Survive the Erbsen-und-Möhren-Dose!

Meine Freundin erzählte mir vor einigen Monaten, warum sie mit ihrer Schwester für ein Wochenende nach Berlin gereist war:

„Es war ein Punkt in meinem Leben, an dem ich entschied, dass etwas passieren muss. Ich war seit langen Jahren darauf konzentriert, Mutter zu sein und meinen Bürojob nebenher zu machen. Es war ein Mittag vor einigen Monaten und ich wollte Nudelsalat machen. Ich saß da in der Küche, den Dosenöffner in der Hand und die Augen auf die Dose mit Erbsen und Möhren gerichtet. Und ich dachte Oh mein Gott, ich habe so überhaupt keine Lust und keine Kraft und keinen Willen, die beschissene Dose jetzt aufzumachen. Ich will einfach nicht, ich kann nicht.“

Ich weiß noch, wie ich sie ansah. Und dann sagte sie:

„Ja. Und das war dann der Moment, als ich mir einen Arzttermin gemacht habe. Und wenig später – dazu brauchte ich keine Diagnose – habe ich beschlossen, mit Nina regelmäßig mal abzuhauen.“

Ich hatte diese Sätze im Ohr, als ich die Paris-Reise plante und ich hatte sie auch in Paris im Kopf, als ich ein Glas Rotwein bestellte und besonders, als ich ein gutes Essen genoss.

Das kann einem nur als Eltern passieren. Es fehlt die Kraft, die Bonduelle-Dose zu enthaupten. Erst da horcht man in sich hinein und merkt „Hey, ich spüre mich seit Jahren immer weniger.“

Und wie kann das so kommen? Vielleicht, weil man weder beim Telefonieren noch auf der Toilette seine Ruhe hat? Ich habe mich vor vielen Jahren – als Nummer 1 und 2 klein waren – auf dem Klo eingeschlossen, um ein Telefonat Zu Ende führen zu können. Während sie gegen die Tür hämmerten und traten. Und das taten sie auch, wenn ich kein Telefon mit ins Klo nahm …

Ich habe das Telefonieren mit der zeit aufgegeben und ich hasse es inzwischen. Und es ist auch nur ein Beispiel von vielen.

Ich musste über das Thema „Die Toilette und ich – ein gestörtes Verhältnis“ schon oft bitter lachen. Bis ich in der Krabbelgruppe ein Plakat sah, bei dem ich lieber ausgeflippt wäre. Es lautete:„Auch Du bist ein Mensch. Auch Du hast das Recht zur Toilette zu gehen. Denk‘ an Dich!“ Ich konnte es nicht fassen. Stelle man sich das mal an der Wand in einem Büro vor. In der Chefetage am liebsten. Oder sonst wo. Es kann wirklich nur in einer Krabbelgruppe hängen …

Aber zurück von der Toilettenthematik und den Menschenrechten zu meinem Punkt:

Liebe Mit-Mütter,

lasst Euch bitte, bitte auch immer wieder zu einem Wochenende mit Euren Ninas hinreißen! Tut Euch etwas Gutes ohne schlechtes Gewissen. Ihr arbeitet rund um die Uhr für lau – Ihr werdet bezahlt mit Liebe. Und ich liebe die Liebe. Ich bin eine große Verfechterin der Liebe. Aber diese wunderbare Kraft reicht nicht aus, um nicht irgendwann doch vor der unbezwingbaren Erbsendose zu sitzen. Irgendwann tun wir das nämlich alle.

Daher besser früher als später mal kurz abtauchen in die Welten der Kinderlosigkeit und tief durchatmen. Ich wünsche Euch allen Gute Erholung und wundervolles Krafttanken!

Advertisements

11 Gedanken zu “Survive the Erbsen-und-Möhren-Dose!

    • Irgendwann kommt der Punkt. Er kündigt sich an, aber man überhört es vielleicht. Und dann häufen sich diese Momente. Man darf nie vergessen, was man alles fast ohne Anerkennung leistet. Ja, es gibt natürlich romantischen Lohn in Form von Liebeserklärungen und supersüßen Bildern und so weiter. Aber man braucht mehr, um sich abzugrenzen und sich mal wieder zu spüren. Gleich mal überlegen, womit man sich etwas Gutes tun kann, hm! 😉

      Gefällt mir

    • 🙂 🙂 Man kann das vermutlich gar nicht oft genug sagen, weil so viele Frauen noch sehr aus der genau der Zeit und der davor geprägt sind 😉 Mich eingeschlossen – ich nehme mich da gar nicht aus. Meine Mutter hörte noch so was:“Frauenhände dürfe niemals ruh’n“ … Und irgendwie bekommt man das dann auch vermittelt …

      Gefällt mir

      • Pause darf man nur machen, wenn man dann …
        Arbeiten geht. Klingt aus der Ferne witzig, habe ich hier aber beobachtet …
        Arbeitnehmer haben doch auch ein Recht auf Pause und Erholung. Kinderzeiten rechne ich dazu 🙂 ❤

        Das ist wirklich sehr seltsam, trotz aller reflektierten Existenz.

        Gefällt mir

  1. Das passt gerade so gut! Ich habe das letzte Wochenende mit meiner „Nina“ verbracht und es tat so gut! Allerdings bin ich dabei gescheitert, die Kraft und Erholung mit in den Alltag zu nehmen.

    Gefällt mir

  2. Pffffff…. Nudelsalat mit Erbsen/Möhren aus der Dose?????? *stirnrunzelundbrillezurechtrück*
    (kleine Reminiszenz an deinen „Mummy-war-post“ 😉 ) Aber nun ohne Ironie zurück zum Thema: Vier Kinder, einen hard-working Ehemann, hier und da ein kleiner Wasserrohrbruch… Muss man erklären, weshalb du eine kurze Auszeit nötig hattest? Ich hoffe, die Erholung hält etwas an und inspiriert dich zu weiteren ‚Abenteuern‘!

    Gefällt mir

    • Liebe Käthe, tausend Dank für Deine Wünsche und das liebe Verständnis! 🙂 Das musste ich erst einmal für mich selber aufbringen, was ein interessanter Lernweg war. Hihi, wer mehr Nudelsalat mit Dosengemüse macht, hat vermutlich mehr Freizeit 😀 aber nebenbei bemerkt: *Yes, fight the Mummy War!“ 😀

      Gefällt mir

Kommentar verfassen: Schreib uns etwas dazu - wir freuen uns!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s