Synchronisations-Snobismus

Mal kurz was anderes: Wir gucken erst jetzt Breaking Bad aus. Weil erst jetzt die deutsche Synchronisation verfügbar ist. Als Unterhaltungs-Snobs müssten wir ja eigentlich die Synchronisation verächten, aber irgendwie klappt das nicht. Und das, obwohl ich auf der Arbeit fast mehr Englisch als Deutsch kommuniziere und meine Frau die Sprache akzentfrei spricht.

Irgendwie halte ich das immer für so ein „Die alten Platten fand ich ja ganz gut, die neuen nicht“-Ding. Daher mein Kommentar zum Thema: Die alten Staffeln fand ich ja ganz gut. Aber das Buch war sowieso viel besser.

Jetzt aber genug Zeit mit Unterhaltungs-Platitüden verschwendet.

Politisch inkorrekt – oder: Das Betreuungsgeld-Bashing ist populistisch

Heute muss es einfach mal raus. Ja, obwohl es politisch nur schwer vertretbar ist und ich gefühlt der einzige Mensch in Deutschland bin, der hier von der Meinungsnorm abweicht. (Okay, dieser Eindruck könnte vielleicht daher rühren, dass ich „Irgendwas mit Medien“ arbeite)

Jedenfalls, darum geht es mir, es regt mich echt auf dass alle hier so tun als sei die mögliche Abschaffung des Betreuungsgelds die beste Erfindung seit geschnittenem Brot. Im Ernst, ich kann ja so einige Argumente gegen diese Leistung nachvollziehen, aber das hier medial gesehen quasi kein Mensch darauf eingeht, dass diese Leistung irgendwo, irgendwie auch ihre Berechtigung haben könnte, geht mir echt ein wenig auf den Nerv. Kein Mensch hat sich beschwert, als das Elterngeld eingeführt wurde (de facto auch eine Umverteilungsmaßnahme von Familien mit mehreren Kindern zu doppelverdienenden Akademikern, die sich sonst ja keine Kinder hätten leisten können). Aber wenn mal eine (minimale) Leistung eingeführt wird, die auch Leuten zugute kommt, die blöd genug sind ohne staatliche Subventionen Kinder zu bekommen, wird der Untergang der abendländischen Emanzipation verkündet.

Denn ja, selbstverständlich werden die ganzen gut ausgebildeten Akademikerinnen sich nun, im Zeitalter der „Herdprämie“, für 100 Euro im Monat gegen einen gut bezahlten Job entscheiden. Habe ich letztens selber in der Cafeteria gehört:

„Und, wie machst Du jetzt nach der Geburt beruflich weiter, Meike?“
„Eigentlich wollte ich ja den Kleinen in eine Kita geben und wieder meinen Job als Staranwältin aufnehmen, aber jetzt, wo es das Betreuungsgeld gibt, überlege ich mir das nochmal. Ist ja auch ganz schön zuhause, und mein Mann mag es, wenn ich so viel koche und putze.“
„Verstehe ich sehr gut, 100 Euro sind ja auch eine Menge Geld, so viel verdienst Du jetzt in Teilzeit ja bestimmt nicht mehr.“

Damit bin ich bei den zahlreichen negativen Auswirkungen der Herdprämie noch nicht am Ende angekommen. Selbstverständlich werden auch Horden von sozial schwachen, ungebildeten Schmarotzern die Gelegenheit nutzen ihr Einkommen durch die Herdprämie aufzubessern und ihre zahlreichen Kinder lieber weiter zuhause verdummen, anstatt sie in staatliche Obhut zu geben. Oh, die Herdprämie greift bei ihnen gar nicht? Das wissen sie vermutlich nicht und versuchen es trotzdem.

Ganz im Ernst: Der ganze Kinderbetreuungs- und Karrieresermon hat doch ohnehin nur so lange Relevanz, wie man maximal zwei Kinder hat. Mit mehr Kindern können in den allermeisten Fällen schlicht und einfach nicht beide Elternteile Karriere machen. Wobei ja jetzt ohnehin nicht jeder Kariere macht – gar nicht so wenige Menschen gehen auch einfach nur arbeiten.

