„Dann würde ich ihn loswerden!“

Letztens ging ich abends in die Küche, um mir ein Eis aus der Tiefkühltruhe zu nehmen. Nummer 3 blickte mir sehnsüchtig hinterher.

„Ich glaube dass es ganz toll ist, erwachsen zu sein,“ meinte sie. „Dann kann man immer so viel Eis essen wie man will.“

„Im Gegensatz  zu Dir hatte ich heute mittag noch keins,“ antwortete ich. „Außerdem kann man auch als Erwachsener nie soviel essen, wie man will. Dann wird man nämlich dick, und das ist ungesund.“

Meine Frau schaltete sich ein. „Genau – und das verbiete ich ihm.“

Nummer 3 (empört): „Also ich würde meinem Mann erlauben, so viel Eis zu essen wie er will!“

Meine Frau: „Und wenn er dann so ganz doll dick wird, was machst Du dann?“

„Dann würde ich ihn loswerden.“

Genau deshalb achte ich auch selber darauf, nicht zu viel Eis zu essen. Wir Erwachsenen leben eben doch nur in einer Illusion der Freiheit.

 

Missglückte Scherzanrufe

Ab und an gibt es hier bei uns mysteriöse Anrufe. In der Leitung sind dann seltsame hohe Stimmen, die ein Taxi bestellen wollen oder so. Ich habe mich letztens gefragt, ob Scherzanrufe zu unserer Zeit auch so lahm waren. Beispiel:

Klingeling!

„Hallo?“

Mysteriöser Anrufer: „Ja, hier ist die Leonie, ist die Nummer 2 da?“

„Nummer 2, Telefon für Dich!“

Trapptrapptrapp. Wir überreichen Nummer 2 den Hörer. „Hier ist die Leonie für Dich.“

Nummer 2: „Hallo?“

Mysteriöser Anrufer (mit tiefer Stimme): „Hallo, hier ist der Dirk, wollen wir zusammen sein?“

Nummer 2 (genervt): „Leonie, meine Eltern haben mir gesagt, dass Du dran bist. Du hast Deinen Namen gesagt.“

Dirk (verzweifelt): „Hier ist nicht die Leonie, hier ist der Dirk.“

Nummer 2: „…“

Wie sagen wir im Internet dazu? Fail.

Gerade klingelte es wieder mal. Nummer 2 ging dran.

„Hallo?“

Mysteriöser Anrufer 2: „Boah, hier läuft gleich ein Fußballspiel, ich möchte eine Pizza mit Cola, die haben wir bestellt, wann kommt die denn endlich?“ (Panisches Kichern. Dann auflegen.)

Nummer 2 geht in die Liste der angenommenen Anrufe und ruft zurück. Zweimal Klingeln, dann geht jemand dran.

Nummer 2: „Du hast hier gerade angerufen und eine Pizza bestellt.“

Mysteriöser Anrufer 2: „Das stimmt gar nicht!“

Nummer 2: „Aber diese Nummer war in unserer Anrufliste. Vielleicht ist Euer Telefon kaputt?“ (grinsend)

Ich weiß, wir Erwachsenen behaupten gerne, dass früher alles besser war. Aber ich glaube, bei Scherzanrufen trifft das zu.

„Als sie den gefunden haben, sah der irgendwie aus wie meine Oma!“

Die Mädels mussten gerade ihre Wäschetonne aus der obersten Etage runterbringen. Wie so häufig stellte sich heraus, dass die Hälfte der Wäsche gar nicht schmutzig (aber durch Tonnenstopfen jetzt total zerknittert), oder aber auf links und dämlich ineinander verdreht war.

Wir regten uns aus, verpassten den Kindern ein Donnerwetter (aber das soll jetzt gar nicht das Thema sein) und unterhielten uns noch ein wenig über das Chaos in Nummer 1s Zimmer. Als Nummer 1 daraufhin runterkam, wollte ich sie aufräumen schicken.

„Quatsch, die soll das nicht aufräumen,“ meine meine Frau, „das ist doch witzlos, wenn die ein Mal im Jahr ihren Dreckstall aufräumt. Das soll schön so bleiben, bis sie irgendwann einen Freund hat und der dann mit ihr Schluss macht weil sie ein Messi ist.“

Okay, das leuchtete mir ein. Wir beschlossen allerdings, dass wir den Zustand des Zimmers für die Nachwelt festhalten müssten. Also fabulierte ich enthusiastisch los:

„Wir schicken Nummer 3 mit einem iPhone hoch und verfolgen die Expedition von hier unten per Facetime. Das ist dann ein bißchen so, wie wenn Space Marines auf einem fremden Planeten in eine Höhle mit Alien-Eiern vordringen müssen.“

Wir waren in Fahrt. Meine Frau ergänzte. „Ja, oder wie in dem Erdloch, in dem sie Saddam Hussein gefunden haben. Was ich übrigens zu dem schon lange mal sagen wollte: Als sie den da aus dem Loch gezogen haben, sah der ein bißchen aus wie meine Oma.

