Gerade in der Küche

Ich: „Es wird wahrscheinlich bis zum Wochenende dauern, bis ich die Kiste mit meinen Sommersachen im Schlafzimmer ausräumen kann. Morgens gehe ich aus dem Haus, bevor das Baby wach ist, und abends liegt er auf mir drauf bis ich ihn rüberbringe …“

Meine Frau: „Das ist mir ganz egal, was im Schlafzimmer rumliegt. Von mir aus kannst Du da auch eine Eidechsenzucht eröffnen. Ich bin Existenzialistin geworden.“

Ich: „Müsstest Du dann nicht versuchen, besonders viel Spaß zu haben?“

Sie: „Sind das nicht die Hedonisten?“

Ich: „Ich glaube Hedonisten und Existenzialisten sind miteinander verwandt, Existenzialisten glauben doch dass es außer der Existenz nichts gibt und dass sie deshalb Spaß haben müssten …“

Sie (grinsend): „Also sind sie Antichristen…“

Ich: „Nein das waren noch mal andere.“

(kurze Pause)

Sie: „Oh verdammt. Eigentlich meinte ich Expressionisten.“

Ich: „Was haben die denn jetzt mit unserem Schlafzimmer zu tun?“

Sie (bedrückt): „Ich dachte ich würde ein witziges Wortspiel mit Kunst machen. Aber jetzt fällt mir auf, dass ich einfach wieder reif für einen Übermüdungspost bin.“

Heute spielen wir Granatenfischen

Vorwort: Wenn die Mädels mal wieder nur in der Bude herumhängen wollen und die Geschichten aus unserer Kindheit (Buden bauen, Fußball spielen und Bandenkriege) zu langweilig sind, erzählen wir aus Opas Kindheit. Da ging es noch etwas rustikaler zu …

Nummer 3 rief letztens ihren Opa an. 

„Opa, was hast Du denn so gespielt als Du ein Kind warst?“

(kurze Pause)

„Wir brauchen das für die Schule.“
(weitere Pause)
„Aber bitte etwas anderes als Granatenfischen und Frösche aufblasen, weil wir sollen das in der Schule nachspielen.
Und ich weiß nicht wie man Frösche aufbläst oder wo ich Granaten herbekommen soll.

Das, für sich genommen, ist ja wiederum beruhigend.

Peak Schokolade

In einer monatelangen, vorwiegend von Rückschlägen und Misserfolgen geprägten Auseinandersetzung habe ich mich vor kurzem durchgesetzt: Wir kaufen keine Nuss-Nougat-Creme mehr.

Dabei ging es bei uns gar nicht primär um Ernährung. Es ist mehr der Effekt auf Kindergehirne (und Arbeitsplatten), den dieses Zeug hat. Nusspli&Co im Haus hießen: permanente Schokostreifen auf der Arbeitsplatte, begleitet von permanenten Krümeln. Und schokobeschmierten Messern. Und schokobeschmierten Gesichtern. Und schokobeschmierten Tapeten.

Ich habe oft gedroht, dass ich das nicht mehr lange dulden würde, wenn die Mädels ihren Konsum nicht mäßigen würden. Aber, wie so oft, ohne den Segen der Hausherrin war diese Drohung nicht viel wert. Bis es endlich gelang, meine Frau auf meine Seite zu bekommen.

Wir haben 3 Stufen durchlebt:

1. Wir haben regelmäßig Nusspli und Belmandel gekauft. Ergebnis: Die Kinder aßen NIX anderes, löffelten das Zeug teilweise weg und schmierten sich alle naselang zwischen den Mahlzeiten dick bestrichene Brote. Oft war der 400 Gramm-Becher am Tag nach dem Einkauf leer (sic!).

2. Wir haben das Zeug auf das Wochenendfrühstück beschränkt. Ergebnis: Der 400 Gramm-Becher war auf jeden Fall (!) Samstag bereits leer. Die Gesichter trotzdem beschmiert. Und die Zahl der Schokolöffel in der Küche nahm in dieser Zeit noch einmal zu.

