Meine Vergangenheit als Schauspieler

Früher, als ich noch juuung war, habe ich eine Weile ein kleines Zubrot am örtlichen Theater verdient. Als Komparse, rangierte also irgendwo oberhalb der Requisiten, aber nicht wirklich im Kosmos der „echten“ Schauspieler des Ensembles. Immerhin – ich musste singen und hatte sogar eine Mini-Kampfszene. Ich kam mir schon ziemlich cool vor damals, zumal der Choreograph immer fabulierte, er würde gerne mal einen Breitschwertkampf mit mir inszenieren (für die, die es nicht wissen – ich habe mich auch ein Weilchen mit historischem Fechten beschäftigt, das waren also ganz großartige Aussichten …)

Na ja, es war eine Saison, und dann war es irgendwann vorbei. Ich fing an zu studieren und konnte mich (unter anderem) zwischen Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Kommunikationswissenschaften entscheiden. Aus Angst vor akuter Brotlosigkeit wurde es am Ende letzteres.

(Wenn ich bedenke, wie viele Kinder hier jetzt so rumhüpfen, aus wirtschaftlicher Sicht eine gute Wahl)

Jedenfalls legte ich meine aufstrebende Karriere als Schauspieler/ Regisseur zusammen mit meiner Karriere als Rockmusiker ad acta (ich spielte damals auch Bass in einer Death Metal-Band – mann, wieviel Zeit man da hat …) und konzentrierte mich auf mein Studium. Wie man sich eben so „konzentrierte“ zu Magisterzeiten.

Für die Kinder bauscht meine Frau meine Vergangenheit als Künstler bis heute allerdings gerne mal auf.

„Euer Dad war ja früher Schauspieler …“

Das kommt dann immer sehr aufregend rüber, und sie finden es auch ziemlich spannend. Allerdings erwähnen wir das Thema nur recht selten, so dass die Mädels diesen Aspekt meiner Vergangenheit (scheinbar) von einer Erwähnung bis zur nächsten wieder vergessen. So kam es dann letztens auch zu folgendem Dialog:

Meine Frau: „Euer Vater war ja früher beim Theater …“

Darauf Nummer 3: „Echt jetzt? Beim Theater?“ Ehrfürchtiges Staunen.

„Was hast Du denn da gespielt? Einen Baum?“

Irgendwie bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob sie das wirklich immer wieder vergessen. Vielleicht ist das auch nur eine raffinierte Art von Sarkasmus.

Wenn das „Eltern“ sind, sind wir noch viel zu gut drauf

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Gestern abend habe ich mir zusammen mit meiner Frau den vielgehypten Film „Eltern“ von Robert Thalheim reingezogen. Wir waren eigentlich so semi-interessiert, da wir nicht gerne deutsche Filme gucken, aber die doch zahlreichen positiven Kritiken haben uns dann am Ende doch überzeugt. (Wobei, den Ausschlag gegeben hat vermutlich die Tatsache, dass Kirondo meiner Frau den Film geschenkt hat …)

Mein Fazit: Wenn das „der gelungenste Film übers Elternsein“ ist, dann sind wir hier offensichtlich noch viel zu gut drauf. 

Was ich gut fand: Die getauschten Rollen der Eltern. Im ersten Moment dachten wir uns noch „lahm – warum nehmen die da so einen seltenen Sonderfall“ – aber das macht in der Wirkung auf den Zuschauer durchaus Sinn. So fiel auf, dass die Mutter (Ärztin und Hauptverdienerin) sich zu Beginn des Films ziemlich machomäßig verhielt, während der Mann mit dem schlechtbezahlteren und „unwichtigeren“ Job in Auseinandersetzungen einige Argumente vorbrachte, die sonst meist den Damen vorbehalten sind. Durch die ungewohnte Rollenkonstellation ist man als Zuschauer praktisch dazu gezwungen, auch mal die ungewohnte Perspektive des Partners einzunehmen. Gelungen!

Auch die durchaus lebensechte Darstellung der fiesen kleinen Details des Elternseins machte sich ganz gut. Das Leben ist halt kein Ponyschlecken, da muss schon mal improvisiert werden, und gerade wenn beide Elternteile außer Haus arbeiten kann es auch schon mal ziemlich drunter und drüber gehen. Klar, am Ende war es vielleicht ein bißchen zuuu dick aufgetragen – das muss schon ein extrem fragiles Familiensystem sein, dass innerhalb von drei Tagen so komplett in sich zusammenfällt.

