Ein Ausflug in die Welt der Freizeitparks

Wir waren vor drei Tagen im Movie Park. Bisher hatten sich unsere Freizeitpark-Erfahrungen vor allem auf Kernie´s konzentriert, den Park, den ein Niederländer im Ex-Schnellen Brüter in Kalkar hochgezogen hat. Kernie´s ist sozusagen ein Vermächtnis meiner Mutter, die ihn 2006 gefunden und für einen Ausflug zum Kindergeburtstag rausgepickt hatte. Die Mädels waren damals noch sehr klein, und wir vermuteten, dass Kernie´s für jüngere Besucher mehr zu bieten hatte. Der Brüter-Park hat einige unbestreitbare Vorzüge: Er ist (für uns) recht nah, einigermaßen überschaubar – und es gibt eine Flatrate für Pommes, Eis und Softdrinks (7-Kilo-Tasche voller Picknick und Getränke, anybody?). Kernie´s hat uns in den Jahren danach ein paar erfreuliche Ausflüge beschert, die immer sehr entspannt und für die Kinder trotzdem aufregend genug gewesen waren. 

Trotzdem blieb da der Zweifel: Enthalten wir unseren Kindern nicht das “echte” Spaßpark-Erlebnis vor, wenn wir uns immer für den bekannten Park entscheiden? Klar, das Budget spielt irgendwo auch eine Rolle, neben rund 150 Euro für den Eintritt ist man in den großen Parks schnell auch mal 4 Euro für eine Portion Pommes los. Mal fünf und jeweils eine Cola dazu, und man ist nochmal dreißig Euro ärmer und hatte nichtmal einen Nachtisch.

Aber wir wollen ja nicht geizig sein und den Mädels “the real thing” vorenthalten, also nahmen wir in die Planung für dieses Jahr mal den Movie Park auf. Schließlich – so dachte ich zumindest – würde der in einer ganz anderen Liga spielen als der Schnelle Brüter. Und so machten wir uns am Montag, bewaffnet mit einer 7-Kilo-Tasche voller Getränke und Picknick, nach Bottrop-Kirchhellen auf. 

Es begann auch ganz positiv (okay, bis auf die Parkplätze, aber man will ja nicht direkt mosern): Der Park ist schön angelegt, schon eine andere Nummer als der nur mager verborgene Kraftwerk-Stil in Kalkar. Imposante Filmmusik empfängt einen und man schaut auf nett gemachte Kulissen. Am Eingang eine Einkaufsstraße voller Souvenirshops und Gastronomie, alles schön retro und mit alten Autos garniert. Auf dem NY Plaza wurden wir von einer 80s-Filmshow im “Zurück in die Zukunft”-Stil empfangen, was den Mädels sehr gefiel.

Nach dem ersten Aha-Erlebnis machten wir uns auf die Suche nach Fahrgeschäften und wurden natürlich auch fündig – allerdings mit 45 Minuten Wartezeit. Also gut, gehen wir erst einmal woanders hin. In der Westernstadt gab es nur einen Freefall-Tower (nicht so unsers) – und ungefähr zehn Buden mit kostenpflichtigen Zusatzspielen und Essen. Okay, schön und gut, aber erst einmal wollten wir doch was “normales” Fahren und nicht direkt draufzahlen, also ging die Suche weiter. 45 Minuten, 60 Minuten – nach einer Weile verlegten wir uns auf die Dora-Attraktionen (Nummer 3 liebt Dora), ausgehend von der Annahme dass die Kinderkarussells schon nicht so gut besucht sein würden. Pustekuchen, alles was ein bißchen über Schützenfest-Action hinaus ging war berstend voll. 45 Minuten plus. Eine unwillkürliche Kurzanalyse meines marketingmäßig nicht ungebildeten Gehirns brachte den Grund zutage: auf eine Attraktion kamen im Schnitt wohl fünf “Fressbuden” (schön und gut, aber so viel KANN ich gar nicht essen). Wer nicht extra zahlen wollte, reihte sich in die langen Schlangen ein. Das Verhältnis Besucher zu Attraktion passte einfach gar nicht, dafür gab es halt überall Essen …

