Überraschungsfrühstück

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Vor drei Tagen guckten wir zusammen eine US-Serie, wo es so ein Pancake-Rührei-Bacon-Waffelfrühstück mit Ahornsirup gab. Ich hatte gerade Hunger und meinte:

„Ob die in Amerika echt all dieses Zeug zum Frühstück essen? Ich würde das gern mal probieren …“

Eine Facebook-Nachricht nach Texas und einen Einkauf später hatte ich das hier vor mir stehen. Danke! 🙂

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Idee und Wirklichkeit

Der heutige Samstag ging mal wieder komplett für Verpflichtungen drauf: Ich musste den Garten auf Vordermann bringen (sprich: mich mit der Machete durch den seit vier Wochen nicht gemähten Rasen schlagen), meine Frau das Haus, das unter der Woche auch ein wenig zu kurz gekommen war. Danach schnappte ich mir die Kinder und fuhr in den Real, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Zuhause war in dieser Zeit liegengebliebene Bügelwäsche angesagt.

Als ich gegen 17.30 Uhr nach Hause kam, empfing meine Frau die Mädels mit einem überraschend kalten Blick.

„Ich war in Eurer Etage,“ zischte sie.

Die Kinder, insbesondere Nummer 1, schrumpften sofort um 15 Zentimeter. Wir jagten sie nach oben, und während meine Frau Nummer 4 fütterte, packte ich die Einkäufe aus. Dabei machten wir unserem Ärger ein wenig Luft. Nach ein paar Minuten meinte meine Frau:

„Die Idee, Samstags ins Centro zu fahren und mir einen Hut zu kaufen hat mir irgendwie besser gefallen als das, was ich heute wirklich hatte.“

Ich hob ein paar Packungen Käse auf, die mir ob ihrer der Schwerkraft trotzenden Stapelweise entgegen gekommen waren, als ich den Kühlschrank öffnete.

„Die Idee von meinem Samstag gefällt mir irgendwie immer besser als der wirkliche Samstag.“

Genderfreies Hordenchaos

Zuerst fand ich es als Erstlings-Jungs-Mama witzig, in diesem Artikel vielleicht zu erfahren, was wirklich auf mich zukommt. Einen Haufen Klischees kannte ich schon, aber hier vermutete ich echte Erfahrungen.

Ich atmete durch und las Punkt für Punkt. Und während ich las, spürte ich wie ich nickte.

„Moment, das kenne ich doch alles!“

Zumindest die ersten 8 Punkte kann ich alle unterschreiben. Zum Beispiel Punkt 3 (Der Toilettenkampf): Klopapier ist bei uns auch überall. Es ist wie bei einem Halloweenstreich. Und sie nutzen das Klopapier auch um es zu nassen Kugeln zu formen und sich auf kleine Wehwehchen zu drücken. Dann lassen sie es liegen, es trocknet und saugt sich am Untergrund fest. Klodeckel kann man rauf – aber niemals runterklappen. Man kann die Spülung betätigen oder es zu Gunsten interessanterer Betätigungen einfach lassen. Als Überraschung für den Toiletten-Nachfolger.

Ich kenne auch den Schmutz, die Liter an Duschgel (1 Flasche pro Kind pro Bad), das Chaos überall, die Belehrungsresistenz, die vielen durchgerutschten, zerfetzten Jeans. Unsere Mädels sind etwas vorsichtiger und springen nicht mit einem Schirm als Fallschirm vom Dach. Aber ansonsten unterschreibe ich jeden Punkt.

Unter dem Bett einer Tochter(Unter dem Bett einer Tochter…)

Bei Punkt 9 (Ständige Nacktheit) dachte ich schmunzelnd zuerst an die Kelten, die gern mit Gips als Gel in den aufgetürmten Haaren und vollständig nackt in den Kampf zogen. Nacktheit als Ausdruck maskulinem Selbstbewusstseins und Dominanzgebarens. Klang interessant. Dann dachte ich nach. Okay, meine Mädels sind nicht dauernd nackt. Sie sind oft in Unterwäsche und noch lieber ständig im Nachthemd. Das dafür aber gerne bis es wieder ins Bett geht. Und sie ziehen sich dauernd um. Sie spielen Prinzessin Glitzi-Dingsda und wupps ist der rosa Tüllrock aus dem Schrank und das lila Tüchlein dran. Beides landet in der Ecke wenn sie wupps Schule spielen und als Lehrerin eine Hose und eine Bluse tragen wollen. Das wiederum landet dann wupps

Punkt 10 (Der Pimmelgriff): Okay, da fehlt unseren Mädels das Objekt. Aber es hält manche nicht davon ab, sich allabendlich beim Fernsehen in aller Ruhe zu erkunden. Obwohl sie sich bereits bestens kennen müssten.