An diesem Punkt war bei uns im Haus Peak Schokolade erreicht – die verfügbare Schokomenge würde nicht mehr zu, sondern nur noch abnehmen. Und wie schnell das ging – denn es kam Stufe 3:

3. Wir verlagerten uns bei der Frühstücksschokolade auf Eszet-Schnitten. Erwarteter Vorteil: Handlich, und in kleineren Portionen käuflich. Beim ersten Frühstück damit rasteten die Mädels aus und warfen sich gegenseitig vor, zu viele Eszet-Schnitten aufs Brot zu tun. Also endete auch diese Phase, da wir Frieden beim Frühstück wollten und keinen Krieg um die knappen Schokoressourcen.

Also bestätigte meine Frau:

„Wir kaufen das Zeug jetzt nicht mehr.“

Am Tag darauf klebte die halbe Küche voll mit Marmelade. Offensichtlich haben die kleinen Zuckerjunkies sich auf das rote Methadon verlegt – und pfeifen sich davon erhöhte Mengen rein. Ich wollte schon die DEA rufen, da meinte meine Frau:

„Dann kaufen wir halt auch keine Marmelade mehr.“

(Ja, die Linie bei uns zuhause wird härter – die Konservativen sind an der Macht.)

Am Wochenende fiel mir auf, dass ich selbst ja auch ganz gerne süß frühstücke. Nur ohne Marmelade, Nusspli, Belmandel oder Eszet-Schnitten wird das irgendwie nichts.

Ich: „Mist, ohne Marmelade habe ich jetzt auch nix Leckeres mehr zum Frühstücken.“

Meine Frau: „Dann kauf Dir eine, die die Kinder nicht mögen.“

Ich: „So wie Orangenschalenmarmelade? Aber die mag ich auch nicht!“

Meine Frau: „Frühstück so wie wir es mögen? Das ist ein Luxus, den wir uns nicht erlauben können.“

Waaah – noch ein Geschenkeanlass???

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Paypal, das digitale Zahlungvoodoo des weltweiten Konsums, wies mich gerade darauf hin, dass ich meinen Kindern doch bitte etwas zum Boys&Girls-Day schenken sollte. Ich bin da etwas rückständig – als die Mädels uns vor zwei Jahren darauf hinwiesen, dass die „Liliane ja eine Barbie zum Kindertag geschenkt bekommen hatte“ war ich mehr so: Wie jetzt, auch noch zum Kindertag Zeug kaufen? Das hättet Ihr wohl gerne, liebe Spielzeugindustrie!

Ich bin ja für Konsum durchaus zu haben, und es soll mir da auch gar nicht um die letzten Kröten gehen. Aber wenn ich daran denke dass wir über den Winter 600 Liter Müll …. äh Spielzeug aus den Zimmern ausgemistet haben, frage ich mich ob wir WIRKLICH noch mehr Geschenkanlässe brauchen. Wir haben:

  • Geburtstag
  • Ostern
  • Weihnachten
  • Nikolaus

Das sind für uns 16 Anlässe im Jahr, um neuen zukünftigen Müll zu erwerben. Da brauche ich nicht noch den Kindertag, den Boys&Girls-Day, den Namenstag, den Tag der Spielzeugeisenbahn oder den Tag des sozialen Konsumdrucks dazu.

Ich möchte daher eine Petition starten. Eine Petition gegen durchsetzungsschwache Eltern, die sich von ihren Kindern zu solchen Aktionen breitschlagen lassen. Ich nenne sie „Geschenke? Nein danke!„.

Bitte, liebe konsumfreudige Einzelkindeltern. Überdenkt Euren letzten Spielzeugkauf nochmal. EUCH ist es vielleicht egal, noch drei Spielzeuge mehr im Jahr zu kaufen – aber vergesst nicht was ihr Leuten wie mir damit antut.

Wer macht mit?

