Kurz mal teilhaben lassen an meinem Frühabend …

Es ist viertel vor Fünf. Gleich muss ich den Kinderwagen ins Auto hieven, die Kinder in die Jacken scheuchen, mir und Nummer 4 (hasst Mützen und hasst Handschuhe. Zieht beides sofort aus) etwas Warmes anziehen und los zur Zwangsveranstaltung mit Laternen.

Immerhin Nummer 3 freut sich. Sie vertreibt sich die freudvolle Wartezeit mit einem Spiel auf dem iPad. Zusammen mit Nummer 1 hockt sie kichernd über dem Tablet und ich höre sie vom Nebenraum aus. Irgendwann fällt mir auf, wie schräg die alberne Unterhaltung da drüben ist. Kleiner Auszug gefällig?

Nummer 3:„Ja komm, und immer wenn das da passiert, dann sagst du Conchita Wurst.“

Nummer 1:„Okay. Conchita Wurst!“

Allgemeines Gackern.

Nummer 1 (nach einer sehr kurzen Weile):„Conchita Wurst!“

Nummer 3:„Haha, ist das lustig. Wir haben voll viele Conchita Wurstes in dem Spiel!“

(Langsam frage ich mich, was sie da eigentlich spielen.

Nummer 1:„(Ihr ahnt es …) Conchita Wurst!“

Nummer 3: „Hihi. Noch mehr Conchita Wursten. Conchita Würstes. Conchita …“

Nummer 1: „Würste. Conchita Würste. So heißt das.“

Danach kamen sie zu mir rüber und kitzel-rangel-prügelten sich ein bisschen.

Jetzt ist es Zehn vor Fünf und ich spüre, wie ein Teil meines Körpers hämisch grinsend sagt:

„Spaßige Show vorbei. Draußen ist es dunkel. Also geht es los. Raff dich auf! Hopp-hopp! Und denk dran, auf dem Rückweg vom Martinszug noch schnell Süßigkeiten einzukaufen. Denn wenn du den Zug geschafft hast, dann klingelt es alle zehn Minuten und Martinslieder leiernd stehen Kinder vor der Tür. Und sie werden die Hände aufhalten.“

In der Tat geschieht das nicht nur Halloween. Heute las ich endlich, wie dieses Bettel-Unterfangen heißt: Heischebrauch. So wie in nach Beifall heischen. Sehr sympathische Namensgebung – die wiederum gefällt mir.

Ihr merkt es schon, hm? Ich liebe Martinszüge. Ist auch mein vierzehnter oder fünfzehnter. In einigen Jahren musste ich zwei Mal mit. Einmal für die Schule und einmal für den Kindergarten. Mir fällt einfach nicht ein, was es ist, das ich daran so schrecklich finde:

Die Kälte? Die ewig gleichen, gejammerten Lieder? Der für Menschenmengen typische, lahme Watschelgang der Kolonne, den wir „Das Pinguinen“ nennen? Die Blasmusikuntermalung? Die immergleiche vorgespielte Geschichte, gern über Lautsprecher erzählt von einem älteren, männlichen Gemeindemitglied mit süßem Dialekt-Singsang? Die als Martin verkleidete Reiterin, die sich um eine maskuline Haltung bemüht? Oder den auf dem Grundschulhof ausgeschenkten Alkohol? Oder das Geschubse, wenn die Pappmarken gegen Tüten voller Zuckerkram und einer Alibi-Mandarine getauscht werden? Und überhaupt: Diese Pappmarken erinnern daran, wie man für sie gespendet hat. Wie groß aufgeschrieben wurde, wer wie viel gespendet hat. Alles freiwillig – ist klar. Freiwillige Spende in selbstgewählter Höhe. Fußnote: Wert der Tüte: 10,-

Inzwischen wissen unsere geschätzten Leser sicherlich, dass wir Dinge wie Schulfeste, Infoabende, Elternabende, Bastelabende- und Nachmittage und Wurzelbehandlungen nicht besonders mögen. Nun wisst Ihr auch, was sich da einreiht:

Ich sag nur: Rabimmel, rabammel, rabumm -bumm -bumm …

Jemand anwesend, der es liebt und mit den Zauber zurückgeben kann, den das Event beim ersten Mal noch hatte? Ich nehme auch Punschrezepte entgegen – ich hab ja einen Coffee-to-go-Becher (Danke für den Tipp, Concetta :-*)

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4 Gedanken zu “Kurz mal teilhaben lassen an meinem Frühabend …

    • Ich mochte das auch mal, Lulu. Die Stimmung, die Aussage dahinter und das Martinsspiel. Aber heute beim fünfzehnten Mal und dann mit kreischendem Baby hatte es seinen Zauber definitiv verloren … An Halloween mag ich die Maskerade selber gerne – das Candy-Betteln ist für mich verzichtbar. Zumindest bei größeren Kindern muss es wirklich nicht mehr sein, finde ich.

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