Jungsmütter sagen gern zu mir etwas wie das Folgende:

„Ach, du hast es gut mit deinen Mädchen. Die sind immer sauber, spielen so lieb Teetrinken mit den Püppchen. Sie furzen nicht laut, sie rülpsen nicht, sie prügeln sich nicht, sie helfen im Haushalt. Sie lieben ihre ordentlichen und schönen Zimmer. Sie kämmen ihre Puppen und haben so kleine Schränkchen in die sie die Puppenkleidchen hängen. Das ist alles sooo süß! Hast du eine Ahnung, wie das mit meinen Jungs ist? Ein Albtraum. Wenn du wüsstest, wie viel ich wasche und ihnen hinterher räume und wie oft ich sie vom Prügeln abhalten muss. Oh, wie oft ich das Selbe predige, das ist so grausam! Mädchen sind da ja ganz anders! Sie sind so aufmerksam und hilfsbereit. Ich würde manchmal echt gern mit dir tauschen. Wenigstens für eine Woche…“

Aber gerne doch. Die Erkenntnis am Ende wäre aber eine andere als zuerst angenommen wurde…

Ich habe immer darauf geachtet, unsere Mädels so weit wie möglich von behindernden („Ich kann mich nicht wehren, weil ich ein Mädchen bin…“) und simplifizierenden (*klimperwimper*…“Räume mir doch ein paar Hindernisse aus dem Weg…“) Gender-Klischees fern zu halten. Heraus kam eine faszinierende Mischung aus sich mit Fäusten und akzentuiert verletzenden Worten wehrenden, ihr Mädchensein liebenden, Frisuren ausprobierenden, Bagger und Motorräder präferierenden, Prinzessinnen anbetenden Mädels, die erst Schwertkampf üben und danach ihre Püppchen bürsten. Sie sind aufmerksam („Mama, kann es sein, dass du einen Kaffee brauchst?) und ignorant („Echt? Das hast du schon tausend Mal gesagt Wann denn? Gestern als du so ‚rumgemeckert hast? Da war ich zu genervt zum Zuhören“).

Ich bin absolut zufrieden.

Ich glaube, es ist eher so, dass man bei vielen Kindern einfach einer Art Horde gegenübersteht. Geschlechterverteilung ist vollkommen egal. Da liegt einfach mehr Klopapier, weil man bei einer Rüge immer etwas erlebt, das ich den Childican Standoff nenne: Sie stehen in alter Western-Manier im Kreis und zielen mit den Zeigefinger gegenseitig aufeinander. „Ich war’s nicht!“

Man spricht im Plural über sie, denkt im Plural über sie und sie verstecken sich im Plural. Das sorgt für Chaos. Das Hordenchaos nämlich. Und dies ist eine Folge der urtypischen Hordendynamik.

Abschließende Gedanken zur Gender-Thematik:

Vielleicht kann man Mädchen in eine angepasste, ruhige und elegante Rolle hinein prägen. Und vielleicht ist das „Das sind halt Jungs“-Argument, das unsere Mädels in der Schule immer hörten, wenn eine Junge sie verhauen oder seinen Penis herumgezeigt hat, nicht hilfreich um die erwünschte Sozialkompatibilität bei Jungs zu erreichen. So nach dem Motto „Die sind halt so, da kann ich leider nichts machen…“ Bei Mädchen hört man so etwas ja nie als Entschuldigung, wenn sie aus Gründen der Macht und Dominanz Andere ausgrenzen und systematisch verletzen. Vielleicht gehen sie subtiler vor, weil das laaange Patriarchat ihnen keine anderen Möglichkeiten ließ und das große Geschlechterkarma in uns allen steckt. Vielleicht ist das auch einfach typisch Mädchen. Wir wissen im Grunde gar nicht, was typisch ist. Eine Type ist ein Buchstabe in einer Schreibmaschine. Das weiß ich. Aber nach Jahrtausenden mit partiell wechselnden und im Grunde gleichbleibenden Rollenbildern – wer kann da noch sagen, was wirklich typisch männlich oder typisch weiblich ist? Jeden Buchstaben „A“ und jedes „Z“ gleich aussehen zu lassen wie eine Schreibmaschine es tut- das ist es jedenfalls nicht.

Vielleicht sind gar nicht alle Jungs lauter, fauler und ignoranter. Ganz sicher ist: Horden sind es…

Vollzeit-Vater entschuldigt sich bei allen Müttern

Heute machte die Entschuldigung eines Vollzeit-Vaters die Runde, der sich das alles ein wenig einfacher vorgestellt hatte. Ich bin ja jetzt zum Thema Vollzeit-Vater ein Unbeteiligter – aber das der Job als Primär-Elternteil für drei Kinder nicht gerade ein Urlaub ist, war mir jetzt schon klar.

