Goethe und das Stillen

Wir hatten hier schon mal einen Post zum Thema Still-Zwang vor dem Hintergrund einer neuen Langzeitstudie. Nun war ich im Internet an den letzten Abenden viel lesend unterwegs. Hier begegnete mir das Thema Stillen noch einmal und es entspannen sich darauf einige Gedanken und nehme Euch, wenn Ihr wollt, gerne mit auf die (Achtung: etwas lange) Reise vom Blog/Artikel/Facebook-Kommentar-Hölzchen auf’s Mummy-War-Stöckchen.

Es ging häufig um begeisterte oder auch nicht-begeisterte Langzeitstillerinnen. Viele von ihnen schrieben etwas wie:

„Also ich stille seit 2 Jahren und 5 Monaten und ich liebe die Nähe. Mein Kind fordert das auch ein. Manchmal ist es mir zu viel. Aber ich kann einfach noch nicht loslassen. Mein Kind setzt sich auf meinen Schoß und sagt das Wort für Stillen. In der Öffentlichkeit ist mir das unangenehm. Aber nur wegen der Blicke! Es ist so schwer, die Blicke zu ignorieren. Ich stille nachts seit der gesamten Zeit. Wir genießen das beide sehr. Langsam bin ich aber müde. Ich möchte wieder mehr Kraft haben, richtig wach sein und der Schlafmangel zehrt doch sehr an mir. Aber ich trau mich nicht abzustillen. Was, wenn ich meinem Kind schade? Vielleicht bin ich zu egoistisch.“

Aus meiner freien Rezitation darf jeder entnehmen, was er möchte – sie ist recht klassisch. Die Kommentatorinnen waren sich alle im Grunde einig und beschrieben Ähnliches. Ein stimmiger, zustimmender Austausch Gleichgesinnter.

Dann mischte sich ein Vater ein und berichtete, dass seine Frau den Sohn mit sechs Monaten abgestillt habe, weil sie immer weniger Milch hatte, trotz der vielen Hebammentipps. Sein Sohn habe dann schnell das Interesse an der Brust verloren und sei aber ein gesundes, zufriedenes Kind, das inzwischen alles vom Tisch essen würde und einen großen Entdeckerdrang habe. Er selbst wäre unsicher, ob die Bindung nicht durch die vielen anderen Faktoren des Lebens beeinflusst würde. Er wüsste keinen Grund, warum man ewig stillen sollte, wenn es irgendwie belastend wäre. Sonst hätten ja Nicht-Gestillte in jedem Fall eine geringere Bindung zu den Eltern. Eine Mutter zweifelte als Reaktion an, dass es Kinder gäbe, die nach ein paar Monaten das Interesse verlören, denn ihres würde immer noch nach der Brust verlangen und sei über Zwei. Die Stilldauer in Deutschland sei ohnehin kürzer als in sehr vielen Ländern der Welt, obwohl es wegen der Natürlichkeit das Beste sei. Es wurde angezweifelt, dass diese Mütter die Wahrheit berichteten, sondern vielleicht nur einen schnellen Ausweg suchten. Woraus denn? Aus einem glücklich machenden Weg? Daraus will man wohl kaum entkommen. Ein bisschen Streit kam dann auch auf und schaukelte sich hoch:

Mummy War. Kriegsschauplatz hier: Langzeit- gegen Kurzzeitstillende. Und der arme Papa mittendrin. Er sagte dann auch schnell nix mehr.

Da wurde ich nachdenklich.

Vor allem wegen des Arguments der Natürlichkeit. Das nervt mich schon lange gewaltig.

Ja, in vielen Ländern der Welt passt es aus verschiedenen Gründen sicherlich gut, wenn man lange stillt und dies ist dort mit allen Vorzügen allgemein bekannt. Da guckt dann auch niemand, wenn das Stillkind sich in der Öffentlichkeit mit fünf Jahren „selbst bedient“. In vielen Ländern der Welt passt es sehr gut, wenn man sein Kind dauerhaft im Tragetuch trägt, auch weil Kinderwagen nur auf Geh-und Asphaltwegen Sinn machen. (Das Tragen dient hier als anderes Beispiel vom Kampfplatz der Mummy Wars).

