Produkttest: Der Babycab David von Babywalz

Heute gibt es bei uns mal einen Produkttest.

Wir haben mit dem Babycab David einen Buggy aus dem Haus Baby Walz getestet.

Kurzbeschreibung des Babycab:

Der Buggy ist ideal für Familien, die einen praktischen und wendigen Buggy suchen, der klein zusammenzulegen ist. Natürlich ersetzt er keinen stabilen Buggy, mit dem man durch Wälder und über Feldwege flitzen kann, aber als Begleitbuggy im Auto ist er bestens geeignet. Es gibt ihn in den Farben Grau und Navy, er verfügt über ein sehr großes Verdeck (ein „Versteck-Verdeck“) mit einer Tasche für Portemonnaie etc, einen angebrachten Flaschenhalter, einen Einkaufskorb, einen abnehmbaren Spielbügel und ein anzippbares Regenverdeck.Er ist sehr weich gepolstert und natürlich kann man Rückenlehne und Fußstütze verstellen.

Eckdaten des Babcab (alle laut Hersteller):

Funktionen: dreifach verstellbare Rückenlehne, Doppelbereifung, justierbare Bremse an der Hinterachse, Teleskopfederung, abnehmbarer Bügel, 5-Punkt-Gurt mit Polsterung, geringes Gewicht

Gewicht: 7,5 kg

Belastbarkeit: bis 15 kg

Altersempfehlung: ab 6 Monaten

Räder: doppelte Kunststoffräder, vorne schwenkbar, hinten abnehmbar

Lieferumfang: Sport-Aufsatz, Einkaufskorb, Flaschenhalter, Regenverdeck

Der Test

Im Test befand sich unsere Nummer 4 mit den Eckdaten: 2,5 Jahre alt, rund 13 Kilo schwer  (also gerade noch im vom Hersteller erlaubten Gewicht) und 97 Zentimeter groß. Nummer 4 ist ein ausgemachter Tragling – ja, immer noch. Er bleibt ungern in Kinderwagen sitzen und will entweder laufen oder eben getragen werden. Aber für Tests und Neues ist er sehr aufgeschlossen.

Er half mit den Buggy aufzubauen, was sehr einfach ist, da man nur die Räder aufstecken und den Spielbügel anbringen muss. Da er das neue Gefährt quasi erstellt hatte, wollte er es auch sofort ausprobieren. Das ging sehr gut, denn es regnete junge Hunde. Große junge Hunde.

„Wie praktisch!“ dachte ich mir, da unterziehe ich doch gleich den Regenschutz einem Test. Nummer 4 saß, ordnungsgemäß angeschnallt und das Verdeck wurde mittels Reißverschluss angebracht, was sehr gut funktionierte.

Ups …

Raus ging’s und Nummer 4 streckte im Wagen die Beine aus, wodurch er sich recht leicht gegen das Regenverdeck stemmte. Hierbei riss dieses sofort oben beidseitig aus der Stoffeinfassung aus. Es war komplett kaputt an zwei Seiten und so regnete es rein.

Ich habe die schadhaften Stellen des Schrägbands aufgetrennt, den abgerissenen schmalen Teil als Verstärkung genommen und beides aufeinandergelegt wieder eingefasst. Zur Sicherheit habe ich es dann mit engeren Stichen gesteppt und abschließend mit einem Zickzackstich gesichert. Nun scheint es zu halten. Die Stiche zuvor hatten – trotz ihres weiten Abstands – auf die Folie wie eine Perforation gewirkt – man kennt das von Coupons und Ähnlichem: „Bitte an der Perforation abtrennen“ – ja, das hatte gut geklappt!

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Nach diesem Eindruck hatte der Buggy natürlich etwas wiedergutzumachen. Und das hat er absolut geschafft!

Details des Tests:

Die weichen Polsterungen an den Griffen und das geringe Gewicht sowie die Wendigkeit machen das Schieben und Manövrieren sehr angenehm. Wir wohnen idyllisch ländlich und konnte somit nicht nur Asphalt und Bürgersteige, sondern auch etwas rumpelige und unbefestigte Wege testen und selbst da hielt er sich erstaunlich gut.

Wir waren auf einem Naturwanderpfad, in der Stadt, sind am Rhein entlang und den Deich hinauf. Alles ging ganz wunderbar.

Die Fußstütze und Rückenlehne lassen sich supereinfach verstellen. Natürlich baumeln bei größeren Kindern die Unterschenkel herunter, wenn man die Fußstütze hochstellt. Dabei wollte unser kleiner Tester die Beine dann anwinkelt und dabei die Füße aufstellen – da war dann aber der Sicherheits/-Spielbügel im Weg. Entfernt man diesen, baumelt das Stoffstück herum, durch welches das Kind zusätzlich gesichert ist.

Die Gurte funktionieren sehr gut. Die Schulterpolster sind leider (wie bei zu vielen Wagen) nicht an der Rückenlehne befestigt und rutschen dadurch lustig bis zum Bauch herunter. Dafür ist das Kind blitzschnell an – und abgeschnallt, die Gurte sind sehr gut zu bedienen.

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Ausreichend Platz, ein Flaschenhalter, wenige Räder und ein großes Einkaufsnetz

Das extragroße Verdeck schützt vor Sonne und Wind. Im Liegen kann man es wie eine kleine Höhle ausfahren und das Kind durch das kleine Sichtfenster dennoch sehen, was beiden Seiten gut gefällt. Nummer 4 schläft in Kinderwagen eigentlich nicht – vor allem, weil er nie lange genug darin sitzt. Aber hier hat er sich immerhin gerne eingekuschelt und entspannt, was er als sichtbar angenehm empfand.

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*Schwupps*…. ist das Kind vom Verdeck verschluckt worden 

Man kann ihn sehr einfach zusammenlegen und aufbauen. Der Buggy passt sehr gut in den Kofferraum. Gut, unser Kofferraum ist eine Art Zweiraumwohnung aber er passt ebenso in einen Kleinwagen. Zudem sind die Hinterräder abnehmbar, falls es doch eng werden sollte, weil man mit Tante Elfriede und den fünf Kindern in Urlaub fahren möchte und einfach kein Platz mehr neben der Hutschachtel ist.

