Neue Rubrik: „Mom-Quotes“

Hier würde ich gerne mal teilen, was befreundete Mütter so alles sagen. Lakonisches, Erfahrenes, Witziges und Weises. Gespräche, Sprüche, Chats.

Ungefährer Chat-Auszug von mir und meiner Freundin Concetta, der entstand, weil sie mir mitteilte, bei dem Jüngsten ihrer drei Jungs (er ist 3) würde sie sehr gern bunte Kleidung kaufen. Früher habe sie wie ich Matschfarben für Jungs gemocht. Doch diese seien ihr nun zu unpraktisch – man fände Bunte Kinder einfach besser in Menschenmengen …

Ich: „Nummer 3 läuft dauernd weg. Ich verliere sie in der Stadt, auf der Kirmes und sie war sogar am Strand einmal 45 Minuten weg.“

Concetta: „Ja, das kenne ich! Ein Albtraum unser Jüngster ist neulich 20 Minuten lang weg gewesen. Ich war in Panik und er kam freudestrahlend um die Ecke. Die wissen gar nicht was wir durchmachen! Leiden sollen sie!“

Wir drückten unseren Spaß mit einigen Grinsesmileys aus. Dann kam von ihr:

„Oh Mann, Eltern sterben in der Zeit. Nervlich.“

Radioactive Mum is back – and her back too …

Ich habe den Vormittag an dem ich radioaktiv verstrahlt wurde, ganz gut herum bekommen. Den Kopf in diesem engen Donut des MRT zu haben, eine Metallplatte bis an die Nasenspitze gedrückt – das war weniger nett. Ich bin zwar nicht klaustrophobisch veranlagt, aber in diesem Moment wollte ich mir das noch mal überlegen.

Nach fünf Minuten wusste der etwas fahrig und gestresst aber sympathisch wirkende Arzt (Merkmale: Hektischer Redefluss, zittrige Hände, falsch herum angebrachtes Namensschild), was ich habe. Danach ging es nach Hause und dort sollten Nummer 1 und Nummer 2 ihr Brüderchen „übernehmen“. Wir hatten das bereits seit einer Woche erklärt und so waren sie theoretisch vorbereitet. Denn ich durfte den Kleinen nicht lange bei mir haben. Nicht tragen und nicht knuddeln bis zum Abend. Denn das radioaktive Zeugs musste ja erst mal zerfallen. Die beiden stritten sich daraufhin den halben Nachmittag darüber, wer etwas tun sollte und wer bereits meinte, genug getan zu haben … Sehr hilfreich.

Tragen konnte ich ihn eh nicht, denn ich hatte einen sich steigernden Rückenschmerz. Dieser wurde durch die Streitereien der beiden Großen wirklich viel angenehmer. Und eben dieser brachte mich heute zum nächsten Arzt. Ich musste im Liegen warten, so heftig war das inzwischen geworden. Mein Mann versuchte zu klären, wer hier wegen der Rückenschmerzen im Haushalt helfen könnte. Er hatte sich eingeredet, dass der Vater und Ehemann per Krankschreibung zu Hause bleiben dürfe. Das hat er getan, weil er einen unbürokratischen Gerechtigkeitssinn zu haben scheint.

Die Dame von der Krankenkasse teilte jedoch mit, das dies so nicht ginge. Er könnte zu Hause bleiben bei anteiligem Lohnausgleich. Irgendwas zwischen 70 und 80 Prozent. Oder es müsse eine Haushaltshilfe her. Aber einfach da bleiben und sich um das Baby kümmern – das ginge nicht. Man setzt anscheinend bei solchen Regelungen auf die Omas und Tanten, die wir so nicht oder nicht in der Nähe haben. Alles Andere wird schön kompliziert gemacht. Mit Anträgen, Faxgeräten und Telefonaten. Hoffen, dass Anträgen stattgegeben wird und warten und währenddessen vermutlich gesund werden…

Nun schrieb mir der Arzt auf, dass ich für 14 Tage eine unterstützende Haushaltshilfe bekomme, weil ich mich kaum rühren kann. Vier Stunden am Tag. In den anderen Stunden werde ich versuchen, keine Schmerzen zu haben…

