Gnade vor Recht – oder auch nicht …

Nummer 1 ist irgendwie schon ziemlich in der Pubertät. Sie hat heute eine 5 (!) in Deutsch (!) nach Hause gebracht mit dem Kommentar der Lehrerin, sie „habe ja auch schon nach zehn Minuten abgegeben.“ Als meine Frau ihr das heute mittag vorhielt, regte sie sich so auf, dass die Handwerker der Szenerie einen mitleidigen Blick schenkten.

Da ich ja meistens nicht da bin, weiß sie, das ich grundsätzlich etwas gnädiger mit ihr bin als ihre Mutter. Als ich sie gerade in der Küche traf, meinte sie daher:

„Darf ich Dich umarmen?“
Ich: „Klar, komm her, Große.“
Nummer 1: „Ich hab Dich ganz doll lieb!“
Ich: „Ich Dich auch, Äffchen. Aber ich hätte Dich noch lieber, wenn Du keine Fünfen in Deutsch schreiben würdest…“

Sooo gnädig bin ich dann doch nicht … 😉

Gartenarbeit

Ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich Gartenarbeit nicht besonders leiden kann. Deshalb musste Nummer 4 heute ran:

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Okay, eigentlich habe ich auch ein bißchen was gemacht. Aber irgendwie war das gute Werkzeug die ganze Zeit blockiert. Denn wenn ich versucht habe, Nummer 4 den guten Rechen wegzunehmen hat er geknurrt wie ein Wolf. Denn der hatte eben einen roten Stiel …

Star-Allüren Teil 2

Ich komme heute von der Arbeit und frage Nummer 2 und Nummer 3, ob sie aufgeregt sind. Morgen ist ja der Videodreh, von dem sie schon seit Tagen immerzu reden. Sie nicken natürlich. Und freuen sich – über eine Sache ganz besonders:

„Nummer 1 ist dann morgen den ganzen Tag unsere Dienerin!“ verkündet Nummer 3 stolz.

Ich glaube, sie meinen damit eher so was wie Assistentin.

Rot ist die Kuh

Die Kinder spielen draußen, bald darauf kommen sie mit betretenen Gesichtern rein:

Mama, K2 hat wieder etwas getötet.“

Ich:„Was denn? Eine Maus?“

Die Kinder (immer noch mit pietätvoll gedämpfter Stimme):“Äh, nee … ’nen Maulwurf.“

Ich:„Och nö …“

(Ich mag nicht nur Igel lieber als Katzen, sondern auch Maulwürfe)

Dann füge ich schnell an:“Na ja, einerlei. Das ist die Natur.“

Die Kinder verschwinden wieder in den Garten, kommen zurück und erklären, sie haben dieses „Würfchen“ (so nennen wir die platt gemachten Maulwürfe immer) feierlich beerdigt. Mit Musik. Ich bedanke mich und wende mich wieder meiner Arbeit zu.

Eine Minute darauf kommt Nummer 3 wieder rein:“Äh, Mama … es tut mir ja leid, aber sie haben noch was gekillt: Ein kleines Rotkälbchen.“

(Da musste ich prompt an den Käse denken, den ich früher gern gegessen hab. Denn ein Rotkälbchen kann ja nur das Kind der Kuh „La vache qui rit“ sein…)

Eins mit allem … vor allem mit Mama

Nummer 2:„Mama, was ist der Sinn des Lebens? Das Leben an sich?“

Ich:„Ich glaube, der Dalai Lama als zertifiziert weises Wesen sagt, glücklich sein sei der Sinn des Lebens.“

Nummer 2:„Oh ha. Und wo ich das nun weiß, bin ich da erleuchtet?“

Ich (schmunzelnd):„Mitnichten, junger Padawan.“

Nummer 2:„Puh! Das ist gut!“

Ich:„Wieso?“

Nummer 2:„Na, dann würde ich nicht wiedergeboren. Und dann würde ich nie mehr mit dir zusammen sein. Das wäre furchtbar.“

