Bitte in dreifacher Ausführung einschicken, und das Faltblatt „Hundeshampooallergien“ beifügen

Als ziemlich onlineaffiner Mensch bin ich von Behörden immer wieder mal geschockt. Berge von Papier, die man Ausdrucken, von Hand ausfüllen muss, damit sie auf der anderen Seite jemand in einen Computer eingibt – wurschteliger geht’s ja kaum. Dementsprechend war ich positiv überrascht, als ich hörte, dass man seinen Kindergeldantrag jetzt auch online stellen kann.

Bis ich das hier sah:

"Online"-Antrag

„Online“-Antrag

Nasenbeißer

Während der Stillzeit ist die Aufgabenteilung zwischen Vater und Mutter ja etwas asymmetrisch. Der Mann versucht, den Laden am Laufen halten und der Mutter – dem eigentlichen Star der Show – so gut wie möglich zu assistieren. Denn im Endeffekt läuft das Geschimpfe des Babys häufig doch auf Hunger heraus – so dass es wie ein Bumerang zur Mutter zurückkommt. Egal ob man helfen will oder nicht.

So kam es, dass ich heute sehr stolz darauf war, Nummer 4 mit einer speziellen Schaukeltechnik auch ohne Futter ein wenig beruhigen zu können.

Nachdem er sich das zehn Minuten sehr gut gefallen ließ (trotz erster Hungeranzeichen), begann er plötzlich zu weinen (na ja, nicht so plötzlich).

Meine Frau: „Was hast Du mit meinem Baby gemacht?“
Ich: „Ich habe ihm in die Nase gebissen.“
Meine Frau: „Du hast was? Warum hast Du das gemacht?

Es war einfach zu verlockend.

Abgefallen

In einem Mädchenhaushalt erwecken die primären Geschlechtsmerkmale von Nummer 4 zumindest bei der jüngeren weiblichen Bevölkerung eine gewisse Aufmerksamkeit. Diese sind ja bei neugeborenen Jungs von der Größe her auch recht … ausgeprägt.

So kam es, dass Nummer 3 fragte:

„Das sieht irgendwie lustig aus bei Nummer 4. Wie alt war ich denn, als meine abgefallen sind?“

Ja, wir haben durchaus schon einmal mit ihr darüber gesprochen. Aber offensichtlich sorgt die Tatsache, dass Babyjungs und -mädchen ansonsten quasi gleich aussehen, für gewisse Verwirrung.

„Wie hast Du das nur ausgehalten?“

Meine Frau hat Nummer 4 ja im Krankenhaus bekommen. Nachdem wir Geburtshaus und Hausgeburt schon durchhatten, erschien das unserem durch Schicksalsschläge und Alterserscheinungen gesteigerten Sicherheitsbedürfnis nur angemessen. Rund um die Geburt war das auch eine sehr gute Entscheidung. Nur als man uns hinterher mitteilte, dass sie nach der Geburt am besten vier Tage dableiben sollte, waren wir ein wenig … unterrascht. Aber gut, hat ja auch seine Vorteile:

  • Dreimal Essen am Tag (okay, das gibt´s im Knast auch)
  • Rund-um-die-Uhr-Betreuung (hm, gibt es im Knast auch …)
  • Großzügige Besuchszeiten (ja, deutlich besser als im Knast!)
  • Es gibt einen Fernseher (okay, der kostet drei Euro am Tag und läuft nur mit Kopfhörern – keine Ahnung wie das im Knast so ist)

Und so weiter. Trotzdem sagte ich meinem Vater schon an Tag 1, dass sie das nicht so lange aushalten wird. So kam es auch, dass ich am Tag direkt nach der Geburt, während ich kurz aus organisatorischen Gründen unterwegs war, zur Mittagszeit eine SMS bekam:

Das Essen sieht aus wie etwas, das Martha Stewart fotografiert hat.

