Warum die Politik in Deutschland eine höhere Geburtenrate verhindert – statt sie zu ermöglichen

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Als ich mich das letzte Mal mit dem Thema Brutto- und Nettogehalt beschäftigt habe, fiel mir etwas auf: Unsere (damals drei, mittlerweile vier) Kinder wirken sich irgendwie so gar nicht nennenswert auf unsere Steuerlast aus. Als ich letztens in der Brand Eins gehört habe, dass auch bei Alleinerziehenden die Kinderzahl quasi keinen steuerlichen Unterschied macht, erwähnte ich das abends im Gespräch mit meiner Frau.

„Ist das denn bekannt?“ meinte sie. „Ich meine, das ist doch ziemlicher Mist …“

Was soll ich sagen? Das ist ziemlicher Mist, und daher habe ich mir noch mal die Zeit genommen und die ganze Kiste durchgerechnet. Schließlich will ich hier ja keinen Mist in den Blog schreiben. Folgendes kam bei einem führenden Gehaltsrechner raus:

  • Wenn wir verheiratet wären und keine Kinder hätten, würden wir im Monat 50 Euro weniger netto rausbekommen. Wahnsinn, oder? Ich meine, 50 Euro. Das reicht ja beinahe für das Mensa-Essen, das Nummer 1 und 2 einmal die Woche brauchen, weil sie lange Schule haben. 
  • Wenn ich hingegen alleinstehend wäre, liegen wir eher bei 600 Euro weniger monatlich (gegenüber Ehegattensplitting/ gemeinsamer Veranlagung). Vier Kinder machen aber auch in diesem Fall nur 50 Euro Unterschied aus. Bitte lasst Euch das auf der Zunge zergehen: Ein alleinstehender Single vs. ein Alleinerziehender mit vier Kindern: 50 Euro im Monat. Puh.

Zu diesem Unterschied beim Netto-Einkommen kommt natürlich noch das (mitunter ja auch in der Kritik stehende) umfangreiche Kindergeld von 154 Euro oder mehr im Monat. Ich fasse das mal vereinfacht zusammen: Der deutsche Staat ist also der Meinung, dass das Existenzminimum eines Kindes mit rund 1900 Euro (bzw. beim vierten Kind knapp 2400 Euro) im Jahr abgedeckt ist. Beziehungsweise nein, nicht abgedeckt, aber die restlichen Kosten sind nicht subventionierungsfähig. Weil: Kinder sind ja Privatvergnügen. Aber, hm, heult uns die Politik nicht dauernd die Ohren voll dass wir Deutsche zu wenig davon bekommen? Irgendwie kein Wunder, wenn man sich diese zum Himmel stinkende steuerliche Berücksichtigung anschaut. Rein ökonomisch möchte der Staat folgendes von jungen Menschen, die darüber nachdenken Eltern zu werden:

Hey, bitte setzt doch ein paar Nachkommen in die Welt, am besten 2,1 oder mehr, damit es mich auch in Zukunft noch gibt. Ich zahle Euch auch für 12 Monate ein halbwegs ordentliches Elterngeld, danach könnt ihr dann erstmal gucken, wie ihr klarkommt. Aber das wollt Ihr ja sicher auch. Wenn Ihr wirklich mehr als zwei Kinder bekommt wird einer von Euch beiden vielleicht … beruflich ein wenig Zurückstecken müssen. Also weniger Geld verdienen, meine ich. Aber das macht ja nix, die höheren Kosten für fünf Personen gleiche ich dann durch Steuererleichterungen aus. 1900 Euro pro Kopf und Jahr reichen doch, oder? Ach ja, dafür dass ich ab und zu auf Eure Kinder aufpasse – damit Ihr arbeiten gehen könnt und Steuern bezahlen – würde ich dann gerne noch einen kleinen Obulus in Rechnung stellen. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand ungerecht behandelt fühlt, weil er diese Kosten für Euch übernehmen muss, oder? Ihr wisst ja, ich hätte diese 2,1 Kinder wirklich gerne von Euch, aber im Endeffekt ist das natürlich Euer Privatvergnügen.“

Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittliches Kind diesem Staat im Laufe seines Lebens 50.000 Euro Plus einbringt (die er dann verwenden kann, um mit der linken Hand wegzunehmen und mit der rechten Hand zu unterstützen), ist das geradezu eine Beleidigung. Im Ernst: Rein ökonomisch gesehen begünstigt der deutsche Staat genau zwei Lebensmodelle – die kinderlose Doppelverdiener-Ehe sowie die kinderlose Alleinverdiener-Ehe. Alles andere ist Privatvergnügen. 