Ich verstehe ja durchaus, dass mein Eigeninteresse als statistisch nicht relevante Zielgruppe hier eine Rolle spielt. Trotzdem finde ich den Populismus bedenklich, mit dem momentan gegen eine familienpolitische Leistung, die auch wirklich Familien zu gute kommt (die schon welche sind und nicht erst dafür bezahlt werden müssen eine zu werden), vorgegangen wird. Ja, Kitas sollten trotzdem da sein. Und kostenlos. Das könnte man dann Wahlfreiheit nennen.

Arbeitsmoral

Seit wir ein Haus gekauft haben, sind wir immer wieder auf die Hilfe von Spezialisten jeder Couleur angewiesen. Vornehmlich handelt es sich um Handwerker, davon natürlich einige unterschiedliche „Sorten“. Alle haben jedoch eins gemein: Sie zeichnen sich durch eine Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit aus, wegen der ich schon lange arbeitslos wäre, wenn ich meinen Job so machen würde.

Ein Beispiel: Wir versuchen seit mehr als einem Jahr, einen Wasserschaden reguliert zu bekommen (den übrigens schlampige Handwerker verursacht haben). Normalerweise würde man ja jetzt erwarten, dass die böse Versicherung uns da vielleicht Schwierigkeiten macht oder so, oder der Gutachter. Pustekuchen. Die haben alles bewertet und zahlen auch. Aber seit zehn Monaten (!) rennen wir Horden von Handwerkern hinterher, die offensichtlich keine Lust haben Geld zu verdienen. Man muss ja heutzutage wirklich dankbar sein, wenn sie einem überhaupt eine Audienz gewähren, geschweige denn sich zu einer Großtat wie dem Schreiben eines Angebots zu bequemen.

Jaja, ich vermute das Gemecker hier ist gerade nicht besonders innovativ. Man kann auch über das Wetter oder die Regierung nörgeln, das sind genauso verlässliche Quellen von Unmut. Ich habe mich jedoch sehr gewundert, als meine Frau mir letztens von unserem Freund erzählte, der Veganer, Schamane, sanftmütig und tiefenentspannt ist. Der hat letztens nämlich auch ein Haus gekauft, überschaubare 100 Quadratmeter, ganz ohne Sperenzchen wie Solaranlage oder BUS-System wie bei uns. Dieser Schamane jedenfalls, der seine Wochenenden meist meditierend in der Schwitzhütte verbringt, schrieb ihr vor einiger Zeit völlig verzweifelte E-Mails: Das Haus würde ja nicht fertig werden, die Handwerker würden einfach nicht voran kommen, die Bude wäre nicht bezugsfähig und eigentlich wolle er sie auch schon gar nicht mehr. Puh, dachte ich mir, da bin ich ja wenigstens nicht alleine, wenn sie sogar DEN in den Wahnsinn treiben. Ich bat meine Frau ihm folgendes auszurichten:

„Du kannst immerhin froh sein, dass Du nicht gebaut hast. Denn überleg einmal, wer dieses Haus gebaut hätte: Handwerker. DAS wäre wirklich schlimm geworden.“

(Disclaimer: Liebe Handwerker unter meinen Lesern, ich bin mir sicher dass dies nicht für Euch gilt. Aber leider kommen zu mir scheinbar fast nur die schwarzen Schafe – bis auf unseren Haustechniker, den ich hier lobend erwähnen muss 🙂 )

Mutanten

Nummer 2, gefürchtet für ihre Fähigkeit, Unmengen von Milch in einem Augenblick zu vernichten, begrüßte mich gestern Abend mit folgender Weisheit:

