv betitelt („Knochen knackten, Blut spritzte, alle schrien – Vorsicht: Schwer zu ertragen“) und halten, was sie versprechen. In jedem Fall unterstreichen sie meinen beliebten Vergleich von Zivilisten (Nicht-Müttern) und Soldaten (eben die Anderen): Der Kreißsaal als Kriegsschauplatz übelster Details menschlichen Leids in Zusammenarbeit mit einem meist fürchterlichen Feldscher.

Ich persönlich habe meine Geburten als Zusammenfassung sehr kurzer Natur irgendwann manchen Freundinnen erzählt. Da gehören sie hin, finde ich. Oder ich erwähne Erfahrungen zu irgendwelchen Themen, die privat oder in den Sozialen Medien gerade diskutiert und besprochen werden (Hausgeburt, Klinikgeburt, Geburtseinleitung Geburtshaus, Schmerzmittelfreiheit oder ähnliches)

Wenn ich aber jemals die Eindrücke einer Geburt in einem Artikel zusammengefasst hätte, dann wäre es in dieser Art passiert. Viel Spaß beim Lesen und Lachen! 🙂

Zur Salzlampe und dem anderen, im Artikel erwähnten „esoterischem Riesenquatsch“ hier nun meine Gedanken: ich habe da diverse Erfahrungen gemacht und bin seitdem (vor allem bei Geburten) ziemlich von allem ab, dessen Wirkungsfaktor Eins zum Weltall heißt. Ich würde gern wieder an Homöopathie glauben. Und auch an das Erinnerungsvernögen, das Wasser zu Eigen ist. Dafür habe ich nur grad keinen Kopf. Sobald ich den habe, werde ich mich wieder gründlich informieren.

Ja, informieren ist für mich ein Zauberwort: Wenn eine der Mamas aus dem Kindergarten zu mir sagte: „Also, ich geb‘ immer nur Globulis“ dann habe ich besserwisserisch sagen wollen: „Ach so und du liest sicher nur Lexikas?“. Mich nervte es, dass sie allein schon durch den sprachlichen Fehler zu zeigen schienen, dass sie einfach einer Bewegung nachliefen, ohne sich darüber zu informieren. Aber eigentlich wollte ich gern mal sagen: „Echt jetzt? Du glaubst, dass ein Wirkstoff, der so verdünnt ist, dass er einem Tropfen Wirkstoff verteilt in einem Pool oder besser noch: im Weltall entspricht, wirken kann? Aber beim „Über-das-Wasser-laufen“ bist du skeptisch?“ Und dann renitent grinsen – hach, das wäre fein gewesen. Hatte immer den Eindruck, die meisten verteilten die kleinen Wunderkugeln mit dem dauernd falsch verwendeten Plural, weil das gerade so modern war oder ist. Und nicht, weil sie wirklich vom Erinnerungsvermögen des Wassers überzeugt waren.

Meine Schwiegermutter kaufte mal eine Tube Rescue-Salbe (Bachblüten), weil die Frau des Cousins meines Mannes das wohl empfohlen hatte. „Das geben die Mütter jetzt alle den Kindern,“ kam es nicht ohne einen Hauch des Vorwurfs ob meiner das Wohlbefinden der Kinder vernachlässigenden, weil bachblütenlosen, Haltung. Und ich (renitent wie immer): „Wenn die Kinder hinfallen, bekommen sie gegen den Schreck die Energie von Blumen? Blumen die ’ne Weile in Wasser rumlagen …?“ Danach schmierte sie das Zeug immer noch ganz doll und fürsorglich auf die Knie der Enkel. Eigentlich wann auch immer die Knie nur in die Nähe einer spitzen Kante gekommen waren „Schadet ja auch nichts!“ hieß es dann. Vielleicht wollte sie die ihr wegen meines gemeinen Kommentars peinlich gewordene Tube auch einfach schnell leer bekommen.Ich hab mich ein bisschen wegen meiner Renitenz geschämt, als mir dieser Gedanke kam. Und dann wieder nicht, weil ich doch diesen stummen Vorwurf mit dem harten Blick bekommen hatte.

Damals war ich fast zehn Jahre jünger als jetzt. Da hat man noch nicht ausreichend die Technik des „Schlucken-Lächeln-Schweigens“ gelernt, die Müttern im Laufe der Jahre zuteil wird. Ab und an geht man im der Phase jenes jugendlichen Leichtsinns dazu über, sich gegen einen Vorwurf zu wehren. Eek, ich klinge ja so zynisch … (und schweife vom Thema ab)

