Alles was Du hast

Kennt Ihr falsche Filmzitate? „Ich bin Dein Vater, Luke“ und so?

Eines meiner falschen Lieblingszitate ist:

„Alles was Du hast, hat irgendwie auch Dich.“

Das Original lautet:

„The things you own, they end up owning you.“ (Fight Club, 1999)

Ich kann mich aber nicht umgewöhnen und ich finde eigentlich meine Version auch sinnvoller. Da ist nämlich nix mit irgendwann, kauf Dir irgendwas und es hat Dich sofort. Zumindest sofern es einen gewissen Wert hat.

Ich sage diesen Spruch, wenn eine Röhre aus unserer Solaranlage verrutscht ist, wenn die Autos Reparaturen brauchen, wenn ich mal wieder sehe was wir eigentlich noch alles „machen müssten“. Ich habe mittlerweile eine ganze Menge Zeug, das mich hat. Bilanz dieser Woche beispielsweise?

  • Auto Nummer 1 für 1.000 Euro repariert, 400 Euro stehe noch aus.
  • Auto Nummer 2 muss noch für 800 Euro repariert werden, 700 stecken schon drin.
  • Währenddessen wuchert das Unkraut durch meinen Rindenmulch – und der Gärtner, den meine Frau mir letzte Woche andrehen wollte, kam einfach nicht.
  • Nummer 2 hat irgendwann diese Woche den Passcode ihres Handys vergessen (und wer darf rausfinden, wie man das wieder in Gang kriegt? Ratet mal.)
  • Der komische Grünstreifen neben unserem Grundstück, der nicht (!) uns gehört, ist bald mannshoch zugewuchert – daraus lerne ich: auch Sachen die ich nicht habe, haben mich.

Ich höre jetzt mal auf, ich glaube das Prinzip ist verständlich. 

Ich komme übrigens nicht zum bloggen momentan, weil ich so viel arbeiten muss, damit ich das Geld verdiene, von dem ich mir dann Sachen kaufe die … you name it. 

Wie ging noch das zweite berühmte Zitat aus Fight Club? 😉

Aliens essen

Gerade zeigte meine Frau mir einen pinken Schleimklumpen.

„Die Clothilde hat mir das heute gezeigt und gesagt das wäre Alien-Kacke,“ meinte sie.

Ich guckte für einen Moment dämlich und assoziierte dann wild.

„Kennst du Eating Aliens?
„Kenne ich was?“
„Das ist ein Buch von einem Amerikaner, der sagt, man solle invasive Spezies* essen.“
„Invasive Spezies? Was soll man denn da essen?“

Nummer 2 meldete sich aus dem Nebenzimmer zu Wort.

„Deutsche?“

Ich weiß nicht, wie sie darauf kommt. Aber gut, es ist historisch gesehen durchaus zutreffend. Guten Appetit wünsche ich dann …

*Seine Story zu dieser Erkenntnis lautet übrigens:  “I looked around and said, ‘hey I’m really good at hunting and killing stuff and writing and teaching, if I focus all this on invasive species there’s a potential here to do some real good’.“ Bestechend ehrlich, würde ich sagen.

Machiavelli auf dem Schulhof

Man hat’s auch nicht leicht in der Schule. Nummer 2 wurde heute von der „Neuen“ in der Klasse aus ihrem Zimmer auf der anstehenden Klassenfahrt rausintrigiert. Verletzenderweise wurde sie von ihrer besten Freundin Isotta ausgeschlossen und durch die extrem laute Klassenschlägerin ersetzt, und eine andere „Freundin“ sagte ihr das mit Genugtuung ins Gesicht. Isotta ist nun mal ein eher ruhiges Mädchen und hält einem zünftigen Gruppenzwang nicht stand.

Dementsprechend war Nummer 2 auch ziemlich niedergeschlagen, als ich gerade nach Hause kam. Meine Frau und ich haben unseren Machiavelli natürlich gelesen und haben sie dann nach allen Regeln der Kunst gecoacht.