Einen Tag später war sie ziemlich übernächtigt, weil Nummer 4 nachts immer richtig schön aufdrehte und man in der Stillzeit als Mutter da ziemlich unverzichtbar ist. Tagsüber hatte man einmal pro Stunde (mindestens!) Besuch von einer freundlichen Dame, die die Müllbeutel im Zimmer wechselte. Da ist es mit dem Schlafen also auch nicht weit her. Wir – ich hatte noch mit im Familienzimmer geschlafen – überlegten, ob wir uns einen Tag fernsehen gönnen sollten. „Da läuft doch eh nur Mist“, meinte meine Frau, mittlerweile sichtlich enerviert. „Ich will hier weg, wie hast Du das nur ausgehalten?“

Ich habe die deutlich größere Krankenhauserfahrung von uns beiden, das ist klar.

„Krankenhaus ist Mist,“ antwortete ich. „Wenn man nicht laufen kann oder sonst stirbt ist das schon okay, aber so lange man noch kriechen kann wird man versuchen zu fliehen.“

So kam es dann auch – da es keine wichtigen medizinischen Gründe für einen längeren Aufenthalt gab, habe ich schnell (*hüstel* zwei Stunden lang *hüstel*) das Auto grundgereinigt und die beiden nach Hause geholt.

„Die macht das aber nicht richtig!“

Nummer 1, 2 und 3 sind total vernarrt in Nummer 4. Heute waren sie natürlich zu Besuch und wickelten ihn, trugen ihn herum, und schoben ihn im Kinderwagen spazieren. Zwischendurch kassierte eine der Kinderkrankenschwestern ihn ein, um ihn einer Untersuchung zu unterziehen. Unter der Führung von Nummer 2 stürmten die Mädels hinterher und wollten ins Untersuchungszimmer mitkommen. Die Schwester wollte sie dort aber (natürlich) nicht haben. Sie bot aber an, dass die Drei von außen zuschauen könnten.

Misstrauisch klebten die Mädels sich an die Scheibe und beobachteten die Untersuchung. Sie haben ja ein Geschwisterdiplom, also sind sie (in ihren eigenen Augen) auch echte Experten. Und so ging es los:

Nummer 2: „Die macht das überhaupt nicht richtig! So haben wir das aber nicht gelernt!“
Nummer 1: „Genau, guck mal wie sie die Füße anfasst!“
Nummer 2: „Und die hat den Kopf beim Hochheben gar nicht abgestützt!“

Ich wies darauf hin, dass die Schwester vermutlich schon weiß, was sie tut. Es half nichts – wenn man sie von ihrem Bruder trennt, werden sie echt pampig. 🙂

Zwischenbericht

So, ich schreibe jetzt mal kurz aus dem Krankenhaus. Die Mädels sind heute vormittag zum ersten Mal seit Nummer 4’s Geburt zu Besuch, und gerade ist es ein wenig ruhig geworden.

(Okay, Nummer 1 und Nummer 3 habe ich mit einem aus dem Hut gezauberten iPad-Spiel ruhiggestellt …)

Meine Frau und ich haben nicht viel geschlafen, sie noch weniger als ich, da ich mir Nummer 4 auf die Brust gelegt und ihn in den Schlaf gewippt habe. Nach einer Weile wippte ich mich da auch selbst in den Schlaf – während sie von einem nachgeburtlichen Hormoncocktail wachgehalten wurde.

Es war eine ungewöhnliche Geburt: lang ersehnt, dramatisch, zwischendurch zum Verzweifeln und dann doch viel schneller vorbei als erwartet. Nummer 4 war auch eine halbe Stunde lang echt verärgert und meckerte recht viel – doch seit er sich beruhigt hat ist er ein extrem friedliches und verschmustes Baby.

So, jetzt ist die Ruhezeit langsam vorbei und ich muss mich darum kümmern, die Mädels aus dem Zimmer zu evakuieren …

(nicht redigiert, bitte um Entschuldigung)