 

 

 

Randgruppenerinnerungen

Es war ungefähr zu dem Zeitpunkt, als der Herr der Ringe verfilmt wurde. Da wurde mir klar: Der Mainstream hat uns früheren Underdogs so ziemlich alles geklaut. Was habe ich als junger „Erwachsener“ nicht alles getan – schrammelige Musik gehört, fragwürdige modische Entscheidungen getroffen, obskure Hobbies verfolgt und einige Dinge mehr, die ich hier nicht ausführen möchte. Irgendwie passte ich niemals so recht hinein in das, was gerade angesagt war.

Und dann:

  • wurde Fantasy Mainstream,
  • rezensierte die Financial Times das neue Album von Iron Maiden und
  • garstige neue und schwachsinnige Buchserien besudelten so ziemlich alles, was wir uns früher aufgebaut hatten.

Da verstand ich, dass die Ausgestoßenen von früher heute der neue Mainstream sind. Ungefähr so müssen sich die Grünen in den 90ern gefühlt haben. Wir sind heute hochproduktive und hochintegrierte Mitglieder der Gesellschaft (und damit irgendwie auch genau das, was wir nie werden wollten, aber was ist die Alternative?).

Damit gerade uns ehemaligen Freaks in all dem Alltag nicht das Bewusstsein dafür verloren geht, dass das Leben früher einmal anders war, habe ich die neue Kategorie „Randgruppenerinnerungen“ ins Leben gerufen. Okay, eigentlich habe ich eher meine Frau angebettelt, mal was für meinen Blog zu zeichnen, und das ist das erste Ergebnis. Aber in der ersten Version klingt es so schön planvoll …

Heute: Meine Gruftiefrau und ein Gruftiefreund als Vertretung beim Zeitungen austragen auf dem Dorf.

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80 über Nacht – Teil 4

Als nächstes war Laufen lernen angesagt. Sprechen hatte ich – mit allen möglichen und unmöglichen Verzögerungen – langsam wieder gelernt. Zumindest konnte ich mich in etwa so gut wie ein Besoffener artikulieren. Wie ein sehr Besoffener.

Das war wieder ein Thema für sich. Ich hatte mit den ersten begleiteten Steh- und Gehversuchen angefangen, als ich noch nicht sprechen konnte. Das bedeutete, dass ein Mal am Tag zwei Physiotherapeuten vorbeikamen, die mich ja nach Zeitplan und meinem aktuellen körperlichen Zustand im Bett aufrichteten oder hinstellten. Wenn es mir aus irgendeinem Grund nicht besonders ging und ich nur sitzen und nicht stehen durfte, war der Tag für mich gelaufen – die Physiotherapie war der einzige Teil des Tages, der (subjektiv) für mich einen Fortschritt bedeutete. Okay, die Ergotherapie auch – aber das Gefühl ans Bett gefesselt zu sein war deutlich enervierender als meine mangelnde Feinmotorik.

Natürlich lief es nicht immer gut, und auch die Therapeuten waren nicht immer der Meinung dass ich soweit gehen sollte wie ich es gerne wollte. Das führte mal wieder zu einer „Ich gegen das Krankenhaus“-Situation:

Eines Morgens (ich hatte mal wieder ein in meinen Augen nutzloses Wochenende ohne Therapie hinter mir) signalisierte ich den Therapeuten, dass ich gerne stehen wollte. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich so halb sprechen, will heißen mit Sprechaufsatz ging´s, aber den kriegte ich halt nicht immer. Also mal wieder per Gewurschtel kommunizieren.

„Sie wollen stehen, Herr Eldorado?“

Das wollte ich nicht, aber wenn ich nein gesagt hätte, hätten sie mich im Bett gelassen – also nickte ich. Wenig später, auf den Beinen, signalisierte ich Laufbewegungen.

„Sie wollen laufen? Das finde ich jetzt noch ein wenig früh … sie können ja gerade so stehen …“

Ich fluchte innerlich. Und nickte. Was soll ich sagen? An dem Tag war nix für mich zu holen.