Dazu muss ich mich dann morgen bei einer Sozialstation melden. Und eigentlich wollte und sollte mein Mann den betreffenden Antrag auch zur Krankenkasse schicken. Aber dazu kam er nicht – denn er hat heute Urlaub. Ja, er musste schließlich Urlaub nehmen, um mich zum Arzt zu bringen, wegen der langen Wartezeit Nummer 3 von der Schule in die Praxis zu holen und zu kochen. Spontaner Urlaub ist aber nicht so einfach, denn heute Abend muss er arbeiten, weil er eben keine Stelle hat, bei der man einfach mal einen Tag fehlen kann.

Ich wette, er hat seinen Urlaubstag heute sehr genossen.

Schon spannend, dass Mütter nicht krank werden sollten, oder? Dieses ganz Bohai schreckt ja ganz schön ab. Ich hoffe, diese Wirkung hat es zukünftig auch auf Viren, assymmetrisch verspannte Rückenmuskeln und (vermutlich durch Stress) wie verrückt arbeitende Schilddrüsen …

„Ich will nicht, dass Du radioaktiv wirst!“

Meine Frau bekommt heute für eine Untersuchung ein radioaktives Kontrastmittel injiziert. Das ist nicht schlimm (auch nicht wirklich schön, aber gut), doch für uns ist die Situation mal wieder etwas komplizierter als normal: Ich habe heute nachmittag nämlich ein schon lange feststehendes berufliches Meeting, das sich leider nicht mehr absagen ließ (und bei dem ich mich auch nicht komplett ausklinken konnte). Und meine Frau sollte nach der Untersuchung für den Rest des Tages Nummer 4 nicht auf den Arm nehmen, weil sie radioaktiv ist.

(Okay, die Hervorhebung war jetzt etwas dramatisierend)

Also haben wir für den Nachmittag die Kinder requiriert und ihnen erklärt, dass sie helfen und ein bißchen nach Nummer 4 sehen müssen. Das Thema schlug natürlich ein – gerade eben spazierten sie mit traurigen Gesichtern ins Schlafzimmer.

„Mama, ich will nicht dass Du radioaktiv wirst.“

Meine Frau reagierte in der einzig angemessenen Weise:

„Och, wieso … vielleicht bekomme ich dann endlich meine Superkräfte!

Prompt war das Eis gebrochen.

Nummer 3: „Dann wirst Du zu Hulk und nimmst alles auseinander!“

(Moment mal, und ich muss dabei sein?)

Nummer 2: „Hilfe, ich wurde von einer radioaktiven Mama gebissen!“

Nummer 1: „Aber aufpassen, dann bekommst Du Mamakräfte!“

Ich horchte auf. Was wohl der Unterschied zwischen Superkräften und Mamakräften ist? Nummer 2 antwortete grinsend.

„Man braucht nur auf etwas zu zeigen und es ist sofort aufgeräumt.“

Okay, jetzt einmal abgesehen davon dass viele Mütter diese Mamakräfte sicherlich sehr gerne hätten – echte Superkräfte wären irgendwie cooler. Und ein Superheldinnenname wie Clean-up Girl ist jetzt irgendwie auch ein wenig rückständig …

Vermutlich sollte sie mich beißen, damit das ganze wieder politisch korrekt wird.

Krieg der Sockenhalter

Aus beruflichen Gründen bin ich mit meinen Facebook-Likes ziemlich freigiebig: Wenn ein Unternehmen irgendwas halbwegs Interessantes macht und mir im Zuckerberg-Netz über den Weg läuft, bin ich dabei. Das hat zur Folge, dass ich natürlich auch diversen Elternseiten und Babyshopping-Clubs folge. Und das kann manchmal ziemlich interessant sein …

So lässt sich nämlich dort beobachten, dass die Social Media-Manager dieser Seiten herausgefunden haben, dass sie einige ihrer Kennzahlen durch die Ausnutzung scheinbar grundlegender Mütter-Eigenschaften leicht in die Höhe treiben können.

