Wenn das „Eltern“ sind, sind wir noch viel zu gut drauf

Foto

Gestern abend habe ich mir zusammen mit meiner Frau den vielgehypten Film „Eltern“ von Robert Thalheim reingezogen. Wir waren eigentlich so semi-interessiert, da wir nicht gerne deutsche Filme gucken, aber die doch zahlreichen positiven Kritiken haben uns dann am Ende doch überzeugt. (Wobei, den Ausschlag gegeben hat vermutlich die Tatsache, dass Kirondo meiner Frau den Film geschenkt hat …)

Mein Fazit: Wenn das „der gelungenste Film übers Elternsein“ ist, dann sind wir hier offensichtlich noch viel zu gut drauf. 

Was ich gut fand: Die getauschten Rollen der Eltern. Im ersten Moment dachten wir uns noch „lahm – warum nehmen die da so einen seltenen Sonderfall“ – aber das macht in der Wirkung auf den Zuschauer durchaus Sinn. So fiel auf, dass die Mutter (Ärztin und Hauptverdienerin) sich zu Beginn des Films ziemlich machomäßig verhielt, während der Mann mit dem schlechtbezahlteren und „unwichtigeren“ Job in Auseinandersetzungen einige Argumente vorbrachte, die sonst meist den Damen vorbehalten sind. Durch die ungewohnte Rollenkonstellation ist man als Zuschauer praktisch dazu gezwungen, auch mal die ungewohnte Perspektive des Partners einzunehmen. Gelungen!

Auch die durchaus lebensechte Darstellung der fiesen kleinen Details des Elternseins machte sich ganz gut. Das Leben ist halt kein Ponyschlecken, da muss schon mal improvisiert werden, und gerade wenn beide Elternteile außer Haus arbeiten kann es auch schon mal ziemlich drunter und drüber gehen. Klar, am Ende war es vielleicht ein bißchen zuuu dick aufgetragen – das muss schon ein extrem fragiles Familiensystem sein, dass innerhalb von drei Tagen so komplett in sich zusammenfällt.

Weniger gut gefallen haben uns hingegen die Rollen der Kinder. Die beiden Mädels hatten wohl den Auftrag, auf subtile Art Werbung für Verhütungsmittel zu machen. Die Jüngere kann mit fünf Jahren noch nicht allein auf Toilette gehen (wow – gibt es das wirklich?), ihre depressive große Schwester gefällt sich in der Rolle der elternverachtenden Rächerin kindlicher Unschuld. Und die Eltern lassen brav und pflichtschuldig alles mit sich machen – das ist vielleicht realistisch, nimmt uns allerdings jegliche echte Identifikationsmöglichkeiten.

Der Kracher hingegen ist der dramaturgische Abschluss sowie der vollkommen unreflektierte Umgang mit dem Thema Abtreibung.

(SPOILER!!!)

Das Au-Pair-Mädchen, das den Laden eigentlich am Laufen halten soll, als der Vater aus der Elternzeit wieder in den Beruf startet, ist leider verstört, viel zu jung, schwanger und hinfällig. Neben all den Querelen, die eigenen Kinder loszuwerden, setzen sich die Eltern zusammen mit ihr auch mit der möglichen Abtreibung auseinander. Während der Vater ihr Unterstützung verspricht, redet die Mutter ihr das mehr oder weniger wieder aus („Auf den kann man sich doch nicht verlassen“ – und Du siehst ja was ich jetzt davon habe). Außerdem weist sie ihren an der Einsatzfähigkeit des Au-Pairs zweifelnden Mann ganz locker darauf hin, dass das Mädchen ja nach der Abtreibung in drei Tagen wieder brauchbar ist. Auf dem Höhepunkt des Films fahren dann die fünf und zehn Jahre alten Schwester mit dem Au-Pair zur Abtreibungsklinik und beerdigen am Ende das Ultraschallbild genauso wie zuvor den Familienhamster Specki. Die völlig überforderten Eltern hatten den Termin nämlich vergessen.

Ich suchte mir den roten Faden zum Thema Abtreibung jedenfalls am Ende so zusammen:

  • Au-Pair-Mädchen ist verzweifelt und weiß nicht was es tun soll
  • Vater bietet ihr Unterstützung an und ermutigt sie
  • Mutter rät ihr davon ab
  • Gleichzeitig bricht die Gastfamilie quasi auseinander, Au-Pair-Mädchen denkt sich also: „Selbst wenn ich das hinbekomme, kriege ich am Ende das hier
  • Also fährt sie mit den Kindern in die Klinik und dann … Hamsterbegräbnis und so.

Klar, das Leben in einer Familie kann schon mal ein ziemliches Chaos sein, und man hat jedes Recht, auch mal angekotzt und frustriert zu sein. Trotzdem erfüllt der Film den mit dem Titel erhobenen Anspruch, das Leben als „Eltern“ abzubilden, nicht. Auch das Etikett „Komödie“ ist ziemlich deplatziert – wenn das eine Komödie über Eltern ist, dann möchte ich aber keine Tragödie sehen …

Heute morgen fragte uns Nummer 2, ob wir den Film gestern noch geguckt hätten. Wir bejahten und umschrieben kurz die Handlung. Darauf meinte sie:

„Das klingt so, als ob die Eltern sich zu den Sklaven der Kinder machen. Dann brauchen sie sich auch nicht zu wundern, wenn sie so behandelt werden. Ich finde, der Film sollte lieber Idioten heißen.“

Das ist jetzt vielleicht ein wenig hart – aber Nummer 2 kann nicht gut auf das Thema Abtreibung …

 

Advertisements

3 Gedanken zu “Wenn das „Eltern“ sind, sind wir noch viel zu gut drauf

Kommentar verfassen: Schreib uns etwas dazu - wir freuen uns!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s