Kinder helfen im Haushalt – Teil 2

Ihr habt ja vielleicht schon mitbekommen, dass uns das Thema „Welchen Beitrag sollen Kinder im Haushalt leisten“ immer wieder mal beschäftigt. Der Hauptgrund dafür: Blockierende Kinder, die wieder mal behaupten dass nur sie und ein paar arme Kellerkinder überhaupt irgendetwas machen müssen. Und das natürlich zum Anlass nehmen, ihren Kram bei uns nur äußerst halbherzig bis gar nicht zu erledigen.

Letztens schnappte sich meine Frau eines dieser Kinder, die angeblich nie was machen müssen (eine Schulfreundin der Mädels war zu Besuch):

„Sag mal, Emma, lässt Du zuhause auch immer die Zahnbürste mit Zahnpaste verklebt im Waschbecken liegen?“

(Sie hatte direkt zuvor eine ernüchternde Begegnung mit dem Kinderwaschraum)

Emma (grinsend): „Jaaaaa …“

Meine Frau: „Und das macht dann Deine Mutter weg?“

„Jaaaa …“ (grinst weiter)

„Die wuselt Euch also den ganzen Tag hinterher und macht alles weg?“

Kopfschütteln. „Nein. Das macht sie abends. Wenn sie von der Arbeit gekommen ist.

Meine Frau (leicht geschockt): „Also sie macht das von euch allen abends sauber, was ihr den ganzen Tag rumschmeißt?“

Antwort: „Ja –“ (breites Grinsen) „die muss das wegmachen.“

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese anderen Eltern unsere experimentelle Retro-Pädagogik sabotieren …

Die große Elternlügerei

Ich war letzten Freitag im Interesse eines langen Wochenendes mal einen Tag zuhause. In diesem Kontext kümmerte ich mich auch um das Mittagessen für Nummer 4. Als ich so das Gläschen öffnete, fiel mir eine Episode aus dem Beikostkurs meiner Frau ein. Sie hatte den Kurs gemacht, eigentlich um eine Alternative dazu zu haben, jeden Tag ein Gläschen zu öffnen und Nummer 4 vorwiegend von Alete&Co verköstigen zu lassen.

Der Kurs war sicherlich eine gute Sache – sie lernte das man noch Öl zur Mahlzeit hinzugeben sollte, dass Gläschen deutlich schlechter schmecken als „echtes“ Essen und noch einiges mehr, das ich jetzt schlecht wiedergeben kann. (Ich war ja nicht dabei)

Was mir aber gerade einfiel war die Behauptung der dozierenden Hebamme, die sie mir zuerst verwundert und später verärgert wiedergegeben hatte:

„Das Selberkochen geht auch viel schneller als ein Gläschen warmzumachen, haben sie gesagt.“

Das widerspricht so ein bißchen dem eigenen logischen Empfinden, aber gut, ist ja möglich, dachten wir zuerst. Am Ende stellte sich aber heraus, dass es schlicht und einfach gelogen ist (na ja, oder so deutlich beschönt eben, dass es an eine Lüge grenzt). Selbstverständlich geht es nicht schneller, eine Möhre zu kochen, kleinzumachen, abkühlen zu lassen und zu pürieren als ein Gläschen mit bereits gekochten und pürierten Möhren zu öffnen*. Klingt einleuchtend, oder?

Natürlich hat Selberkochen zahlreiche andere Vorzüge – weniger Glasmüll, weniger Kosten, mehr Kontrolle über den Geschmack, und bestimmt noch einiges mehr. Aber höhere Geschwindigkeit gehört eben eindeutig nicht dazu. Da fragt man sich natürlich – warum wird das dann behauptet?

Ich glaube ja: Eltern sein ist ja ein bißchen wie Jedi sein. Es gibt eine dunkle Seite der Elternschaft, die aufgrund ihrer Einfachheit auf junge Eltern-Padawane eine erhebliche Anziehungskraft ausübt – und es gibt die helle Seite, vertreten von einem Jedirat aus Elternzeitschriften, Hebammen und Stillberaterinnen:

„Deinem Kind keinen Schnuller geben Du sollst …“

„Stillen Du musst.“

 

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Jüngst haben sich scheinbar zwei weitere dunkle Angewohnheiten den Argwohn des Jedirats auf sich gezogen: Fertiggläschen und Folgemilch. Also wird gefälligst selber gekocht, und wenn es schon keine Muttermilch mehr gibt (was ohnehin der direkte Weg zur Sith-Mutter ist), dann wird immerhin bitte keine 1er oder 2er-Milch gekauft. Die ist der Muttermilch nicht ähnlich genug.

Ich halte vieles davon für waschechte Jedi-Propaganda. Klar, es gibt einige Argumente für´s Kochen und/ oder Stillen – aber die moralinsaure Intensität, mit der diese Standpunkte regelmäßig vertreten werden, stößt mir dann doch ein wenig auf. 12 Monate lang hängt quasi das Schicksal der Welt davon ab, was ein kleiner Mensch zwischen die Zahnfelgen bekommt – und zehn Jahre später kann man sich dann anhören, wie Klassenkameraden (Fünftklässler!) GTA V spielen oder Was-weiß-ich-alles im Fernsehen gucken.

Vielleicht, ja vielleicht muss man ja halbwegs bemühte Eltern gar nicht immer zur nächsten Stufe der Hochmoral antreiben, sondern sie einfach mal ein bißchen machen lassen. Ja, liebe Elternzeitungen, Hebammen und Stillberaterinnen, ich sehe Euch an.

Sonst verderben wir uns noch den Spaß am Elternsein. Und wir wissen alle, dass es auch so schon oft genug ein harter Job ist. 😉

*Nicht dass wir es nicht versucht hätten. Aber Nummer 4 mochte es einfach nicht, egal welche Tricks wir aufgefahren haben. Er steht zwar auch nicht besonders auf Gläschenkost, aber immerhin kommt die etwas besser an als Selbstgekochtes.