Dann der Lichtblick: Der Mystery River. Keine Warteschlange, und das obwohl es etwas mit Wasser zu tun hatte! (Wir hatten 30 Grad)

Ich stürmte mit Nummer 1 und 2 den Weg hinauf, vorbei an den Schildern “Wartezeit ab hier: 45 Minuten”. Wir konnten es kaum glauben! 30 Minuten passiert, 15 Minuten auch, ab in die Bude. Gleich würden wir Spaß haben! Wir betraten eine Bibliothek, durch die eine Wartespur (leer!) führte. Immer noch nichts los. 

Als wir um eine Ecke bogen, folgte jedoch die Ernüchterung: Ein neues Schild verhieß: „Wartezeit ab hier: 45 Minuten“. Wow, offensichtlich ist „in der Bibliothek in der Schlange stehen“ schon eine eigene Attraktion, wir würden also das 2-in-1-Spaßpaket bekommen! Leider fing hier die Schlange an. Die Luft war stickig, der Gang eng – kurz: wir traten die Flucht an. Ich möchte nicht wissen was in einem vorgeht wenn man bis hierhin schon 45 Minuten Wartezeit hinter sich hat!

Mittag. Statistik der Fahrten:

  • Ich: 0
  • Meine Frau: 0
  • Nummer 1: 0
  • Nummer 2: 0
  • Nummer 3: 3  

Krisensitzung. Sind wir nur blöde und geizige Miesepeter, weil wir gerne erst mal ein paar Fahrten sehen wollen für 150 Euro Eintritt? Vermutlich. Wir sahen uns um, scheinbar hatten die Leute Spaß. Also sind wir das Problem und nicht der Park. Wir futterten die 7-Kilo-Tasche leer und beschlossen am Nachmittag so richtig loszulegen. 45 Minuten Wartezeit? Ganz egal, der Nervenkitzel würde das schon rausreißen!

(Ihr seht, wie wir uns hier schon in die Tasche labern mussten um die Moral der Truppe hochzuhalten)

Um 14 Uhr stellte ich mich mit Nummer 2 in Van Helsings Factory an. Wir stellten uns in eine Schlange, die sich recht schnell einem ersten (scheinbaren) Eingang näherte. Wow, vielleicht würde alles doch schneller gehen? Nach zehn Minuten bogen wir um die Ecke. Ich schielte in einen Raum, in dem eine gut durchoptimierte Wartespur zu einem weiteren Eingang führte. Ein Leidensgenosse fragte mich von hinten: “Können Sie sehen wie lang die Schlange noch ist?” Wahrheitsgemäße Antwort: “Ich kann das Ende nicht sehen. Aber da oben steht: Wartezeit ab hier: 45 Minuten.” Im Gegensatz zu uns (psychisch optimal vorbereitet und Picknick-gestärkt wie wir waren) gab er augenblicklich auf. 

Wir vertrieben uns die nächsten 15 Minuten mit Geschichten über Vampire. Die Before-Show-Party in der Factory war rund fünf Minuten spannend – niemand ahnte, dass er sie bis zum Ende der Warterei rund 87 mal gehört haben würde. Nach 30 Minuten waren wir mitten in der Wartespur – es gab also kein Zurück mehr. Van Helsings Einpeitschsprüche konnten wir schon mitsprechen. Nach 45 Minuten war irgendwie immer noch recht viel Schlange vor uns, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache dass hinter dem nächsten (scheinbaren) Eingang etwas wartete – na was wohl? Eine weitere Wartespur mit Riesenschlenker. Aber jetzt konnte man auch nicht mehr aufgeben, also machte ich blöde Witze und spie Durchhalteparolen aus. Van Helsing nervte langsam wirklich. 