Ich: „Schreib ihr (Anm.: der besten Freundin) dass Du ihr die Freundschaft kündigst.“
Nummer 2: „Man darf nicht mit Freundschaftsentzug drohen.“

(Haben wir ihr so beigebracht)

Ich: „Du darfst nicht mit so was drohen, weil Dir jemand sein Spielzeug nicht geben will (Anm.: alles schon erlebt) … aber wenn Dich jemand so verletzt, ist das legitim.“
Meine Frau: „Sag ihr, dass sie sich nach diesem Vorfall heute ja wohl nicht mehr guten Gewissens deine Freundin nennen kann.“

Nummer 2 zückt das Handy (so was löst die Generation Z ja per WhatsApp) und tippt. Wenige Minuten später bingt melodisch eine Nachricht als Antwort.

Nummer 2 (erstaunt): „Die hat jetzt total Angst mich zu verlieren!“
Wir (bösartig grinsend): „Sehr angemessen. Lass Dir Zeit mit der Antwort! Sie muss speichern, dass es eine äußerst schmerzhafte Erfahrung ist, Dich zu verraten.“

Nach ungefähr fünf Minuten ist die „Verräterin“ so weit, dass sie mit Nummer 2 auf ein eigenes Zimmer gehen will. Es ist traurig, aber manchmal ist Machiavelli besser auf dem Schulhof als in der Managerliteratur aufgehoben. 

Wow, Sie kennen die Geburtstage Ihrer Kinder?

Vor einiger Zeit war ich mal in der Sparkasse und beantragte Sparbücher für Nummer 1 bis 3. Im Zuge dieses Prozesses fragte mich die Angestellte nach den Geburtstagen der Mädels, die ich ihr daraufhin nannte. Daraufhin meinte sie:

„Sie kennen die Geburtsdaten Ihrer Kinder?“

Ich: „Äh, ja, natürlich?“

„Sie würden sich wundern, wie viele Väter dann schnell bei ihrer Frau anrufen und nachfragen müssen.“

Gedanklich fügte ich hinzu:

„Na das ist ja ziemlich einfach, hier als Super-Vater dazustehen.“

Im Business-Sprech meines Alltags nennen wir so was Low-Hanging Fruits. Nicht dass ich wirklich denken würde, dass das arkane Wissen um die Geburtstage meiner Kinder mich ernsthaft als Super-Vater qualifiziert. Aber dahinter steckt sexistisches System, könnte man sagen.

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Wenn ein Vater mal mit den Kindern auf den Spielplatz geht und nicht die ganze Zeit auf sein Smartphone schaut, qualifiziert er sich schon halbwegs als Heiliger. Wenn eine Mutter hingegen überhaupt mal aufs Smartphone blickt, ist sie direkt desinteressiert. Auch bei der Nachtruhe gilt ähnliches: Ich höre nicht selten, dass Väter meiner Generation (X) oder auch der nachfolgenden Generation Y sich aus dem zermürbenden Stakkato-Schlaf der frühen Babyphase weitgehend heraushalten. Ihre Partnerinnen haben hingegen das Gefühl, dass sie dankbar sein müssen, wenn Papa sich überhaupt mal einbringt. 

Das ließe sich ziemlich lange fortsetzen. Hausarbeit, Erziehung, Abendfreizeit – hier wird noch zu häufig in zweierlei männerfreundlichem Maß gemessen. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass ich nicht völliges Verständnis dafür hätte, dass dem väterlichen Engagement durch Vollzeit-Berufstätigkeit natürliche Grenzen gesetzt sind. Selbstverständlich mache ich nur einen Hust an Haus- und Familienarbeit im Vergleich zu meiner Frau. Ich bin ja auch dauernd weg. Aber in der Zeit, in der ich zuhause bin ist es doch selbstverständlich dass ich mit anpacke, oder? Und ja, ich zähle auch männliche Domänen wie schrauben, sägen, gärtnern in diesem Sinne zur Hausarbeit hinzu (das wird ja in den einschlägigen Statistiken gerne ignoriert). Aber so viel ich am Wochenende auch durch die Beete robben mag, es ist selbstverständlich in Summe weniger als das, was meine Frau so den lieben langen Tag im Haus tut. 

