Der Heilige Augustinus

Nummer 3 ist von kleinauf … nennen wir es mal religiös orientiertGern teile ich mal einige ihrer Gedanken und Sätze zu diesem Thema, dann könnt Ihr Euch ein Bild machen.

Mit ungefähr zweidreiviertel Jahren lag sie auf der Wiese und sah in den Himmel. Dann drehe sie sich zu mir um und sagte:

„Jesus und Gott sind eigentlich das selbe, oder? Ich meine, ganz im Kern.“

Sie sagte im ungefahr gleichen Alter, dass sie oft mit Gott spräche, mir aber nicht alles aus diesen Gesprächen mitteile. Ich fragte sie, mit was für einer Stimme Gott spräche. Ihre Antwort:

„Gott hat eine Stimme aus Licht. Er ist aus Licht. Sein Reich ist aus Licht.“

Nun mag man denken, in unserem Haus würde viel über diese Themen gesprochen. Aber dem war nicht so. Inzwischen ist das anders …

Als ihr Papa krank und dann wieder gesund war sagte sie:

„Gott sagt, seine Arbeit ist nun getan. Der Dada musste krank werden um zu spüren, wie traurig er in der Seele ist. Nun weiß er es. Und nun wo er wieder gesund ist, kann Gott sich Anderen zeigen.“

Wie sie sich am Strand mit Gott unterhielt, haben wir ja bereits beschrieben.

So etwas sagte sie häufiger, bis sie in den Kindergarten kam. Da verlor es sich langsam. Inzwischen zeigt sich ihr Interesse an der Religion eher auf alltägliche Weise. Zum Beispiel beim Tischgebet. Sie besteht darauf und wir folgen brav. Sie begann mit ein paar Klassikern aus dem Kindergarten („Komm, Herr Jesus …“) und ging bald dazu über, ein paar persönliche Dankesworte zu sprechen. Wenn jemand währenddessen wibbelt und flüstert, erntet er einen strafenden Blick. Nummer 2, renitent wie immer, hat einmal nachäffende Grimassen geschnitten. Darauf ein kühl-strenger Seitenblick von Nummer 3 und der Kommentar: „Tja, dann ist dein Essen eben nicht gesegnet.“

Einmal wagte ihr Vater, großen Hunger zu haben und irgendwie zu drängeln, da guckte sie kurz abfällig. Ihr strafender Satz dazu:“Na, dann friss doch schon mal.“

Irgendwann erhielt sie von mir daher den Namen Heiliger Augustinus – das fiel mir in jenem Moment ein. Flugs gegoogelt und festgestellt, dass ein paar mich beeindruckende Zitate von diesem Augustinus von Hippo oder Augustinus Aurelius zu finden waren. Und so blieb der Name. Wenn wir alle am Tisch zu beten haben dann sagt sie immer „Los, alle schlagen die Hände zusammen“. Dieser mir zuvor unbekannte, antiquiert klingende Ausdruck setzt bedingungslosen Gehorsam voraus. Sonst bekommen wir böse Blicke.

Unser privater Augustinus saß nun vorhin am Tisch und stocherte mit der Gabel zwischen Fisch und Gemüse.

Ich (provokant grinsend): „Heiliger Augustinus, du beleidigst die Schöpfung, wenn du Fisch und Gemüse verschmähst.“

Nummer 3: „Ich hab keinen Hunger.“

Ich (gespielt empört und streng): „Aber du hast fast nichts gegessen, wie willst du da satt sein? Los, sag dem lieben Gott, dass du den von ihm geschaffenen Fisch verabscheust. Sag ihm auch gleich, dass er sich die widerlichen Möhren hätte sparen können.“

Sie warf mir einen Blick zu. Daraufhin faltete sie die Hände, blickte nach oben und sagte äußerst bestimmt: „Lieber Gott, ich. habe. keinen. Hunger.“

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10 Gedanken zu “Der Heilige Augustinus

  1. Ich fand es nicht direkt beängstigend, aber streckenweise schon krass – sie war ja nicht einmal drei Jahre alt…Spannend dabei ist vielleicht auch, dass ich intuitiv einen ihrer drei Vornamen ausgewählt habe, der übersetzt „Glaube“ bedeutet und der dritte Vorname bedeutet „Rebellin des Himmels“. Das zusammen fand ich dann auch etwas … intensiv, als sie anfing „mit Gott zu sprechen“. Und bisher bleibt sie sich da ja doch auch sehr treu – es passt also.

    Manchmal sagen wir übrigens auch: „Wer sie wohl mal im anderen Leben war? Hat bestimmt ein Kloster gegründet…“ 😉
    In diesem Sinne: „Alle die Hände zusammenschlagen“ 😉 …

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