Zu den Äußerlichkeiten jenseits der inneren Werte:

Der Buggy ist nicht in quietschpink oder auch andersartig bunt gemustert erhältlich. Ich empfinde das als etwas Positives, aber das ist eine klassische Geschmacksfrage. Wenn man gerne gegenderte Kindersachen hat, dann sind die Farben Grau und Navy wohl eher der Männlichkeit zuzuordnen. Ich finde sie einfach als sehr angenehm und hatte schon immer eher Kinderwagen in den Farben Braun, Navy, Khaki, Schwarz und Co.

Er sieht ganz und gar nicht futuristisch und schnittig aus, sondern eher klassisch und bequem. Das Verdeck ist von innen teilweise gesteppt und der Sitz ebenfalls. Dies sorgt für eine gewisse Dichtigkeit und Polsterung, sieht aber auch eher zeitlos als modern aus. Insgesamt wirkt das Design (nein, ich werde niemals „Dessin“ schreiben!) zurückhaltend und stilvoll.

Anmerkung:

Wir sind eigentlich keine Fans klassischer Kinderwagen mit vorwärtsgerichteten, niedrigen Sitzen für die Kinder und unser allergeliebtester Wagen (inzwischen an sehr liebe Freunde verkauft) war der Xplory von Stokke, weil das Kind sehr hoch sitzt und in beide Richtungen schauen kann. Dennoch hat ein faltbarer Buggy – besonders für größere Kinder – einige Vorteile, wenn man ihn nicht stundenlang verwendet. In diesem Rahmen ist der Babycab David ein wirklich sehr guter Kinderwagen.

Er wurde mir von BabyWalz zur Verfügung gestellt, wofür ich mich bei Sparbaby.de beworben hatte. Den Test diesen tollen Buggys wollten wir hier gerne veröffentlichen.

 

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Ich bin in’s Sommerloch gehüpft und habe ein paar Artikel gefunden, die mir sehr gut gefielen:

Trageberater Gunter gibt ein Interview bei der Stadtmama – ich finde das richtig klasse! Ein Mann unter Traglingen und Tragemamas. Ob er mit Vorurteilen und Unfreundlichkeiten umgehen muss? Natürlich (seufz). Lest mal nach, wie er damit umgeht!

Bei den Textilen Geschichten drehte es sich um die Zeitschrift „Berliner Leben und Blätter für galante Kunst“ (ab 1920) – eine echt Bereicherung, dieser Artikel! Ich fand es ehr interessant, weil ich ja Einblicke in die Vergangen und auch Mode liebe!

Bei Geburt und Mamasein gibt es ein aufschlussreiches und echt informatives Autorinnen-Interview mit Doris Moser („Der überwachte Bauch“): „Wie viel Überwachung nützt und ist während der Schwangerschaft nötig?“ ist eine der Kernfragen, die aufgeworfen werden.

Und zum Schluss noch die traurige Geschichte der Zwillinge Zoe und Mia, die ihre Mutter verlieren werden. Diesen Artikel teile ich mit der Bitte, schnell per PayPal-Klick vielleicht eine Kleinigkeit zu spenden.

Würde mich freuen, wenn etwas für Euch dabei war!❤

Attachment Parenting: Langzeiterfahrungen, Teil 1

Es wird viel diskutiert, umgesetzt, ausprobiert und besprochen: Der bedürfnis – und bindungsorientierte Umgang von Eltern und Kindern ist ein aktuelles Thema.

Ein Mensch, der in seinem So-Sein angenommen wird und dessen Bedürfnisse wahrgenommen werden, entwickelt sich zu einem selbstsicheren Wesen. So – sehr kurz umrissen – die grundsätzliche und begrüßenswerte Idee.

Es gibt nichts Wichtigeres für ein neugeborenes Kind als Nähe, Wärme, Liebe und Sicherheit. Nur so bauen wir Menschen Urvertrauen auf. Eine unzureichende oder unzuverlässige Zuwendung hinterlässt Spuren.

Wir liebenden und aufmerksamen Eltern möchten für unsere Kinder den bestmöglichen Start in das Leben. Damit dieser später ein gesundes Fundament für die kindliche Seele bildet.

Geborgenheit und Liebe, ein warmes Nest und Zuwendung ist, was kleine Menschen zunächst brauchen. Werden sie größer, ist es an der Zeit, ihnen Freiräume zu geben. Sie selbstständig werden zu lassen. Unsere Kinder gehören uns nicht. Wir dürfen dankbar sein, dass sie uns anvertraut wurden. Sie sollen sich frei entfalten können.

Du bist unsere Welt

Aus dieser Dankbarkeit sollte ein Grundrespekt erwachsen. Und aus diesem eine absolut individuelle Betrachtung der Familienmitglieder.

Es wird so oft gesagt und geschrieben – man kann es jedoch nicht oft genug betonen:

Jede Familie geht ihren Weg. Es gibt kein Anleitungsbuch für alle. Daher bin ich sicher, dass eine fertige Liste für alle zum Abhaken niemals der richtige Weg ist. Ich persönlich habe tiefes Vertrauen in alle Eltern, die sich verständnisvolle Gedanken um ihre Kinder machen: Sie gehen einen liebevollen Weg und sind in der Lage, vertrauensvoll zu kommunizieren.

Instinkt und erste Erfahrungen

Ich habe instinktiv vor fast 14 Jahren diesen Weg gewählt: Die individuellen Bedürfnisse des Kindes wurden stets wahrgenommen. Erst beim vierten Kind und mit fast vierzig Jahren jedoch bin ich erst in der Lage, dies in einer Tiefe zu tun, die ich selbst als erfüllend bezeichnen würde.

