Der Kratzbaum ist voller Lego

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„Ich weiß nicht, von welcher Fernbedienung Sie sprechen, Mister.“

Nummer 4 lernt gerade Dinge in Behälter zu tun. Also einerseits so, wie man das mit klassischem Spielzeug lernt – ein viereckiger Holzklotz kommt in das viereckige Loch. Andererseits aber auch Freestyle-mäßig: Das Spielzeug von seinem Teppich kommt durcheinander in die Kisten, alles mögliche kommt in die Box mit meinen Fernbedienungen, und so weiter.

Eines seiner Lieblingsverstecke ist die Höhle im Kratzbaum unserer Katzen. Weil er da so gut dran kommt, nutzen die Fellbälle sie sowieso nicht, deshalb ist da immer Platz.

Letztens bemerkte meine Frau abends:

„Der Kratzbaum ist voller Lego.“

Wir wussten natürlich direkt, wie das dahin gekommen war. Am nächsten Tag suchte ich die Fernbedienung meines Verstärkers. Das die schon mal gerne durch die Gegend geschleppt wurde, hatte ich ja auch schon mitbekommen. Aber bis ich darauf kam, dass sie auch im Kratzbaum lag, musste ich zuerst die drei Mädels aktivieren und zusammen mit ihnen das gesamte Erdgeschoss absuchen.

Er mag Fernbedienungen halt sehr gerne – und den Kratzbaum auch.

Der 5-Sterne-Fan

Vor einer Weile hat Nummer 3 gerne auf Watchever Trickfilmserien geguckt, wenn sie aus der Schule nach Hause gekommen war. Jeden Tag durfte sie so ein bisschen abschalten, bis die Schwestern nach Hause kamen. Ich habe währenddessen gekocht.

Irgendwann habe ich ihr vorgeschlagen, die Serien zu bewerten. Da gab es dann fünf anklickbare Sterne.

Zuerst erklärte ich ihr, wie man etwas Gesehenes beurteilt.

„Nummer 3, man guckt sich das an und überlegt dann: Was hat mir gut gefallen? Was war nicht so gut? Und am Ende schaut man, wie viele Sterne die Serie verdient hat. Ich zum Beispiel finde Die-und-die-Serie ziemlich gut, aber manche Folgen sind etwas lahm gemacht. Und daher gebe ich der drei Sterne. Was also findest du sollte diese Serie bekommen?“

Sie: „5 Sterne.“

Ich: Bist du sicher? Ist das so gut, dass es dich total begeistert, du eigentlich keine Kritik hast und kaum etwas Besseres kennst?“

Sie: „Ja. 5 Sterne, weil ich guck‘ das gerne.“

Ich: „Es geht nicht darum, ob du das gern guckst, sondern ob es alles in allem eine gute Qualität hat. Also ob es gut gemacht ist.“

Sie wurde langsam ungehalten: „5 Sterne! Ich guck‘ das gerne!“

Ich dachte mir, es sei eben nicht ganz so einfach für ein Kind, differenzierte Kritik zu üben und klickte auf die fünf Sterne. Nummer 3 seufzte zufrieden. Ich übergab ihr das iPad zum weiterschauen und ging in die Küche.

Ein paar Wochen später riefen mein Mann und ich Watchever auf. Er guckte durch das Angebot und meinte dann irgendwann:

„Das ist ja ein Ding! Dora the Explorer, Diego, Emily Erdbeer und Mein kleines Pony haben ja gute Bewertungen hier. Alle fünf Sterne. Die Serien haben aber begeisterte Fans.“

Ich (lachend): „Zumindest einen …

Weihnachtliche Auspackorgie

Heiligabend sind wir Eltern immer besonders fleißig. Neben dem ganzen organisatorischen Drumrum ist es vor allem eine Sache, die uns in Anspruch nimmt: das Auspacken von Geschenken. Natürlich nicht unseren eigenen.

Kleine Mädchen beispielsweise bekommen immer sehr gerne Barbiepuppen geschenkt. Barbiepuppen werden sehr sicher verpackt verschifft und sind mit kleinen, ummantelten Drähten an Taille, Hand- und Fußgelenken sowie am Hals in der Verpackung festgemacht.

