Elternkacke

Meine Frau hat von einer Freundin vor einer Woche das Buch „Kinderkacke“ ausgeliehen bekommen. Seitdem hatte sie ein wenig Zeit es durchzulesen und teilte auch einiges davon mit mir. Das führte zu einer interessanten Entwicklung.

Grundsätzlich gehören wir nämlich durchaus nicht zur „Wenn-Du-Deine-Kinder-liebst-ist-alles-immer-super“-Fraktion, die ja in dem Buch ein wenig auf die Schippe genommen wird. Das Leben als Eltern kann mitunter ganz schöner Mist sein, aber weil man immer befürchtet von seiner Umwelt mit dem Totschlagargument „Das habt Ihr Euch ja selber ausgesucht“ plattgemacht zu werden, zögert man oft, dies auszusprechen.

(Korrigiert mich wenn ich falsch liege)

Dieses Argument lässt sich auch gut anwenden bei:

  • Eheproblemen
  • Nerviger Arbeit
  • Dämlichen Vermietern
  • Dispokrediten
  • Brazilian Waxing

Aber ich schweife ab. Eigentlich sollte daher Kinderkacke offene Türen bei mir einrennen. In Wirklichkeit bekam ich aber das Gefühl: „Ihr jammert sehr viel.“* Ich liste hier mal ein paar Punkte locker auf:

  • Total viele Paare trennen sich nach der Geburt? Vielleicht war die Beziehung vorher schon nicht tragfähig für eine Extremsituation …
  • Der männliche Part im Buch jammert weil es in den Ohren klingelt wenn seine Frau unter Geburtsschmerzen schreit? Wow, das untertrifft ja alle Maßstäbe männlicher Nutzlosigkeit im Kreißsaal …
  • Zwei Kinder, eine kleine Wohnung – und der Haushalt geht den Bach runter, die Frau liegt szenenweise komatös auf der Couch? Na, das sollten wir uns mal erlauben hier.
  • Der Vater ist komischerweise immer super relaxt, wenn er sich um die Kinder kümmert? Kein Wunder, wenn er überhaupt keine Hausarbeit nebenher macht!

Und das alles schon in einer absoluten Luxussituation mit reduzierter Arbeitszeit und einem Verlag im Rücken 😉

Was jetzt nicht heißt, dass ich die Intention, Eltern ein wenig das Jammern zu erlauben, nicht zu schätzen wüsste. Im Ernst, ich halte dieses Thema sogar für so wichtig dass ich es noch ein wenig ausführen möchte.

Früher ™ war es einfach ganz normal, Eltern zu werden – sprich man konnte sich dann gegenseitig über die Härten des Lebens beklagen, mit einem x-beliebigen Fremden auf der Straße, und fand zumindest grundlegendes Verständnis. Heute sind Kinder ja so optional, dass man dann bitte für seine extravagante Lebensentscheidung zur Fortpflanzung auch geradestehen sollte – viele verständnislose Nicht-Eltern leiden ja schon genug darunter, dass wir Eltern keine Steuern zahlen und immer um 15.30 Uhr Feierabend machen. Wir haben es ja alle nicht leicht.

Von daher finde ich die Grundidee des Buches sehr in Ordnung – nur die Ausführung hat halt zwischendurch genervt. Man nimmt schon eine Menge in Kauf für die, die man liebt. Aber ein ganzes Buch monothematisch damit vollzuschreiben wäre mir etwas peinlich. Vielleicht führe ich dafür hier ja mal eine Kategorie „Elternkacke“ ein.

Wenn sich dann herausstellt, dass die schneller wächst als alle anderen, nehme ich alles zurück (und veröffentliche es als Buch) 😉

* Das soll eine popkulturelle Referenz auf den 13. Krieger darstellen, verstehe es wer will.

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Ein Gedanke zu “Elternkacke

  1. Den Spruch kenne ich auch, aber von anderen Müttern. Ich finde ja, dass jedes Ding zwei Seiten hat. Jammern ist also sehr erlaubt. Und wenn ich damit anfange, sehe ich meist ein sehr erleichtertes Gegenüber.
    Auf einem Kindergeburtstag beugte sich einst eine andere Mutter von drei Kindern zu mir hinüber und fragte flüsternd: „Schreist du deine Kinder auch ab und an an?“ Ich glaube, ich habe gelacht.
    Ehrlichkeit kann doch sehr erleichternd sein. Und wenn man seinen Frust ablassen kann, geht es wieder ein bisschen besser.
    P.S. In das besagte Buch habe ich kurz reingeblättert, und fand es auch sehr negativ, zu sehr für meinen Geschmack. Da staune ich ja, dass meine einstige Lektorin mein Buch ablehnte, weil es „zu negativ“ sei. 🙄

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