Weniger gut gefallen haben uns hingegen die Rollen der Kinder. Die beiden Mädels hatten wohl den Auftrag, auf subtile Art Werbung für Verhütungsmittel zu machen. Die Jüngere kann mit fünf Jahren noch nicht allein auf Toilette gehen (wow – gibt es das wirklich?), ihre depressive große Schwester gefällt sich in der Rolle der elternverachtenden Rächerin kindlicher Unschuld. Und die Eltern lassen brav und pflichtschuldig alles mit sich machen – das ist vielleicht realistisch, nimmt uns allerdings jegliche echte Identifikationsmöglichkeiten.

Der Kracher hingegen ist der dramaturgische Abschluss sowie der vollkommen unreflektierte Umgang mit dem Thema Abtreibung.

(SPOILER!!!)

Das Au-Pair-Mädchen, das den Laden eigentlich am Laufen halten soll, als der Vater aus der Elternzeit wieder in den Beruf startet, ist leider verstört, viel zu jung, schwanger und hinfällig. Neben all den Querelen, die eigenen Kinder loszuwerden, setzen sich die Eltern zusammen mit ihr auch mit der möglichen Abtreibung auseinander. Während der Vater ihr Unterstützung verspricht, redet die Mutter ihr das mehr oder weniger wieder aus („Auf den kann man sich doch nicht verlassen“ – und Du siehst ja was ich jetzt davon habe). Außerdem weist sie ihren an der Einsatzfähigkeit des Au-Pairs zweifelnden Mann ganz locker darauf hin, dass das Mädchen ja nach der Abtreibung in drei Tagen wieder brauchbar ist. Auf dem Höhepunkt des Films fahren dann die fünf und zehn Jahre alten Schwester mit dem Au-Pair zur Abtreibungsklinik und beerdigen am Ende das Ultraschallbild genauso wie zuvor den Familienhamster Specki. Die völlig überforderten Eltern hatten den Termin nämlich vergessen.

Ich suchte mir den roten Faden zum Thema Abtreibung jedenfalls am Ende so zusammen:

  • Au-Pair-Mädchen ist verzweifelt und weiß nicht was es tun soll
  • Vater bietet ihr Unterstützung an und ermutigt sie
  • Mutter rät ihr davon ab
  • Gleichzeitig bricht die Gastfamilie quasi auseinander, Au-Pair-Mädchen denkt sich also: „Selbst wenn ich das hinbekomme, kriege ich am Ende das hier
  • Also fährt sie mit den Kindern in die Klinik und dann … Hamsterbegräbnis und so.

Klar, das Leben in einer Familie kann schon mal ein ziemliches Chaos sein, und man hat jedes Recht, auch mal angekotzt und frustriert zu sein. Trotzdem erfüllt der Film den mit dem Titel erhobenen Anspruch, das Leben als „Eltern“ abzubilden, nicht. Auch das Etikett „Komödie“ ist ziemlich deplatziert – wenn das eine Komödie über Eltern ist, dann möchte ich aber keine Tragödie sehen …

Heute morgen fragte uns Nummer 2, ob wir den Film gestern noch geguckt hätten. Wir bejahten und umschrieben kurz die Handlung. Darauf meinte sie:

„Das klingt so, als ob die Eltern sich zu den Sklaven der Kinder machen. Dann brauchen sie sich auch nicht zu wundern, wenn sie so behandelt werden. Ich finde, der Film sollte lieber Idioten heißen.“

Das ist jetzt vielleicht ein wenig hart – aber Nummer 2 kann nicht gut auf das Thema Abtreibung …

 

Nach der Häkelapokalypse

Wie auch immer wir uns später einmal durch die verstrahlte, virenverseuchte, postapokalyptische Welt schlagen werden – diesem Typ möchten wir nicht begegnen:

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Das grüne Ding in seinem Auge sind übrigens Maden. Meine Frau hat ihn als besonderes Geschenk hergestellt. Ich habe gehört sein Name ist jetzt „Gehirni“ – ich wollte ihn ja Heisenberg nennen …

Strategisches Gejammer

Nummer 2 war letzte Woche krank. Bauchschmerzen. Haben wir ihr anstandslos durchgehen lassen und sie drei Tage aus der Schule zuhause behalten. Am Sonntag fängt sie plötzlich wieder an zu krächzen und zu jammern. Kopfschmerzen habe sie, diesmal. Scheinbar ist der Schmerz nur nach oben gewandert. Wie auch immer man sich das medizinisch vorzustellen hat.

