Immer wieder sonntags

Seit ich denken kann hasse ich Sonntage.
Ich verwende dieses letztere Verb sehr selten. Eigentlich vermeide ich es. Aber bei Sonntagen nicht. Diese langweiligen Tage haben es verdient. Was kann man sonntags tun, wenn man einer von diesen eher aktiven Menschen ist?

– Jahreszeitliche Dekoration im Haus verteilen ( circa sechs Mal im Jahr)

– Brettspiele spielen, was ich nicht ausstehen kann.

– Backen. Womöglich das Backwerk essen und sich später über die Waage ärgern.

– Haushalt machen, was ich die ganze Woche mache.

– Gegen das Gefühl eingeschlafener Füße ankämpfen, das sich stündlich ausbreitet.

– In einem Park spazieren gehen. Da zockt der Mob.

– Im Internet herumlungern, was das Eingeschlafene-Füße-Gefühl an Sonntagen exponentiell verstärkt.

– Lesen (dazu bin ich an Sonntagen zu genervt, aus zeitökonomischen Gründen höre ich eh nur Hörbücher und arbeite dabei).

– An den nächsten Tag denken oder darüber philosophieren, das Körper und Geist stets am gleichen Ort sein sollten.

– Mich daran erinnern, dass ich Sonntag schon immer gehasst habe und tausend Versuche unternahm, diesen Tag als etwas Angenehmes zu ritualisieren (und scheiterte).

– Sich sagen, dass am nächsten Tag eine neue Woche beginnt, sich schon einmal den fünfspaltigen Familienkalender angucken und sich das Haar raufen, weil alle Spalten voll sind. Für sieben Tage im Voraus.

– Beim Blogpost feststellen wie frustriert und negativ man sonntags ist und eine spontane Lösung anstreben.

Vielleicht ist der Sonntag (hatte den nicht auch Karl der Große als Erster eingeführt und wollten ihn – unter Anderem oder gar hauptsächlich deswegen – die Sachsen nicht erschlagen? Wo ward ihr, Jungs?) gar nicht dazu da, angewidert rumzugammeln. Der Urgedanke hinter diesem Tag ist das Nachahmen der Schöpfungsgeschichte.

Ja, um etwas Göttliches im alltäglich-menschlichen Leben!

Am siebten Tage ruhte Gott und betrachtete sein Werk. Und das soll ich demnach wohl auch tun. Jeden Sonntag? 

Okay. Ich soll dann vermutlich auch sehen, dass es gut war, was ich getan habe. Gott hat sich laut der Bibel auch nicht hingesetzt und gesagt „Mensch, die Giraffen haben aber ’nen ganz schön langen Hals bekommen und der Farbton der Delfine – na, ich weiß nicht …“ Nun ist Gott vielleicht ein etwas großes Vorbild, aber warum nicht? Der Mensch soll ja streben.

Ich habe doch Einiges, mit dem ich zufrieden bin. Und auch wenn ich keinen formidablen Planeten geschaffen habe, so kann ich zufrieden sein. Ich habe mich sehr über unseren kleinen Heiligen Augustinus (eigentlich wohl Augustina) hier gefreut, weil er so hilfsbereit war und über die witzige Nummer 2 und ihren Gehirn-Kommentar. Und ich habe mich gestern mit meinem Mann beömmelt, weil er so einen frechen Mafia-Macho-Spruch abgelassen hat. Wir haben uns immer wieder ausgemalt, was passieren würde, wenn man wirklich solche Sprüche raushauen würde. Und natürlich geschahen noch mehr Dinge, die gut waren. Wir haben einen Termin für’s Parkettverlegen (morgen früh!) und müssen nicht mehr auf dem splittrigen Unterboden leben. Natürlich erreichen wir den Installateur nicht, der unbedingt vorher noch eine Heizung entfernen muss. Aber man soll ja vornehmlich auf das Gute gucken.

Und nun, wo ich das getan habe, was man sonntags tun soll:  Welches Résumé gebe ich zum Résumé?

Das fühlt sich wirklich gut an, so ein sonntägliches Résumé. Kann ich wirklich weiterempfehlen. Sonntags hat man ja auch Zeit für so etwas. Ich fühle mich deutlich zufriedener. Wirklich.

In der Zeit, in der ich résumierte hat mein Mann übrigens Mittagessen gemacht. Irgend ein neues Rezept mit Kochbananen, Steak und Zucchinisalat. Und Brot gebacken hat er und Frühstücksmuffins für die kommende Woche. Und ich bemerke, dass man sich eventuell besser fühlt, wenn man gleichzeitig résumiert. Merke ich mir für in sieben Tagen. Da résumiere ich dann eh anders, denn da habe ich Geburtstag. Mal sehen, wie der Wochenrückblick da ausfällt …

Muss nun schnell man herausfinden, wer sich nun besser fühlt. Er als aktiver oder ich als denkender Sonntagshasser 😉

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