Aber das bedeutet doch nicht, dass man sich einfach irgendeinen Umstand aus einem Land herauspicken kann, der einem gefällt und diesen glorifiziert. In Indien werden Kinder lange gestillt. Und weibliche Kinder getötet (prä- und postnatal). In vielen Ländern machen alle Eltern ein Co-Sleeping mit allen ihren vielen Kindern. Dies mag dort nicht unbedingt wegen eines Ratgebers zum Attachment-Parentings so sein, der Menschen mit einem großen, westlichen Individualberdürfnis das Gute an der engen Bindung zum Kind zeigen will und das intime Zusammenschlafen sowie den Sex der Eltern zu reglementieren sucht. In Afrika bekommen die Massai eine prima Hüfte in der Spreiz-Anhock-Stellung des Tragetuches ihrer Mutter. Man trinkt dort traditionell Blut aus frisch angestochenen, lebenden Tieren. Man schmiert Tierkot auf seine Hütten, um sie zu isolieren und stabilisieren. Vieles davon erscheint mir als sehr natürlich. Nein, alles. Warum schmieren wir nicht alle etwas aus dem Katzenklo an unsere Hauswand? Genau: Weil wir das so nicht brauchen. Und ein männlicher Initiationsritus in unseren Gefilden ist nicht das gefährliche Springen über viele nebeneinander stehende Rinder. Sondern etwas wie das erste Fußballspiel mit Papa oder der Kauf des ersten Rasierers. Wir nehmen Stoff- oder Fertigwindeln oder gar keine. Aber im letzten Fall schieben wir das Baby nicht mit dem Anus über unser Knie, kratzen den Kot dann mit einem Ast ab und werfen diesen weg. Das wäre aber ultimativ-afrikamäßig-natürlich.

Die klassische Idee, des Edlen Wilden kommt mir dann in den Kopf. Ethnologisch längst überholt kommt sie daher und suggeriert eine tiefe Verbindung mit der Natur, die wir durch die naturgemäße Behandlung unserer Babies erreichen. Diese Verbindung teilen wir dann mit. Aus unseren vollbeheizten Wohnzimmern und mit unseren diversen Devices mit. Hm …

Nun möchte ich mal etwas Persönliches dazu sagen:

Ich habe alle meine Kinder gestillt und mochte es nur in wenigen Momenten. Ich hatte schmerzende Brustwarzen, war wegen der Schmerz-Ausgleichshaltung verspannt bis zum Dauerkopfschmerz und hatte aufplatzende Blasen auf den Brustwarzen unter denen sich rasch neue bildeten. Kinder hatten kurze Zungenbändchen, aber nicht zu kurz. Kinder wurden anders angelegt, half nicht. Es half nur Abhärtung. Wenn das Baby hungrig wurde, brach mir oft genug der Schweiß aus. Ich bezweifelte, dass „Oh nein, es hat schon wieder Hunger und es wird wieder wehtun“ gut für die Bindung sei und sprach mit den Hebammen. Empfehlung der Hebammen war immer „Salbe/Heilwolle drauf und zurück an die Front. Es ist das Beste für’s Kind.“ oder „Wenn du vor Schmerzen weinen musst, dann lass es ruhig zu.“ 

Nur die eine Hebamme, die aufgrund einer Brust-OP selber nicht wirklich viel stillen konnte, erlaubte mir das Zufüttern, als ich fast in Ohnmacht fiel, weil drei Kinder, eine unentdeckte Schilddrüsenüberfunktion und ein Baby mit 2-Stunden-Still-Rhythmus bei 45 Minuten Trinkdauer zu viel waren. Sie erzählte mir auch, wie sie sich einmal weinend mit einem Fläschchen und der Tochter zum Füttern im Auto versteckt hatte. Warum? Weil sie auf einem Hebammen-Kongress war und sich vor den Anfeindungen fürchtete, wenn sie in der Halle die Flasche gegeben hätte …