Ich bin übrigens noch nicht am Ende – komme gerade erst in Fahrt bei diesem Rant. 🙂

Viele Familien haben heute das Problem, dass sie einen Lebensstil, der sich annähernd nach „Mittelschicht“ anfühlt, nur dann finanzieren können, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind. Das ist sehr schön für Papa Staat, weil dann für ein Kind drei Erwachsene Steuern zahlen müssen:

  1. Elter Nummer 1, arbeitet Vollzeit und zahlt quasi kinderunabhängig Steuern abzüglich den üppigen 1900 Euro Kinderpauschale per annum.
  2. Elter Nummer 2, arbeitet nur Teilzeit und zahlt trotzdem recht ordentlich bedingt durch eine schlechte Steuerklasse. Eigentlich noch mehr, da die Infrastrukturkosten für eine staatliche Kinderbetreuung ja indirekt aus diesem Gehalt bezahlt werden (Steuern plus Elternanteil für Betreuung).
  3. (Mindestens eine) Betreuungsperson: Übernimmt auf Kosten der Allgemeinheit mit Privatvergnügenzuschlag seitens der Eltern die Betreuung der Kinder. Zahlt Steuern und gibt seine Kinder zu anderen Betreuungspersonen, die ebenfalls Steuern zahlen.

Aus dem altmodischen Haushalt mit Hausfrau und Mutter wird so deutlich mehr Steuerlast „herausgequetscht“ – optimal, oder?

(Ich möchte an dieser Stelle kurz betonen, dass ich die klassische Mutterrolle keineswegs idealisiere und einer intelligenten Frau langfristig nicht empfehlen würde, allein darauf zu setzen, nur damit klar ist dass ich nicht heimlich irgendwen an den Herd argumentieren möchte)

Ich habe übrigens (wieder in der Brand Eins) gelesen, dass die Steuerreform in Deutschland ein Dauerprojekt ist, weil „die Politik“ gar nicht vereinfachen will.

Auch die Finanzbeamten fordern seit Jahren erfolglos Vereinfachungen und damit mehr Gerechtigkeit. Diese Forderung richtet sich an denjenigen, der nicht mit im Boot sitzt: den Staat. Der lässt rudern.

Ist ja auch logisch – es gibt wohl keine intelligentere Methode sich bei den Menschen beliebt zu machen, als ihnen zuerst das Geld wegzunehmen und es ihnen dann teilweise großmütig wiederzugeben – wenn sie brav sind. Aber das nur am Rande. Mir fällt jedenfalls immer auf, dass es bei der Familienpolitik hier in Deutschland überhaupt kein Wunder ist, dass Kinder aus der Mode gekommen sind. Ich weiß natürlich, dass man junge Paare nicht einfach bezahlen kann, damit sie Eltern werden – solche direkten Geschenke funktionieren auch nur bedingt – aber man könnte wenigstens schauen, dass die Opportunitätskosten nicht so durch die Decke gehen, wie sie es hier in vielen Fällen tun. Eltern müssen (teilweise erhebliche) Elternbeiträge für die Betreuung ihrer Kinder zahlen, sie müssen von weniger Geld mehr Miete bezahlen, wenn sie nicht in B-Lage wohnen wollen, sie brauchen mehr Platz, größere Autos, Klassenfahrten und vieles mehr – und kriegen pro Kind 1900 Euro im Jahr von ihrem eigenen Geld zurück. Schön blöd, wer sich auf diesen Deal einlässt. Oder? 😉