Kleine Mädchen, die Barbies mögen, sind daher leider nicht fähig, diese Barbies auch auszupacken. Auftritt Eltern: drei kleine Mädchen, die jeweils zwei Puppen plus noch etwas anderes geschenkt bekommen: mindestens 60 Minuten Auspackspaß für ein Elternteil (der Partner tütet derweil die Verpackungen ein, damit die Bude nicht im Chaos versinkt). Wir haben daher beim Christkind früher ausgepacktes Spielzeug bestellt. Leider hat sich das Christkind – warum auch immer – nur ein einziges Mal an diesen Wunsch gehalten.

Mittlerweile sind Nummer 1 bis 3 ja etwas größer und selbstständiger, und so packen sie viele Geschenke komplett alleine aus. Verpackung und Geschenkpapier fliegen zwar meist trotzdem durchs Wohnzimmer, aber der Zeitaufwand halbiert sich quasi. Eigentlich.

Dafür halten sie mir jetzt nämlich ihre Bildschirmgeschenke vor die Nase.

„Ich brauch das Wlan-Passwort!“
„Wo kommt hier die Speicherkarte rein?“
„Wie kann ich hier Minecraft herunterladen?“

Gleichzeitig braucht Nummer 4 natürlich komplette Unterstützung und ein bißchen was bekommen wir ja auch selber geschenkt. Meine Frau und ich haben es gestern nicht geschafft, uns auch nur ein einziges Geschenk selber zu übergeben. Stattdessen haben wir uns über die Kinderhorde, den Geschenkeberg und herausfordernd hochgehaltene Notebooks hinweg zugerufen:
„Schön! Danke! Das hab ich mir ja schon immer gewünscht!“

Das klingt übertrieben? Schaut Euch diesen Geschenkeberg an:

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Es hatte fast Retro-Charme für uns, als Nummer 3 genervt eine Puppe zu uns brachte und sich sichtlich frustriert beschwerte:

„Die ist ja wieder verpackt wie ein Staatsgeheimnis!“

Jaja, die gute alte Zeit, als die Kinder noch nur ihre Puppen nicht auspacken konnten und noch nicht Hilfe bei Systemabstürzen benötigten …

Hörfehler mit Brokkoli

Ihr habt ja vielleicht schon mal mitbekommen, dass Nummer 3 uns mit ihren Essgewohnheiten beim Mittagessen sehr gerne auf den Nerv geht. Sie mag nicht nur keinen Brokkoli, eigentlich mag sie überhaupt kein Gemüse und nörgelt auch ansonsten bei praktisch jeder Mahlzeit rum. Zu ihrem Unglück gibt es bei uns nämlich zu praktisch jeder Mahlzeit irgendein Gemüse. Was eben dazu führt, dass maximal zwei Mahlzeiten in der Woche ohne Nummer 3-Genörgel ablaufen (wenn es Möhrensuppe gibt oder nur einen winzigen Klecks Buttergemüse).

Da ich momentan Urlaub habe, übernehme ich schon mal öfter das Kochen. So auch heute – es gab Hackbraten mit Ei und Gemüseauflauf. Mit Brokkoli.

So kam es, das Nummer 3 in die Küche geschlurft kam.

„Was ist das?“
Ich antwortete (wie immer): „Gift.“
Sie: „Boa, ich seh doch dass da Brokkoli drin ist!“
Ich: „Nummer 3 , ich muss Dir noch erzählen dass ich letztens einen tragischen Unfall hatte. Seitdem habe ich einen seltenen Hörfehler. Wenn jemand einen Satz sagt, in dem das Wort ‚Brokkoli‘ vorkommt, höre ich nur dieses Wort. Und dann glaube ich natürlich, das diese Person sich noch mehr Brokkoli bestellt.“
Sie: „Ich will Deinen doofen Brokkoli nicht essen!!!“
Ich (grinsend): „Du möchtest also noch mehr Brokkoli haben?“

Das Ende vom Lied? Sie hat den Brokkoli natürlich nicht gegessen. Aber ich habe mit ihr einen Pakt geschlossen: Wenn wir einen gemüsefreien Tag in der Woche einführen, wird sie nie wieder über das Essen nörgeln.

Ich glaube noch nicht so richtig daran. Aber wir werden es versuchen.