Ich habe insgesamt neun Hebammen und zwei Hebammenschülerinnen während vier Schwangerschaften und Geburten erlebt. Ein bisschen Überblick kann man sich da machen. Ich erlebte vertraulich-nette Gespräche und wunderbare Bein-Massagen. Ich bekam Globuli und Tipps aus dem Kräutergarten (die ich wertschätze). Ich wurde mit Tee und Bio-Keksen verwöhnt. Ich erlebte, wie Hebammen mir eine Hand ins Genital schoben und den Saum des Muttermundes hinter den Babykopf zerrten. Ich bekam eine der in der Wirkung ebenfalls höchst umstrittenen, recht schmerzhaft-blutigen Eipollösungen. Dabei brannte aber eine hübsche Kerze. Alles war sehr natürlich. Auch das Antreiben zum Vollpower-Dauerpressen bei acht Zentimeter Muttermundöffnung und die dann drei Stunden dauernde Austreibungssphase, während der ich innerlich immer mehr darum bettelte, mir möge man in den Kopf schießen. Natürlich schmerzmittelfrei. Die Hebamme damals fröhlich währenddessen: „Ja, ein Kind zu bekommen ist wie eine Kokosnuss zu kacken.“ Nach der Geburt kein Glückwunsch, sondern der eindringliche Satz: „Der gebt ihr aber keinen Schnuller, ne?“ Das mitgebrachte Betäubungsspray für den beachtlichen Riss in meinen Genitalien nahm sie kopfschüttelnd und verwendete es mit ähnlicher Attitüde. Der echte Feldscher tackert zerrissenes, empfindliches Fleisch mit heißer Nadel aber ohne Betäubung- das hatte ich nicht gewusst. Hätte so was ein Arzt gebracht, dann aber wehe. Der ist nämlich per se nicht natürlich …

Der Bogen zurück zum Stillen:

Ich stillte zwischen drei und irgendwas um die sechs Monate. Mal blieb die Milch aus, mal musste ich Medikamente nehmen, mal verging erst mir und dann dem Baby die Lust. Mal schlich es sich durch das Zufüttern aus, das meine Gesundheit erhalten sollte. Ich mochte es nie sehr, hatte aber immer ein gesellschaftlich induziertes schlechtes Gewissen beim Abstillen. Ich verfüge stets lieber selber über meinen Körper, alles Andere ist mir mehr als unangenehm. Aber das ist meine individuelle Geschichte.

Ich wurde nie gestillt und die Bindung an meine Mutter war sehr, sehr innig. Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um sie zu lösen als es für meine psychische Gesundheit nötig war. Es gibt also scheinbar Wege, auch kranke Wege, eine starke Bindung herbeizuführen. Sicherlich aber viel mehr gesunde. Beides geht auch ohne Stillen. Meine Töchter hängen sehr an mir. Die eine zeigt es mehr, die andere weniger. Sie scheinen bindungsfähig. Haben aber auch Verlustmomente erlebt und das tief vertrauensvolle Verhältnis zum Leben wurde unter Anderem durch einen Todesfall in der Familie erschüttert. Und durch den Verlust eines Großelternpaares (das war die anstrengende Lösung einer starken Bindung) ebenfalls. Steckten sie sehr gut weg. Konnten immer darüber reden. Die Sechs-Monate-Voll-Gestillte scheint nicht mehr an mich gebunden als die anderen. Alle sprachen sehr früh (fließende Sätze  inklusive Nebensätze mit zweieinhalb), lasen zum Teil ehe sie in der Schule waren, konnten ihre Bedürfnisse und Gefühle mitteilen. Dumm scheinen sie nicht. Das viel-getragene Nummer 4chen ist total auf mich fixiert. Ich höre, das sei bei Jungs oft so. Oder doch weil er ein 1a-Tragling ist? Wer kann das sagen?