P.S. Hausaufgabe: Schnappt Euch doch mal so einen Brutto-Netto-Rechner und schaut ob wir ein Sonderfall sind. Würde mich wirklich interessieren. 🙂

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12 Gedanken zu “Warum die Politik in Deutschland eine höhere Geburtenrate verhindert – statt sie zu ermöglichen

  1. Ich glaube ganz ehrlich nicht, dass die Geburtenrate in Deutschland durch noch mehr monetäre Familienförderung beeinflusst werden kann. Deutschland zahlt im europäischen Vergleich viel. Nur zum Vergleich: Hier beträgt das Kindergeld 130 Euro pro Kind und es steigt auch beim dritten Kind nicht (im Gegensatz zu Deutschland). Eine 40h Kinderbetreuung kostet einkommensunabhängig rund 2.000 Euro im Monat (in meinem Fall bei einem Schulkind, einem Kindergartenkind und einem Vollzeit zu betreuendem Kind). Familienversicherungen, in denen die Kinder quasi beitragsfrei krankenversichert sind, gibt es hier nicht. Eine Anrechnung der Kinderbetreuungskosten auf die Steuerlast gibt es hier genausowenig, wie ein Kinder- oder Betreuungsfreibetrag (der in Deutschland bei der Steuererklärung im Rahmen der Günstigerprüfung gegen das Kindergeld gerechnet wird). Von den deutlich höheren Lebenshaltungskosten sprech ich jetzt gar nicht. Und dennoch haben hier – selbst zu Zeiten der erlaubten Geburtenkontrolle – die Familien mindestens drei und nicht selten auch 6+ Kinder. Ich glaube daher nicht, dass mehr direkte staatliche Förderung auch nur ein Kind mehr in Deutschland bringen würde. Das man sich allmonatlich darüber ärgern kann, was netto raus kommt, ist eine andere Sache.

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    • In allen hoch entwickelten (Post-)Industriegesellschaften sinkt mit steigendem Wohlstand die Kinderzahl. Weil: man braucht sie ja nicht als Altersvorsorge und kanm stattdessen kurzfristig Konsum und Spaß haben. Daher denke ich schon, dass eine monetäre „Ähnlichstellung“ von Eltern hier dringend notwendig wäre. Nicht für uns – wir haben ja eh Kinder bekommen – aber da in Deutschland eine Steigerung der Geburtenrate ein erklärtes politisches Ziel ist, sollte sich das meiner Meinung nach in der Politik widerspiegeln. Stand heute zahlt man, wenn man Kinder hat, unter dem Strich erheblich drauf hier. Wenn es bei Euch irgendwann auch mal zu wenig Kinder gibt, wird sich auch einiges ändern müssen. So lange das nicht der Fall ist, gibt es natürlich politisch keinen Druck …

      Ich stimme Dir 100%ig zu, das Geld hier nicht das einzige (oder eigentliche) Problem ist. Trotzdem ist es ein Faktor, und in der aktuellen Situation in Deutschland denkt man zu kurz wenn man nicht glaubt, dass Karrieredruck, wirtschaftliche Unsicherheit, Zukunftsangst & Co nicht einige Leute davon abhalten, doch noch ein Kind mehr zu bekommen.

      Wie im Beitrag erwähnt – ist es etwa „sozial gerecht“, wenn eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern genauso viel Steuern bezahlt wie ihre alleinstehende Kollegin? Ich sehe das nicht so.

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      • Ja, aber das Kinder kostenneutral sein sollen, kann ja auch nicht der Anspruch sein oder. Und das eine Alleinerziehende Mutter von vier Kindern in Deutschland gleich viele Steuern zahlt wie ihre alleinstehende Kollegin stimmt so nicht. Das Kindergeld ist eine vorausgezahlte Steuererstattung. Somit „zahlt“ die Mutter monatlich 773Euro weniger als die kinderlose Frau, indem sie diesen Betrag vom Staat bekommt. Darüber hinaus kann sie die Gebühren für die Kinderbetreuung als Sonderausgaben geltend machen. Meiner Meinung nach muss der Staat schon was machen. Aber vielmehr in den anderen Punkten: Vereinbarkeit Familie-Beruf, gesellschaftliche Anerkennung von Kindern, bessere Teilzeit-Regelungen. Aber das ist alles ein langer Prozess – vor allem in den Köpfen der deutschen Bürger.