Mit den Augen eines Kindes

Ist Euch das auch schon mal aufgefallen? Zumindest unsere Kinder haben eine sehr allgemeine Wahrnehmung von Menschen. Sie sagen Dinge wie …

„Guck mal, der Mann da sieht aus wie der Opa!“

… wenn es nur eine vage Übereinstimmung zwischen Alter, Hautfarbe und Geschlecht gibt. Der Mann, der aussieht wie der Opa, hat dann zum Beispiel auch eine Brille – und sieht ansonsten überhaupt nicht aus wie der Opa.

Gerade haben wir das einmal wieder hautnah erlebt. Nummer 3 erzählte von zwei Mädchen aus ihrer Schulklasse. Nummer 1 versuchte der Erzählung zu folgen – und scheiterte.

„Ich kann die nicht auseinander halten, die sehen doch eh gleich aus,“ meinte sie.
„Gleich?“ warf meine Frau ein. „Die eine von denen hat kurze schwarze Haare und die andere lange Blonde!“
„Ach komm, für eine außerirdische Insektenrasse sehen wir Menschen doch eh alle gleich aus,“ sagte ich.
Meine Frau: „Ja, für eine außerirdische Insektenrasse – und für Kinder!“

Warum die Politik in Deutschland eine höhere Geburtenrate verhindert – statt sie zu ermöglichen

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Als ich mich das letzte Mal mit dem Thema Brutto- und Nettogehalt beschäftigt habe, fiel mir etwas auf: Unsere (damals drei, mittlerweile vier) Kinder wirken sich irgendwie so gar nicht nennenswert auf unsere Steuerlast aus. Als ich letztens in der Brand Eins gehört habe, dass auch bei Alleinerziehenden die Kinderzahl quasi keinen steuerlichen Unterschied macht, erwähnte ich das abends im Gespräch mit meiner Frau.

„Ist das denn bekannt?“ meinte sie. „Ich meine, das ist doch ziemlicher Mist …“

Was soll ich sagen? Das ist ziemlicher Mist, und daher habe ich mir noch mal die Zeit genommen und die ganze Kiste durchgerechnet. Schließlich will ich hier ja keinen Mist in den Blog schreiben. Folgendes kam bei einem führenden Gehaltsrechner raus:

  • Wenn wir verheiratet wären und keine Kinder hätten, würden wir im Monat 50 Euro weniger netto rausbekommen. Wahnsinn, oder? Ich meine, 50 Euro. Das reicht ja beinahe für das Mensa-Essen, das Nummer 1 und 2 einmal die Woche brauchen, weil sie lange Schule haben. 
  • Wenn ich hingegen alleinstehend wäre, liegen wir eher bei 600 Euro weniger monatlich (gegenüber Ehegattensplitting/ gemeinsamer Veranlagung). Vier Kinder machen aber auch in diesem Fall nur 50 Euro Unterschied aus. Bitte lasst Euch das auf der Zunge zergehen: Ein alleinstehender Single vs. ein Alleinerziehender mit vier Kindern: 50 Euro im Monat. Puh.

Zu diesem Unterschied beim Netto-Einkommen kommt natürlich noch das (mitunter ja auch in der Kritik stehende) umfangreiche Kindergeld von 154 Euro oder mehr im Monat. Ich fasse das mal vereinfacht zusammen: Der deutsche Staat ist also der Meinung, dass das Existenzminimum eines Kindes mit rund 1900 Euro (bzw. beim vierten Kind knapp 2400 Euro) im Jahr abgedeckt ist. Beziehungsweise nein, nicht abgedeckt, aber die restlichen Kosten sind nicht subventionierungsfähig. Weil: Kinder sind ja Privatvergnügen. Aber, hm, heult uns die Politik nicht dauernd die Ohren voll dass wir Deutsche zu wenig davon bekommen? Irgendwie kein Wunder, wenn man sich diese zum Himmel stinkende steuerliche Berücksichtigung anschaut. Rein ökonomisch möchte der Staat folgendes von jungen Menschen, die darüber nachdenken Eltern zu werden:

