Muss man ein religiöser Spinner sein, um Abtreibungen abzulehnen?

Wir versuchen ja eigentlich kontroverse Themen (richtig kontroverse Themen, nicht so was wie „eigentlich ist die Familienpolitik vielleicht ein bißchen doof“) hier mehr oder weniger zu vermeiden. War zumindest in der Vergangenheit so die Leitlinie dieses Blogs, zum Guten oder zum Schlechten. Soll ja schließlich Spaß machen hier.

Aktuell hält mich jedoch ein Artikel der Welt von diesem Grundsatz ab. „Hasskampagne gegen Abtreibungsklinik“ heißt es da, und erzählt wird eine nette Geschichte von christlichen Fundamentalisten und Polit-Pariahs, die sich gegen eine arglose Klinik zusammengerottet haben.

Nun ist es ja politisch in Deutschland durchaus vertretbar, nicht gegen Abtreibungen zu sein, und ich gebe zu dass ich mit 16 auch noch der Meinung war dass die Freiheit der Frau über einem „Zellhaufen“ stehen würde. Diese Zellhaufen-Argumentation ist ja sowieso der Kern jedweder Befürwortungsargumentation – denn wenn man den ungeborenen Menschen nicht auf seine biologischen Bestandteile herabwürdigt ist jedes Argument pro Abtreibung ohnehin hinfällig. Übrigens bin ich bis heute nur ein Zellhaufen. Ein ziemlich großer vielleicht, aber im Grunde genommen …

Jetzt stört mich an diesem Artikel vor allem die Zwangsverbindung zwischen christlichen Fundamentalisten (das sind doch die, die schwulen Soldaten aufs Grab pinkeln, oder?) und dem politisch rechten Rand mit dem Thema Abtreibung. Wie zahlreiche Leser auch in den Facebook-Kommentaren bemerken, ist diese Verbindung unzulässig.

Ich verstehe insgesamt nicht so ganz, warum das Thema immer so emotional behandelt wird. Im Grunde genommen ist es doch sehr einfach: Selbstverständlich ist eine Abtreibung moralisch nicht vertretbar, weil sie dem Kind sein Recht auf Zukunft nimmt. Dieses Recht steht aus einer ethischen Perspektive über den Wünschen der Mutter oder des Vaters, denn finanzielle Probleme und sogar weitaus größere Sorgen können natürlich nicht dieses Recht „überschreiben“, nur weil man 30 Jahre mehr auf dem Buckel hat als der andere und 160 cm plus größer ist.

Jetzt sind mir die feministischen Implikationen dieses Themas durchaus bekannt und ich bin bereit Grenzfälle wie die Schwangerschaft nach einem sexuellen Übergriff anzuerkennen (wobei eigentlich das Kind ja nichts dafür kann). Trotzdem ist jede Argumentation pro Abtreibung am Ende allein opportunistisch – was ja keine Schande ist, wir sind ja alle Menschen und verhalten uns nicht immer moralisch. Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich Vegetarismus für ethisch ähnlich zwingend halte (auch wenn es da „nur“ um Tiere geht) – und trotzdem nur auf Konsumreduktion setze. Mir stößt es nur immer sauer auf, wenn Leute irgend etwas künstlich aufbauschen um ihre eigenen Fehler zu überdecken.

Also, noch mal zum Mitschreiben: Man braucht kein Evangelical oder Nazi zu sein, um gegen Abtreibung zu sein, liebe Welt.

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