Ich verstehe auch nicht ganz, warum gerade Frauen jeden Funken männlichen Engagements so unglaublich hoch bewerten. Vermutlich weil sie die Auseinandersetzung um häusliche Gleichberechtigung verloren haben und dann jeden feiern, der überhaupt was tut? 

Ich halte mich, wie ich auch mal im Interview mit FreshDads gesagt habe, nicht für einen besonders engagierten Vater. Eben weil ich dazu einfach nicht die Zeit habe. Aber das, was ich tue, erscheint mir so selbstverständlich, dass ich mich echt wundere, wie man damit heutzutage noch einen Blumentopf gewinnen kann. So wie ich es in der Sparkasse scheinbar getan habe.

Oder tue ich der Gesellschaft damit Unrecht an und stilisiere nur ein paar plakative Beispiele hoch? Wie erlebt ihr das?

Breaking News: Kinder kosten Geld

Heute war in mehreren Leitmedien zu lesen, dass deutsche Eltern immer mehr Geld für ihre Kinder ausgeben. Durchschnittlich 584 Euro im Monat pro Kind. Allerdings einschließlich erhöhter Kosten für Wohnung, Energie und so. Interessant ist an diesen Artikeln eigentlich nur sie Tatsache, dass zwanghaft eine News daraus kreiert wird. Plötzlich ist es erstaunlich, dass Eltern mehr Geld für Kinder ausgeben, wenn sie nur ein Kind haben, die Kinder älter sind oder sie selbst wohlhabend sind.

Wow – Überraschung. Wer mehr Geld hat gibt auch mehr aus. Und teilweise eben für die Kinder. Ich glaube die 6,5 Prozent Zuwachs sind allein der direkten und schleichenden Inflation geschuldet (ohne das jetzt nachgerechnet zu haben). Aber zwei Dinge fielen mir immerhin auf:

a) das Geheule einiger (vermutlich) Kinderloser in den Kommentaren, dass man von dieser Rechnung ja noch das übermäßig hohe Kindergeld abziehen müsste (weil sie die blöden Familien ja soooo sehr subventionieren würden)
b) die Erkenntnis das man sich den Spaß erstmal leisten können muss – 1800 Euro für beispielsweise drei Kinder muss man ja auch erstmal haben

Irgendwie gehen diese beiden Punkte ziemlich weit auseinander – warum können sich denn nur wohlhabende viele Kinder leisten, wenn die Kinderlosen eigentlich doch alles bezahlen? 🙂

Na ja, insgesamt eine eher langweilige Story aus dem PR-Hirn des Statistischen Bundesamtes. So langweilig, dass ich fast nicht darüber gebloggt hätte.

Stockholm-Syndrom

Heute morgen stehe ich rotierend in der Küche und bereite Nummer 4s Taufe vor. Währenddessen schleimt mir K2 durch die Beine und ich falle fast auf die Schnauze.

(Kleine Erinnerung: K1 und 2 sind unsere Fellbälle … äh Katzen)

Ich fluche, deute einen Tritt an und gebe ihm dann doch Futter.

„Ich glaube, man entwickelt mit Katzen eine Art Stockholm-Syndrom.“
Meine Frau blickt von dem Fondant auf, mit dem sie gerade hantiert. „Häh? Baust Du eine erotische Beziehung zu dem Kater auf oder was?“
„Ich glaube eher eine neurotische Beziehung.“

Das Mama-Wörterbuch, ein alphabetischer Auszug

Bisher habe ich mich durch bildliche Beiträge (die diversen Comics) hier eingefunden. Doch auf wirklich, wirklich vielfaches Anregen (Bitten!) meines Mannes werde ich mich ab jetzt von Zeit zu Zeit auch schriftlich mitteilen.