Hey, bitte setzt doch ein paar Nachkommen in die Welt, am besten 2,1 oder mehr, damit es mich auch in Zukunft noch gibt. Ich zahle Euch auch für 12 Monate ein halbwegs ordentliches Elterngeld, danach könnt ihr dann erstmal gucken, wie ihr klarkommt. Aber das wollt Ihr ja sicher auch. Wenn Ihr wirklich mehr als zwei Kinder bekommt wird einer von Euch beiden vielleicht … beruflich ein wenig Zurückstecken müssen. Also weniger Geld verdienen, meine ich. Aber das macht ja nix, die höheren Kosten für fünf Personen gleiche ich dann durch Steuererleichterungen aus. 1900 Euro pro Kopf und Jahr reichen doch, oder? Ach ja, dafür dass ich ab und zu auf Eure Kinder aufpasse – damit Ihr arbeiten gehen könnt und Steuern bezahlen – würde ich dann gerne noch einen kleinen Obulus in Rechnung stellen. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand ungerecht behandelt fühlt, weil er diese Kosten für Euch übernehmen muss, oder? Ihr wisst ja, ich hätte diese 2,1 Kinder wirklich gerne von Euch, aber im Endeffekt ist das natürlich Euer Privatvergnügen.“

Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittliches Kind diesem Staat im Laufe seines Lebens 50.000 Euro Plus einbringt (die er dann verwenden kann, um mit der linken Hand wegzunehmen und mit der rechten Hand zu unterstützen), ist das geradezu eine Beleidigung. Im Ernst: Rein ökonomisch gesehen begünstigt der deutsche Staat genau zwei Lebensmodelle – die kinderlose Doppelverdiener-Ehe sowie die kinderlose Alleinverdiener-Ehe. Alles andere ist Privatvergnügen. 

Ich bin übrigens noch nicht am Ende – komme gerade erst in Fahrt bei diesem Rant. 🙂

Viele Familien haben heute das Problem, dass sie einen Lebensstil, der sich annähernd nach „Mittelschicht“ anfühlt, nur dann finanzieren können, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind. Das ist sehr schön für Papa Staat, weil dann für ein Kind drei Erwachsene Steuern zahlen müssen:

  1. Elter Nummer 1, arbeitet Vollzeit und zahlt quasi kinderunabhängig Steuern abzüglich den üppigen 1900 Euro Kinderpauschale per annum.
  2. Elter Nummer 2, arbeitet nur Teilzeit und zahlt trotzdem recht ordentlich bedingt durch eine schlechte Steuerklasse. Eigentlich noch mehr, da die Infrastrukturkosten für eine staatliche Kinderbetreuung ja indirekt aus diesem Gehalt bezahlt werden (Steuern plus Elternanteil für Betreuung).
  3. (Mindestens eine) Betreuungsperson: Übernimmt auf Kosten der Allgemeinheit mit Privatvergnügenzuschlag seitens der Eltern die Betreuung der Kinder. Zahlt Steuern und gibt seine Kinder zu anderen Betreuungspersonen, die ebenfalls Steuern zahlen.

Aus dem altmodischen Haushalt mit Hausfrau und Mutter wird so deutlich mehr Steuerlast „herausgequetscht“ – optimal, oder?

(Ich möchte an dieser Stelle kurz betonen, dass ich die klassische Mutterrolle keineswegs idealisiere und einer intelligenten Frau langfristig nicht empfehlen würde, allein darauf zu setzen, nur damit klar ist dass ich nicht heimlich irgendwen an den Herd argumentieren möchte)

Ich habe übrigens (wieder in der Brand Eins) gelesen, dass die Steuerreform in Deutschland ein Dauerprojekt ist, weil „die Politik“ gar nicht vereinfachen will.

Auch die Finanzbeamten fordern seit Jahren erfolglos Vereinfachungen und damit mehr Gerechtigkeit. Diese Forderung richtet sich an denjenigen, der nicht mit im Boot sitzt: den Staat. Der lässt rudern.

Ist ja auch logisch – es gibt wohl keine intelligentere Methode sich bei den Menschen beliebt zu machen, als ihnen zuerst das Geld wegzunehmen und es ihnen dann teilweise großmütig wiederzugeben – wenn sie brav sind. Aber das nur am Rande. Mir fällt jedenfalls immer auf, dass es bei der Familienpolitik hier in Deutschland überhaupt kein Wunder ist, dass Kinder aus der Mode gekommen sind. Ich weiß natürlich, dass man junge Paare nicht einfach bezahlen kann, damit sie Eltern werden – solche direkten Geschenke funktionieren auch nur bedingt – aber man könnte wenigstens schauen, dass die Opportunitätskosten nicht so durch die Decke gehen, wie sie es hier in vielen Fällen tun. Eltern müssen (teilweise erhebliche) Elternbeiträge für die Betreuung ihrer Kinder zahlen, sie müssen von weniger Geld mehr Miete bezahlen, wenn sie nicht in B-Lage wohnen wollen, sie brauchen mehr Platz, größere Autos, Klassenfahrten und vieles mehr – und kriegen pro Kind 1900 Euro im Jahr von ihrem eigenen Geld zurück. Schön blöd, wer sich auf diesen Deal einlässt. Oder? 😉

