Der illegale Stoff

Meine Frau und die Mädels spielen Hauptstadt-Raten, während ich auf der Couch liege und mich mental darauf vorbereite noch trainieren zu gehen.

Meine Frau: „Hauptstadt von Kuba?“

Die Drei schauen ratlos aus – keine weiß es. Unsere Eselsbrücke waren immer die „Havanna“-Zigarren. Daher fragt meine Frau als Tipp nach einem kubanischen Familien-Freund:

„Ja sagt mal, was hat denn der Sammy angeblich immer geraucht?“
Nummer 2 (ganz selbstbewusst):“Haschisch!“

Haschisch, die berühmte Hauptstadt von Kuba. Genau darauf wollten wir hinaus.

Killing just for fun

Melissa Bachman´s Foto mit einem zur Trophäe erschossenen Löwen geht um die Welt. Unter dem Deckmantel moralischer Entrüstung wird jetzt gerne auch schon mal die Jagd auf Melissa Bachman ausgerufen – wie in den Kommentaren auf der Facebook-Präsenz einer bekannten Nachrichtenseite.

Das hat zwar durchaus eine gewisse Ironie. Ohne mich jetzt für diese Dame stark machen zu wollen (die definitiv ein Problem mit Psyche und Sozialisierung hat, wenn ich das mal aus ihrem Hobby „durch die Gegend reisen, Tiere erschießen und sich dann mit Ihnen ablichten lassen“ schließen darf) – finde es schon stark wie schnell manche Menschen in ihrer Reaktion über die Stränge schlagen, wenn es erst einmal eine moralische Rechtfertigung gibt.

Liebe (radikale) Tierfreunde: Nein, ich glaube nicht, dass es ethisch vertretbar ist einen Menschen zu töten oder von Tieren fressen zu lassen weil er (in diesem Fall: sie) sinnloserweise und zum persönlichen Vergnügen ein Tier getötet hat.

Vor allem dann nicht, wenn 40 Prozent von uns gleichzeitig scheinbar bereit sind Mäuse für 10 Euro zu vergasen.

Was sind Amis?

Beim Mittagessen:

Nummer 1: „Wer hat eigentlich die Jägersauce erfunden? Jemand wie die Frau mit der Currysauce?“

Meine Frau: „Meinst Du etwa meine Heldin Hertha Heuwer“?

Nummer 2: „Ja stimmt, die hat die Sauce doch für die Amis erfunden, nach dem Krieg.“

(Bei uns ist Currywurst nicht einfach nur ein Essen. Currywurst ist eine Idee. Und Hertha Heuwer, die Godmother der Currysoße, ist eine Friteusenheilige.)

Nummer 3 schaut verwirrt. Dann fragt sie:

„Was sind Amis?“

Nummer 2: „Amerikaner.“

Kurze Pause. Dann wieder Nummer 3: „Also ich mag Amerikaner nur, wenn da dieser weiße Überzug drüber ist.“

Ihr skeptischer Blick verriet, dass sie sich nicht erklären konnte, warum jemand Currysoße auf einen Amerikaner kippen sollte.

Heute ist Tag der Toilette

Zum Welttoilettentag ein Unboxing-Video für japanische Toilettensüßigkeiten. Hm, das klingt jetzt irgendwie doch zweideutiger und ekelhafter als beabsichtigt. Japanische Süßigkeiten aus einem Spender in Form einer Toilettenschüssel. Besser?

Der Welttoilettentag wurde 2001 von der Welttoilettenorganisation WTO ausgerufen. Trotz aller kindischen Freude über die Deplatziertheit des Begriffes Toilette in diesem Kontext ist das Anliegen der WTO natürlich sehr wichtig. Mehr Informationen zu diesem Thema auch im Brand Eins-Artikel Klo für die Welt

Der Weg ins Licht

Nummer 4 ist in den letzten Tagen sehr ruhig. Zwischendurch macht sich meine Frau deswegen immer mal wieder Sorgen, wenn sich im Bauch zu wenig regt. So kam es, dass sie Nummer 2 einmal fragte:

„Oh Nummer 2, was ist denn bloß mit Deinem Brüderchen los?“
Nummer 2 (im Brustton der Überzeugung): „Na, der bereitet sich darauf vor ans Licht zu kommen. Und zu mir.

