Auf der grünen Wiese …

… stehe ich etwas auf dem Schlauch.

Gestern morgen war ich nach langer Unterbrechung (Ferien, Wasserschaden, Erkältung, Rückenschmerzen = 12 Wochen) zum ersten Mal wieder in der Spielgruppe. Auch Krabbelgruppe genannt. Immerhin kann Nummer 4 inzwischen krabbeln.

Bisher fand ich das immer sehr niedlich, mich als alte Mama-Häsin dahin zu setzen, wo alle noch tief interessiert sind an der richtigen Windelmarke, dem perfekten Babyessen oder dem ersten Mal wieder Durchschlafen im Leben. Sie haben im Schnitt ein bis zwei Kinder. Das zweite ist dann höchstens 5 Jahre alt. Und dann sitze da ich.

Nett sind natürlich die Gesichter, wenn ich auf die Frage „Na, auch dein erstes?“ sage: „Äh nicht ganz …“

Ich finde es süß, wenn Fingerspiele gemacht werden. Ja und auch ein bisschen lustig irgendwie. Ich weiß schon, dass das sehr bilderbuchmäßig und klischeehaft ist. Aber das ist ja das Tolle!

Gestern jedoch saß da plötzlich ein sehr junger Typ. Er hatte auch einen Namen, den er sagte. Aber kein Baby. Er schien vielleicht etwas wie diese neue Version des Freiwilligen Sozialen Jahres zu machen. Er saß da, sagte nichts und guckte mit völligem, rein absolutem Gleichmut. Und wir sangen und klatschten und ich fühlte mich immer blöder.

Ja, ja ein kluger Mann (mein Arzt) sagte mal: „Ach! Krabbelgruppen! Da werden die Frauen total verblödet. Sie sollten beim kurzen Käffchen lieber über die Frauenquote statt über Pampers reden. Kein Wunder, dass der Ruf der Mütter so mies ist!“

Und eben daran dachte ich. Typ saß da und guckte. Typ war jung, gestylt und gut angezogen. Ich fragte mich, was Typ dachte. Das hätte ich besser lassen sollen. Ich stellte mir vor, ich wäre er und sähe zu, wie erwachsene Frauen gemischten Alters mit Baby auf dem Arm im Kreis laufen und dazu singen „Auf der grüne Wiese steht ein Karussell“. Ich konnte wegen des Rückens nicht mitmachen, also fuhr Nummer 4i auf dem Arm Gruppenleiterin mit. Das perfektionierte natürlich meine Außenperspektive. Dann drehte sich das Karussell. Hui! Wie fein! Und ich fühlte mich immer mehr fehl am Platze. Dieses doofe Gefühle wollte mein vorheriges Gefühl zerstören! Das Gefühl von „es ist süß und niedlich hier zu sein und das Baby spielt so toll mit seinem süßen Baby-Freund – alles ist gut“

Und irgendwie klebt das auch heute noch ein bisschen an mir. Aber ich gehe kommende Woche natürlich wieder dahin. Allein schon weil Nummer 4 beim Abschiedslied absolut enthusiastisch mitgeklatscht hat! Das war ja soooo niedlich…

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3 Gedanken zu “Auf der grünen Wiese …

  1. Manchmal dreht es laaaangsam, manchmal dreht es schnellllllllllllllll!
    Ja, geht mir auch ganz genauso. Ich will nun aber wirklich wissen, wer der Typ ist. Du wirst fragen müssen. Ich lass nicht locker. Ein Sozpäd?Ein angehender Sozpäd? Nach meiner geringfügigen Erfahrung sind Krabbelgruppen Sozialberatungsstellen mit Singsang, wo auch Hartz-Papiere und Mutterkindkur-Anträge kopiert und durchgehechelt werden von den Beratern. Seltsam. War vor vierzehn Jahren auch noch anders. Die Mütter waren auch älter. Ach nee, ich jünger! … Ich freu mich auf die Fortsetzung. Sonnige Grüße

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    • Hallo Nieselpriem, okay: Ich werde nachfragen 😀 Neugier muss befriedigt werden 😉 Ich werde berichten, wie es beim lustigen Karussell weitergeht.

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  2. Pingback: Eltern werden: 100 Dinge, die sich ändern | Essential Unfairness

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