Ich habe jedenfalls selber auch Homöopathie probiert. (Und dabei auch die richtige Zahnpasta verwendet, Kaffee gemieden etc.) Gegen (Geburts-)Angst zum Beispiel. Hat null gebracht. War immer noch ängstlich. Aber vielleicht hätte ich statt Angst hirnzermarternde Panik gehabt, wenn ich das Zeug nicht genommen hätte. Und es sollten auch Wehen durch bestimmte Homöopathie starten. Das könnte sogar geklappt haben. Vielleicht half es bei der 14-tägigen Übertragung auch, dass ich einfach alle aus meiner Bude warf und mich mal entspannte, statt mich wie eine Henne mit Legenot zu fühlen? Jedenfalls setzten die Wehen bei Nummer 1 ein, nachdem ich eine Menge weißer Kügelchen in meinen Mund gekippt hatte. Jahre später sagte eine andere Hebamme übrigens:“Was? Das und das hat sie dir gegeben? Aber das ist doch gar nicht wehenfördernd.“ Mein Vertrauen war dahin. Oder hatte nun die neue Hebamme keine Ahnung? Ach, wer weiß? Ich habe auch alles Mögliche andere durch. Beispiele bei Übertragung gefällig?: Muskatellersalbeiöl, Rizinusölcoktail (damals noch sehr en vogue heute als Horrorsaft verschrien), natürliche Einarbeitung von Prostaglandinen (auch als Sex bekannt), Rexflexzonenmassage. Wirkweise? Null – Nummer 3 wurde nach längerem, entkräftetem Betteln meiner Person per Priminggel (Prostaglandingel, klassisches Medizinprodukt) rausgeworfen.

Biologisch dynamisches Dammmassageöl haben wir auch ausprobiert – half auch nichts, kann ich kühn behaupten. Und was wir zum täglichen Einölen des Babybauches zwecks Streifenvermeidung und schneller Rückbildung zu sagen haben: Besser gar nichts.

Einerlei: Es geht niemals nicht und in keiner Lebenslage etwas über den orange-rosa Schein einer Salzlampe. Auch nicht auf dem Klo 😀

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11 Gedanken zu “Lachtränen im warmen Schimmer der Salzlampe

  1. Hallo lareine,
    Da muss ich mich direkt nochmal zu Wort melden.
    Salzkristalllampen im Kreissaal oder gar Lieblingsmusik….für mich undenkbar, obwohl ich tatsächlich alle drei Kinder zu Hause bekommen habe. Ohne Räucherwerk, Pool oder Globoli :-D.
    Ganz pragmatisch gedacht. Ich hasse Krankenhäuser, liebe eine gewisse Privatsphäre und hatte irgendwie so komisch gar keine Angst vor dem Geburtsvorgang. Ich lernte, dass ich offenbar nicht sehr schmerz empfindlich bin (was nicht heißt, dass ich das Finale nicht auch als SEHR unangenehm empfunden habe und jedesmal dachte:nochmal machste das aber nicht!!! Und Massagen, Unterhaltung oder Musik hätte ich nicht ertragen!) Paradoxerweise hatte ich aber bei dem 2. und 3. Kind furchtbar schreckliche Angst nicht rechtzeitig, bevor es ernst wird mit Kind und Kegel zu Hause zu sein. Denn schon bei der ersten Geburt, benachrichtige ich die Hebamme sehr knapp, weil es einfach nicht wirklich weh tat. Als sie kam, lag ich schon manövrierunfähig da und schnauzte den Armen nervösen Mann an, er möge noch Getränke reichen. Beim zweiten Kind wars ähnlich. Beim dritten rief ich mal was früher die Hebamme an, muss ja nicht immer in Hetze alles sein :-), aß aber noch ne halbe Stunde vor dem Finale ne Suppe mit Mann und Hebamme. Als es mir ungemütlich wurde zog ich mich wie gewohnt zurück, warf mich wie ein gestrandeter Wal auf die Seite (zu nichts anderem war ich bei den Geburten in der Lage) und brachte zu Ende, was nicht aufzuhalten war.
    In diesem Sinne
    Geburten sind so unterschiedlich wie die Kinder selbst. Eine Urgewalt, ein Erlebnis, aber schon eines von den unangenehmen Dingen, für die man herrlich entschädigt wird.
    Amüsierte Grüße
    Bea

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    • …“und brachte zu Ende was nicht aufzuhalten war“ klingt großartig! Ich hatte bei der Zweiten ja eine Hausgeburt und fand es sehr entspannt. Also in dem Rahmen, in dem Geburten entspannend sind.
      Ich hatte vier völlig unterschiedliche Geburten – das sehe ich genau wie Du: Geburten sind unterschiedlich wie die Kinder selbst.
      Beim ersten Mal war ich im Geburtshaus, leider mit keiner guten Hebammenbegleitung, Nummer 3 und 4 kamen im Krankenhaus zur Welt.
      Am liebsten war mir die Geburt zuhause. Da lief sogar Entspannungsmusik :D, die ich aber schnell nicht mehr wahrnahm. Hebamme auch zu spät gerufen und dann ging es ganz schnell.
      Nummer 4 wäre keine gute Hausgeburt geworden, weil die Gebärmutter anscheinend sehr viel (heftig schmerzhafte) Kraft aufbaute. Ich hatte nie zuvor solche Schmerzen … Aber die Anwesenheit im Krankenhaus hat nicht so viel gebracht, außer dem Wehenhemmer weil die Herztöne des Kleinen runtergingen. Für Schmerzmittel war es schon zu spät…

      Liebe Grüße!