Aber einen Tag später brachte er Verstärkung mit. Mit zwei Physiotherapeuten unter den Armen machte ich den ersten Schritt meines neuen Lebens. Wie immer war es ein kleiner, lächerlicher und frustrierender Schritt, der mir nur zu bewusst mache wie es um mich stand. Ein großer Schritt für einen kranken Körper, sozusagen, aber ein kleiner Schritt für mich, der ich noch immer eigentlich gesund in diesem kranken Körper steckte.

Am ersten Tag machte ich einen Schritt. Zwei Tage später wollte ich mehr. Die Therapeutin, die gerade bei mir war, blickte skeptisch.

„Sie können sich ja fünf Schritte als Ziel für diese Woche setzen, Herr Eldorado.“

Ich wollte (mal wieder) ausrasten. Fünf Schritte? Die tickte ja wohl nicht richtig. Wie so häufig – das kann ich heute mit einem gewissen Stolz sagen – setzte sich meine Sturheit durch. Am Ende der ersten Woche machte ich 60 Schritte.

Aber ich musste auch lernen, das meine Sturheit zwar einiges mehr bewegen konnte als die Ärzte und Pfleger erwarteten – aber leider viel weniger als ich erwartete. Stolz wie Oscar organisierte ich nach den ersten Erfolgen, dass meine Frau beim Lauftraining dabei sein konnte. Die Therapeuten brachten mich in den Physioraum, halfen mir zwischen zwei Stangen auf die Beine – und ich schleppte mich schwitzend und keuchend  fünf Schritte quasi allein vorwärts. Das war wohl ein bißchen wie beim ersten Auftritt von Monika Lierhaus: Obwohl es toll war, wie viel sie wieder gelernt hatte, waren die meisten schockiert davon.

Viele Monate später erzählte mir meine Frau, dass sie währenddessen geweint hatte – aber nicht vor Freude.

„Ich habe Dich immer als jemanden gekannt, der eine Couch alleine trägt oder einen Baum ausreißt. Du warst einer der stärksten Männer, die ich kannte. Und jetzt musstest Du Dich so voranschleppen. Ich weiß ja dass das für diese Situation toll war – aber trotzdem …“

Okay, halten wir fest: Laufen war erstmal Mist und würde auch noch lange ein Thema sein. Aber einige Dinge wurden zu dieser Zeit substanziell besser: Ich konnte den iPod selbst bedienen, meine Kopfhörer mit einiger Mühe selbst wieder in die Ohren tun. Und ich konnte mit dem Nintendo DS spielen, den meine Frau mir geschenkt hatte. Das war eine geradezu absurd vielfältige Auswahl an Handlungsmöglichkeiten für mich.

Dazu muss man sagen, dass totale Handlungsunfähigkeit interessante Effekte auf die menschliche Psyche hat. Ich habe einmal gelesen, dass man sich daran gewöhnt, das Bedürfnisse einfach nicht erfüllt werden, so dass dieses nach und nach verschwinden. Das kann ich sogar bestätigen – ich habe in den ersten Wochen gelernt sehr, sehr viel einfach auszuhalten. Das ging soweit das mein einziges positives Körpererlebnis der Brechreiz war, den ich manchmal beim Absaugen verspürt hatte.

In dieser Zeit machte ich auch gute Erfahrungen mit dem Pflegepersonal – zum Beispiel mit Schwester Candy. Schwester Candy hatte sich mir mit dem denkwürdigen Satz „Hallo, ich bin Schwester Candy!“ vorgestellt. Es fiel mir unglaublich schwer, nicht „Natürlich bist Du das.“ zu antworten. Sie war richtig gut drauf, sehr nett und ich hatte das Gefühl dass sie sich über meine Besserung freute. Anstatt mich zu wenden wie ein Brathähnchen kam sie in mein Zimmer, sah mich Nintendo DS spielen, und fragte mich: „Auf welcher Seite liegen Sie denn gerade, Herr Epler?“

Zur Erklärung: Neurologische Patienten werden so ungefähr alle zwei Stunden gedreht, um wundliegen zu verhindern und den Körper anzuregen. Logischerweise konnte ich meine neuen Freiheiten aber nur in der Rückenlage auskosten, die theoretisch nur alle vier Stunden erlaubt war. Da ich durch meinen neuen Bewegungsdrang aber kaum in Gefahr war mich wundzuliegen, war ich Candy für dieses Entgegenkommen sehr dankbar.