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      • Von kostenneutral kann ja keine Rede sein, weder real noch gewünscht. 🙂 Was man für Kinder an Steuervorteilen bekommt deckt ja nicht einmal das Existenzminimum der Kinder ab, einen erheblichen Teil zahlen alle Eltern selbst, auch wenn am Ende die Allgemeinheit profitiert (siehe der verlinkte Artikel in der Welt). Von daher muss ich hier die Gegenfrage stellen: Findest Du das zu viel? Sollte sich die Allgemeinheit da noch mehr raushalten, weil Kinder Privatvergnügen sind?

        Meine Gedanken dazu: Kinder großzuziehen erfordert eine ganze Menge von den Eltern, persönlich und finanziell. Auch Opfer. Offensichtlich sind in Deutschland aktuell zu wenige Menschen bereit, diese Opfer aus eigenem Antrieb zu bringen. Also muss der Staat (der die Reproduktion seiner Bürger ja zum Selbsterhalt benötigt) Mechanismen ausdenken, um sie dennoch zu motivieren. Leider subventioniert der Staat momentan eher Partnerschaften/ Ehen unabhängig von der Kinderzahl, was offensichtlich nicht funktioniert. Ich bin ja daher für ein Familiensplitting, bei dem sich die Kinderzahl etwas angemessener auswirkt steuerlich – damit der Privatvergnügenanteil etwas sinkt.

        Wir kommen schon klar. Aber viele Familien aus der „Mittelschicht“ werden zu Opfern gezwungen, die sie nur schwer leisten können. Ist das der richtige Weg, um sie zum Kinderkriegen zu motivieren?

        Ich denke, in sowohl wirtschaftlich als auch vom Mindset her werden die kinderreichen Familien aus Deinem ersten Kommentar anders funktionieren als die deutsche Mittelschicht.

        Wobei es eben auch eine Rolle spielt, dass sich die Gesellschaft aktuell weg von einer „Selbstverständlichkeit der Familie“ entwickelt. Man bekommz hier keine Kinder, weil das einfach „das Leben“ ist, sondern als Teilprojekt in einem perfekt geplanten Leben.

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      • ich wollte hier eigentlich auf deiner Seite keine Diskussion lostreten, zumal ich denke, dass wir die falschen Diskussionspartner sind, da wir uns bereits für Kinder entschieden haben. Vielleicht würde ich deine Ansicht auch teilen, wenn ich die letzten Jahre mit Kindern in Deutschland verbracht habe. Da ich aber nun eine andere Sicht auf das deutsche System habe und das irische kennenlernen durfte, sehe ich das alles etwas anders.

        Deutschland ist in finanzieller Hinsicht ein Paradies für Familien! Kindergeld, steuerliche Anrechnung der Betreuungskosten, Subventionierung und flächendeckendes Kindergartennetz, einkommensabhängige Beiträge für Kindergarten-Hort-Krippe, Familienversicherung, Elterngeld, Mutterschaftsgeld – wer da aus der Mittelschicht finanzielle Gründe vorschiebt, um kein(e) Kind(er) zu bekommen, hat ein massives Wohlstandsproblem! Welche „Opfer“ müssen Mittelstandsfamilien denn erbringen, um sich Kinder „leisten“ zu können? Keine Fernreisen mehr, keine dicken Autos mehr, keine Kosmetikerin und Markenkleidung mehr – oder nicht mehr heizen können, keine Krankenversicherung mehr haben, sich kein Essen mehr leisten können?

        Daher beantworte ich deine erste Frage deutlich mit ja! Kinder sind ein Privatvergnügen und der deutsche Staat unterstützt sie meiner Meinung nach ausreichend. Wie würde bei dir denn eine optimale finanzielle Förderung der Familie aussehen?