Tja, was davon ist denn nun wichtiger?

Ich nehm das mit der Kreuzfahrt

Ich nehm das mit der Kreuzfahrt

In der Welt tobt derzeit eine Debatte darüber, wann und warum Menschen überhaupt Kinder bekommen. Beziehungsweise, da wir hier in Deutschland leben, tobt die Debatte vielmehr darüber, wann und warum Menschen keine Kinder bekommen. Wir sind hier natürlich die Ausnahme, die die Regel bestätigt, daher hier mal kurz die ehrliche Stellungnahme einer kinderreichen Familie:

Ja, wir würden auch lieber ausschließlich Designerklamotten kaufen und Essen gehen, wann immer wir Lust dazu haben. Meine Frau hätte sicher auch nichts dagegen einen Spider zu fahren statt einen Van. Mir ist mein Schlumpfporsche zwar lieber als ein echter Porsche (wobei, den könnte ich verkaufen und mir einen Schlumpfporsche und JEDE MENGE ZEUG kaufen, also sagt bitte nicht ich wüsste den nicht zu wertschätzen), gegen eine echte Elise hätte ich auch auch wenig einzuwenden. Wir würden lieber dreimal im Jahr in Urlaub fahren, am besten jedes Mal teuer. Und gegen eine nette Wohnung mit Dachterrasse irgendwo in einer gentrifizierten, zentralen Großstadtlage würden wir nur zu weit auch nicht opponieren. 

Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen. Fällt Euch was auf? Beinahe sämtliche gefühlten Nachteile der Elternschaft sind aus der Kategorie „Konsumverzicht„, induziert durch:

  1. Kosten für Zeug für die Kinder beziehungsweise einen kinderfreundlichen Lebensstil
  2. Opportunitätskosten durch den Verzicht auf Teile eines Gehalts.

Ja, Geld ist immer ein Thema wenn man Kinder hat, insbesondere bei mehreren. Die freie Verfügbarkeit von Geld ist aber, neben der freieren Verfügbarkeit von Zeit, auch der wesentliche Vorteil, den der Verzicht auf Kinder hat. All die Menschen aus diesem Welt-Artikel, die „jetzt noch keine Kinder“ wollen, wollen also in Wirklichkeit nicht auf Konsum und Freizeit verzichten. Ein Staat, der die Fertilität seiner Bürger antreiben möchte, müsste also dafür sorgen, dass Kinder etwas weniger Verzicht bedeuten.

Die Rechnung, oberflächlich betrachtet, ist für viele Frauen doch folgende:

„Hm, ich könnte jetzt mit der Familienumsetzung anfangen. Dann müsste ich erst einmal zuhause bleiben, dann Teilzeit wieder einsteigen. Dafür kann ich mich viel mehr mit Windeln und Bauklötzen beschäftigen (das ist ja irgendwie auch niedlich). Wenn ich mehrere Kinder bekomme, wird es mit dem Beruf eh nicht mehr so viel werden, ich werde also den größten Teil meiner Kommunikation nicht mehr mit Erwachsenen vollführen. Ansonsten muss ich meine Kinder ganz, ganz früh fremdbetreuen lassen und trotzdem mordsmäßigen Stress riskieren, weil meine kinderlosen Kolleginnen und Kollegen ganz locker Überstunden machen und sie nie abends oder gar nachmittags auf die Uhr gucken müssen. Oder ich spare zusammen mit meinem Partner noch ein wenig und wir gehen Endes des Jahres auf Kreuzfahrt.“

Die gesellschaftliche Tendenz, Kinder zu einem (eigentlich sogar extravaganten und teuren) Hobby zu erklären, für dass man doch bitteschön komplett allein verantwortlich ist (weil die kinderlose Mehrheit ja schon so viel Steuern für andererleuts Kinder zahlt), sorgt für ein Klima in dem frau dann verständlicherweise leicht sagt:

„Ich nehm das mit der Kreuzfahrt.“

Ich habe vor einigen Tagen in Politikum auf WDR5 einen interessanten Beitrag einer Politologin gehört, die der Meinung war, dass vor allem die staatliche Altersversorgung auf die Geburtenrate drückt. Kurz gesagt: so lange man keine Rente bekam, war man auf die eigene Brut für die Versorgung im Alter angewiesen. Durch das umlagefinanzierte Rentensystem kann man sich jetzt ja auch von andererleuts Brut versorgen lassen. Also kein Grund, die Mühen der Aufzucht auf sich zu nehmen.