Ich verstehe unter Bindung – und Bedürfnisorientierung eine emotionale und zugleich reflektierte Geisteshaltung:

Ich habe im besten Fall hierbei – und das ist absolut wichtig – nicht nur die Gefühle meiner Kinder im Blick, sondern auch meine eigenen: Ich muss genau unterscheiden können, was ich für meine Kinder tue und ob ich vielleicht nur (unbewusste, eigene) Bedürfnisse in sie hineininterpretiere. Natürlich ist jedes Kind anders und es kann nicht alles für jedes passen. Und diese Basis alleine ist schon sehr fragil und schwierig.

Mir fiel beim jahrelangen Beobachten der Thematik Einiges auf:

  • Man muss sich vor der Geburt des ersten Kindes sicher und klar sein, dass diese Art der Begleitung voraussetzt, dass man sich komplett von alten (selbst erfahrenen) Erziehungsmustern gelöst hat oder lösen wird. Man kann einem Kind, zu dem man eine vertrauensvolle und respektvolle Bindung („auf Augenhöhe“) hat, nicht plötzlich sagen: „Oar, das ist schon wieder falsch, gib dir mal Mühe!“ oder „Es reicht mir! Du machst das jetzt, weil ich es sage!“  Es ist wenig sinnvoll, das Kind plötzlich nicht mehr da abzuholen wo es steht, sondern in alte Muster zu verfallen und vorübergehend auf einen hierarchischen Umgang umzustellen.

Attachment Parenting

  • Zugleich wird man immer wieder merken: Kinder wünschen Grenzen und Autorität – es ist unglaublich schwierig, langfristig eine Balance zu finden. Man muss einfach damit zurechtkommen, dass man andauernd neu austarieren und reflektieren muss. Das wiederum bietet aber auch Potential für eigene Entwicklungsschritte.
  • Diese Art des Umgangs eignet sich in aller Konsequenz eigentlich nur, wenn man wenige Kinder hat. Oder mehrere, dafür aber wirklich sehr gut darin ist, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und vor allem auch zu befriedigen. Letzteres ist unerlässlich, da Kinder zum Einen nach Vorbild leben und zum Anderen sicherlich einen nicht förderlichen charakterlichen Weg einschlagen, wenn ihre Bedürfnisse auch nach dem Kleinkindalter noch die allerwichtigsten der gesamten Familie sind.
  • Man muss weit entfernt vom Mutter-Mythos leben. Die „aufopferungsvolle, selbstlose Mutter“ ist die Antagonistin einer Frau, die zu den Kindern eine Beziehung auf Augenhöhe führen möchte. Schnell verliert sie sich zwischen den Bedürfnissen ihres Babies und des Kleinkindes. Und das kann sie kaum mehr stoppen. (Been there, done that …)
  • Kindliche Bedürfnisse sind nicht nur Wärme, Liebe, Vertrauen, Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit und Co. Sondern auch emotionale Eigenständigkeit, Selbstständigkeit (im Alltag), Sich ausprobieren dürfen, Abnabeln, Grenzen spüren, sich am Gegenüber emotional reiben und in ihm spiegeln können, Anleitung finden. Man muss in aller Konsequenz bereit sein, auch diesen nachzugehen. Es kann schwierig sein, das kleine Mäuschen, das nachts in Mamas Arm schläft, am Morgen gleich mal alleine auf das höchste Klettergerüst zu lassen. Und es kann beispielsweise ebenso heftig sein, in einer engen Bindung belogen zu werden, dies darf man nicht persönlich nehmen, sondern das hinter der Lüge stehende Bedürfnis wahrnehmen. Im Grunde ist Attachment Parenting „für Babies und Kleinkinder gemacht“ – so las ich das neulich. Und da ist sicher etwas dran. Allerdings kann man es fortsetzen und das kommt nicht nur den Kindern zu Gute, wenn man bestimmte Punkte beachtet.
  • Die Eltern müssen beide mit diesem Stil des Umgangs vollkommen einverstanden sein.
  • Bedürfnisse äußern sich auf unterschiedliche Weisen. Und diese sind bekanntlich nicht immer angenehm. Man braucht innere Ausgeglichenheit, um auf die emotionalen Bedürfnisse gut eingehen und sie richtig einschätzen zu können.
  • Wenn man viele Kinder hat und wenig Unterstützung, dann ist das Leben anstrengend. Wenn man hier nun nicht auf seine eigene Bedürfnisbalance achtet, dann geht man unter. Aufopferung und Bindungsorientierung gehören nicht zusammen! Kindern soll nicht vermittelt werden „Solange du klein bist, nehmen deine Mitmenschen dich wahr, wenn du groß bist, darfst du deine Bedürfnisse auf den Müll werfen – so wie ich. Also werde lieber eine Petra oder ein Peter Pan.“
  • Selbstreflexion und Beobachtung der Familie ist wichtig, damit man nicht jedes Bedürfnislein sofort umsetzt („Eis! Aufmerksamkeit! Kuchen! Riesengeburtstagsparty!“) – denn das ist es, was aus einem Menschen einen selbstverliebten Dorian Gray macht, der seine Eltern irgendwann wütend ablehnt, wenn diese Rundumversorgung endet (mit dem eigenen Auszug, der frustrierten Mutter im Streik oder einer späten Einsicht der Eltern)

Bedürfnisse sind sehr individuell

Ich beschreibe hier meine persönlichen Erfahrungen mit unseren vier Kindern während der ersten Jahre:

Als ich 2002 Mutter wurde, gab es die Begriffe Attachment Parenting oder Bindungsorientierte Erziehung nicht. Zumindest nicht in meinem Umfeld und auch bis heute haben überwiegend internetaffine Eltern damit zu tun – so kommt es mir vor. Ich habe bisher nur zwei Mütter analog getroffen, die wussten, was das ist.

