Schwule Eltern, glückliche Kinder

So, ich muss jetzt mal was tun, mit dem ich mich (vermutlich) als Hardcore-Konservativer oute. Ich muss eine „schwule“ Nachrichtenseite kritisieren.

Auf „Männer“ heißt es nämlich plakativ:

LGBTI-KINDER SIND GLÜCKLICHER

„Glückliche“ Kinder sind natürlich in Eltern-Debatten immer ein ziemliches Totschlagargument. Wer würde denn heutzutage noch sagen: „Ist mir nicht so wichtig, dass meine Kinder glücklich sind, Hauptsache sie sind … (hier bitte irgendeinen anderen Wert einsetzen)“? 

Vermutlich nicht viele Eltern. Insgesamt fühlt man sich nämlich (zu recht) tierisch verantwortlich dafür, dass der Nachwuchs glücklich aufwächst. Von daher ist die Headline natürlich harter Tobak. Welche Handlungsoptionen bleiben uns Heten-Eltern dann denn noch? In unserem Fall: Wir lassen uns scheiden und gründen zwei neue, glückliche Homo-Familien. Genug Kinder haben wir ja zum Glück 😀

Im Ernst: Ihr wisst, ich bin selbst Irgendwas mit Medien, und habe schon so einiges zusammengetextet (bitte die Subhead im Link beachten), von daher weiß ich um den Wert einer schlagkräftigen Headline. Und genau wie Tyrion Lannister habe ich ein weiches Herz für die Ausgestoßenen der Gesellschaft.

Ich habe den Eindruck, dass unsere Kinder zu den wenigen an der Schule gehören, die regelmäßig darüber informiert werden dass „schwul“ kein Schimpfwort ist.  

Trotzdem frisst mich dieser Artikel an (soll er ja auch). Dabei gehöre ich gar nicht zu den Gegnern der Homo-Elternschaft – es gibt weiß Gott so viele besch…eidene Hetero-Familien, dass man die Eignung zum Elternteil sicher nicht an der sexuellen Orientierung festmachen kann. 

Warum ich mich trotzdem ärgere? Im fraglichen Artikel heißt es:

Eine gerade erschienene Studie der Universität Melbourne kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern im Durchschnitt emotional etwas gesünder sind als Kinder aus traditionellen Familien.

Ich kann mir durchaus Gründe dafür vorstellen, warum das so sein könnte. Kinder von gleichgeschlechtlichen Eltern sind logischerweise quasi immer Wunschkinder (Unfälle gibt es ja nicht), meistens sind es auch eher weniger Kinder, weil alles etwas komplizierter ist mit dem Kinderkriegen. Auch das Argument, dass … 

auf den Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern „weniger Druck herrsche, die traditionellen Geschlechterrollen zu erfüllen“

… leuchtet ja noch irgendwie ein. Trotzdem finde ich es unangemessen, das ganze in einer so irgendwie hämischen Headline zu kulminieren. Ja, ich weiß dass Ihr darunter leidet dass Rechtskonservative Euch vorwerfen dass Eure Familien unnatürlich sind und so. Aber sich mit solchen Formulierungen auch gegen die moderaten, stinknormalen Heterofamilien zu positionieren halte ich für suboptimal.

Abgesehen davon ist der einzige Punkt, der diese Aussage vage untermauert, folgender:

In der Kategorie „Familiäre Bindung“ schnitten Kinder aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen allerdings rund sechs Prozent besser ab als ihre Vergleichsgruppe.

In Wirklichkeit gibt es nämlich (wie andere Medien auch formulieren) keine signifikanten Unterschiede. Das ist doch eine gute Nachricht, warum dann dieser despektierliche Tonfall? Nicht jede „normale“ Familie ist ein Feind von LGBTI-Familien …

Ein Gedanke zu “Schwule Eltern, glückliche Kinder

  1. Pingback: Liebes Internet, ich bin schockiert. | Essential Unfairness

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