Daher stelle ich mich ganz kurz vor:

Ich bin der andere Part der beiden Thirtysomethings, die Nummer 1 bis 4 in diese Welt eingeladen haben. Gerade verbringe ich meine Elternzeit mit Nummer 4 (zumindest bis mittags – dann rollt der Plapper-Tsunami ins Haus…). Wenn unser Filius Aureus ein Jahr alt ist, arbeite ich wieder freiberuflich als Texterin. Ursprünglich bin ich allerdings Familienpflegerin – die vielfältige Erfahrung aus meinem ersten Beruf hat mir das ein oder anderen Mal im Familienleben den Kopf und auch den gegensätzlichen Körperteil gerettet.

Nun folgt mein erster Post (bitte hier kleinen Tusch oder Ähnliches vorstellen…):

Das Mama-Lexikon, alphabetischer Auszug:

A = Altersschwäche, die – körperliche Leistungseinbuße, die bei Müttern oft im 30. Lebensjahr einsetzt

B = Bergsteigen, das – Überwinden einer Teppichkante im letzten Schwangerschaftsmonat

C = Club, der, – im Internet gern als Babyclub stattfindende Zusammenkunft, bei dem sich Mütter in Foren zu Themen wie Stillen, Schnuller, rückwärtsgerichteter Autositz, Babytragen, Beikost, Impfen und Familienbett die Hölle heiß machen können

D = Decke, die – obere Begrenzung eines Zimmers, die Müttern oftmals auf den Kopf fällt

E = Eröffnungsphase, die – meist mehrere Wochen andauernde erste Geburtsphase auch bekannt als „schmerzhafte Ruhe vor dem Sturm“, die zum Singen eigener Heldenhymnen ebenso geeignet ist wie jede andere Geburtsphase auch

F = Freizeit, die – in der Dauer variable, aufgabenfreie Zeitspanne zur Erholung und Regenerierung der eigenen Kräfte, die man mit Aufräumen verbringt

G = Gehalt, das – im Berufsfeld der Mutter nicht existierende engeltliche Gegenleistung für erbrachte Arbeit

H = Haushalt, der – Betätigungsbereich im häuslichen Umfeld, auch bekannt unter dem Namen Sisyphosarbeit

I = Igitt, Interjektion – Ausdruck der Abscheu, von Kindern gern benutzt beim Anblick jedes fleuchenden, kreuchenden und/oder vielbeinigen Lebewesens oder selbst hinterlassenen Schmutzes

J = Jargon, der – oftmals flapsige Ausdrucksweise Minderjähriger mit Wortähnlichkeiten wie „Iso“ sowie „Aso“ oder Lehnwörtern des Sprachnachrichtenschreibstils wie „LOLig“ oder „boa, voll ROFL“

K = Kommunion, die und Konfirmation, die – langsam aus der Mode kommende, religiöse Zeremonien und Initiationsriten der beiden großen Kirchen, die Kindern grundlegende Werte und großzügige Geschenke vermitteln

L = Lehrer, der oder Lehrerin, die – Person, die Kindern schulisches Wissen vermittelt und ihnen täglich zahllose, gegenzuzeichnende Blätter mit abzustrennenden Abschnitten und Zahlungsaufforderungen mit nach Hause gibt

M = Matuschek, Milosz – Freier Journalist, der phantastisch mütterfreundliche und phantastisch ehrliche Artikel schreibt

N = Nordpol, der – oftmals gewünschter Aufenthaltsort zahlreicher Personen aus dem nahen Umfeld. Bespiele sind: jene mit ungefragten Ratschlägen, ältere Damen die mit vorwurfsvollem Ton auf über die Augen gerutschten Babymützchen aufmerksam machen, naheste weibliche Verwandte des eigenen Mannes oder die Mutter, die beim Elternabend einmal mehr wundervolle Vorschläge gemeinsamer Aufgaben macht, wenn alle schon geistig wieder zuhause sind.