(Ich bitte um Verzeihung für die sexistische Vereinfachung auf die Gruppe „Mütter“, aber laut meiner Beobachtung sind da halt hauptsächlich Mütter. Natürlich führen rückständige Genderverächter wie ich in solchen Fällen immer die normative Kraft des Faktischen an, aber ich kann halt auch nicht aus meiner Haut 🙂 )

Für alle von Euch, die sich mit der professionellen Kommunikation über soziale Medien noch nicht beschäftigt haben kurz zur Erklärung (alle Vollprofis bitte weghören):

Unternehmen wollen natürlich nicht nur möglichst viele Fans beispielsweise auf Facebook haben, sondern unter denen auch noch eine möglichst hohe Aktivität. Will heißen: wenn ich Social Media-Spezi beim Babyshoppingclub „Babys sind süß“ bin, habe ich irgendwo in meinen Zielen drinstehen dass möglichst viele Leute meine Posts kommentieren, liken oder teilen sollen. Mal ganz vereinfacht gesagt.

Und wie lässt sich das am einfachsten erreichen? Indem ich die inhärenten Minderwertigkeitskomplexe von Müttern ausnutze. Denn auf eines kann man sich verlassen: Wenn irgendeine Mutter im Internet irgendeine Meinung äußert, ist eine Kollegin nicht weit, die ihr diametral widerspricht und sie (höchstwahrscheinlich auch) persönlich angreift. Warum? Weil Mutter sein ein so gesellschaftlich nicht-existenter Beruf ist, dass seine Vertreterinnen scheinbar jede Gelegenheit nutzen, um sich auf Kosten von Leidensgenossinnen aufzuwerten.

Beispiel gefällig? Nehmen wir Sockenhalter.

Wir hatten für Nummer 4 Sock-Ons, die halt die Socken am Fuß festhalten:

Irgendwann hat dann auch eine Babyseite von den Dingern gehört und sie bei Facebook gepostet. Kommentar (so in etwa):

„Was haltet Ihr davon?“

Reaktionen folgten schnell. Die ersten Mütter fanden sie noch lustig bis unnötig (dabei sind sie prima!), doch wehe, als die erste es wagte zu posten „Finde die super!“ Dann ging es los.

„Also wir haben so was früher ja auch nicht gebraucht!“

„So was können doch nur Leute gut finden, die zu faul sind ihren Babys die Socken wieder anzuziehen!“

„Wenn man sein Baby liebt macht es einem doch nichts aus die Socken jede Stunde wieder anzuziehen!“

Und so weiter. Was man in diesem Kontext nicht vergessen darf: Es ging um Sockenhalter. Ich meine, die kann man ja gerne irgendwie unnötig finden – geschenkt. Ich finde 80 Prozent aller Baby- und Kinderprodukte irgendwie eigentlich unnötig. Aber die Art und Weise, wie da wirklich moralisch und emotional attackiert wurde, war schon irgendwo erschreckend.

Sockenhalter sind natürlich nicht das einzige Thema. Autositze, aber auch Mode und Spielzeug eignen sich ebenso gut, so lange man sich nur schön darüber streiten kann. Es darf halt nur nichts sein, wo wenigstens weitgehend Konsens herrscht. Wobei, um ehrlich zu sein fallen mir nicht so viele Dinge ein, die durch dieses Kriterium herausfallen …

Eltern sind natürlich nicht die einzige Gruppe, die von diesem Kontroversen-Clickbaiting betroffen sind. Was meint Ihr, warum Onlinemedien so gerne über Veganer oder Apple-Produkte berichten? Weil auch diese Themen Garanten für fiese Nahkämpfe unter den Lesern sind. Man kann es den Unternehmen aus meiner Sicht nicht einmal wirklich vorwerfen. Genausowenig wie man Apple-Nutzern und -Hassern vorwerfen kann, das sie eben jenes sind.