Jedenfalls haben wir sie wieder zuhause gehalten. Erfahrungsgemäß können Lehrer den Unterschied zwischen echt kranken Kindern und Simulanten eh nicht erkennen, so dass wir dann am Ende die bösen Eltern sind, die das arme kranke Kind in die Schule schicken. Na ja, gefühlt jedenfalls, wenn dann das Sekretariat anruft und es heißt:

„Die Nummer 2 klagt schon den ganzen Tag über Kopfschmerzen, wann kommen Sie die denn abholen? Am besten in fünf Minuten …“

Jedenfalls komme ich gerade nach Hause und höre ein Stöhnen aus dem Mencave. Kopfschmerzen, Ihr wisst schon. Ich blicke meine Frau an, die schulterzuckend meint:

„Sie ist immer noch krank, sagt sie …“

„Wie ging es ihr denn den Tag über? Hat sie da auch geklagt oder ist das nur strategisches Gejammer?“

Nummer 2 (stöhnend): „Ich habe wirklich Kopfschmerzen, schon den ganzen Tag …“

Wir blicken uns an. Es ist wie immer – so richtig glauben wir Nummer 2 nicht, dass es sooo schlimm ist … aber da ohnehin das Sekretariat anrufen wird, nachdem die Lehrer sie rausgeschickt haben, können wir uns auch das Abholen sparen und sie direkt zuhause behalten.

Ich bin nur nicht davon überzeugt, dass das ein pädagogisch korrektes Signal ist … 😉

Vegane Disruption

Vor einiger Zeit (hüstel) hatten wir bei uns den traditionellen Osterbrunch. Meine Schwester, die bei einem großen Konzern arbeitet, erzählte dabei von ihrem letzten Meeting mit einer Agentur. Die Kollegen haben wohl mittags, wenn es – wie bei einem ganztägigem Meeting üblich – etwas zu essen gab, einfach ihre Tupperdosen ausgepackt. Begründung: Sie seien ja Veganer. Bis auf einen, der war noch „nur“ Vegetarier. Es war ihm aber schon recht peinlich – kein Wunder bei dem missionarischen Eifer, den seine Kollegen auch im Meeting (!) an den Tag legten.

„Vegane Ernährung ist wesentlich gesünder als vegetarische Ernährung“, meinten sie zu meiner Schwester, die seit bald 30 Jahren Vegetarierin ist. „Du musst Dir mal einen Grünkohl-Smoothie machen, das ist eine richtige Vitaminbombe ganz ohne tierische Zutaten. Wer das nicht packt, kann sich ja etwas Mango dazutun …“

Hmm. Ja. Klingt überzeugend, vielleicht versuche ich das auch mal. Mit einem leckeren Ingwerkeks dazu. Aber wenn ich das mache, tue ich es auch in eine Tupperdose und nehme es zum nächsten Meeting mit. Das macht ja sonst keinen Spaß, wenn es keiner mitbekommt.

(Mir ist schon klar, dass die das mitnehmen müssen weil es selten was Veganes zu futtern gibt in einem Meeting)

Ich beobachte den ganzen Veganismus-Trend schon seit geraumer Zeit mit dem geübten Misstrauen eines Menschen, der in seinem Leben selten zur Mode gepasst hat. (Randgruppen und so – Ihr erinnert Euch …)

Vor zehn Jahren war man als Vegetarier noch fast ein Aufreger, jetzt, wo wir das Vegetariertum aufgegeben haben, ist plötzlich Veganismus Pflicht. Kurze Erklärung dazu übrigens: Ich halte Vegetarismus bis heute für die moralisch bessere Variante gegenüber Fleischkonsum. Aber wir haben schlicht und ergreifend keine Zeit, die Ernährung für ein Drittel Dutzend Kinder so perfekt auszutarieren, dass wir eine mangelfreie fleischlose Ernährung sicherstellen können. Vegetarier sein gehört somit im Prinzip zu den zahlreichen Hobbies, die wir wegen der Kinder erstmal hintenan gestellt haben.