Wie gesagt: Eins mit allem – vor allem mit Mama …

Mülltrennung

Meine Frau war vorgestern über Nacht bei Freunden. Als sie nachmittags nach Hause kam, hatte ich meine liebe Mühe mit den Kindern gehabt – sie haben zwar eigentlich nichts gemacht, aber genau das war das Problem. Während ich im Haushalt werkelte hatte sich den ganzen Tag über im 30-Minuten-Takt ein Mädel zu Wort gemeldet:

„Mir ist laaangweilg!“

Ich erwiderte, dass alle Eltern diese Aussage hassen, weil Ihnen niemals langweilig ist, und dass sie gefälligst spielen und Spaß haben sollen. War pädagogisch nicht sooo ausgereift und klappte irgendwie auch nicht. Eine halbe Stunde später stand dann die nächste wieder da.

Ich bemühte mich ein wenig lenkend einzugreifen und wenigstens zwei der drei Mädels miteinander spielmäßig zu verkoppeln. Aber wie es so ist an diesen Tagen:

„Ich will nicht mit Barbie spielen!“
„Und ich nicht mit Monster High!“
„Alles was Du spielen willst ist doof!“
„Selber Du …“

Dementsprechend klagte ich ein wenig mein Leid, als die Hausherrin wieder da war.

„Die Kinder sind doof heute.“

(Ich weiß, dass sehr viele Männer, wenn ihre Frauen irgendwann mal etwas für sich tun mit den Kindern irgendwelche Probleme kriegen. Dementsprechend fand ich das ein bißchen klischeehaft und peinlich, aber es musste irgendwie raus. Wobei das alle anderenvielleicht ja auch denken.)

Jedenfalls griff sie sofort beherzt ein:

„Euch ist langweilig? Ich habe auf der Einfahrt was tolles zum Spielen gesehen: Eure Katzen haben eine Ratte umgebracht. Die hat so richtig schön Maden im Gehirn, die könnt ihr jetzt erstmal wegmachen.“

Sie wollten nicht, aber ich schlug in die gleiche Kerbe und erinnerte daran, dass sie den ganzen Tag quasi nur genörgelt und wie die Zombies auf der Couch gehangen hatten. Also setzten sie sich murrend in Bewegung.

Eine Minute später hörten wir sie von der Einfahrt her kichern. Oha, dachten wir, wie immer: Sobald man sie aus der Bude jagt haben sie Spaß. Sogar, wenn sie eine Ratte aufsammeln müssen. Plötzlich hörten wir schnelle Schritte und Nummer 3 stand aufgeregt in der Tür:

„In welchen Müll kommen denn tote Ratten mit Maden im Gehirn?

Biomüll, antworteten wir.

Ein paar Gedanken zu Kindern und Karriere …

Das Thema der Woche ist ja irgendwie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als halbwegs Unbeteiligter zum Thema möchte ich auch einmal ein paar Gedanken teilen (Vollzeit-Berufstätige männlichen Geschlechts sind in der Debatte ja bis dato noch etwas leise).

Ich finde es sehr gut, dass die aktuelle politische Linie (beide Elternteile sollen am besten Vollzeit berufstätig sein, einschließlich der entsprechenden ideologischen Abwertung der Erziehungsarbeit) einmal öffentlich hinterfragt und aufgebrochen wird. Ich weiß nicht genau, ob ich es hier schon mal erwähnt habe, aber ich halte ja die Notwendigkeit der möglichst baldigen Rückkehr in den Beruf für einem der wichtigsten Gründe, warum Familien heute nur ein oder zwei Kinder bekommen. Schnell wieder zurück, und dann sofort wieder raus? Na das wird dem Chef aber nicht gefallen …

Für Frauen gibt es jedoch keine wirklich legitime Alternative, da entweder die (mindestens gefühlte oder reale) wirtschaftliche Notwendigkeit sowie Peer Pressure das Dasein als Mutter vergleichsweise unattraktiv machen.