Wenigstens einer beteiligten Gruppe kann man aus meiner Sicht jedoch wirklich einen Vorwurf machen: den Müttern nämlich. Sie sitzen ja (anders als Veganer und Fleischesser) theoretisch in einem Boot. Dennoch schlagen sie genauso bereitwillig aufeinander ein wie diese Antagonisten und lassen sich allzu leicht für dieses Clickbaiting ausnutzen. Im Widerstreit um moralische Überlegenheit, sogar bei Sockenhaltern. Auch wenn ich die Erklärung schon herbeipsychologisiert habe – richtig astrein finde ich dieses Verhalten nicht …

Moderner Kindergeburtstag

Meine Frau hielt mir letztens ihr Handy vor die Nase.

„Guck Dir das mal an!“ meinte sie.

Ich schaute auf das Display.

„Das ist eine Whatsapp-Gruppe,“ meinte ich. Sie rollte mit den Augen.

„Ja, eine Whatsapp-Gruppe namens ‚Lydias Kindergeburtstag‘. Ich will nicht wegen eines Kindergeburtstags in einer Whatsapp-Gruppe sein.“

Ich überlegte. „Vielleicht solltest Du aber wegen einem Kindergeburtstag in einer Whatsapp-Gruppe sein wollen, wenn Du eine gute Mutter wärst.“

„Wegen eines Kindergeburtstags,“ korrigierte sie mich kühl.

Wir grinsten. Das Problem war: Wenn man so eine Whatsapp-Gruppe verlässt, kriegen die Mitglieder so eine „XY hat die Gruppe verlassen“-Benachrichtigung. Das ist natürlich unhöflich. Andererseits kann man auch schlecht schreiben:

„Hallo zusammen, vielen Dank für die Einladung, ich möchte aber nicht in Eurer Gruppe sein. MfG XY“

Also doch einfach in der Gruppe bleiben?

„Kommt nicht in Frage,“ sagte mir der Blick meiner Frau.

Also überlegten wir gemeinsam, wie man sich da am besten aus der Affäre ziehen kann. Wie wäre es mit Ehrlichkeit?

„Danke für die Einladung! Es war schon immer mein Traum, für jeden Kindergeburtstag in eine eigene Whatsapp-Gruppe einzutreten. Leider habe ich drei schulpflichtige Kinder und jedes von ihnen ist pro Jahr auf mindestens sechs Kindergeburtstagen. Das macht pro Jahr 18 Kindergeburtstage. Wenn ich für jede davon in eine Whatsapp-Gruppe gehe, habe ich bis zum Ende der Schulzeit die 100 voll.“

Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass das nicht so gut ankommen würde. Also entschied meine Frau sich für die diplomatische Variante:

„Hallo! Das sind aber süße Bilder.“

Dann ist sie aus der Gruppe ausgetreten.

Disclaimer: No offense intended. Wir wissen, dass man Whatsapp prima für so etwas nutzen kann. Aber wenn man wie wir schon bald 30 Kindergeburtstage organisiert hat, neigt man zu Minimalismus. 😉

Cable-Babe

Neulich blätterte ich mich durch die Babyalben unserer Mädels. Ich habe einige davon. Immer eins, das bei mir bleibt und ein Exemplar, das sie mitnehmen können, wenn sie mal ausziehen. Oder wann auch immer. Das sind so vorgedruckte, nette Bücher zum Eintragen.

In Nummer 3s Buch gibt es den Abschnitt „Womit ich gerne spielte“ und da kann man in jedem Lebensmonat das jeweilige Lieblingsspielzeug eintragen.

Das sah bei ihr ungefähr so aus:

6 Monate: Kabel

7 Monate: Kabel

8 Monate: Kabel und Schmusepüppchen

9 Monate Kabel

So erzählte ich dann unserem lieben Opa von Nummer 3 als unserem früheren „Kabelbaby“. Und eben dem Babyalbum. Daraufhin lachte er und erzählte Folgendes:

„Ja, also neulich da hat sie bei mir diese große Schublade im Wohnzimmer aufgezogen. Diese mit dem Technikkram und den ganzen Kabeln drin. Da haben ihre Augen aber geleuchtet. Und sie sagte so seufzend:

Ach, ich wünschte, ich hätte auch so eine Schublade…“