Sie wurden alle in Tüchern und Tragen getragen. Zwei sogar im Baby-Björn-Hüft-Zerstörer. Zwei sind besonders sportlich und beweglich, eine davon war die im Baby Björn Gemarterte. Sie sind selten krank und alle komplett durchgeimpft. Sie leben (Achtung: sehr natürlich und afrikanisch!) mit diversen Geschwistern. Und haben die klassischen Rollenprobleme der Geburtsreihenfolge. Und auch sehr natürlich: Sie müssen mithelfen und Verantwortung übernehmen, weil ihre Mutter durch die diversen Kinder viel zu tun hat.

Ich kann keine Auswirkungen des Stillens oder Tragens sehen. Aber davon, dass ich ihnen alle Fragen beantworte und ehrlich bin. Davon, dass ich sie nicht schlage und mich entschuldige wenn ich etwas verbockt hab. Ich leide mit ihnen und lache mit ihnen. Wir haben zusammen eine Menge erlebt und auch durchgemacht. Wir haben ’ne Menge Bindung, sage ich mal so verwegen.

Mein Fazit:

Ich kann ebenfalls nicht verstehen, wie man mit Geburtsdauer, Stilldauer, Schmerzmittelverweigerung während Entbindungen, Drei-Stunden-Zwanzig-Kilo-Kinder-Tragen und ähnlichem angeben kann. Es erinnert mich an den Schwanzvergleich von Schwanzlosen. Leistung wird hervorgezerrt wo keine ist. Geburten sind eine Leistung. Ja, gut. Das ist eine Amputation auch. Nur die ist nicht alltäglich und natürlich. Der Charme des Opas, der „im Krieg noch ohne Betäubung zum Zahnarzt musste“ liegt hier in der Luft. Mir reicht’s.

Ich freue mich über jede glückliche Berufskollegin. Ihr und auch den anderen gilt mein Respekt. Egal ob und wie lange sie stillt, entbindet, trägt oder was sie kocht oder was sie sich im Fernsehen ansieht. Zu diesen Themen würde ich irgendwann mal echt gern eine Blogparade starten.

Etwas wie: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“. Fies, engstirnig und aggressiv haben wir schon so oft. Es nervt nämlich, wie sich im weltweiten Netz pausenlos etwas vorgeworfen wird. Faulheit, Verantwortungslosigkeit und Schlimmeres. Immer schön raus mit der Moral-Keule. Mal kurz die eigenen, oft auch verdeckten Motive einer Handlung zu durchleuchten – das wäre was. Oder sich zu fragen, ob man ein tolles Vorbild ist, wenn man niemanden toleriert, der etwas Anderes denkt. Oder sich vielleicht sogar von ihm inspirieren lässt. Schön dreist und grenzenlos in der Anonymität rumbashen. Das ist wirklich viel erwachsener als jemandem die Schippe auf den Kopf zu hauen. 

Ich würde die Aggressorinnen des Mummy Wars gern ansprechen können:

„Kommt mal runter, Ladies!“ würde ich sagen, “ leidet Ihr so sehr unter Schlafmangel oder was? Ach so, selber unsicher und dann andere vor den moralischen Richter zerren, um das nicht spüren zu müssen? Sehr sympathisch. Generell etwas aggressiv und selbstverliebt? Auch schön. Überzeugt intolerant? Viel besser. Es ist nicht so, dass Ihr andere verletzt und verunsichert. Mitnichten! Was wären wir ohne noch ein bisschen mehr Unfrieden? Wie blöd, wenn wir uns gegenseitig unterstützen würden.“

Ich sage es immer wieder: Mütter sind etwas Tolles! Gerade hier bei uns, einem Land mit weltweit einer der geringsten Geburtenraten, sind wir mutig. Wir bekommen nicht so nebenbei mal ein paar Kinder wie es in den letzten Jahrtausenden der Fall war. Wir starten wahre Familien(-und-Job-)Projekte und nehmen Unsicherheiten in Kauf, die schwer wiegen, weil sie das Seelenleben der uns anvertrauten Kinder betreffen. Und die aller-allermeisten von uns machen den Job gut. Wir sind die erste Generation, die das fast ohne Althergebrachtes schafft. Die erste in Jahrtausenden! Ja, es gibt Ausnahmen – aber die diskreditieren doch nicht einen ganzen Berufsstand. 