Mein großes Ziel (Weihnachten zuhause sein) stand aber trotz allem noch in der Schwebe. Ich befand mich immer noch in der Frühreha – zwischen mir und der Freiheit lag auf jeden Fall noch die „normale“ Reha, und noch war nicht klar, wann ich dorthin kommen würde. Und wo dieses dorthin überhaupt wäre.

To be continued …

Lesequests und Elternpaare als Gründer – Interview mit Anna von Daktylos Media

Ich habe mich in den letzten Tagen ein paar Mal mit Anna von Daktylos Media unterhalten. Anna hat zusammen mit ihrem Mann vor kurzem einen Verlag für Kinderbuch-Apps gegründet. Aktuell haben die beiden eine Crowdfunding-Kampagne für ihr erstes Projekt bei Startnext.


Du hast letztes Jahr zusammen mit Deinem Mann Daktylos Media gegründet. Ich lese immer häufiger von Start-Ups im Familienbereich, wo sich die Eltern zusammen selbstständig machen. Um ehrlich zu sein beneide ich das ein wenig. 🙂 Wie ist es bei Euch zu diesem Entschluss gekommen?

Bis 2011 haben wir in Moskau gelebt. Dort habe ich die Internetredaktion für das Russland-Portal des Goethe-Instituts geleitet. Nick war Leiter des Projektmanagements in einem bekannten Architekturbüro. Die Idee, ein gemeinsames Projekt für Kinder und Familien aufzuziehen, lockte uns schon lange. Als dann unser drittes Kind unterwegs war, beschlossen wir die nächsten Jahre in Deutschland zu leben. Nick wollte gern etwas Neues, Eigenes machen, aber als selbständiger Berater für Immobilienentwicklung einzusteigen, war schwierig. Ich arbeite seit dem Umzug freiberuflich als Projektkoordinatorin, Übersetzerin und Autorin, war aber auf der Suche nach einer eigenen Idee, einem eigenen Projekt. Während meines Studiums hatte ich in Verlagen mitgearbeitet, was mir unheimlich viel Spaß machte, aber mit unserer Familiensituation sah ich da beruflich keine Chance. Nach einem Coaching im letzten Sommer kristallisierte sich dann die Idee heraus, interaktive Kinderbücher für mobile Geräte zu machen. Nick war begeistert von der Idee, einen solchen Verlag zu gründen, und stieg sofort mit ein.

Und wie klappt das Modell „Parentrepeneur“ in der Praxis? Bin ich zu recht neidisch?

Zurzeit haben wir keinerlei Freizeit, auch an den Wochenenden arbeitet immer einer von uns, so gut sich das eben mit der Familie vereinbaren lässt. Aber wir machen etwas, was uns begeistert. Unsere Kinder spüren das und haben wirklich viel Verständnis. Wir arbeiten als Partner zusammen, täglich erkennen und erleben wir die Stärken des anderen und ergänzen uns wunderbar. Wir haben jeden Tag Sex, sobald die Kinder weg sind. Private Zeit zu zweit haben wir in dieser heißen Phase – der Finanzierungsphase unserer Crowdfunding-Kampagne für unsere erste App – so gut wie nicht. Wir meistern alles mit dem berühmten Eltern-Mantra: „Es ist alles nur eine Phase!“ Und mit ein bisschen Hilfe des Universums werden unsere Kinder nicht krank und läuft es bei dem Großen in der Schule einigermaßen von allein. Es ist noch nicht klar, wann wir Geldsäcke stapeln werden. Neidisch sein? Es kommt darauf an, wie man seine Prioritäten setzt.