P = Periode, die – Name der Menstruation. Ein oftmals herbeigesehnter und oftmals abgelehnter, fortpflanzungsbedingter Ablauf des weiblichen Körpers, der früher als Fluch angesehen wurde und sich heute immer noch so anfühlt

Q = Querdenker, der oder Querdenkerin, die – die normalen Abläufe störende, im schulischen Umfeld ungeduldete Person

R = Reichtum, der – oft als materieller Wohlstand angesehen, interessanter Weise jedoch auch Bestandteil des Wortes „Kinderreichtum“

S =  Spielzeit, die – manchmal gemeinsame Zeit des Spielens mit Kindern, die man stets schleichend abbricht, um das Kinderzimmer aufzuräumen

T =  Toilette, die – Bestandteil des Badezimmers, bei dem Minderjährige den Spülungsmechanismus nicht betätigen

U = Ursache, die – Teil des Ursache-Wirkung-Prinzips, das man Minderjährigen mit Verzweiflung nahezubringen versucht

V = Vormittag, der – Tagesphase, die sich während der Babyzeit in der Länge zu verdoppeln und anschließend zu halbieren scheint

W = Wellness, die – körperliches Wohlbefinden, das man durch durch Duschen erreicht

X = Xylophon, das – ein Musikinstrument, das man wie alle anderen Geräte dieser Gattung nicht ins Haus lassen sollte. Wer solche Geräte Kindern schenkt, drückt deren Eltern Antipathie aus

Y = Yoda, Eigenname – grünes Wesen mit sympathischer Syntaxverwirrung, das phasenweise überall im Haus zu wohnen scheint

Z = Zuhause, das – Ort, der seine Bewohner zum neurotischen Irrsinn führen und der so gut tun kann wie kein anderer

 

Nummer 3 verschwindet gern

Ich hatte es ja angekündigt. Der Grund für die Merci-Schokolade war ein (erneutes) Verschwinden von Nummer 3.

Die hat nämlich leider schon seit sie sehr, sehr klein ist einen Hang zum Abhauen – ungefähr seit sie laufen kann. Das wahrscheinlich schlimmste derartige Ereignis passierte uns vor vier Jahren in Holland am Strand. Wir hatten gerade eine Strandmuschel aufgeschlagen und ich, damals noch deutlich gezeichneter von meiner gerade überwundenen Krankheit als heute, wollte mich erstmal da reinlegen, während meine Frau mit Nummer 1 und 2 zum Meer marschierte. Dummerweise sah ich von der Strandmuschel aus, dass Nummer 3 ihnen hinterherlief – während meine Frau im Glauben war, unsere Jüngste würde bei mir bleiben. Das Ergebnis: Auf halbem Weg bog Nummer 3 nach links ab und war weg.

15 Minuten später kamen die Drei aus dem Meer zurück und wir fragten uns beide entgeistert:

„Wo ist denn Nummer 3?“

Bis hierhin hätte es ja noch eine lustige Anekdote sein können. Leider blieb sie fast eine Stunde verschollen. Wir haben sogar Baywatch gerufen und den gesamten Strand mit einem Jeep abgesucht. Die niederländische Küstenwache war davon überzeugt, dass Kinder am Strand immer nur mit der Sonne im Rücken laufen – weshalb wir die ganze Zeit in der falschen Richtung gesucht haben. Als wir uns schon fragten, ob sie ins Meer gelaufen und ertrunken war, kam endlich die erlösende Durchsage: Jemand hatte sie gefunden, in der völlig falschen Richtung, rund zwei Kilometer weit entfernt.

Ich glaube nur Eltern können nachvollziehen, was in so einem Moment in einem vorgeht. Im Gegensatz zu uns steckte Nummer 3 das ganz locker weg – sie war gut gelaunt, hatte nicht geweint und war deshalb auch erst so spät als das „verschollene Kind“ aufgefallen.

Als wir sie später fragten, was sie denn da gemacht habe, meinte sie:

„Ich habe mich mit Gott unterhalten. Er hat mich gefragt: Findest Du Deine Mama wieder? Und da habe ich gesagt: Ja. Da wusste ich, dass ich keine Angst zu haben brauche.“

Damals war sie drei. Später ging sie diverse Male im Ikea, auf der Kirmes, beim Stadtbummel und auf dem Weihnachtsmarkt verloren. Wie gesagt, unsere anderen Kinder halten wir normalerweise beisammen. Aber Nummer 3 verschwindet gern.