Nach 60 Minuten war es soweit. Wir gingen auf eine (maximal) dreiminütige Fahrt, die in der Tat ganz nett war. Nur irgendwie viel zu schnell vorbei – das wäre ja so, wie sich für einen zweistündigen Kinofilm 40 Stunden anzustellen. Größter Lichtblick: Die Kreischer hinter uns, als nach der Fahrt ein Gargoyle aus der Decke kam. Hähä, da hatte es jemanden noch blöder erwischt als uns. 

Danach Familientreffen am NY Plaza. Meine Frau war mitterweile echt alle (6. Monat), Nummer 1 war gelangweilt, einzig Nummer 3 war irgendwie halbwegs zufrieden, aber mittlerweile auch müde. Wir beschlossen, noch einmal durch den Park zu streunen. Vielleicht konnte man ja irgendwo eine schnelle Fahrt abstauben. 

Leider nein, 30 Minuten später sahen wir nur noch Fressbuden und Warteschlangen. Ich ließ mich darüber aus dass man da auf einer Kirmes besser aufgehoben ist (da zahlt man zwar für jede Fahrt, kann dafür aber auch fahren) und regte an, ich könnte ja mit Nummer 1 und 2 morgen nochmal wiederkommen. Tickets für den nächsten Tag gab es immerhin gratis. Das war sozusagen die finale Durchhalteparole und wir machten uns auf den Weg. 

Statistik der Fahrten:

  • Ich: 1
  • Meine Frau: 2
  • Nummer 1: 5 (alles Kinderkarussels)
  • Nummer 2: 5 (bis auf Van Helsing nur Kinderkarussells) 
  • Nummer 3: 8 (natürlich nur Kinderkarussells)

Am nächsten Morgen saß ich im Auto und wollte Brötchen holen, als ich die Radiodurchsage hörte: “Auf der A31 Richtung Emden drei Kilometer Stau wegen Anfahrtsverkehr zum Movie Park.” Wir haben den zweiten Besuch dann abgesagt. 

Fazit: Viele Leute hatten dort Spaß, wir nur sehr begrenzt. Den Erwachsenen hat die Kombination aus langen Warteschlangen und hemmungsloser Durchkommerzialisierung die Freude verdorben, den Kindern nur die Tatsache dass die (viel zu wenigen) Attraktionen aufgrund von faktischer Überfüllung kaum nutzbar waren. Wenn man sich konsequent den ganzen Tag immer in Warteschlangen gestellt hätte, hätte man rund acht mal ein größeres Fahrgeschäft benutzen können – also acht Stunden Wartezeit für maximal 30 Minuten Nervenkitzel. Die Rechnung geht für mich nicht auf. Meine Empfehlung lautet: Weniger Fressbuden, mehr Attraktionen – aber vermutlich bin ich nur ein Miesepeter. 

Schlaghosenhuhn

Meine Frau: Guck mal, da vorne sind Schlaghosenhühner! Ich liebe Schlaghosenhühner. Die heißen natürlich nicht wirklich so.

Ich: Doch, das ist ihr botanischer Name – Huhnus Schlaghosius.

Meine Frau (lachend): Botanisch? Also ist das eine laufende und gackernde Pflanze?

Ich: Selbstverständlich. Chinesische Vegetarier haben das Schlaghosenhuhn bereits vor 4.000 Jahren entdeckt und als Pflanze katalogisiert. Bis heute wird dieses Gewächs in China sehr gerne von Vegetariern verspeist.

Just in diesem Moment erhob sich die Pflanze und versteckte sich hinter dem Hühnerhaus … äh Gewächshaus. 

Olivenöl

Wir haben heute andalusische Bratkartoffeln gegessen. Eine Stunde später:

Ich: „Ich habe echt eine schlechte Fettverdauung.“
Meine Frau: „Aber Du hast gesundes Olivenöl gegessen, Dein Körper empfindet Freude, während er es in gesunde Bestandteile aufspaltet. Italiener werden 150, weil sie immer Olivenöl essen.“
Ich: „Ich werde vielleicht auch 150, aber bis dahin ist mir dann schlecht.“

Das Chantalismus-Problem

Wir wissen jetzt seit einigen Tagen, dass Nummer 4 ein Junge wird. Das ist natürlich großartig (vor allem wegen der Abwechslung) 🙂 