Zurück zum Thema: Vegan sein ist jetzt en vogue. Ich habe dazu eine Theorie, die ich vor kurzem Disruptionszyklus getauft habe. Dieser läuft ab wie folgt:

1. Eine Gruppe von Individuen innerhalb einer Gesellschaft möchte ein Verhalten an den Tag legen, das den Werten der Mehrheit widerspricht. Beispielsweise offen homosexuell sein, sich scheiden lassen oder die Kinder nicht taufen lassen. Wichtig an dieser Stelle: Es muss um moralisch relevantes Verhalten gehen, damit der Zyklus greift. Die Farbe der Krawatte zählt (meistens) nicht.

2. Die Mehrheit fühlt sich von den Abweichlern bedroht und übt sozialen Druck aus. Das kann deutlich sein oder auch subkutan – in jedem Fall wird die Gruppe gezwungen, Stellung zu beziehen. Ein Teil kippt um und passt sich an, eine Minderheit radikalisiert sich und peppt ihre Abweichung mit einer Ideologie auf.

3. Die radikale Minderheit wird (in einer nicht-fundamentalistischen Gesellschaft) zwar ein wenig ausgegrenzt, aber toleriert. Früher wurde das natürlich auch mal etwas deftiger gehandhabt. Im Laufe der Zeit wird ihre Position auch der Mehrheit vertrauter und verliert einen Teil ihrer Radikalität – sie nähert sich der Mitte an (bzw. die Mitte nähert sich ihr an).

4. Die Mehrheit ist nun mit der radikalen Position vertraut und sieht sich nicht mehr genötigt, großen sozialen Druck auszuüben. Das Neue ist jetzt nicht mehr das Neue, sondern das Bekannte – kein großer Aufreger mehr, aber auch nicht relevant für die meisten Leute.

5. Junge, andersdenkende Mitglieder der Gesellschaft wenden sich der ehemals radikalen Position zu und nehmen sie für sich ein, da man ja nicht mehr so radikal sein muss, um sie zu vertreten. Da es nicht mehr allzu viel Gegendruck gibt, kann sich die neue Position besser verbreiten und erstmals Traktion gewinnen, wie wir Dengländer sagen.

6. Die ehemalige Mehrheit sieht sich erhöhtem Druck ausgesetzt, da die Radikalen scheinbar in der Überzahl sind. Das wird heute auch unterstützt durch die Tendenz der Medien, dauernd neue Säue durchs Dorf zu treiben – die Retro-Radikalen sind vielleicht so zahlreich nicht, aber sie erhalten überproportionale Aufmerksamkeit. Das Ergebnis: Die Konservativen („stabile Inseln“) radikalisieren sich und lehnen die neue Ideologie wieder lautstärker ab. Plötzlich haben sie das Gefühl, die Radikalen zu sein.

Das ist zwar ein wenig holzschnittartig umrissen, aber gar nicht so verkehrt, oder? Ich denke für dieses Modell lassen sich schon ein paar Anwendungsbereiche finden, beispielsweise …

  • … Menschen die sich taufen lassen wollen (1. Jhd.)
  • … Eltern die ihre Kinder nicht schlagen wollten (12. Jhd.)
  • … Frauen die ihre Fußspitzen zeigen wollten (13. Jhd.)
  • … Menschen die aus Liebe heiraten wollen (19. Jhd.)
  • … Frauen die ihre Knöchel zeigen wollen (frühes 20. Jhd.)
  • … Menschen die ihre Kinder nicht mehr taufen lassen wollen (zweite Hälfte 20. Jhd.)
  • … Frauen die Auto fahren wollen (zweite Hälfte 20. Jhd.)
  • … Männer die keine Soldaten mehr sein wollten (zweite Hälfte 20. Jhd.)
  • … Beatmusik
  • … Rockmusik
  • … Sado-Masochismus

Ich glaube das Modell passt doch noch besser als zuerst gedacht. Was fällt auf? Früher waren es vor allem Religion und Moral, über die so gestritten wurde, heute ist es Lifestyle (Musik, Sex, Essen). Dabei heißt es doch eigentlich Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral … 😉

Kunst und Currywurst

Beim Essen (Currywurst!) und dem Ausflugsziel (Kunstausstellung!) für den Muttertag habe ich etwas geholfen, aber die Karten und Geschenke haben die Mädels selbst organisiert:

Nummer 1:
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Nummer 2:
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Nummer 3:
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Nummer 3 kriegte leider beim Basteln einen generischen Muttertagsspruch vorgegeben – von daher ist der Inhalt nicht interessant.