Gestern setzte sie dem ganzen die Krone auf. Ich wollte gerade in ein Kundenmeeting gehen, als mein Telefon schellte. Meine Frau war dran:

„Nummer 3 ist nicht nach Hause gekommen. Ich bin gerade an der Schule und die wissen auch nicht wo sie ist. Aus dem Schulbus ist sie nicht ausgestiegen.“

Jetzt muss man sagen, dass Nummer 3 und der Schulbus auch so eine Sache sind. Alle paar Wochen kommt sie deutlich zu spät nach Hause, weil sie zum Beispiel noch Blumen pflückt, den Bus verpasst und drei Kilometer zu Fuß geht oder Freundinnen nach Hause bringt und ein bißchen plaudert. Gestern war sie bis dahin 40 Minuten überfällig,

Na ja, sie war wie erwähnt schon mehrmals kurz weg, also hielt ich erst einmal die Füße still und sagte meiner Frau, sie soll nach Hause fahren und mir eine SMS schicken, dann würde ich das Meeting verlassen. Allerdings ging ich noch davon aus, dass Nummer 3 doch irgendwie nach Hause gekommen ist und alles gut wäre.

(Meine Frau interpretierte das übrigens als mangelnde Anteilnahme und tritt mich jetzt gerade unter dem Tisch)

Leider war dem nicht so. Nummer 3 war immer noch weg, zusammen mit einer Freundin, die auch nicht nach Hause gekommen war. Also meldete ich mich ab und wollte mich gerade auf den Weg machen, als 1 Stunde und 45 Minuten nach dem letzten Verschwinden dann doch noch die Entwarnung kam. Was war passiert?

Nummer 3 und ihre Freundin waren mit dem Bus einfach weitergefahren, weil sie vergessen hatten zu klingeln. Sie sind dann einige Haltestellen weiter mit Schulkameraden ausgestiegen und mit einer von ihnen nach Hause gegangen. Als deren Mutter dann von der Arbeit kam, brachte diese sie netterweise zu uns (dafür auch die Monsterpackung Merci, die wir noch nicht weggefressen haben) und Nummer 3 war endlich wieder da. Bis dahin hatten meine Frau und die Mutter von Nummer 3s Freundin allerdings schon Busunternehmen und Polizei alarmiert.

Diesmal hat Nummer 3 aber hoffentlich was daraus gelernt: Meine Frau war nämlich bei der anderen kindersuchenden Familie, so dass sie allein im Haus war und Angst hatte. Daher fand meine Frau sie auch mit einer Bratpfanne bewaffnet vor (sie hat zuviel Rapunzel geguckt).

Am Ende war wieder einmal alles gut, aber ich bin mir nicht sicher wie oft unser geschundenes Nervenkostüm solche Ausflüge noch verträgt …

 

 

Wir sind ganz groß im Geschenke auffressen

Wir mussten in letzter Zeit zweimal kleine Geschenke kaufen, aus unterschiedlichen Gründen. Weil wir aktuell keine Kapazitäten für kreative Ideen haben, kaufe ich deswegen immer Schokolade. Schokolade geht ja irgendwie immer.

Jedenfalls fiel die Verabredung, für die wir das erste Schoko-Geschenk benötigten, beim ersten Anlauf ins Wasser. Abends saßen meine Frau und ich dann vor dem Beamer und guckten was. Irgendwann schauten wir uns an.

„Wir sind jetzt ja doch nicht verabredet …“

„Hm, stimmt …“

„Da könnten wir doch neue Schokolade kaufen bis nächstes Wochenende, oder?“

„Ja, das könnten wir natürlich machen …“

Wenig später hatten wir irgendwie kein Geschenk mehr. Eine Woche später düste ich abends nochmal los um Nachschub zu holen, am nächsten Tag waren wir wieder verabredet. Eisern wie ich bin kaufte ich natürlich nur das Geschenk und keinen Fresskram für uns.

Aber es kam, wie es kommen musste: Später am Abend schielten wir auf das Präsent.

