Pale as snow, red as blood – von der Ausbeutung einer Dunkelkaarigen

Seit meiner Schneewittchen-Fotosession von Halloween wissen unsere lieben Leser ja so ungefähr, wie ich aussehe. Im Alltag trage ich seltener Lack-High-Heels und noch seltener dieses Satin-Kleidchen. Aber der Rest kommt hin – nur eben nicht das Grusel-Makeup. (Okay, in der jüngst überstandenen Babyphase mit dauerndem nächtlichen Wachsein sah ich allerdings wirklich so aus wie auf den Zombiefotos…)

Dieses Aussehen habe ich schon recht lange. Zwischendurch waren die Haare ab -ich trug einen Bob mit Pony. Danach wuchsen sie wieder lang und so bleiben sie auch. Als ich mit rund 22 Jahren als Kindermädchen arbeitete, liebten die fünf Kinder diesen Look total und verkündeten in ihrem Kindergarten und der Grundschule stolz, ihr Kindermädchen sei Schneewittchen, was mächtig gut ankam. Als ich mir dann spontan die Haare rot färbte, waren sie stinksauer und betrübt, bis ich das Experiment wieder rückgängig machte.

Jedenfalls bescherte mir mein Look oft diese märchenhafte Assoziation. Und den Spitznamen. Und überhaupt. Unsere Kinder lieben das auch. Sogar unser Jüngster schmust gern mit (m)seiner Disney-Schneewittchen-Knuddelpuppe. Ich habe über die Jahre auch Schneewittchen-Barbies und so weiter von unseren Töchtern geschenkt bekommen.

Ich bin mit all dem ganz d’accord. Allerdings mag hier im Haus niemand den Prinzen – unseren Töchter mutet er unbewusst schon recht nekrophil an und ich hab ihn schon als Kind nicht leiden können. Da war Schneewittchen bereits mein Identifikations-Märchen. (Später las ich dann die tiefenpsychologische Deutung des Märchens von Eugen Drewermann, was auch eine Erleuchtung war, aber das an anderer Stelle. Und zu anderer Zeit.) Schon immer mochte ich nur den Jäger – den Prinzen fand ich zuerst doof und später peinlich. Was für ein psychisch  gesunder Mann verknallt sich denn auch in eine Leiche, weil sie so hübsch ist… der Nachsatz macht es ja noch ekliger. However.

Warum ich das alles erzähle?

Weil mir heute die Erleuchtung kam. In der Küche. Es war nicht so die totale spirituelle Erleuchtung. Nur so eine alltägliche, jedoch recht umfassende Erleuchtung.

Ich war dabei, die Hundertfünfzig Gläser, die meine 3 (gläserbenutzenden) Kinder tagtäglich zu brauchen scheinen, in die Spülmaschine zu räumen. Natürlich brabbelte ich angesäuert-lakonisch vor mich hin. Pädagogisch haltloser, repetetiver Mist. Aber er musste raus.

„Verdorri und eins! Wieso glaubt jeder in diesem Haus, ich wäre dazu da, ihm seine Pröllen hinterher zu räumen? Wieso lassen alle (und hier fiel ich in einen übertrieben satirischen Tonfall) ihre Tellerchen und Becherchen rumstehen und …“

Bämm! Da war sie, die Erleuchtung. Ich drückte sie sofort aus:

„Oh Mann! Jetzt check‘ ich’s! Ihr denkt, ich sei wirklich Schneewittchen und ihr die Zwerge! Das könnt ihr vergessen! Solange mich keine alte Vettel mit dem Tode bedroht und solange ihr abends kein Gold mit nach Hause bringt, könnt ihr euren Mist selber wegräumen. Basta!“

Ja, da haben sei aber Augen gemacht! Ich wette, morgen verhalten sie sich alle ganz anders …

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