Und zugleich möchte ich anmerken, dass ich die klassischen Eckpunkte Familienbett/Langzeitstillen/Tragen etc. nicht oder aus sich ergebenden Bedürfnissen und Möglichkeiten nur eingeschränkt umgesetzt habe. Das wiederum gelte lediglich als Disclaimer. Ich bin mit meinen Entscheidungen dahingehend vollkommen d’accord, denn man kann seine Kinder ganz genau so bindungsorientiert begleiten, wenn man nicht langzeitstillt oder zusammen schläft. Es ist zudem eine emotionale, individuelle (und wissenschaftlich mehrfach belegte) Angelegenheit, auf welche Weisen man Bindung entstehen lässt. Ich habe sogar Zweifel daran, dass sie nötig sind, obwohl ich sie überwiegend befürworte. Denn das Wichtigste, so glaube ich, sind eine vertrauensvolle Kommunikation sowie ein empathischer Umgang miteinander.

Unsere Nummer 1 schlief im Jahr 2002 natürlich neben unserem Bett in ihrem Bettchen  – wir wollten sie bei uns in der Nähe haben. Gut, ich bekam kein Auge zu, weil der Gedanke, jederzeit von nur einem Schnaufen geweckt zu werden,eine nervöse Person mich eben vom Schlafen abhält. Ich fand es allerdings mehr als süß, meinen ganzen Stolz neben mir liegen zu sehen. Gern hätte ich sie mit ins Bett genommen, aber davor warnten mich Hebammen und Ärztin. Und auch mein Instinkt riet mir ab.

Nummer 1 war unruhig und sehr fordernd. Sie wurde mehr und mehr zu einem Schreibaby – ich stand innerlich unter Daueranspannung (später erst sollte ich begreifen, dass dies der Grundzustand der meisten Mütter während der ersten Jahre mit Kindern ist). Und meine Tochter anscheinend auch. Wir stressten uns gegenseitig. Jedoch war ihr Vater eher ausgeglichen und auf ihn reagierte sie ähnlich. Ich ahnte, dass ich ihr nicht ganz geben konnte, was sie brauchte – allein schon, weil ich einfach nicht herausbekam, was das war. Ich probierte daher Verschiedenes aus und lernte sie dadurch besser kennen. Ich erlernte ihre ganz eigene Sprache, in dem ich genau auf ihre Mimik und Gestik achtete.

Das Stillen fand ich furchtbar. Ich hasste es. (Hierzu werde ich bald einen eigenen Artikel verfassen, gemeinsam mit Jana vom Hebammenblog. Thema: „Wie fühlen sich Geburt und Stillen für Frauen an, die sexuelle Gewalt erlebten?“ Ich kann hier schon mal verraten: Es ist nicht so dolle.) Ich tat es natürlich dennoch, da es für mich zum Grundbedürfnis kleiner und besonders eben sehr kleiner Menschen gehört. Ich hätte es nur auch sehr gerne genossen. Stattdessen kippte ich regelmäßig, nachdem mein kleiner Barracuda meine Brüste binnen 5 Minuten beidseitig gelehrt hatte, wie das Opfer einer vampirischen Attacke auf das Sofa um und fühlte mich deliriös. Und dazu kam der psychische Stress, den das Stillen für mich bedeutete. (Das hat sich übrigens bis zum vierten Kind auch nicht geändert.)

Die Hebamme erwartete allerdings mit üblichem Druck von mir, ausgiebig zu stillen und als mein Instinkt mir sagte, die Trinkdauer sei zu kurz und das Kind anschließend zu unruhig, empfahl sie mir einfach durchzuhalten, noch öfter anzulegen und viel zu trinken. (Bis Nummer 1 Untergewicht hatte, mir ihr anhaltendes, verständliches Weinen den letzten Nerv raubte und ich letztlich nach 7 Monaten zufüttern musste).

Mir war es wichtig zu spüren, was mein Kind braucht. Ich stellte fest, dass dieses Kind, das tagsüber niemals mehr als zwei Stunden schlief und dennoch die Nacht zum Tage machte, etwas innerlich Getriebenes an sich hatte. Nummer 1 wollte immer mehr als sie konnte. Ich hatte bald begriffen: Dieses Kind wird erst zufrieden sein, wenn es laufen kann. Bis dahin müssen wir die Zeit überbrücken. Und mein oberstes Ziel war es, das Schreien meines Babies zu vermeiden, indem ich las, was es brauchte. Leider ließ sich ein Baby wie Nummer 1, das die Standardkriterien eines Schreikindes erfüllte, davon nicht immer so gut abhalten.

Nummer 1 war ungern im Kinderwagen aber gerne im Tragetuch oder der Tragehilfe. Sie mochte überhaupt körperliche Nähe nur in Form von Tragen. Also trug ich. Drückte oder küsste ich sie, wendete sie sich ab oder stemmte die Arme gegen mich.

Selbstverständlich ließ ich das sein. Ich gab ihr Nähe auf Distanz und wir scherzten, es sei mit diesem Mädchen, wie einen Kaktus zu umarmen. Wir akzeptierten es und ich respektierte ihre Gefühle. Sie fühlte sich in der Tat zufriedener als sie laufen konnte. Sie mochte es, die Kontrolle über ihren Aufenthaltsort zu haben. Sie war ein echtes „Äffchen“: Liebte es, wenn man mit ihr herumturnte und Blödsinn machte – stets humorvoll und lustig.

Nummer 1

Mit rund zwei Jahren kam die erste Autonomiephase. Ich ließ ihren Gefühle Raum. lenkte bisweilen um, begrenzte, wenn sie es brauchte. Und wir hatten selten Probleme miteinander. Ich kenne kein „Ich will den blauen Becher! Aaaaaaah!“, keine Wutausbrüche. Ich habe mich immer daran gehalten, dass ein Mensch, der sich gerade „anstrengend“ oder „unangenehm“ zeigt, etwas mehr gute Gefühle braucht und diese habe ich dann gegeben, um eine Balance herzustellen. Etwas Akzeptierendes wie „Du bist gerade wütend. Okay. Kann ich dir helfen? Nein? Auch okay“ hat bei ihr unterstützend gewirkt.