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  2. Oh man, weder habe ich Kinder, noch denke ich in nächster Zeit daran welche zu bekommen, aber danke für den großartigen Link! Hab gerade Tränen gelacht 😀
    PS: By the way, ihr macht einen sehr schönen Blog!

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    • Hallo Maria,

      Ich freue mich sehr, dass Dir unser Blog so gut gefällt 🙂
      Der Artikel aus der Brigitte ist wirklich großartig. Ich habe auch echt Tränen gelacht 😉

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  3. Den link schau ich mir mal an, wenn ich „richtiges“ Internet habe. Aber deinem Artikel kann ich auch nur zustimmen! Besonders nach der dritten Geburt, die ja in Irland stattfand und so gar nicht dem deutschen „Kuschel“geburten entsprach und dennoch die natuerlichste von allen drei war.
    Meiner Meinung nach ist man entweder richtig krank und braucht echte Medikamente oder man hat nix oder was, was eh von alleine weggeht … wie Erkaeltungen, Zahnungsschmerzen oder halt auch Wehenschmerz.

    Ach, wenn ich euren Blog so lese bin ich echt froh, dass es noch andere Menschen „da draussen“ gibt, die so denken, wie wir.

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    • Liebe Barbara,

      schade, dass Du einen be*** Tag hattest. Die Sache mit dem Umzug ist sicherlich echt nicht ohne … ich wünsche noch mal alles Gute!
      Ich freue mich, dass Du gelacht hast beim lesen des tollen Brigitte-Artikels. „Kuschel“-Geburten ist ein tolles Wort 😀

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  4. ….muuuaahhhh😂
    Dieter Nuhr sagte mal:“es ist nicht alles Kind was das raus kommt!“ Das fand ich damals schon gut und noch dezent….
    Bei einer krankenhausbegehung waren mal einige Interessenten so penetrant damit beschäftigt, ob denn alle Zimmer so schön eingerichtet und alle vorhänge in dem schönen Rot seien …blablabla
    Auf den Flur platzte dann einer Krankenschwester der Kragen und sie machte dem sinnlosen Gerede ein Ende „wissen sie,wenn Sie wegen haben,dann interessiert Sie die Farbe der vorhänge nicht und danach wird es Sie auch nicht interessieren, ansonsten wäre es nicht ihr Kind “
    Hach-das war auch schön gesagt und es kehrte Ruhe ein…😂
    In diesem Sinne:ooohhhhhmmmmmmm

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  5. Jaja, Geburten sind nix für Warmduscher. Aber es ist schon wahr, Pressdrang ist Pressdrang. Allerdings, wie man da nicht mitpressen kann, hab ich nicht ganz verstanden.
    Es ist schon irgendwie blöd, dass man vor dem ersten Mal nicht weiß, was da auf einen zukommt. Das macht zwangsläufig Angst. Aber an den Schmerzen ist wohl bisher noch niemand gestorben. es ist schon seltsam, was wir Frauen alles freiwillig mitmachen…

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    • Hallo Rosalie,

      Wenn jemand mir vor der ersten Geburt zum Beispiel gesagt hätte, dass ich mir wünschen werde, jemand würde mir in den Kopf schießen – dann hätte ich ja noch mehr Angst gehabt…
      Oder dass man auch ohne Betäubung an empfindlichsten, fies gerissenen Stellen genäht werden kann.
      Ich hatte auch eine Geburt, bei der ich lange rumgescherzt habe und erst in den letzten 20 Minuten von der Natur der Sache ergriffen war.
      Ich glaube, dass es gut ist, wenn man nicht alles vorher weiß. Wenn man einmal dabei ist, dann muss man es eh hinnehmen. Geburt heißt immer, seine eigenen Grenzen verschieben und eine elementare Erfahrung machen zu müssen.

      Ich musste jedenfalls Schmunzeln in dem Bewusstsein, dass schöne Musik bei etwas derart Tiefgreifendem helfen würde. Oder Zuckerkugeln mit Erinnerungsvermögen. 😀
      Ich glaube, es ist gar nicht gut, wenn man verträumten Erstgebärenden sagt: „Keine Sorge, gegen die Schmerzen haben wir ’ne prima Salzlampe.“ Denn das suggeriert ja einen etwas unangenehmen Spaziergang. Ist es aber nicht. Und bei vielen ist auch hinterher nicht alles sofort vergessen.

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