Konsumtypologie für Anfänger

Gerade auf FAZ.net gesehen:

Leben im Luxuskinderland

Das Thema Kinder und Konsum hatten wir ja letztens schon mal hier. Ich muss ja sagen, gegenüber meiner Studentenzeit, als Nummer 1 und 2 noch klein waren und wir den letzten Einkauf im Monat vom Flaschenpfand bestritten haben, leben wir heute geradezu verschwenderisch. Trotzdem verstehe ich echt nicht ganz, welches Verhältnis man zu Geld haben muss, um irgendwelche Kinderklamotten für mehrere Hundert (!) Euro zu kaufen.

Na ja, vielleicht doch. Ich habe mal eine Typologie des Premium-Kinder-Konsums zusammengestellt:

a) Das Marken-Prekariat. Trägt Hollister und andere Sportmarken. Kann sich das Original eigentlich nicht leisten und weicht daher auch auf freie Interpretationen der Marken aus dem Türkei-Urlaub aus. Konsumfaktor: niedrig, weil eigentlich ja gar kein Luxus.
b) Die beiläufige Mittelklasse. Kauft Mittelklasse-Marken wie Esprit und Tom Tailor und hat fast vergessen, dass es Kleidung auch bei Aldi gibt. Rechtfertigt dies mit dem eigenen Qualitätsanspruch. Konsumfaktor: mittel, da fließt schon etwas an Geld, vor allem wenn nicht doch mal heimlich eine H&M-Hose dabei ist.
c) Nachwuchs-Snobs. Die Kinder werden schon recht ordentlich ausstaffiert mit allem was die Einkaufsmeile hergibt. Aufsteiger (von den Alteingesessenen dieser Klasse auch schon mal als Poser bezeichnet) verkaufen die teuren Stücke nachher zu unfreundlichen Preisen auf der Kleiderbörse: „Ich würde dafür schon gerne noch 80 Euro haben … Neu hat das immerhin 150 gekostet!“ Dabei vergessen sie leider, dass die wenigsten Besucher solcher Veranstaltungen da mal eben 100 Euro durchbringen wollen … Konsumfaktor: mittel-hoch. Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich.
d) Kinder-Konsum-Elite. Hat meist wenige Kinder und tendenziell einen etwas älteren Vater, der im Leben alles erreicht hat und sich kurz vor dem Ruhestand/ dem Status als Privatier noch ein Kind gönnen wollte. Auf Geld kommt es nicht so an, da kann man auch schon mal auf Gucci zurückgreifen. Konsumfaktor: hoch, man kann ja auch nicht in Sack und Asche aus dem mit einem Sansibar-Aufkleber verzierten Porsche Cayenne steigen.

Ein schlauer Mann hat mal gesagt, dass man sich nur dann durch Konsumverzicht hervortun kann, wenn man sich das Objekt des Verzichts auch leisten kann. „Ich kaufe mir keine Rolex, weil ich die patriarchaisch-kapitalistische Symbolik dieser Marke nicht unterstützen möchte“ zählt also nicht. Es ist also irgendwo auch müßig, sich über die Konsum-Elite durch Konsumverzicht zu erheben. Aber ich kann es mir nicht ganz verkneifen:

Wenn man so wenige substanzielle Bedürfnisse übrig hat, dass man sich ganz auf die obersten Stufen der Maslow-Pyramide konzentrieren kann, sollte man bitte doch sicherstellen, dass man nicht nur in Chanel, sonder auch mal in ein Schulprojekt in Afrika investiert.