Außerdem finde ich, dass die aktuelle gesellschaftliche Fixierung auf Karriere und materiellen Status irgendwo auch überschätzt wird. Und das sage ich als jemand, der diese Anforderungen irgendwo doch selbst ein wenig erfüllt. Wenn ich mir meine ehemaligen Schulkameraden und Kindheitsfreunde anschaue, so gibt es doch einige, die in den letzten Jahren sicherlich etwas weniger Energie in das Pushen ihrer Karriere investiert haben als ich. Dementsprechend erfülle ich das Klischee des „erfolgreichen Berufslebens“ deutlicher als diese. Aber: diese Menschen haben Hobbies und sehen ihre Freunde! Mein Leben ist mit Familie, Haus und Job sowie noch der Beziehungspflege mit meiner Frau komplett voll (eigentlich überfüllt). Sollten wir uns jetzt besser noch einen Vollzeitjob in unser Leben „quetschen“?

Wenn es aber keine zwei Vollzeitjobs gibt in einer Beziehung, dann ist es vollkommen klar, das einer der Partner beruflich zurückstecken muss. Ich finde ja auch so Modelle wie „sich zu zweit einen Vollzeitjob teilen“ sehr schön. Aber selbst das, das muss klar sein, ist eine Karriereeinschränkung – was nicht einmal diskriminierend ist. Vielmehr wäre es diskriminierend zu einer vergleichbar erfahrenen Vollzeitkraft zu sagen:

„Die Fähigkeiten und die Erfahrung, die Du Dir in XY Berufsjahren erarbeitet hast, kann man sich eigentlich auch in der Hälfte der Zeit erwerben!“

Das gilt natürlich nur für qualifizierte Knowledge Worker, aber um die geht es ja auch. Denn vornehmlich die haben ja heute die echten Aufstiegschancen, die man gemeinhin als Karriere bezeichnet …

Also, auch die Teilzeit-Managerin oder der Teilzeit-Manager werden vermutlich nicht die gleichen beruflichen Entwicklungen durchmachen wie ihr Vollzeit-Partner.

Ich glaube übrigens gar nicht, dass der durchschnittliche mittlere Angestellte in Deutschland unbedingt immer weiterkommen will auf der Karriereleiter. Manche schon – klar – aber Otto Normalverbraucher will vermutlich eigentlich nur mehr Geld. 🙂 Und hier sieht man am Ende wo aus meiner Sicht der Hase im Pfeffer liegt: Vielen Familienplänen steht vor allem die Tatsache im Weg, dass man plötzlich mit dem Gehalt von 1 bis 1,5 Arbeitsstellen auskommen muss, während die Kosten wachsen. Da kann man noch so sehr argumentieren, dass Kinder ja Privatvergnügen sind – ein Staat, der die Zahl der Kinder steigern möchte, müsste hier zugunsten von Familien viel deutlicher eingreifen.

Das sage ich jetzt weniger für uns – wir leisten uns ja ohnehin den Luxus, vier Kinder zu haben. Aber solange man als junge Eltern den zahlreichen Vergnügungen der DINK-Freunde nur mit tapferem Lächeln hinterher blicken kann, weil die Entscheidung für eine Familie wenigstens aus materieller Sicht in Deutschland immer falsch ist, so lange werden doch die familienpolitischen Ziele der Regierung eigentlich nicht erfüllt.

Am Ende geht es doch häufig um die Kohle, nicht um die Karriere.

Star-Allüren

Da wir auf der Arbeit nächste Woche für ein Videoprojekt zwei Kinder benötigen, haben die Kollegen natürlich an mich gedacht. Ich habe ja schließlich genug. Für das Konzept waren am Nummer 2 und 3 gefragt – es geht um die Darstellung einer Durchschnittsfamilie (also zwei Kinder), und der Nachwuchs soll noch ein wenig kleiner und niedlicher rüberkommen.