Ich glaube, wir leben einfach in einem System, das es für einen Homo Oeconomicus unrentabel macht, Kinder zu bekommen. Ohne hier Patentrezepte liefern zu wollen: so lange Kinder so viel Verzicht auf Konsum und Freizeit bedeuten wie sie es aktuell tun, ökonomisch individuell aber gleichzeitig keinen Nutzen bringen, können oder wollen es sich viele Menschen einfach nicht leisten sich fortzupflanzen.

Glücklicherweise ist der Nutzen von Kindern nicht nur ökonomisch zu messen:
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Trotzdem: Wenn die Mädels so richtig nerven, weisen wir sie gerne darauf hin, was für ein kernentspanntes Leben voller Wohlstand wir führen würden, wenn wir keine Kinder hätten. In unserer Welt wäre das nämlich so. 😉

Wir essen jetzt viel weniger Fleisch

Ich persönlich glaube ja, dass „Wir essen jetzt viel weniger Fleisch“ das Mantra in irgendeiner Sekte ist, in der wir auch schon fast drin sind. Diesen Satz, ergänzt durch das unvermeidliche „Und wenn, dann kaufen wir beim Bauern unseres Vertrauens“, hört man momentan bei quasi jedem Gespräch über Essen. Gefühlt hört man ihn auch in Gesprächen, die gar nicht von Essen handeln. 

Wir sind jetzt alle Vege-, Flexi- oder Veganitarier*, gerne auch in den verschiedenen Unterarten „nur Fisch“, „Fisch, Milch und Eier“, „Fisch und Milch, aber keine Eier“, „nur Eier, aber kein Fisch, weil der schmeckt nicht, und keine Milch, weil ich bin ja (laktose)intolerant„. Den Fisch essen wir natürlich auch nur vom Bauern unseres Vertrauens.

Im Ernst, finde ich alles super, dass man sich heute so viele Gedanken darüber macht, was man mit seinem Konsum so in der Welt anrichtet.

Auch wenn wir mittlerweile seit vielen Jahren nicht mehr vegetarisch leben hier, bin ich bis heute davon überzeugt dass dies ethisch gesehen eigentlich die einzige Alternative ist. (Ja, fragt mich ruhig warum wir es trotzdem nicht machen). 

Trotzdem bin ich bei solchen Bionade-Biedermeier-Trends irgendwie auch skeptisch. Wenn man keinen Essstil hat, der mit „Arier“ aufhört, muss man sich ja fast schon wie einer vorkommen. Im negativen Sinne, natürlich. Finde ja sowieso, dass ums Thema Essen irgendwie zu viel Aufhebens gemacht wird. Das ist so wie mit dem Wetter – wir haben halt alle Wetter, das ist der kommunikative kleinste Nenner jeder arbiträren Zusammenkunft von Menschen. Essen tun sie eben alle auch. Daher, so muss ich leider sagen, kann ich solchen Essenskult jedweder Couleur nicht 100%ig ernst nehmen. Wo sollten denn diese Vertrauensbauern auch alle herkommen.

 

*Ich weiß dass das nicht so heißt. Würde mir aber die Pointe versauen.

Hübschmachkiste

Nummer 3 (eine Art angemalte Erbsenschote hochhaltend): „Was ist denn das hier?“
Meine Frau: „Keine Ahnung – wo hast Du das denn her?“
Nummer 3: „Na, aus Deiner Hübschmachkiste!“
Meine Frau (verwirrt): „Was ist denn meine Hübschmachkiste?“
Nummer 3: „Na, das da!“

Sie zeigte auf die Dekoschale auf unserem Couchtisch.