„Milchtrinker sind Mutanten. Haben wir heute in der Schule gelernt.“

Nach ein paar kurzen Ausführungen zum Thema (mir war das ja nicht neu, auch wenn ich den kindlichen Reiz des Wortes „Mutanten“ – wie in „Zombiemutanten“ oder „Mutantenangriff“ – durchaus nachvollziehen konnte) machte ich mir Reste vom Mittagessen warm. Fisch und Gemüse. Die Mädels schielten misstrauisch auf meinen Teller, denn das Highlight – die Pommes – hatte ich weggelassen. Ich meinte dazu, dass ich das Gemüse eigentlich ganz gerne esse. Dazu Nummer 3:

„Du bist auch ein Mutant. Weil Du gerne Gemüse isst.“

 

 

 

Ich wär so gern Frisör

(Aus dem Archiv – 2009. Nummer 2: 5 Jahre alt. Nummer 1: 6 Jahre alt.)

Als ich heute abend nach Hause kam, war es in den oberen Etagen extrem ruhig. Meine Frau und ich konnten ganz in Ruhe zusammen zu abend essen, ohne Trara und Geplapper. Irgendwann warfen wir einen kritischen Blick die Treppe hinauf. „Es ist so ruhig da oben, ich habe Angst“, meinte meine Frau. Ich möchte die Gelegenheit nutzen um zu erzählen, warum wir (über das gesunde, lebensnotwendige Elternmaß hinaus) in so einer Situation Angst haben.

Es war im Frühling 2009. Die Bankenkrise war noch in vollem Gange, die Vögel twitterten von den Dächern, und ich war seit Anfang des Jahres nach einer Auseinandersetzung mit dem Oberarzt wieder zu Hause. Zwar als Pflegefall, aber immerhin zu Hause.

Genug der launigen Einführung. Ich war körperlich ziemlich fertig, meine Frau hatte viel zu viel zu tun mit drei Kindern und einem kaputten Mann, und so lagen wir Samstagmorgens noch ziemlich alle im Bett, als Nummer 2 zu uns kam.

„Wir spielen Frisör“, erzählte sie freudig. Unsere Alarmglocken gingen an. „Mit einer Schere?“
„Nein, nein“, meinte Nummer 2. „Nur mit einer Bürste.“
„Na dann ist ja alles gut, spielt ruhig weiter“, brummten wir schläfrig.

Froh, noch eine halbe Stunde schlafen zu können, ließen wir Nummer 2 wieder nach oben abziehen. Schließlich kamen Nummer 1 und Nummer 2 wieder runter und legten sich „zum Schmusen“ zu uns ins Bett. Das Zimmer war noch dunkel. Die Beiden legten sich zwischen uns und alles schien sehr heimelig – bis meine Frau neben sich griff.

„Warum ist das Bett so nass?“ fragte sie plötzlich, leichte Panik in der Stimme.
„Wir haben Frisör gespielt“, antworteten die Mädels. „Aber jetzt kriegen wir die Bürste nicht mehr raus.“

Böses ahnend knipste meine Frau das Licht an. Und da lagen sie: in einem feuchten Kringel aus nasser Bettwäsche und auch ein wenig nass im Gesicht. Nummer 2 hatte eine Bürste im Haar stecken – eine Toilettenbürste.

Warum heißt das eigentlich Schokoticket?

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(Bild: VRR)

Hintergrundinfo: Schülertickets für den Schulbus heißen bei uns im VRR Schokoticket.

Als ich gerade Nummer 3 von einem Kindergeburtstag abholte, sprachen wir darüber, dass sie morgen zum ersten Mal mit dem Schulbus fährt. Es hatte eine Weile gedauert, bis sie ihr Ticket bekam, aber morgen würde es dann losgehen.

Nummer 3: „Das habe ich in der sichersten Tasche in meinem Tornister.“ Kurze Pause.
„Warum heißt das eigentlich Schokoticket? Ich hätte das Busticket genannt.“

Das muss ich dem VRR dringend mal mitteilen. Da hätten die meiner Meinung nach auch selber drauf kommen können.