Wir sollten füreinander wirklich edel, hilfreich und gut sein. Danke, Goethe.

Könnte man diesem Mann etwas abschlagen? 😀

Goethe Jung

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13 Gedanken zu “Goethe und das Stillen

  1. Ich sehe schon Unterschiede zwischen dem viel getragenen Kind, welches auch lange gestillt wurde. Allerdings weiß ich nicht, ob es daran liegt oder einfach der Tatsache geschuldet ist, dass ich bei den ersten zwei im emotionalen Kleinkrieg mit einem kranken Menschen steckte 😉

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    • 😉 Ja, das ist es eben: Man wird niemals wissen, an welchen Faktoren sich bestimmte Entwicklungen festmachen. Jede Persönlichkeit ist anders, jedes Kind hat andere Bedürfnisse und Charakterzüge. Das sehe ich hier auch. Nicht mal als Baby gleichten sie sich in ihren Bedürfnissen wirklich. Manches schien sich zu wiederholen. Aber das war es auch. Es geht ja vor allem darum, dass der Weg für jede Familie entschieden wird und man diesen respektiert. Jeder hat Beweggründe für seine Entscheidungen. Solange man die nicht alle kennt UND nach seiner Meinung gefragt wird, braucht man andere nicht anzugreifen oder zu verurteilen. 🙂

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  2. Dieser „Mummy-War“, über den ich immer wieder mal lese (als Nicht-Mutter), ist in meinen Augen hirnrissig. Das soll doch jede Familie für sich entscheiden, bitte. Einmischung ist angebracht, wenn ein Kind mißhandelt wird, aber doch nicht bei der Frage, ob und wie lange eine Mutter stillen sollte.

    Ich bekam die Flasche von Anfang an, weil ich die Brust nicht wollte. Da war ich wohl ein unnatürliches Baby? Ich hatte trotzdem eine starke Bindung an meiner Mutter.

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    • Ich bekam ja auch Flasche, mein Mann und fast alle unsere Freunde auch. Wir waren dann alle unnatürliche Babies … 😀

      Und Deinen Punkt, man solle sich bitte bei Misshandlungen einmischen, statt bei so (sehr privaten) Kinkerlitzchen – den finde ich sehr gut!

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  3. Verglichen zu bekannten haben wir viel falsch gemacht 😂
    Das letzte Feindbild waren wir für die Erzieherinnen als wir unsere Tochter zur Sauberkeit er(zwingen)zogen haben….“das Kind werde sauber,wenn es sozio-emotional soweit sei,..blablabla…Wäsche…blablabla“
    Es hat 2 Wochen gedauert,die kleine hat sich über ihr Belohnungsblümchenkleid gefreut und der Drops war gelutscht (mit 2,5 Jahren).
    Seinerzeit hatte ich mich mit dem natürlichen Argument bewaffnet:“das ist mir jetzt aber komisch 😳 in Afrika haben die Kinder gar keine Windeln und gehen von Anfang an auf den Eimer.die werden von klein auf darüber abgehalten und dann können die das 😱“ – Antwort:“aber wir sind ja nicht in Afrika“ – „ach so?!“… Da fällt mir nur die Pipi langstrumpf zu ein: ich mach mir die Welt,wie sie mir gefällt…

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    • ..haha…ja, wir sind hier nur dann in Afrika, wenn es uns romantisch vorkommt. Bei der Idee, sich Babykot an’s Knie zu schmieren – da sind wir schnell bei Rossmann im Windelregal 😀
      Schön, Kerstin, dass Du den Mut hast, Deinem Instinkt zu folgen. *Chapeau* 🙂

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  4. Ich kann nur gang ganz laut rufen: DANKE!!!

    Was ich mich immer frage bei dem ganzen ‚bedürfnisorienterten Elternschafts-Zeug‘: Warum sind eigentlich die Bedürfnisse der Kinder so absolut viel wichtiger, als die der Mütter? Und warum kann man seine Zeit mit den Kinder nicht einfach glücklich verbringen, anstatt voller Selbstzweifel und Wettstreit?

