Das Mama-Wörterbuch, ein alphabetischer Auszug

Bisher habe ich mich durch bildliche Beiträge (die diversen Comics) hier eingefunden. Doch auf wirklich, wirklich vielfaches Anregen (Bitten!) meines Mannes werde ich mich ab jetzt von Zeit zu Zeit auch schriftlich mitteilen.

Daher stelle ich mich ganz kurz vor:

Ich bin der andere Part der beiden Thirtysomethings, die Nummer 1 bis 4 in diese Welt eingeladen haben. Gerade verbringe ich meine Elternzeit mit Nummer 4 (zumindest bis mittags – dann rollt der Plapper-Tsunami ins Haus…). Wenn unser Filius Aureus ein Jahr alt ist, arbeite ich wieder freiberuflich als Texterin. Ursprünglich bin ich allerdings Familienpflegerin – die vielfältige Erfahrung aus meinem ersten Beruf hat mir das ein oder anderen Mal im Familienleben den Kopf und auch den gegensätzlichen Körperteil gerettet.

Nun folgt mein erster Post (bitte hier kleinen Tusch oder Ähnliches vorstellen…):

Das Mama-Lexikon, alphabetischer Auszug:

A = Altersschwäche, die – körperliche Leistungseinbuße, die bei Müttern oft im 30. Lebensjahr einsetzt

B = Bergsteigen, das – Überwinden einer Teppichkante im letzten Schwangerschaftsmonat

C = Club, der, – im Internet gern als Babyclub stattfindende Zusammenkunft, bei dem sich Mütter in Foren zu Themen wie Stillen, Schnuller, rückwärtsgerichteter Autositz, Babytragen, Beikost, Impfen und Familienbett die Hölle heiß machen können

D = Decke, die – obere Begrenzung eines Zimmers, die Müttern oftmals auf den Kopf fällt

E = Eröffnungsphase, die – meist mehrere Wochen andauernde erste Geburtsphase auch bekannt als „schmerzhafte Ruhe vor dem Sturm“, die zum Singen eigener Heldenhymnen ebenso geeignet ist wie jede andere Geburtsphase auch

F = Freizeit, die – in der Dauer variable, aufgabenfreie Zeitspanne zur Erholung und Regenerierung der eigenen Kräfte, die man mit Aufräumen verbringt

G = Gehalt, das – im Berufsfeld der Mutter nicht existierende engeltliche Gegenleistung für erbrachte Arbeit

H = Haushalt, der – Betätigungsbereich im häuslichen Umfeld, auch bekannt unter dem Namen Sisyphosarbeit

I = Igitt, Interjektion – Ausdruck der Abscheu, von Kindern gern benutzt beim Anblick jedes fleuchenden, kreuchenden und/oder vielbeinigen Lebewesens oder selbst hinterlassenen Schmutzes

J = Jargon, der – oftmals flapsige Ausdrucksweise Minderjähriger mit Wortähnlichkeiten wie „Iso“ sowie „Aso“ oder Lehnwörtern des Sprachnachrichtenschreibstils wie „LOLig“ oder „boa, voll ROFL“

K = Kommunion, die und Konfirmation, die – langsam aus der Mode kommende, religiöse Zeremonien und Initiationsriten der beiden großen Kirchen, die Kindern grundlegende Werte und großzügige Geschenke vermitteln

L = Lehrer, der oder Lehrerin, die – Person, die Kindern schulisches Wissen vermittelt und ihnen täglich zahllose, gegenzuzeichnende Blätter mit abzustrennenden Abschnitten und Zahlungsaufforderungen mit nach Hause gibt

M = Matuschek, Milosz – Freier Journalist, der phantastisch mütterfreundliche und phantastisch ehrliche Artikel schreibt

N = Nordpol, der – oftmals gewünschter Aufenthaltsort zahlreicher Personen aus dem nahen Umfeld. Bespiele sind: jene mit ungefragten Ratschlägen, ältere Damen die mit vorwurfsvollem Ton auf über die Augen gerutschten Babymützchen aufmerksam machen, naheste weibliche Verwandte des eigenen Mannes oder die Mutter, die beim Elternabend einmal mehr wundervolle Vorschläge gemeinsamer Aufgaben macht, wenn alle schon geistig wieder zuhause sind.

P = Periode, die – Name der Menstruation. Ein oftmals herbeigesehnter und oftmals abgelehnter, fortpflanzungsbedingter Ablauf des weiblichen Körpers, der früher als Fluch angesehen wurde und sich heute immer noch so anfühlt

Q = Querdenker, der oder Querdenkerin, die – die normalen Abläufe störende, im schulischen Umfeld ungeduldete Person

R = Reichtum, der – oft als materieller Wohlstand angesehen, interessanter Weise jedoch auch Bestandteil des Wortes „Kinderreichtum“

S =  Spielzeit, die – manchmal gemeinsame Zeit des Spielens mit Kindern, die man stets schleichend abbricht, um das Kinderzimmer aufzuräumen

T =  Toilette, die – Bestandteil des Badezimmers, bei dem Minderjährige den Spülungsmechanismus nicht betätigen

U = Ursache, die – Teil des Ursache-Wirkung-Prinzips, das man Minderjährigen mit Verzweiflung nahezubringen versucht

V = Vormittag, der – Tagesphase, die sich während der Babyzeit in der Länge zu verdoppeln und anschließend zu halbieren scheint

W = Wellness, die – körperliches Wohlbefinden, das man durch durch Duschen erreicht

X = Xylophon, das – ein Musikinstrument, das man wie alle anderen Geräte dieser Gattung nicht ins Haus lassen sollte. Wer solche Geräte Kindern schenkt, drückt deren Eltern Antipathie aus

Y = Yoda, Eigenname – grünes Wesen mit sympathischer Syntaxverwirrung, das phasenweise überall im Haus zu wohnen scheint

Z = Zuhause, das – Ort, der seine Bewohner zum neurotischen Irrsinn führen und der so gut tun kann wie kein anderer

 

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3 Gedanken zu “Das Mama-Wörterbuch, ein alphabetischer Auszug

  1. Herzlich Willkommen!!!
    Wie schön auch was von der anderen „Hälfte“ zu lesen.
    Interessante Aspekte im Alphabet-einige bekannte-viele mit erfürchtigem Blick und ngstlicher Erwartung 😄

    Gefällt mir

  2. Pingback: Vollzeit-Vater entschuldigt sich bei allen Müttern | Essential Unfairness

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