        Solange es in den deutschen Köpfen keinen Wandel gibt, Kinder weiterhin als „Projekt“, „Kostenfaktor“, „Karrierehindernis“, … gesehen werden, kann der Staat noch so viel Geld in die Familien pumpen – von den Menschen, die sich gegen Kinder entschieden haben, wird er dadurch keinen umstimmen.

        In wiefern sollen die kinderreichen Familien hier wirtschaftlich und vom „Mindset“ hier anders funktionieren? Die Aussage habe ich leider nicht verstanden.

        Mich regt dieses Thema unendlich doll auf, weil ich sehe, dass in Deutschland unheimlich viel auf hohem Niveau gejammert wird und jegliche Verantwortung dem Staat in die Schuhe geschoben werden soll. Eigenverantwortung scheint immer mehr in den Hintergrund zu treten. Und wenn ich mich für ein Leben mit Kindern entscheide, tue ich das nicht, weil ich dem Staat neue Bürger und Steuerzahler oder den Parteien neue Wähler schenke möchte, sondern weil Kinder das Leben mehr bereichern, als es Geld jemals könnte. Und solange der Staat in dem ich lebe, mir und meiner Familie durch Kündigungsschutzgesetze, Mietschutz, einem vernünftigen Bildungssystem und einem funktionierenden Gesundheitswesen den Rahmen dafür bildet, bin ich dankbar! Meine Kinder ernähren und anziehen muss ich selber.

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      • Ich finde Deine Kommentare absolut legitim und schätze auch die Diskussion. 🙂

        Natürlich sind das alles klassische „First World Problems“ und ich bin weiß Gott kein Freund übertriebener staatlicher Eingriffe. Versuche hier nur folgenden Punkt zu machen: Wenn der Staat seine Bürger für Kinder „bezahlen“ muss, weil sie von alleine keine Lust mehr darauf haben, soll er bitte ein einfaches und gerechtes System schaffen statt einem Wust aus teuren Fördertöpfen, die am Ende doch nichts bringen. Oder er soll uns mehr in Ruhe lassen, dann kümmern wir uns schon selbst darum.

        Um kurz auf Deine Frage nach dem „Mindset“ einzugehen: Damit meine ich halt diese Projektdenke. Kinder sind optional hier, man plant sie ein wenn man ein Haus gekauft hat und finanziell halbwegs abgesichert ist. Sie sind kein „natürlicher Bestandteil“ des Lebens mehr, sondern eine von vielen, vielen Optionen. Dementsprechend „konkurrieren“ Kinder für viele Menschen scheinbar wirklich mit Fernreisen und dicken Autos. Das möchte ich gar nicht bewerten – ich habe selbst das Gefühl dass die gesellschaftliche Stimmung hier eine gewisse „grundsätzliche Anerkennung“ für Familien aktuell nicht hergibt, so dass man eigentlich am besten Fernreisen, dicke Autos und Kinder haben sollte, um „erfolgreich“ zu sein. Auch das will ich nicht bewerten, das ist mehr ein Bauchgefühl aus der Perspektive eines Menschen, der all das genauso NICHT gemacht hat. 🙂

        Wenn ich das richtig verstehe, läuft die Politik in Irland also eher liberal nach dem Motto „Wir setzen die Rahmenbedingungen, den Rest macht Ihr bitte selber“? Ich habe da echt keine Ahnung, kenne aus erster Hand nur den Sozialstaat-Leviathan hier in Deutschland 🙂

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      • Hier glaube, im Endeffekt sehen wir das ziemlich ähnlich 😉