P.S. Hausaufgabe: Schnappt Euch doch mal so einen Brutto-Netto-Rechner und schaut ob wir ein Sonderfall sind. Würde mich wirklich interessieren. 🙂

„Das ist so was wie die Zeugen Jehovas!“

In der Küche haben wir eine Sammelstelle für Rotgeld. Ihr wisst schon, die kleinen Münzen, die nicht mal mehr für eine Zuckerstange reichen, dafür aber das Portmonee aufblähen wie eine Portion Bohnen mit Speck. Als heute Bestandsaufnahme angesagt war, fehlte irgendwie ungefähr die Hälfte unseres Bohnengelds. Nach einer Weile gestand Nummer 1 kleinlaut:

„Ich hab das irgendwann mal mit nach oben genommen …“

Ich konnte nicht so recht verfolgen, aus welchem Grund man einen Plastikbeutel mit Rotgeld „mal mit nach oben nimmt“ – eigentlich habe ich währenddessen an etwas gearbeitet – fünf Minuten später jedenfalls war man bei Rechtstheorie angekommen.

„Nein, Nummer 2, ein Raub war das nicht,“ dozierte meine Frau. „Bei einem Raub wird immer Gewalt angewendet. Wenn überhaupt war es Diebstahl …“

„Aber ich hab es wieder runtergebracht!“ beschwerte sich Nummer 1.

„Und wo ist es dann jetzt?“ fiel ihr Nummer 2 in den Rücken.

„Wenn Du es weggenommen hast und es dann wiederbringst, es dann aber verschwindet, hast Du eine Teilschuld, Nummer 1“, erklärte meine Frau weiter. „Ich muss ja zu meiner Schande gestehen dass ich früher Jura studieren wollte.“

„Jura? Was ist denn das?“ mischte sich Nummer 3 ein. Darauf meinte Nummer 2 im Brustton der Überzeugung: „Das ist so was wie die Zeugen Jehovas.“

Fast, würde ich sagen. Die meisten Menschen sind sicherlich von Juristen, die plötzlich vor ihrer Haustür stehen, sehr genervt – nur lassen sich diese nicht so leicht wegschicken wie die Zeugen Jehovas. Also ist Jura wohl was Schlimmeres. 😀

Die Hausfrauenbank

Es war heute einer dieser Tage. Diese, an denen alles nervt. Erst nervte der hirnige TAN-Generator der Sparkasse bei meinem Online-Banking. Ich habe 20 Minuten gebraucht um eine TAN zu generieren. Danach klappte es nicht mehr. Ich habe das Teil dann vor Wut auf den Tisch geklatscht. Anschließend hatte das dämliche Display Risse. Es gab ja nerviger Weise noch nie eine Hintergrundbeleuchtung. Nun würde es ganz sicher niemals eine haben.

Dann also zur Sparkasse, um mich auf ein besseres TAN-Verfahren umstellen zu lassen. Dort durfte ich dann den verhassten Generator der Bankangestellten verwenden. Ummeldung hat immerhin geklappt. Anschließend zum Discounter meiner Wahl.

Dort an der Kasse tat es meine Karte plötzlich nicht mehr. Also Wagen zurückstellen lassen und Geld holen fahren. Am Automaten tat die Karte es auch nicht. Also nach Hause, Bargeld holen und zurück fahren. Dort Wagen ganz hinten parken müssen – es regnete und alle quetschten sich nahe an den Eingang. Ausgestiegen und gebeten worden, nochmal umzuparken, weil das Auto neben mir Platz brauchte, da es Starthilfe bekommen sollte. Auch das noch gemacht.