Mein Cousin, der Soldat ist und in Afghanistan war, sagt zu diesem Thema:

„Ehe ich den Laden hier schmeiße, gehe ich lieber wieder dahin zurück.“

(Sie haben vier Kinder – drei unter drei und eins über zehn)

Neben der Tatsache, dass der gute Herr also vermutlich hemmungslos naiv war (Kommentar meiner Frau: „Oder ein blöder Macho!“), illustriert er sich auch noch als pädagogischer Totalausfall:

09.00 Uhr: Ich bekomme eine Bestellung von der Dreijährigen (sie denken, ich wäre Kellner in ihrem Lieblingsrestaurant „Daddys Café“), sie will Hähnchen-Nuggets und Saft. Als ich ihr sage, dass es noch zu früh für Hähnchen ist, bekommt sie unverzüglich einen fünfminütigen Wutanfall bis … Trommelwirbel bitte: sie Hähnchen-Nuggets und Saft bekommt. Sie gibt mir kein Trinkgeld.

Ist ja ganz lustig formuliert und so, und ich lese auch eine gewisse Ironie aus diesem Text – aber wenn unsere Kinder (auch als Dreijährige) wegen so was einen fünfminutigen Wutanfall bekommen hätten, hätten sie garantiert etwas anderes bekommen als Hähnchen-Nuggets und Saft. Zum Beispiel eine Lektion in sozialverträglichem Verhalten.

Komischerweise haben sie solche Anfälle nie bekommen …

Ich möchte daher nochmal kurz jemanden zitieren, der sich damit auskennt (meine Frau):

„Ich drücke jedem mein Beileid aus, der alles tut, was seine Kinder wollen. Wenn er davon drei hat oder mehr – dann erst Recht. Wer nicht früh ‚Nein‘ sagen kann, der wird lange Jahre zähneknirschend ‚Ja‘ sagen.“

„Dafür kriegst Du die schwarze Karte!“

(Aus dem Archiv – 2009)

Während unseres Sommerurlaubs auf dem Bauernhof freundeten die Mädels sich mit zwei Kindern an, die zusammen mit ihren Großeltern da waren. An einem Tag kam es zu einem Fußballspiel, bei dem Nummer 3 nicht mitmachen wollte. Sie übernahm stattdessen die Rolle der Schiedsrichterin.

Mit von der Partie war aber der Großvater (Herr Lemp) der anderen Familie und ich. Im Laufe des Spiel lieferte er einen fehlgeleiteten Schuss ab – der an allen anderen Spielern vorbeiging und genau Nummer 3 traf.

Sie weinte, aber wie ihr ja wisst war sie schon immer hart im Nehmen. Opa Lemp eilte herbei um sich zu entschuldigen:

„Das tut mir leid, das habe ich nicht gewollt … Wie geht es Dir denn?“

Nummer 3 rappelte sich auf. Sie hatte noch ein paar Tränen im Gesicht, blickte ihn aber entschlossen an. (Er war übrigens total besorgt 🙂 )

„Mir geht es gut – aber dafür bekommst Du die schwarze Karte!“

Herr Lemp nickte einsichtig. „Hm, die habe ich wohl verdient. Aber was bedeutet die schwarze Karte eigentlich?“

Nummer 3 stemmte die Hände in die Hüften:

„Das heißt, Du darfst nie wieder Fußball spielen. In Deinem ganzen Leben.“

Da wurde mir klar, das Nummer 3 nach folgender Devise lebt: Hart zu sich selbst, brutal gegen andere.

Ich habe Herrn Lemp übrigens nie wieder Fußball spielen sehen.

Fear the mighty T2!

Nummer 3 geriet nach der Namensgebung Krankilos in absolut Begeisterung und wollte immer mehr über Bakterien wissen. Sie klang wie Mister Spock, weil sie während meiner Ausführungen immer wieder tiefsinnig nickend „Faszinierend“ sagte.

Nach rund 30 Minuten Löcherung meiner Person und Infos über Eukaryoten, Prokaryoten, deren Flagellen und Membranbeschaffenheit und weiterem winzigen Zeugs kam ich dann zum T2 Macrophagen. Ein Typ, dessen Beschreibung mir auch noch aus dem Bio-Unterricht im Kopf geblieben ist. Ein Geselle, der pfiffig seine eigene DNS in andere Zellen injiziert, damit diese statt sich selbst fortan fleißig ihn reproduzieren bis sie platzen und seine „Nachkommen“ freigeben.

Nummer 3s Augen waren auf Orangengröße angewachsen. Ich musste die App Paper hinzuziehen und den T2 zeichnen. Sie war begeistert: Ein winziger Kopf vollgestopft mit der injektionsbereiten DNS, ein Piekser und spinnenartige Beinchen. Bald riss Nummer 3 mir das iPad aus der Hand und verkündete, es sei nun an der Zeit, dass ich sehe, wie Krankilo eigentlich aussieht.

Krankilo, das Bakterium, das wirklich nur die bösen Menschen krank macht.  Es fürchtet sich nun fürchterlich vor dem T2 Vielfresser. Ich bereue nun, vom Macrophagen erzählt zu haben…

Krankilo