„Tankstellen haben doch morgen auf, oder?“

„Eigentlich schon …“

„Also dann könnten wir ja …“

Ihr müsst verstehen, wir sind dauernd übermüdet und unterspaßt momentan. Wir wollen zwar nicht, aber zu oft fällt uns Abends dann doch auf, dass wir ja nicht viel zu lachen haben und dass ein paar Chips oder so was ja doch gerade recht käme. Oder eben Schokolade. Nur kaufen wir nie was, damit wir es nicht essen.

Ein Abend, an dem wir so etwas quasi genau vor der Nase haben ist daher eine Herausforderung für unsere Selbstdisziplin. Und wie es halt so ist wenn man sonst nicht viel zu lachen hat (All work an no play makes Jack a dull boy …) ist es mit der Disziplin weniger weit her als sonst.

Wie es endete? Wir haben uns durch sozialen Druck im Zaum gehalten – ein Geschenk von der Tankstelle kam nicht in Frage.

Aber gestern habe ich wieder ein Präsent gekauft, Schokolade, so eine Monster-Merci-Tafel mit 800 Gramm. Weil Nummer 3 verschollen war (bei Gelegenheit mehr dazu) und die Mutter einer Schulkameradin sie gefunden hatte. Leider vergaß Nummer 3 das Geschenk mitzunehmen. So dass es jetzt abends zuhause liegt. Und was passiert? Ich kriegte eine Nachricht von meiner Frau.

„Wann kommst du nach Hause?“

„Ich warte schnell noch auf die IT und mache mich dann auf den Weg …“

„Du musst schnell kommen.“

„Wieso? Notfall?“

„Du musst mich davon abhalten die Riesenschachtel Merci anzufressen!“

Wir müssen morgen sowieso einkaufen. Das Schickal der Monsterpackung Merci ist ungewiss …

Dinosaurier im Wohnzimmer

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Der Kosmos-Verlag hat uns freundlicherweise ein Exemplar von iT-Rex zur Verfügung gestellt. Die Mädels waren ganz gespannt, als ich ihnen das erzählt habe – und so war auch die Freude groß, als das Buch am Wochenende ankam.

Wobei ich sagen muss, dass das Buch eigentlich nicht der Star war, sondern die dazugehörige App. iT-Rex erweitert das gute, alte Dinsosaurierbuch um Augmented Reality – mit der App kann man sich ansehen, wie Dinosaurier durchs Wohnzimmer laufen. Ich war um ehrlich zu sein davon ausgegangen, dass das nur eine nette Spielerei ist, denn was ich in der Vergangenheit an „erweiterter Realität“ so gesehen hatte war eben bestenfalls genau das gewesen.

In Wirklichkeit allerdings kam es so gut an, dass das Buch direkt den ganzen Nachmittag im Einsatz war. Einige Eindrücke davon:

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An unserem ersten Testnachmittag passierte in etwa folgendes:

Ich bringe gerade meine zweite Mencave (den Schuppen) auf Vordermann, als Nummer 2 angelaufen kommt und ein Paket ankündigt. Ich sage, sie sollen es ruhig aufmachen, ich komme dann gleich mal gucken. Plötzlich wird es verdächtig still, dann ist ein Kreischen zu hören:

„Die Kiste ist aufgegangen!“

„Er steht da auf dem Tisch! Wow, den kann man ja steuern!“

Kurz gesagt, meine gesamte Familie (inklusive meiner Frau) jagte den gesamten Nachmittag Dinosaurier durchs Wohnzimmer. Das Buch kam extrem gut an und rief auch im Freundeskreis Begeisterung hervor. Allerdings denke ich, dass die App vor allem mit Tablets Spaß macht – wir haben sie mit einem iPad getestet, wo sie einerseits problemlos lief, aber auch genug Bildschirmfläche hatte, um die Dinosaurier gut sehen zu können. Ich hatte als Kind ein „Was ist Was – Dinosaurier“-Buch, das ich ungefähr eine Million Mal gelesen habe. Wenn ich mir vorstelle ich hätte die Viecher sehen und steuern können – wow.

Allerdings ist das Buch in diesem Fall bis jetzt natürlich nur ein netter Nebeneffekt …