Das Chantalismus-Problem

Wir wissen jetzt seit einigen Tagen, dass Nummer 4 ein Junge wird. Das ist natürlich großartig (vor allem wegen der Abwechslung) 🙂 

Für mich persönlich führt das dazu, dass ich mich viel intensiver mit der Namenswahl beschäftigen muss als bei vergangenen Schwangerschaften. Wir hatten vor der Geburt von Nummer 1 vereinbart, dass meine Frau das letzte Wort bei den Mädchennamen hat, ich hingegen bei den Jungennamen. Jetzt habe ich so lange auf diesen Moment warten müssen 🙂 und nun stehe ich vor dem Chantalismus-Problem

Nein, damit ist nicht gemeint dass es zu viele dämliche Namen gibt. Vielmehr meine ich dass sozial herausgeforderte Mitmenschen sich immer gerne jeden Namen unter den Nagel reißen der ihnen über den Weg läuft. Das führt dazu, dass das Bildungsbürgertum ihre Kinder zur Abgrenzung jetzt wieder nennt wie ihre Großväter (das ist Vintage).

Also sehe ich mich der Herausforderung gegenüber einen Namen zu finden der 

  • außergewöhnlich ist (ich selbst habe den häufigsten Namen aus meiner Generation, in meinem Informatikkurs in der Oberstufe hießen 50 Prozent genauso wie ich)
  • nicht von Asis besetzt ist. 

Ich möchte ja einerseits vermeiden, dass es im Kindergarten noch einen Leon oder Luca mehr gibt, andererseits möchte ich aber auch nicht dass ein in diese Gefilde verirrter Berliner Hipster unseren nichtvorhandenen Autoaufkleber fotografiert und sich darüber lustig macht dass mein Sohn nicht Emil oder Heinrich heißt (Ihr versteht?).

Das wirft folgende Herausforderungen auf: 

  1. „Echte“ deutsche Namen klingen mir zu sehr nach Stinkbert oder Schindholm
  2. Originell gemeinte Falschschreibungen wie Fynn kommen nicht in Frage, mal abgesehen von deren meist hohem Rang in irgendwelchen “Hitlisten”
  3. Englische Namen klingen mir zu sehr nach Cayenne oder Kevin (selbst wenn es natürlich viel schönere gibt, aber wie gesagt, gefühlt wird dieser Sprachraum sehr schnell “besetzt”)
  4. Französische Namen kann halb Deutschland nicht aussprechen
  5. Italienische und spanische Namen haben auch ein leichtes San Diego-Flair (teilweise)

Also was bleibt? Alles andere ist mir schon mal kulturell zu weit weg. Vor ein paar Tagen dachte ich noch ich hätte mit Mateo den großen Wurf getan, bis meine Frau recherchierte dass irgendsoein Heini bei DSDS so heißt und ich herausfand dass der Name in der Schweiz gerade ganz, ganz weit oben bei der Beliebtheit liegt. Wir wollen ja nicht, dass alle später einmal denken Nummer 4 würde immer Müesli zum Frühstück wollen, nur weil er Mateo (oder eine Variante davon) heißt. Außerdem mag ich schon seit dem Sandmann den Namen Nathanael, aber der ist mir als Rufname tendenziell zu exaltiert. 

In den nächsten Tagen heißt es also, die Namen die überhaupt irgendwie gehen zu durchforsten und eine engere Auswahl zu treffen. Bei Mädchen war das irgendwie einfacher und ich habe auch schon gelesen warum:

Dass Mädchennamen tendenziell ausgefallener sind als Jungennamen ist übrigens keine aktuelle Modeerscheinung. Auch früher schon waren Mädcheneltern mutiger und einfallsreicher bei der Namenswahl als Jungeneltern. Soziologen behaupten, dass das althergebrachte Rollenbild (unbewusst) dahinter steckt: Jungen sollen Karriere machen und etwas darstellen, das geht natürlich nur mit einem seriösen Namen. Mädchen sind die schmückenden Anhängsel, die auch mit einem originellen Namen zurechtkommen.

(Quelle: http://www.beliebte-vornamen.de/25207-haeufige-namen.htm)

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