Die Beiden waren total begeistert, und Nummer 1 war ein bißchen verärgert, dass sie nicht mitmachen konnte. Nachdem ich sie ein wenig aufgebaut hatte, fragte sie:

„Darf ich denn wenigstens zum Dreh mitkommen?“
Darauf Nummer 2: „Ja, aber Du sitzt ganz hinten, nicht vorne bei den Promis!

Na, das mit den Star-Allüren fängt ja früh an …

Ein Wochenende als Wochenendvater

Ich habe mich letztes Wochenende als Wochenendvater betätigt. Ihr wisst schon – die, die immer nur Ausflüge mit den Kindern machen, zu allem „Ja“ sagen und so die Alltagspädagogik der Mutter komplett unterwandern. Warum ich das gemacht habe? Na ja, meine Frau war mit den beiden Großen und meiner Schwester in Paris, und irgendwer muss ja den Herd hüten. Wir können ja nicht beide gleichzeitig den „lifestyle of the rich and famous“ pflegen. 😀

(Okay, okay, sie hatte(n) das alle vier mehr als verdient, und ich reise eigentlich auch gar nicht so gerne, weil wir dann immer Wasserschäden haben)

Jedenfalls habe ich Nummer 3 versprochen, dass wir in einen Indoor-Spielplatz gehen. Eigentlich dachte ich ein Ausflug reicht für´s Wochenende, aber nix da – weil das Wetter so schön war, gingen wir erst in den Tierpark, dann in den Freizeitpark und dann in den überdachten Spielplatz. Was fällt mir als Serienvater da natürlich am meisten auf?

Ich konnte zu allem „Ja“ sagen! 

Das Leben mit nur einem Kind (Nummer 4 zählt jetzt mal nicht) ist so unglaublich billig! „Dada ich will ein Eis!“ – „Kein Problem!“ – „Ich will Karussell fahren!“ – „Na los Süße, fahr gleich zweimal!“ – „Ich will ein Happy Meal!“ – „Okay, vielleicht noch eine Apfeltasche dazu?“

Wenn ich ein Einzelkind hätte, wäre das unglaublich verzogen. So richtig übel, wie es alle Einzelkind-Eltern, auf die ich jemals verächtlich herabblickte ob ihrer mangelnden pädagogischen Konsequenz, nicht schlimmer machen könnten. Ich wäre der Albtraum aller Eltern mit größeren Familien, bei denen die Kosten für jedes erschöpfte kleine „Na gut, aber nur als Ausnahme …“ direkt durch den Faktor drei oder vier durch die Decke gehen. Hach, was wäre das schön …

Wochenendvater

Wie schön, konnte ich dann direkt beobachten, als wir wirklich im Indoor-Spielplatz angekommen waren. Als gut organisierter Wochenendvater hatte ich natürlich stets eine Wickeltasche mit Vorräten dabei, und als Nummer 4 Hunger hatte, fütterte ich ihn mit selbstgemachten Möhren-Muffins (habe ich erwähnt dass ich einer von den guten Wochenendvätern war? :D). Minuten später krabbelte er durch die Gegend, ich hinterher, und als ich wieder zurück zum Tisch kam raunte mich ein Mitarbeiter des Etablissements an.

Mitarbeiter: „Ist das ihr Tisch?“

Ich: „Ja, ich bin gerade dem Baby hinterher …“

Er: „Das Mitbringen von Speisen und Getränken ist hier leider nicht erlaubt.“

Ich: „Auch nicht für ihn?“ (Ich zeigte auf Nummer 4, den ich auf dem Arm hatte) „Soll er Pommes essen?“

Für Babys war Mitbringen dann wohl doch erlaubt, aber ich konnte leicht beobachten, wie sich mehr als ein paar Gäste über dieses Verbot ärgerten. Einige gingen sogar wieder – hätte ich mehrere Kinder 😉 könnte ich das sogar verstehen, denn nur für Eintritt und ein bißchen Junk Food war ich am Ende 25 Euro los. Das ganze mal drei … puh, so viel wären mir ein paar überdachte Hüpfburgen dann doch nicht wert.