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    • Eine sehr gute Frage, Rosalie! Das bedürfnisorientierte Zeug dient in der Tat den Kindern oft scheinbar mehr als den Eltern. Ich finde es wichtig für’s Urvertrauen, dass ein Kind spürt, wie es bekommt was es wirklich braucht. Und ich finde es gut, wenn es spürt, dass Andere manchmal etwas brauchen, das sie in der eigenen Bedürfniserfüllung einschränkt.
      Denn so funktionieren menschliche Beziehungen. Mal bekommt der Eine mehr, mal der Andere. Die Idee, dass sich Mütter ihre Bedürfnisse in die Haare zu schmieren haben, leuchtet mir nicht ein. Und ebenso wenig, dass sie sich gegenseitig mit der Moralkeule hauen. Elternsein ist oft schwer genug. Da sollte man sich unterstützen und nicht bekämpfen. Mich erschreckt es, wenn ich sehe, wie schnell die Grenzen anderer Menschen übertreten werden und Menschen mit Vorwürfen um sich schmeißen. Das sind zum Teil die Menschen, die die neue Generation als deren Vorbild großziehen – ein irgendwie erschreckender Gedanke, oder? 😉

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      • Nun, jeder versteht, dass Babys Bedürfnisse eine gewisse Priorität haben. Aber das Kind komplett in den Fokus stellen kommt mir komisch vor. Vor allem bei Familien mit 1-2 Kindern. Dass ihr mit vieren gut beschäftigt seid, ist klar. Dass man sich mit einem Baby aber locker mal Freiräume nehmen kann, wenn man es denn will, wird gerne ausgeblendet. Ich habe festgestellt, dass man sogar sehr viel für sich selber tun kann, wenn sich 2 Erwachsene um 1 Kind kümmern. Mir ist auch nicht so ganz klar, wer denn da die Vorgaben macht, dass Mama 24h um das Baby rumtanzen muss und wer behauptet hat, ein Baby würde tatsächlich Schaden nehmen, wenn man es mal nicht trage, zwischendurch mit der Flasche füttere oder den Pastinakenbrei (bähhhh) nicht selber kocht.
        Mich erschreckt auch immer, wie wenig man den Kindern zutraut. Als wären sie aus Glas und würden sofort zerbrechen, wenn man ihnen Fläschchen statt MuMi gibt. Das ist irgendwie auch respektlos, dieses einseitiges Denken. Das ist so missionarisch. Als ob man jemanden missionieren müsse, sein Kind zu lieben und zu pflegen. Das trifft ja wirklich nur auf wenige Menschen zu…

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  5. Da kann ich Dir nur zustimmen, Rosalie! Wir haben uns zu Zweit gut um ein Kind und auch um uns kümmern können. Und mit Zweien auch. Und als die Kleine älter war, auch mit Dreien.
    Bei vier Kindern ist es schon knackiger. Aber wir arbeiten daran.
    Dauernd bekommt man ein schlechtes Gewissen, wenn man die Bedürfnisse der Kinder hintenan stellt. Das ist beknackt – das Leben wird später auch nicht nur nach den Bedürfnissen unserer Kinder ausgerichtet sein und oft aus Kompromissen bestehen. Sie sollen bekommen, was sie brauchen. Keine Frage. Aber nur so, dass alle zufrieden und – wenn möglich – glücklich sein können.

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    • Da kann ich dir nur zustimmen!
      Ein schöner Blog ist das hier und er klingt mir sehr realitätsnah und authentisch. Ich mag eigentlich diese ‚ich mache eigentlich alles perfekt und stelle kleine charmante Unperfektheiten zur Schau‘ Blogs. Ich unterstelle da keinem etwas Böses, aber generell finde ich Leben mit Kinder nicht kompliziert, sondern anstrengend.
      Und ist nicht eines der wichtigsten Aspekte für glückliche Kinder, dass die Eltern glücklich sind?

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