Politisch inkorrekt – oder: Das Betreuungsgeld-Bashing ist populistisch

Heute muss es einfach mal raus. Ja, obwohl es politisch nur schwer vertretbar ist und ich gefühlt der einzige Mensch in Deutschland bin, der hier von der Meinungsnorm abweicht. (Okay, dieser Eindruck könnte vielleicht daher rühren, dass ich „Irgendwas mit Medien“ arbeite)

Jedenfalls, darum geht es mir, es regt mich echt auf dass alle hier so tun als sei die mögliche Abschaffung des Betreuungsgelds die beste Erfindung seit geschnittenem Brot. Im Ernst, ich kann ja so einige Argumente gegen diese Leistung nachvollziehen, aber das hier medial gesehen quasi kein Mensch darauf eingeht, dass diese Leistung irgendwo, irgendwie auch ihre Berechtigung haben könnte, geht mir echt ein wenig auf den Nerv. Kein Mensch hat sich beschwert, als das Elterngeld eingeführt wurde (de facto auch eine Umverteilungsmaßnahme von Familien mit mehreren Kindern zu doppelverdienenden Akademikern, die sich sonst ja keine Kinder hätten leisten können). Aber wenn mal eine (minimale) Leistung eingeführt wird, die auch Leuten zugute kommt, die blöd genug sind ohne staatliche Subventionen Kinder zu bekommen, wird der Untergang der abendländischen Emanzipation verkündet.

Denn ja, selbstverständlich werden die ganzen gut ausgebildeten Akademikerinnen sich nun, im Zeitalter der „Herdprämie“, für 100 Euro im Monat gegen einen gut bezahlten Job entscheiden. Habe ich letztens selber in der Cafeteria gehört:

„Und, wie machst Du jetzt nach der Geburt beruflich weiter, Meike?“
„Eigentlich wollte ich ja den Kleinen in eine Kita geben und wieder meinen Job als Staranwältin aufnehmen, aber jetzt, wo es das Betreuungsgeld gibt, überlege ich mir das nochmal. Ist ja auch ganz schön zuhause, und mein Mann mag es, wenn ich so viel koche und putze.“
„Verstehe ich sehr gut, 100 Euro sind ja auch eine Menge Geld, so viel verdienst Du jetzt in Teilzeit ja bestimmt nicht mehr.“

Damit bin ich bei den zahlreichen negativen Auswirkungen der Herdprämie noch nicht am Ende angekommen. Selbstverständlich werden auch Horden von sozial schwachen, ungebildeten Schmarotzern die Gelegenheit nutzen ihr Einkommen durch die Herdprämie aufzubessern und ihre zahlreichen Kinder lieber weiter zuhause verdummen, anstatt sie in staatliche Obhut zu geben. Oh, die Herdprämie greift bei ihnen gar nicht? Das wissen sie vermutlich nicht und versuchen es trotzdem.

Ganz im Ernst: Der ganze Kinderbetreuungs- und Karrieresermon hat doch ohnehin nur so lange Relevanz, wie man maximal zwei Kinder hat. Mit mehr Kindern können in den allermeisten Fällen schlicht und einfach nicht beide Elternteile Karriere machen. Wobei ja jetzt ohnehin nicht jeder Kariere macht – gar nicht so wenige Menschen gehen auch einfach nur arbeiten.

Ich verstehe ja durchaus, dass mein Eigeninteresse als statistisch nicht relevante Zielgruppe hier eine Rolle spielt. Trotzdem finde ich den Populismus bedenklich, mit dem momentan gegen eine familienpolitische Leistung, die auch wirklich Familien zu gute kommt (die schon welche sind und nicht erst dafür bezahlt werden müssen eine zu werden), vorgegangen wird. Ja, Kitas sollten trotzdem da sein. Und kostenlos. Das könnte man dann Wahlfreiheit nennen.

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