Inzwischen war Nummer 2 geboren und ich lernte ein Baby kennen, das in sich ruhte und sehr anhänglich war. Nummer 2 wurde von einem Familienfreund „Little Buddha“ genannt. Auch, weil sie fast 4 Kilo wog auf 50 Zentimetern. Vor allem aber, weil sie zufrieden wirkte. Sie wuchs zufrieden vor sich hin und wollte eher beobachten als mitzumischen. Mit ihr konnte man nicht herumaffen – dann erschrak sie. Sie bewegte sich manchmal wie in Zeitlupe – daher nannten wir sie eine kleine Schildkröte.

Nummer 2

Während Nummer 1 körperlich sehr geschickt war und niemals ein Fleckchen auf ihrem Kleidchen hinterlassen wollte, war Nummer 2 eher tollpatschig und wenig in ihrem Körper zu Hause. Irgendwie war sie immer verschmiert und ihre Klamotten dreckig: Sie war eine klassische Denkerin. Begann mit acht Monaten zu sprechen und „erst“ mit 15 Monaten holperig zu laufen. Dafür las sie dann mit 5 bereits fließend, nachdem sie es sich selbst beigebracht hatte.

Ich gab ihr viel Nähe und Zärtlichkeit, während Nummer 1 es eher mochte, mich nur in der Nähe zu sehen, um sich sicher zu fühlen.

Es gab keine Eifersucht zwischen den beiden: Ich hatte Nummer 1 während der Schwangerschaft nicht auf eine Spielkameradin vorbereitet, sondern auf ein pflegebedürftiges Baby. Und um dieses durfte sie – als ehrenwerte große Schwester – sich kümmern. Sie war eben die Größere und auf Grund dieses sicheren Gefühls (das definitiv eine Spur Überlegenheit enthalten durfte), akzeptierte sie ihre Schwester mit sehr viel Liebe und vor allem Verständnis. Sie lernte rasch, sich zurückzunehmen und ihre eigenen Bedürfnisse auch mal aufschieben zu müssen zu Gunsten eines noch kleineren Kindes, das noch nicht warten konnte. Ich zollte ihr meine Anerkennung und sie fühlte sich gut.

Nummer 2 wurde viel mehr getragen, gekuschelt und abgeknutscht – weil es ihr so gut gefiel. Sie forderte zugleich weniger Autonomie ein. Sie war ein Speikind und so mussten wir beide mehrmals täglich die Klamotten wechseln. Zum Einschlafen lag sie in einem Stubenwagen neben dem Elternbett, wo sie abends im Halbschlaf circa 2 Stunden lang vor sich hin brummte, ehe sie richtig einschlief. Zuvor lag mein Mann immer eine Stunde mit ihr kuschend auf dem Sofa: „Auf die Couch gepinnt werden“ nannte er das und es war auf die Dauer ein zunehmend einseitiges Vergnügen.

Ich unternahm mit den beiden Kindern immer öfter etwas. Nummer 1 liebte frische Luft und Bewegung. Nummer 2 liebte Liegen und Beobachten. Beide bekamen, was sie brauchten. Nummer 2 entwickelte sich zu einem wissbegierigen Kind mit sehr langen Frageketten, die ich ausnahmslos und immer beantwortete. Sie gierte nach Informationen, schloss Zusammenhänge, forschte. Sie brauchte dauernd Ansprache und Input. Und sie war von Beginn an sehr, sehr sensibel. Böse Zungen nennen solche Kinder gerne „Heulsusen“. Fakt ist: Sie empfand sehr viel. Gerüche, Laute, Geschichten, Gefühle an sich (Hochsensibilität – ja, das kann man so nennen. Wir respektieren dies und sorgen dafür, dass es ihr damit soweit gut geht.). Alles war immer „totaaal schmerzhaft“, trat ihr jemand auf den Fuß, so war es „mit voller Absicht!“, kam jemand in einer Geschichte zu kurz oder starb sogar eine Figur, konnte sie wochenlang darüber sehr traurig sein. Sie weinte sehr, sehr viel.

Während der Opa dies manchmal genervt mit „Bitte, Kind, stell doch mal deine Sirene ab“ kommentierte, nahm ich es seufzend (aber nicht weniger genervt) hin. Ich verstand: So ist das Kind nun mal. Aber es strengt natürlich an, wenn jemand viel weint. Und laut. Und vor allem nach jedem schönen Ausflug im Auto zu meckern und zu heulen. Ich habe gerne gesagt: „Being sad is her happiness“: Waren es zu viele gute Eindrücke gewesen, brauchte sie ein Gegengewicht, um wieder in Balance zu kommen. Sich frei entfaltende, vertrauensvolle Persönlichkeiten zeigen eben auch sehr viele Charaktereigenschaften. Diese sind für das Umfeld nicht immer einfach zu „ertragen“. Bedürfnisse kollidieren nun mal. Und umso öfter, je mehr Familienmitglieder da sind. Der eigene Raum wird zwangsläufig kleiner – viele Geschwister zu haben ist ein sehr natürlicher Zustand, in dem man sich selbst gut zu regulieren lernt. Das macht es aber nicht unbedingt entspannt und einfach für den oder die Einzelne/n

Nummer 1 „kochte ihr eigenes Süppchen“, war in sich zufrieden und eher introvertiert. Gemeinsam aber drehten sie jedoch auf und tauchten tief in Fantasiewelten ab. Hierbei habe ich sie niemals gestört, sondern mich immer danach gerichtet, dass sie diese herrliche Zeit voll auskosten können. (Aber wehe, ich hatte einen Telefonhörer in der Hand! Dann ließen sie alles fallen und suchten mich auf, um Bedürfnisse zu äußern. Habe das Telefonieren damals aufgegeben.)

Beide waren noch nicht im Kindergarten. Das änderte sich mit unserem Umzug, als Nummer 3 geboren wurde und das Studium meines Mannes beendet war:

Die beiden waren fünf, beziehungsweise 3 Jahre alt als Nummer 3 geboren wurde und etwas später kamen die beiden Großen in den Kindergarten.