Einkauf bei mürrischer Kassiererin erledigt, noch schnell zum Drogeriemarkt meiner Wahl um unseren Mädels die versprochenen Riesen-Weihnachts-Ü-Eier zu holen. Da dachte ich noch „Der Tag nervt. Ich husch mal flink zum Second-Hand. Das ist nett.“ Der machte aber gerade zu und die sonst so nette Inhaberin war auch irgendwie motzig. Drehe mich um, damit sie murrend ihr Fahrrad an mir vorbeischieben kann und rutsche an der Bordkante ab. Verdrehe mir den Fuß. Aua. Kurz in ein Modegeschäft gehinkt, um nach einer braunen Jacke für Nummer 4 zu suchen. Fand eine perfekte. Die war nicht nur um die Hälfte, sondern gab es in allen Größen – außer in seiner. Nase voll – zurück nach Hause.

Nach dem Mittagessen hatte ich keine Lust, sofort wieder zur Sparkasse zu fahren. Als ich dann später fuhr, hatte sie gerade geschlossen …

Die Sparkasse gab mir heute echt den Rest. Und dabei begleitet sie mich seit meiner Geburt. Ich bin aber nicht dort, weil ich noch heute den damals obligatorischen „Sparkassen-Geburtsgeschenk-Löffel“ habe (hab ich echt noch!), sondern weil die überall da einen Geldautomaten haben, wo ich einen brauche. Und das in jeder Stadt, die ich bisher bewohnte. Sie nervt aber auch immer wieder. Bei jedem Umzug muss man hin und her fahren, da die nicht in der Lage sind, einfach Geld zu einer anderen Filiale zu transferieren. Alles wird immer ausgedruckt und in sechsfacher Ausführung in Mäppchen geheftet. Online gibt es fast nichts außer das Banking selber. E-Mail-Verkehr hatte ich mit denen noch nie. Sie wird daher von mir auch zärtlich Die Hausfrauenbank genannt. Weil sie so schön retro ist und so anti-urban und so mit extra viel Aufwand für jeden Kram. Wie eine der 50er-Jahre-Hausfrauen. Diese, die immer den Hintern hochrecken, wenn sie etwas mit dem Handfeger saubermachen. Damit man sieht, wie viel Arbeit sie sich bei der Arbeit machen. Noch meine Mutter hat mir das so beigebracht. „Hocken ist für die Faulen. Die Fleißigen bücken sich.“ Ja ja und haben dann Ischias.

Egal – die Hausfrauenbank brachte mich dann zum Ausflippen. Ich sah meinen mich begleitenden Mann an und schnauzte los:

„Heute Morgen haben wir ja noch vermutet, dass die Sparkasse alle Daten des Onlinebankings per Brieftaube zur nächsten Filiale mit Internetanschluss sendet. Die Brieftauben werden dann wohl während der Saison von den Jägern auch schon mal abgeschossen. Aber jetzt wissen wir, dass das Fräulein heute zu allem Übel die Filiale früher schließen musste, weil es wegen des Regens schneller los sollte, um die mit der Schreibmaschine abgetippten Überweisungsträger rechtzeitig zur Postkutsche zu bringen. Damit sie noch morgen per Telegraph weitergeleitet werden können.“

Ich darf da morgen wieder hin. Ich freu mich schon drauf. Und nehme ein bisschen Konfekt und Frauengold mit, damit das Fräulein gestärkt an’s Werk gehen kann. Und ich werde das Fräulein daran erinnern: Immer schön den Hintern nach oben, wenn die Überweisungspapiere hinfallen und man sich danach bücken muss. Grrr …

Entre dos Tierras

Nummer 3 hat keinen Kater, sondern nur keine Lust auf Hausaufgaben.

Nummer 3 hat keinen Kater, sondern nur keine Lust auf Hausaufgaben.

Dieses Lied hat man für mich während der Abiturfeier gespielt. „Zwischen zwei Welten“, das war damals wohl der Ausdruck meiner Mitschüler für die Tatsache, dass ich mich (mindestens) während meiner Freizeit gedanklich vorwiegend in diversen Fantasiewelten befand und für diese geistige Teilabwesenheit auch bekannt war.