Zugegebenermaßen, das hatte jetzt nicht mehr wirklich was mit dem Thema zu tun. Aber es entspannte unsere elterliche Stimmung ein wenig. 

Wo wir gerade bei Hello Kitty sind …

Nummer 2 übt seit einigen Tagen den Song „Let it go“ aus „Frozen“ – auf Niederländisch. Ziemlich gekonnt, übrigens. So kam es, dass wir darüber sprachen, ihre Künste auf Video aufzunehmen.

Nummer 1 (die das gleiche Lied übrigens auf Französisch übt) meinte dazu:

„Genau – das stellen wir dann bei Youtube ein und dann bekommst Du ganz viel Geld dafür!“

(Nummer 1 hat eine kapitalistische Ader)

Nummer 3 war skeptisch. „Das geht doch nicht, Nummer 1 – dazu müsste sie schon ein internationaler Star sein, so wie Jesus oder Hello Kitty.“

Ich bin überzeugt, dass unser Video mit dem Titel „Jesus singing Let it go op Nederlands“ eine Menge Klicks bekommen würde.

Das ist ja außergewöhnlich.

Nummer 3 hat sich vor kurzem eine Magnet-Maltafel gekauft. Diese sollte eigentlich im Auto aufbewahrt werden, da die Größeren da häufig mit ihren Handys daddeln. Wie so oft flog sie jedoch erstmal im Haus herum, beziehungsweise auf unserer Wohnzimmercouch.

Während ich abends noch ein paar E-Mails bearbeitete, beschäftigte Nummer 3 sich also mit ihrer Maltafel. Begeistert drehte sie sie um und zeigte sie mir:

„Guck mal was ich hier gemalt habe, Dad!“

Schön„, antwortete ich (zugegebenermaßen mit einem Mangel an Aufmerksamkeit und Begeisterung).

Fünf Minuten später hatte sie die Malfläche leergefegt und ein ein neues Werk fertig, während ich versuchte diverse Mails in To Do´s in meiner Wunderlist umzuwandeln.

„Guck mal hier, Dad!“ forderte sie.

„Schön,“ antwortete ich. Ihr wisst schon.

Als Antwort kam ein Knurren. „Boah, Du sagst immer nur schön, das ist total blöd!“

Ich horchte auf. „Ich sehe es mir an, finde es schön und sage das, was ist denn daran verkehrt, Nummer 3?“

„Du sagst immer nur das gleiche. Das ist blöd, Du sollst das anders machen.

Ich vergaß kurz meine E-Mails und nickte. Da konnte was dran sein.

„Also gut, machen wir das nochmal, Nummer 3.“

Sie grinste. „Guck mal was ich hier gemalt habe!“

„Das ist ja wirklich außergewöhnlich, Nummer 3.“

Aus irgendeinem Grund fing ich mir trotzdem einen oder mehrere böse Blicke ein …

Lieblingsessen

Wir gucken momentan öfter mal mit der ganzen Truppe The Middle. Wer die Serie nicht kennt – für größere Familien eine echte Kaufempfehlung.

In einer Folge ging es unter anderem um das Thema Lieblingsessen, und wer welches von wem kannte und so. Der Lackmus-Test bei uns zuhause führte zu folgendem Ergebnis: meine Frau kannte (Überraschung!) die Lieblingsessen aller Mädels, diese kannten ihres jedoch nicht. Ich auch nicht, muss ich an dieser Stelle zugeben. Diese kollektive Wissenslücke führte zu folgendem Dialog:

Meine Frau (angesäuert): „Niemand hier kennt also mein Lieblingsessen? Dabei ist das doch gar nicht so schwer. Ich habe das schon oft gesagt – es fängt an mit ‚C‘ …“ (sprich: „Zeh“)

Nummer 3 (wie aus der Pistole geschossen): „Zombies!“

Es folgte ein Moment konsternierten und leicht angeekelten Schweigens. Dann meinte meine Frau:

„Nummer 3, was hast Du da gerade gesagt? Habe ich mich schon mal darüber beschwert, dass wir schon lange keinen Zombie mehr geschossen haben und es deshalb nicht mein Lieblingsessen gab?“

Manche Gedankensprünge lassen sich von außen einfach nicht nachvollziehen.