Nummer 3

Auch dieses Mal wurde das kleine Wesen herzlich von den Größeren aufgenommen. Nur Nummer 2 zeigte Spuren von Eifersucht. Nummer 1, die „Erhalterin der Systeme“, wie wir sie gerne nennen, ging sofort auf in ihrer neuen Rolle als zweifache große Schwester.

Nummer 3 war ein Anfänger-Baby: Schlief wunderbar, brüllte niemals und sah sich tatsächlich zufrieden um, wenn sie auf einer Decke lag. Das kannte ich noch nicht: Die beiden ersten waren fordernder gewesen, ließen sich ungern ablegen. Nummer 3 schien ihre ganz eigene Weisheit mit zu uns gebracht zu haben und unser Job war wirklich eher klassisches Begleiten mit ab und an ein paar Hinweisen.

Sie liebte Selbstständigkeit, sprach mit zweieinhalb Jahren bereits ganze Sätze mit langen Nebensätzen und kletterte in unseren Apfelbaum. Auch hier ließ ich sie ihre Fähigkeiten ganz kennenlernen. Ihre Körperbeherrschung war erstaunlich. Sie redete bald ununterbrochen. Philosophierte über Gott und stellte allerlei erstaunliche Fragen, die beantwortet werden wollten. Sie brauchte viel Nähe und ein offenes Ohr, sowie viele Antworten.

Ich vermied Strafen, regte positiv an, kommunizierte gewaltfrei (und viel). Ich hielt mich an den wunderbaren Grundsatz, dass man für keine Information zu jung oder zu klein sein kann – sie muss eben nur entwicklungsgerecht mitgeteilt werden. Ich war und bin überzeugt, dass man den kindlichen Gehirn weit mehr „zumuten“ kann, als man im ersten Moment denkt. So erfuhren unsere Kinder nicht nur viele Fremdworte, sondern vor allem auch viele Zusammenhänge. Ganz gleich aus welchen Bereich: Literatur, Kunst, Geschichte, Politik, Sprachen … sie interessierten sich für alles Mögliche und erhielten sehr viele geistige Anregungen.

Nummer 2 erging sich weiterhin darin, sehr viel zu empfinden und dies deutlich auszudrücken. Sie weinte immer noch quasi andauernd. Und ich tröstete sie geduldig. Ab und an wurde mir das zu viel, aber ich fand, es sei wohl sehr inkonsequent, plötzlich nicht mehr die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und richtig zu behandeln, nur, weil es nun drei kleine Kinder im Haus waren, um die ich mich überwiegend alleine kümmerte.

Ich wollte vermeiden, dass Nummer 2 ein klassisches Sandwich-Kind werden würde – mit all den Repressalien, die das bekanntlich für ein Kind mit sich bringt. Also bekam sie sehr viel Aufmerksamkeit.

An dieser Stelle mag dem oder der einen oder anderen LeserIn der Gedanke kommen: „Puh, das klingt aber anstrengend: Drei so unterschiedliche Persönlichkeiten wahrzunehmen und deren Bedürfnisse aufzufassen und umzusetzen. Und irgendwie klingt es so, als käme die Mutter selber irgendwann etwas  zu kurz“

Exakt. Beides.

Die Mutter, das Individuum

Es ist so: Man hat doch ein gewisses Kontingent an eigener Energie. Diese entstammt der Grundenergie und der, die man generiert. Um sie zu generieren braucht man verschiedene Dinge (Maslowsche Bedürfnispyramide und so), auf die man achten sollte: Die eigenen Bedürfnisse. Bei nur einem oder zwei Kindern funktioniert das gut. Meine Erfahrung zeigt, dass es ab drei Kindern etwas haarig wird.

Ich bin nämlich auch ein Individuum mit Bedürfnissen, die Essen, Duschen und Schlafen übersteigen. In meinem Fall gab es da noch eine traumatische Kindheit mit all ihren Auswirkungen zu verarbeiten.

Mamaaa! (1)

Dies alles zusammen war zu viel.

Dennoch waren meine Kinder das Niveau der Bedürfnis- und Persönlichkeitswahrnehmung gewohnt. Ich konnte es ihnen schlecht entziehen oder einschränken, ohne negativen Einfluss auf sie zu nehmen.

Man kann sich dieses hohe Level an Energieausgabe jedoch nur leisten, wenn man viel Kontingent hat: Familienmitglieder, die helfen. Oder schöne Hobbies. Oder eine recht unbeschwerte Biographie. Wenn man nichts davon hat, wird auf Dauer die Freude über die Kinder nicht ausreichen, um das nötige Energielevel aufrecht zu erhalten.

Ich merkte es zunächst nicht: Die Jahre vergingen und die Kinder waren glücklich. Ich war glücklich. Ich war müde und auch manchmal erschöpft und oft echt auch genervt. Aber meine Mädels sich entwickeln zu sehen war für mich ganz herrlich. Ich bekam nicht mit, wie viel Energie es mich kostete, mich weitaus mehr um andere Menschen als um mich selbst zu kümmern. Und ich hielt meine Bedürfnisse klein mit den klassischen Gedanken, dass dies eben normal sei, wenn man Kinder hat. Dass Mütter sich eben hintenanstellen, was nicht mal bravourös, sondern erwartenswert sei et cetera.

Ich hatte neben meiner Freude an der eigenen Familie eine mich dauernd kritisierende Schwiegerfamilie. Ich war einfach nicht gut genug, egal, was ich tat. Und ich tat daher immer mehr. Ich hatte doch bereits keine liebevollen leiblichen Eltern – da hätte ich so gerne ein Ersatz-Nest gehabt. Leider konnte mich dieses potentielle Nest nicht leiden und schob mich, das unerwünschte Kuckuckskind, dauernd an den Nestrand. Die Atmosphäre war vergiftet, übergriffig und anstrengend.

Und das kostete vielleicht Energie! Diese musste ich aber auch aus dem Glück mit den Kindern ziehen. Ich begann das zu tun, was viele Mütter tun: Ich sublimierte eigene Bedürfnisse durch die Erfüllung der kindlichen Bedürfnisse. Soll heißen: Ich brauchte Zuspruch und Liebe. Und gab beides den Kindern. Um aus deren Freude und Sicherheit beides auch für mich zu ziehen. Das ist so, als würde man sich am eigenen Zopf aus dem Matsch ziehen. Oder seinen eigenen Atem aus einer Tüte atmen: Das geht nur bedingt gut.