Heutzutage befinde ich mich wieder zwischen zwei Welten. Das zu beobachten, hatte ich letzte Woche auf der Weihnachtsfeier unserer Firma Gelegenheit. Ich arbeite am engsten mit den Kollegen aus unserem Düsseldorfer Büro zusammen, die für ihre Lautstärke und Trinkfestigkeit bekannt sind (und diesem Ruf mal wieder alle Ehre machen wollten). Da ich aber im Unternehmen eine gewisse Vorbildfunktion habe, muss ich bei solchen Gelegenheiten meinen Alkoholkonsum zumindest soweit einschränken, dass ich mir nicht erst am nächsten Morgen anhöre, was ich so getrieben habe. Außerdem kann ich es mir nicht erlauben, am nächsten Tag noch komplett durchzuhängen …

Dementsprechend war ich etwas zurückhaltend, als einige Kollegen um halb drei noch weiterziehen wollten. Sie waren ziemlich betrunken – so betrunken war ich seit fünfzehn Jahren nicht mehr – und verstanden nicht recht, warum ich mich abseilen wollte.

Ganz im Ernst, Geschäftsreisen mit Übernachtung gehören schon zu den Gelegenheiten, wo ich auch mal etwas mehr trinke und es ein wenig später werden lasse. Das hat auch damit zu tun, dass man mit Leuten, mit denen mal mal getrunken hat, auch in Krisenzeiten besser arbeiten kann. Die Germanen haben nicht umsonst auf Besäufnisse gesetzt, um einen Friedensbeschluss zu besiegeln.

Trotzdem ist irgendwie völlig klar, dass ich nicht einfach bis sechs Uhr durchsaufe, um dann am nächsten Tag komplett unbrauchbar zu sein. Das ist in einem Leben wie meinem einfach nicht drin. Ich kann ja schlecht zu den Kindern sagen:

„Lasst mich mal bitte in Ruhe, ich habe einen üblen Kater.“

Dazu kam noch, das ich für den nächsten Abend eigentlich mit meiner Frau verabredet war – ein Date, bei dem man sich schlecht mit einem Kater vom Kaliber einer Großkatze zeigen kann. Ich blockte weitere Überzeugungsversuche am Ende mit folgender Antwort ab:

„Ich kann aus persönlichen Gründen nicht vertreten, jetzt noch weiter mit Euch mitzukommen.“

Die konsequente Orientierung auf den nächsten Tag und die eigene „Funktionstüchtigkeit“ – selbst wenn es in diesem Fall um etwas Schönes ging – fiel mir vor allem deshalb auf, weil ich meine frühe Adoleszenz durchaus öfter einmal sorglos und vollkommen breit verbracht habe – wie meine Kollegen es jetzt auch wieder getan haben. Zwei von ihnen mussten wir mit Schlägen vor die Hotelzimmertür wecken, damit sie es am nächsten Morgen mit zum Flughafen schafften 🙂

Es ist jetzt nicht so als dass ich es vermisse, mich am nächsten Tag wie ein Haufen Mist zu fühlen – aber die Freiheit, sich einfach so gehen lassen zu können, ist schon irgendwie beneidenswert.

Hemmungslose Vollräusche stehen jetzt also auch auf meiner Murtaugh-Liste. Was jetzt wirklich nur teilweise negativ ist. Aber ich vermute alle Eltern kennen die Sehnsucht nach einer Lebensphase, in der man einfach nicht immer an den nächsten Tag denken musste, oder?

Happy Birthday, Minimann

Es war ein herrlicher Tag!

Morgens sind wir alle in sein Zimmer, jeder mit einer Kerze. Das machen wir bei jedem Geburtstagskind (auch den Geburtstagserwachsenen) so und dazu singen wir. Erst blinzelte er, weil es so hell wurde und sah ganz schnuffig irritiert aus.

Dann freute er sich sehr und schließlich trugen wir ihn nach unten zu seinen Geschenken. Eines davon liebte er besonders. Eine kleine Plüscheule mit Riesen-Augen. Er zupfte sie aus dem Papier und küsste sie sofort – auf dem ersten Bild hat er sie in den Händchen.

Dann gab es Kuchen und Tee.

Es wurde ganz viel gespielt und am Nachmittag gab es lieben Besuch. Er war den ganzen Tag glücklich und immer wieder sehr zufrieden-müde von all dem Input. Sonntag feiern wir dann mit seinen lieben Paten und anderen guten Freunden.

Aber hier noch die angekündigten Fotos:

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Nun schläft er tief und fest. Was für ein schöner Tag 🙂