Euer aktuelles Projekt ist eine interaktive App für Tablets, die sich an Kinder ab acht Jahren richtet. Meine Mädels sind allesamt schon ziemlich iPad-affin – sie bevorzugen jedoch meist kleine Anzieh- oder Malspiele. Was bietet „Meta Morfoß“, um Kinder in den Bann zu ziehen?

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Die App macht spielerisch aufs Lesen neugierig. Wir haben ein besonderes Format entwickelt, die „Lesequest“. Man liest den Text und findet darin Schlüsselwörter. Wenn man diese antippt, werden die Illustrationen animiert und es passiert etwas im Bild. So kommt man in der Geschichte weiter. Die gesuchten Wörter kann man sich im Menü auch anzeigen lassen. Der Prototyp ist fertig und wir sehen, dass Kinder auf die farbenfrohen, ungewöhnlichen Zeichnungen unserer App anspringen. Unsere Kinder lieben die wunderbaren Erzählungen von Peter Hacks für Kinder. Meta Morfoß ist eine davon. Unser Sohn (10) hat sie verschlungen und über den Prototyp mehrmals wieder gelesen. Unsere erste Tochter – sechsjähriges Vorschulkind – spielt auch oft damit. Sie findet schon die Schlüsselwörter im Text und schaut sich darüber immer wieder gern die animierten Bilder an.

In einem Satz – worum geht es in der App?

In der Geschichte geht es um Meta Morfoß, ein Mädchen, das mit der Fähigkeit auf die Welt gekommen ist, sich in alles Mögliche verwandeln zu können.

An sich geht es darum, für Kinder Lesespaß und Technikfaszination zu verbinden.

Eure App soll eine Lücke im App Store schließen – obwohl es heutzutage ziemlich schwer ist, da noch eine Lücke zu finden. Wie unterscheidet Meta Morfoß sich von anderen Apps für Kinder?

Wenn man sich anschaut, was es bisher in den Stores an Lesestoff für Kinder auf dem Tablet gibt, dann sind das entweder E-Books oder Buch-Apps. E-Books sind technisch gesehen nicht wirklich neue Formate, es sind Bücher mit Beleuchtung, die nicht mehr in der Wohnung herumliegen. Unter den E-Books gibt es inzwischen auch viele schöne mit animierten Illustrationen, aber erstens lenken diese die Kinder, die dann nur noch mit Tippen und Wischen beschäftigt sind, vom Text ab, und zweitens sind diese enhanced Varianten meistens nur für Kinder im Kleinkind- oder Vorschulalter gedacht – für Kinder im Lesealter, so zwischen sechs und zwölf Jahren, gibt es auf Deutsch keine interaktiven Bücher. Was die Buch-Apps angeht, so sind darunter viele, die sich so nennen, aber die sich oft als reine Spiele herausstellen – das Lesen spielt keine Rolle mehr – und deren inhaltliche und gestalterische Qualität in unseren Augen schlecht ist. Spiele auf dem Tablet an sich sind gut, manchmal sind sie die einzige Rettung für die Eltern, wenn man einfach mal eine Verschnaufpause braucht. Aber zwischen dem Spielen und dem Lesen gibt es noch keine echte Brücke. Die schlagen wir mit dem Lesequest-Format, das ist neu und weltweit einmalig. Außerdem ist die App mehrsprachig, man kann in ihr zwischen Deutsch, Englisch und Russisch umschalten.

Ihr habt einige spannende Design-Entscheidungen getroffen, wie zum Beispiel den Verzicht auf gängige „Geschlechterklischees“. Auch der Stil der Illustrationen ist etwas Besonderes. Wie seid Ihr zu diesen „Design Choices“ gekommen?