Für mich persönlich führt das dazu, dass ich mich viel intensiver mit der Namenswahl beschäftigen muss als bei vergangenen Schwangerschaften. Wir hatten vor der Geburt von Nummer 1 vereinbart, dass meine Frau das letzte Wort bei den Mädchennamen hat, ich hingegen bei den Jungennamen. Jetzt habe ich so lange auf diesen Moment warten müssen 🙂 und nun stehe ich vor dem Chantalismus-Problem

Nein, damit ist nicht gemeint dass es zu viele dämliche Namen gibt. Vielmehr meine ich dass sozial herausgeforderte Mitmenschen sich immer gerne jeden Namen unter den Nagel reißen der ihnen über den Weg läuft. Das führt dazu, dass das Bildungsbürgertum ihre Kinder zur Abgrenzung jetzt wieder nennt wie ihre Großväter (das ist Vintage).

Also sehe ich mich der Herausforderung gegenüber einen Namen zu finden der 

  • außergewöhnlich ist (ich selbst habe den häufigsten Namen aus meiner Generation, in meinem Informatikkurs in der Oberstufe hießen 50 Prozent genauso wie ich)
  • nicht von Asis besetzt ist. 

Ich möchte ja einerseits vermeiden, dass es im Kindergarten noch einen Leon oder Luca mehr gibt, andererseits möchte ich aber auch nicht dass ein in diese Gefilde verirrter Berliner Hipster unseren nichtvorhandenen Autoaufkleber fotografiert und sich darüber lustig macht dass mein Sohn nicht Emil oder Heinrich heißt (Ihr versteht?).

Das wirft folgende Herausforderungen auf: 

  1. „Echte“ deutsche Namen klingen mir zu sehr nach Stinkbert oder Schindholm
  2. Originell gemeinte Falschschreibungen wie Fynn kommen nicht in Frage, mal abgesehen von deren meist hohem Rang in irgendwelchen “Hitlisten”
  3. Englische Namen klingen mir zu sehr nach Cayenne oder Kevin (selbst wenn es natürlich viel schönere gibt, aber wie gesagt, gefühlt wird dieser Sprachraum sehr schnell “besetzt”)
  4. Französische Namen kann halb Deutschland nicht aussprechen
  5. Italienische und spanische Namen haben auch ein leichtes San Diego-Flair (teilweise)

Also was bleibt? Alles andere ist mir schon mal kulturell zu weit weg. Vor ein paar Tagen dachte ich noch ich hätte mit Mateo den großen Wurf getan, bis meine Frau recherchierte dass irgendsoein Heini bei DSDS so heißt und ich herausfand dass der Name in der Schweiz gerade ganz, ganz weit oben bei der Beliebtheit liegt. Wir wollen ja nicht, dass alle später einmal denken Nummer 4 würde immer Müesli zum Frühstück wollen, nur weil er Mateo (oder eine Variante davon) heißt. Außerdem mag ich schon seit dem Sandmann den Namen Nathanael, aber der ist mir als Rufname tendenziell zu exaltiert. 

In den nächsten Tagen heißt es also, die Namen die überhaupt irgendwie gehen zu durchforsten und eine engere Auswahl zu treffen. Bei Mädchen war das irgendwie einfacher und ich habe auch schon gelesen warum:

Dass Mädchennamen tendenziell ausgefallener sind als Jungennamen ist übrigens keine aktuelle Modeerscheinung. Auch früher schon waren Mädcheneltern mutiger und einfallsreicher bei der Namenswahl als Jungeneltern. Soziologen behaupten, dass das althergebrachte Rollenbild (unbewusst) dahinter steckt: Jungen sollen Karriere machen und etwas darstellen, das geht natürlich nur mit einem seriösen Namen. Mädchen sind die schmückenden Anhängsel, die auch mit einem originellen Namen zurechtkommen.

(Quelle: http://www.beliebte-vornamen.de/25207-haeufige-namen.htm)