Von der wahren Schönheit, ein Verbot zu übertreten

Eben auf dem Weg zur Apotheke erzählte mir Nummer 3 ein Erlebnis des heutigen Schultages, das mich so tief berührt hat, das ich es mit Euch teilen möchte.

Das war so:

Nummer 3: „Mama, ich hab heute einem Mann geholfen. Das war am Ende der Pause. Ich war am Zaun auf dem Pausenhof und hab so ein komisches Geräusch gehört. Da hab ich über den Zaun geguckt und hab einen Rollstuhlfahrer gesehen, der da hingefallen war. Mitsamt dem Rollstuhl. Ich bin über den Zaun geklettert und hab ihm geholfen.“

Ich: „Wow, Nummer 3! Hast du denn gefragt ob er Hilfe braucht oder wie war das?“

Sie: „Nein! Das hab ich doch gesehen, dass der die brauchte. Ich hab einfach geholfen. Und das ging so schwer. Ich hab so von unten gegen den Rollstuhl gedrückt und der Mann konnte ja nur einen Arm bewegen irgendwie. Damit hat er dann mit gedrückt. Und das dauerte vielleicht und ging sehr schwer. Er lag ja auch so direkt auf dem Gehweg an der Straße. Ich wollte ihm schnell helfen.“

Ich: „Wie? Kamen da denn da keine Autos vorbei? Konnte euch da niemand helfen?“

Sie: Doch! ‚Ne Menge Autos kamen vorbei. Aber die sind weitergefahren. Einer hat sogar extra angehalten und so geguckt. Aber der fuhr dann auch weiter. Aber das war egal. Wir haben das ja geschafft, der Mann und ich. Und am Anfang, als er da so lag, da sah er sehr traurig aus und auch ein bisschen wütend, weil er da umgekippt war. Aber als er wieder richtig stand mit dem Rollstuhl, da hat er mich angelächelt und danke gesagt. Und ich hab gesagt: Ach, das ist doch selbstverständlich. Dann bin ich über den Zaun geklettert und in die Klasse. Das hat sich so gut angefühlt in mir. Es war richtig gut, dass ich das getan habe, denke ich.“

Ich: „Das hast du wirklich so toll gemacht! Ich bin total gerührt! Meine Güte, das ist wirklich … also einmalig. Und kamst du dann zu spät?“

Sie: „Ja, die haben auch alle geguckt. Aber ich durfte nichts sagen. Es ist ja verboten, über den Zaun zu klettern.“

Ich: „Ich glaub, das hättest du der Lehrerin ruhig erzählen können. Das war ja eine richtige kleine Heldinnentat. Ich bin sehr stolz auf dich.“

Wir fuhren ein bisschen weiter und dann sagte ich mit leichtem Schmunzeln und immer noch ganz schön berührt:

Ich: „Ja, Nummer 3, da hast du ja was gemacht, was dein guter Freund, der Heilige Augustinus, auch gemacht hätte, oder?“

Sie: „Ja, ich bin sicher das hätte er auch so getan. Jemandem geholfen, auch wenn er dafür hätte Ärger bekommen können. Aber es war ja nun mal so: Es war da kein Heiliger Augustinus auf dem Schulhof. Eben nur ich und ich da hab ich gar nicht nachgedacht. Ich hab’s einfach gemacht.“

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2 Gedanken zu “Von der wahren Schönheit, ein Verbot zu übertreten

    • Bisher bieten unsere Kinder auch älteren Menschen den Sitzplatz an – auch wenn ich nicht dabei bin 😉 Ich habe noch Hoffnung 😉 Vielleicht haben die nicht-hilfsbereiten Erwachsenen das auch als Kinder schon nicht gelernt … ?

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