Zum einen spielt die Geschichte ja selbst permanent mit Geschlechterklischees und sozialen Normierungen. Meta ist kein „normales“ Mädchen, sie nimmt jeweils die Identität an, auf die sie gerade Lust hat, egal, ob das nun eine Wollsocke, ein Krokodil, Albert Einstein oder ein Engel ist, und egal, ob sie gerade in der Schule sitzen muss oder draußen spazieren geht. Außerdem gehört zu ihrer Familie noch eine Tante namens Herr Maffrodit (in Anspielung an Ovids berühmte Erzählung über den Hermaphroditen), die einen Schnurrbart hat und gerne strickt. Für so eine Geschichte brauchen wir Bilder, die dieses ironische Spiel mit dem Text widerspiegeln. Blonde Feen in Rosa oder knuffige Piraten passen dazu nicht. Bei der Auswahl des Illustrators war für uns nicht aussschlaggebend, ob er oder sie bereits Erfahrung mit der Illustration für Kindermedien hatte. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl war die Originalität der Zeichnungen und Farbgebung, ungewöhnlich sollten sie sein – und uns selbst natürlich gefallen. Außerdem wollen wir Kindern etwas Neues anbieten, sie anregen und ihren Geschmack mit entwickeln, was Inhalte und Gestaltung angeht.

Für alle Geeks unter meinen Lesern: Plant Ihr auch andere Plattformen wie Android zukünftig zu nutzen?

Unseren Prototyp haben wir für iOS programmieren lassen. Für Android werden wird eine eigene Version der fertigen App programmieren lassen. Die Meta Morfoß App wird man also im AppStore, bei Google Play und bei Amazon kaufen können.

Damit die App aber überhaupt realisiert werden kann, brauchen wir jetzt die Unterstützung der Crowd, also wirklich jeden! Wir haben noch 26 Tage Zeit. Jede noch so kleine Summe, die jetzt gespendet wird, hilft dabei, unser weltweit einzigartiges Projekt realisieren zu können.

Danke für das Gespräch, Anna!


Hier gibt´s noch ein paar Einblicke in die App:

Und hier der Link zur Kampagne: http://www.startnext.de/meta-morfoss-app

Blinkende Wodkafee

Momentan machen meine Frau, Nummer 4 und ich Samstags immer den Wocheneinkauf zusammen. Damit wir alles in einem Geschäft bekommen, fahren wir meistens in den Real. Okay, einer der Gründe ist auch, dass der Real 20 Minuten entfernt ist und wir uns auf der Fahrt dann mal ungestört unterhalten können. Das ist quasi unsere romantische Zweisamkeit – Nummer 4 schläft dann nämlich immer.

(Ja, ein Wunder, wie sehr Babys einen auf das Essenzielle reduzieren, nicht wahr?)

Jedenfalls trafen wir diesen Samstag im Real auf die blinkende Wodkafee. Es handelte sich um ein Promo-Girl im Eisprinzessinnen-Outfit, das den Vertrieb einer neuen Wodkasorte ankurbeln sollte. Leider war sie für den Job scheinbar nicht extrovertiert genug – anstatt die Einkäufer anzusprechen, stand sie nur etwas deprimiert in ihrer Wodkabude. Meine Frau bemerkte das und stieß mich an:

„Guck mal da, ist die nicht niedlich?“
Ich: „Auf jeden Fall – die sieht auch noch aus wie dieses eine Mädel aus dem Narnia-Film.“
Meine Frau: „Dann geh doch mal hin und trink einen Wodka.“
Ich: „Ich möchte Samstags morgens keinen Wodka trinken.“
Meine Frau: „Ich trinke überhaupt keinen Wodka – aber ich überlege wegen ihr ernsthaft, damit anzufangen.

Wir nannten sie unsere blinkende Wodkafee, denn der Wodka, den sie anpreisen sollte, blinkte in der Flasche. Die Marke haben wir aber um ehrlich zu sein vergessen.

Ich wollte sie fotografieren, aber ich glaube das hätte Probleme mit den Bildrechten gegeben.

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Der Doofperativ ist dem Imperativ sein Tod

McDoofperativ

Ja, liebe Human Resources-Abteilung von McDonald´s, ich verstehe dass Ihr jungen Leuten gerne eine Chance geben wollt. Aber bitte, bitte lasst doch nicht die Praktikanten die Texte machen.

Oder ist das ein Bibelzitat?

„Wer ohne Modesünde ist, entwerfe das erste Kleid?“