Ich wollte mir etwas Schönes gönnen, so aus immer wieder aufflammender Selbstliebe. Und kaufte wieder nur etwas für die Kinder. Mit der Post-Partum-Figur waren Umkleidekabinen eh ein Gräuel und süße Kinderkleidchen passen den Kleinen immer perfekt!

Hatte ich eine Praline in der Hand, guckte Nummer 1 mir neidisch darauf und ich fühlte mich sofort egoistisch. Ich gab sie ihr. Nummer 1 hatte bereits als Baby blitzschnell in meinen kauenden Mund gefasst und mein Essen herausgenommen, um es selber zu verschlingen. Ehrlich wahr. Ich dachte: „Es ist ja nur Essen, die Kinder freuen sich mehr darüber. Ihnen ist das wichtiger als mir.“

Darauf folgten:

„Es ist ja nur eine Ruhepause, die Kinder brauchen mich aber bestimmt sehr dringend. Ich muss auch nicht dauernd nur ‚rumliegen!“

„Es ist ja nur ein Toilettenbesuch und kein Wellnesstag. Dann bin ich eben gestresst. Sie wissen es ja nicht besser.“

„Es ist ja nur ein seltenes Telefonat mit der Freundin und ich schließe mich auf dem Klo ein, um es zu Ende zu führen, während sie an der Tür hämmern. Aber man muss ja auch nicht dauernd labern.“

Ob ich manchmal wütend geworden bin? Oh ja, natürlich. Ich habe gezeigt, wenn es mir zu bunt wurde. Angebrüllt habe ich sie jedoch nicht. Ich bin manchmal lauter geworden und habe mich hinterher wie eine Versagerin in puncto Selbstbeherrschung gefühlt. Insgesamt war ich aber sehr, sehr langmütig. Und diszipliniert.

Als sie größer waren und gemeinsam ein Stündchen spielen konnten, begann ich wieder zu zeichnen. Das war mein Hobby. Ich zeichnete Comics. Von sexy Vampiren, die frei von Moral die Nacht besaßen. Hach. Das tat gut, so mitten zwischen Kleinkindkotze und den auf einen klapperigen Ständer balancierten Wäschebergen.

Aber es ging ja vermutlich allen Müttern so. Das hörte und las man ja. Also war es vermutlich der normale Lauf der Dinge. Man gab von seinen Bedürfnissen erstmal fast alle weg. Weil sie nicht so wichtig sind. Die Kinder gehen vor. Und sie sind der Quelle der Freude, der Energie und zugleich das tiefe Loch, in dem sie wieder verschwindet. Wer seine Freude nicht aus den Kindern zieht und dauernd glücklich ist, ist eine miese Mutter – so lernt man das schließlich.

Als Nummer 3 neun Monate alt war begann ich freiberuflich als Texterin zu arbeiten. Das tat mir sehr gut. Inhaltlich und auch wegen des Geldes. Ich hasse das Gefühl von Abhängigkeit nämlich. Unabhängigkeit ist eines meiner Bedürfnisse.

Ich war ganz erstaunt, dies festzustellen. Zugleich gestand ich mir nicht ein – da ich mein Bild von mir als Powerfrau zum Durchhalten so dringend brauchte – dass ich wirklich zu viel leistete.

Zudem hatte ich inzwischen- durch den Entzug derselben – weitere Bedürfnisse an mir festgestellt.

Nun aber war ich in meinem eigenen System gefangen und ich konnte sie kaum erfüllen. Ich liebte es eigentlich, mich in Ruhe zu schminken und gut anzuziehen. Ich quatschte eigentlich gern ausgiebig und ungestört mit Gleichaltrigen. Ich hatte eigentlich gerne Zeit für Kunst, Literatur, ein bisschen Schneiderei, ein Gläschen Wein, einen Einkaufsbummel, guten Sex. Eigentlich hatte ich eine Menge Fernweh und interessierte mich für fremde Länder und deren Geschichte. Ich liebte es eigentlich, allein zu sein. Ich mochte keine Fremdbestimmung. All das waren Merkmale meiner eigenen Persönlichkeit, die sich nicht komplett verändert, weil man Kinder bekommt.

Doof gelaufen.

Wie das Ganze für die Kinder und für mich weiterging? Und was die Kinder inzwischen selber über diesen Umgang mit ihnen sagen?

Das erfahrt Ihr bald in Teil 2

 

 

Nein sagen und selbst akzeptieren – Beitrag zur Blogparade #NeinheißtNein

Nein sagen und selbst akzeptieren – Beitrag zur Blogparade #NeinheißtNein

Eine sehr gute Idee!

Andreas Thema zum „kindlichen Nein aus elterlicher Sicht“ auf ihrem Blog Runzelfüsschen fand ich sofort spannend.

Als Eltern, die vielmehr begleiten statt klassisch zu erziehen, begegnet uns gerade dieses Thema schon lange und immer wieder. Klar, wir sind seit bald 14 Jahren Eltern und haben diverse Kinder – da bleibt es nicht aus, sich immer wieder mit den frei entfalteten Individuen um uns herum auseinanderzusetzen. Und zwar konstruktiv, bitteschön.

Ich las mich ein wenig durch die bereits zur Parade verfassten Artikel und überlegte:

„Tja, wie sieht das denn bei mir aus? Wie gehe ich mit einem kindlichen Nein um? Und wie handhabe ich es überhaupt mit diesem Wort?“

Das N-Wort

Dieses Wort – wie wir alle schon gefühlt Tausend Mal gehört haben – ist basal wichtig für das gesamte Leben. Von der aktuell (endlich!) groß diskutierten sexuellen Selbstbestimmung, bis hin zur Abgrenzung, zum Schutz vor Überforderung und Erschöpfung: Das Nein ist einfach genial. Allerdings nicht genial einfach in der Ausführung.

