Anders zu sein ist mehr als lästig …

Nummer 2 erzählte eben mit erstaunlich neutraler Stimm(ungs-)lage:

„Die in der Klasse nerven. Der Club dämlicher Jungs (Remember? Die Orks) hat heute ein Spiel entwickelt, das zum Ziel hatte „Nummer 2“ töten. Das Spiel nannten sie „Das Nummer2-Opfer“. Das fanden die lustig.“

Ich (getroffen und angewidert zugleich): „Und wie fandest du das?“

Sie: „Ich bin’s gewohnt. Die in der Klasse können mich nicht leiden.“

Ich: „Es ist nicht die Mehrheit, die dich nicht leiden kann. Das haben wir doch schon mal besprochen. Auch mit deinem Mathelehrer da im Gespräch.“

Hilfreich an dieser Stelle: Nummer 1 mit folgendem Einwurf:

„Doch! Doch! Das sind die meisten. Die meisten können dich nicht leiden.“

Ich werfe ihr einen bösen Blick zu, den sie nicht zu verstehen scheint. Darauf sage ich:

„Es sind wie viele Jungs, die Nummer 2 nicht mögen? Vier? Okay. Und die drei Mädels. Macht sieben Kinder. Sieben von 26. Das ist ja mal ’ne Mehrheit, Nummer 1. Hattest Du echt ’ne Zwei in Mathe?“

Danach wende ich mich an Nummer 2 und erkläre, dass Schule ein bisschen wie eine nicht-chronifizierte Krankheit ist: Man muss da durch. Man muss das Beste draus machen. Hinterher erinnert man sich meist nicht so gerne daran. Im Verlauf spürt man eine Besserung. Irgendwann ist es vorbei.

Ich sage ihr, dass ich ähnliche Probleme hatte wie sie. Erkläre ihr, dass so was wie das „Todesspiel“ Mobbing ist. Sage ihr, dass nicht das Opfer sondern die Täter die Blöden sind. Meist rät man dem Opfer, sich anders zu verhalten. Wie blöd, wenn mit den Tätern dann niemand spricht. Aber so läuft das. Wie auch immer werde ich sie nun zu den frisch ausgebildeten Streitschlichtern der Schule schicken. Die haben ein Konfliktlösungsseminar besucht und können so etwas angeblich auflösen.

Ich habe mit ihr zusammengefasst, dass sie diese sieben Mitschüler selber nicht besonders sympathisch findet. Und dass es Kinder gibt, die sie mag und die sie mögen. Und dass sie heute müde ist und ihr Knie weh tut und sich alles allein deshalb schon blöder anfühlt an sonst. Danach war sie innerlich aufgerichtet.

Ich habe ja schon lange alle Hoffnung fahren lassen, wenn es um Schule geht. Das passierte unter Anderem, als die erste Grundschullehrerin Nummer 2 attestierte, dass sie etwas zurückgeblieben und unreif sei. Oder die nächste Lehrerin, die meinte, Nummer 2 sei depressiv. Und das war die gleiche, die in der Diskussion um das Eine-Klasse-Überspringen sagte: „Ich habe ihr ja oft genug Aufgaben gegeben, die sie fördern sollten. Aber sie war ja zu arrogant, die zu lösen!“ Und als ich daraufhin sagte: „Sie haben ihr noch mehr  Stoff der zweiten Klasse hingelegt und gedacht, damit sei es erledigt?“ Solche und viele weitere Momente waren es wohl. Die gleiche Dame reagierte auf Nummer 2s Beschwerde über einen sich vor ihr im Gebüsch entblößenden Jungen so: „Ja was? Da frage ich mich doch, warum du das mitgemacht hast, wenn es dir nicht gefallen hat.“ Schule eben …

Es sind gleichschaltende, schnödes Nachplappern verlangende Institutionen, die einer Maschine gleichen. Platz für Abweichler gibt es exakt null. NULL! Das, was unsere Kinder an Persönlichkeit haben, das bilden sie dort ganz sicher nicht wunderbar aus oder weiter. Sondern zuhause. Ich kann ihnen leider nicht vermitteln wie schön und wichtig für’s Leben die Schule ist. Denn ich habe ihnen versprochen, sie nicht zu belügen.

7 Gedanken zu “Anders zu sein ist mehr als lästig …

    • Ja, Kerstin, das frage ich mich. Was habe ich schon für Lehrer erlebt? Die Durchschnittlichen waren da schon ein Balsam im Gegensatz zu denen, bei deren Sätze und Ansichten ich mir an den Kopf fassen musste.
      Eine gute Lehrerin hatten wir. Leider zogen wir um, als Nummer 2 sie gerade bekommen hatte. Sie war ganz begeistert von Nummer 2 und empfand ein solches Kind als positive Herausforderung und Bereicherung. Aber sie sagte mir gleich, dass sie Fortbildungen zum Thema gemacht habe und das ich die Fachkenntnis und Begeisterung nicht von der neuen Lehrerin an der anderen Schule erwarten dürfte …

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  1. Mein Lieblingsspruch zum Thema: Der durchschnittliche IQ einer Gruppe Menschen entspricht dem des Mitglieds mit dem niedrigsten Wert geteilt durch die Anzahl der Gruppenmitglieder. Und diese Typen kommen mir nicht gerade helle vor. Sie rangieren also vermutlich auf dem Niveau von Enten. Sorry, Enten.

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    • So traurig wie es ist, diesen Kindern ist schon so viel Blödsinn vom Elternhaus mitgeben worden, dass sie mir auch leid tun.
      Aber ich verstehe den Ärger von Dir zu gut. Als unsere Nr. 2 noch auf der alten Schule war, wurden er und sein Bruder von einer Gruppe Jungs über einen längeren Zeitraum drangsaliert. Raus kam es, als Nr. 2 zuschlug, weil er seinen großen Bruder schützen wollte, Platzwunde an der Lippe und Riesentrarar.
      Als dann die ganze Geschichte rauskam, kümmerte die Schule sich nicht und ich dachte mir: „Schade, dass er nicht mehr erwischt hat!“ 😉

      Trotzdem tun mir diese Kinder leid, die in sich so wenig Halt haben, dass sie so (re) agieren. Ihnen fehlen die Rezeptoren für wichtige Werte und ihre Verrohung zeigt nur, auf welchem Stand unsere Gesellschaft ist.

      Der einzige Weg: Unseren Kindern zeigen, dass sie die Stärke einer solchen Gruppe nicht brauchen, sondern dass sie völlig unabhängig sind…

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