        Hier ist die Familienpolitik (mit meinem deutschen Backround) eine Katastrophe. All das was ich im letzten Kommentar geschrieben habe, bezieht sich auf Deutschland. ABER: Hier gehören Kinder zum Leben dazu, werden sie nicht als Statussymbol oder Projekt gesehen. Das hat garantiert historische Hintergründe, hat die Religion hier früher eine große Rolle gespielt und Geburtenkontrolle war in der Generation unserer Eltern verboten. Unsere Generation jetzt hat allerdings weniger mit Religion zu tun, als jeder Deutsche, der sich Atheist nennt und Verhütung ist auch inzwischen selbstverständlich (und legal). Aber unsere Generation hier ist in Großfamilien aufgewachsen, und dieses Gefühl nehmen sie auch mit in ihre Familiengründung – unabhängig von staatlichen Einflüssen, die eher kinderunfreundlich sind. Und so gibt es hier Großfamilien in sämtlichen Gesellschaftsschichten. Das wiederum beeinflusst auch die Wahrnehmung von Kindern in der Gesellschaft – beim Einkaufen, in Restaurants, in Hotels – Kinder sind über (ehrlich!) willkommen.

        Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich die irische Gesellschaft mit in das deutsche System nehmen.

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  2. ….ich gehöre zur Mittelschicht und wir haben uns bis jetzt erst ein Kind „geleistet“
    …wir fahren skoda, ich trage Klamotten von tchibo mein Mann meist von cunda,mein Kind ebenso….
    Soviel zu den dicken Autos und markenklamotten ….die könnten wir uns vorher leisten….vor der ehe und vor dem Kind!!
    Jetzt (!!!) überlege ich ernsthaft immer wieder meine Selbständigkeit aufzugeben,weil die Steuerbelastung neben der vollzeitbetreuung des Kindes,neben der zusammenveranlagung mit dem Mann usw.so hoch ist, dass wir uns kaum noch was „leisten“können!!!
    Der letzte urlaub war in Holland in einen mobilheim und der kommende wir im Ferienhaus unserer Verwandten in Rostock sein – mehr ist nicht drin.
    Und wenn ich mich nicht gezwungenermaßen nach 6 Monaten der Geburt in meine Arbeit genötigt hätte, hätten wir mit unserem Privatvermögen (so wie jetzt auch) alles bezahlen bzw veräußern müssen.
    Ich könnte beliebig weiterschreiben….aber bitte hören sie mit den Vorurteilen auf – das ist in meinen Augen nicht mehr mit Zynismus zu beschreiben.
    So, gute Nacht!

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    • Vor zwei Jahren hat meine Frau auch „ganz normal“ 20 Stunden die Woche in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet. Jeweils vormittags vier Stunden. ihr Gehalt ging größtenteils für Fahrtkosten und Betreuungskosten drauf (okay, es blieb was über, aber dafür war es organisatorisch auch extrem mit drei Kindern, ich mit Vollzeit plus Job, sie mit 20 Stunden). Aber in den Ferien ging Ihr GESAMTES Gehalt nur dafür drauf, arbeiten zu gehen und die Kinder in der Ferienbetreuung unterzubringen. Es gibt ja drei Monate Ferien im Jahr, also arbeitete sie ein Viertel der Zeit nur um die Kinder betreuen lassen zu können, damit sie arbeiten kann. ???

      Sie hat dann doch lieber wieder freiberuflich gearbeitet am Ende. Dann rief die Krankenkasse an – sie würde ja zu viel verdienen für die Familienversicherung und müsste sich selbst für 150 Euro im Monat versichern. Das ist ja grundsätzlich ok – nur orientiert sich der Satz für Freiberufler an einem Mindestumsatz, den sie überhaupt nicht erreicht hat. Also hätte sie entweder mehr arbeiten müssen, um diesen Mindestsatz zu erreichen (mit steuerlichen und familiären Nachteilen), oder ihren Umsatz reduzieren und weniger arbeiten.

      (Wir reden hier jetzt hier von einer Tätigkeit auf kleiner Flamme, keine „echte“ Freiberuflerschaft mit der man überleben kann – dass man da nicht mitversichert mitläuft, keine Frage)

      Irgendwie klappt das noch nicht so richtig mit der Ermöglichung von Berufstätigkeit für Mütter hier. 😉

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  3. Jenau-nix läuft-nur viel Blabla…
    Lokal hab ich mir nun die Zeit genommen im jugendamtselternbeirat zu arbeiten.
    Vielleicht kann ich ja lokal was reißen 😜

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