Das Nein ist die Kür des Selbstbewusstseins. Das Nein fragt nicht danach, ob Nein-SagerInnen trotzdem lieb gehabt werden. Das Nein will schützen, ausdrücken, ablehnen, klarstellen. Es will nicht für Harmonie sorgen, sich anpassen, gemocht werden, lieb sein und helfen wie das Ja.

Wobei diese Klassifizierungen eventuell Klischees sind, die sowohl das Ja selbst als auch das Nein im Sinne des gleichberechtigten und vorurteilsfreien Umgangs ablehnen würden.

Schauen wir uns doch beide mal im von uns Eltern gel(i)ebten Alltag situativ an:

„Nein, es gibt jetzt keine Bonbons.“

Dieser Satz wird von Kinder zwischen rund 2 und 20 Jahren sehr ungehalten aufgefasst. Mögliche Reaktionen: Wutanfall mit und ohne Tränen sowie mit und ohne gesamten Einsatzes des Körpers, Betteln, Schimpfen oder vernunftbegabte Akzeptanz im Verbindung mit mühsam erlerntem Bedürfnisaufschub. Letzteres eher selten und überwiegend erst bei Kindern ab circa 21 Jahren gut zu beobachten.

„Nein, wir bleiben nicht länger hier. Wir fahren jetzt nach Hause.“

Nun, dies ist eine situationsabhängige Aussage: Beim Zahnarzt löst sie etwas mehr Begeisterung aus als auf dem Spielplatz oder beim Besuch einer befreundeten Familie mit netten Kindern, Kuchen und einem Kachelpool.

„Nein, du darfst deiner Schwester nicht an den Haaren ziehen! Hör sofort auf!“

Auch hier ist die Freude beim Hören des Satzes eher einseitig: Nur die Schwester mag Erleichterung zeigen. Ehe sie zur Rache übergeht. Dann ist ein weiteres Nein gefragt.

Das Nein ist knallhart. Bereits der Buchstabe N kann nach einer kontinuierlichen Benutzung über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten Unbehagen auslösen. Eine Nein-Phobie entwickelt sich. Viele Menschen sind betroffen.

Dies betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Hier sind es besonders (diverse, einige, nicht ganz so wenige) Männer, die eine Ablehnung als Vernichtung ihrer Gesamtgeschlechtsidentität nicht hinnehmen wollen und straffällig werden. Nein scheint also auch Gefahren zu bergen. Nein wird nicht immer akzeptiert. Und ist dennoch nötig.

Das sollte man also vorleben: „Ich akzeptiere Dein Nein“ ist absolut wichtig für die Entwicklung eines Menschen. Es steht für Akzeptanz und Respekt. Und sollte von beiden Seiten gelebt werden: Von Kindern und Eltern.

Akzeptieren lernen oder sanft umschiffen?

Anja von der Kellerbande beschrieb in ihrem Beitrag zur Blogparade, ein Nein könne man umschiffen, indem man es positiv umformuliert. Das ist eine sehr gute Idee – die ich auch immer gerne verwende, wenn sie denn umsetzbar ist.

Manchmal erscheint es mir wie eine Toddler-Tortur, wenn die anderen Familienmitglieder Nummer 4 genüsslich ein Nein präsentieren. Wie ärgert er sich und regt sich auf, wenn sie in dieser besonderen „Nun-lernst-du-etwas-über-Konsequenz-und-so“-Art das Four-Letter-Word einsetzen. Und dann weint er meistens. Komisch.

Nein! Niemals!

In der Tat finde ich „Nein, wir gehen jetzt nicht in den Garten. Nein, da regnet es.“ wesentlich unglücklicher formuliert als „Lass uns drinnen spielen, ja? Draußen werden wir im Moment einfach zu nass. Wir gehen raus, wenn es nicht mehr regnet.“

Na klar, gleich nach dem Essen

 

Allerdings ist es wichtig, Möglichkeiten zu bekommen, um zu lernen, das Nein zu akzeptieren. Daher sollte es dann und wann zum Einsatz kommen. Es zu umschiffen ist sicherlich sinnvoll, um das Kind nicht andauernd seiner gesamten negativen Gefühlspalette auszusetzen. Vor allem eben, wenn es noch klein ist. Zugleich aber sollte es begreifen, wo Grenzen sind. Das ist eine Erfahrung, die es unabdingbar für seine Entwicklung braucht.

Vorbild sein

Wie so oft. Nein – leider wie immer – ist es unerlässlich, ein Vorbild zu sein. Am besten ein gutes. Ein schlechtes Vorbild ist natürlich auch nicht zu verachten – oft ist es ja das Einzige, wozu man an manchen Tagen taugt.

Insgesamt sind wir ja aber immer darum bemüht, möglichst fehlerfrei durch die Elternphase des Lebens zu kommen. Auch wenn das vollkommener Irrsinn ist – aber so sind wir liebenswürdigen, liebenden Eltern eben: Wir wollen für unser Kind so viel Glück, Erfüllung und innere Sicherheit wie möglich. Das zeichnet uns aus.

Und wenn man nur ein gutes Vorbild ist, dann reagieren Kinder binnen kurzer Zeit wie in folgendem Beispiel:

Kind: „Nein, Mama, ich brauche keine Jacke. Neeeeiiiiin!“

Mutter: „Aber es sind nur 8 Grad draußen und es regnet. Du wirst krank. Und überhaupt: Kannst du das nicht mal positiv formulieren? Mich nervt dein dauerndes Nein!“

Kind: „O-okay: Ich möchte bitte lieber keine Jacke anziehen. Ich mag den Regen auf meiner Haut und im Auto ist es dann eh wieder so warm, dass ich schwitze.“

Mutter: „Na bitte. Geht doch. Hab ich dir doch auch so vorgemacht – das positive Umformulieren.“

Pö-hö. Ja, da könnt Ihr lange drauf warten, dass es so abläuft – aber es wäre nett, ne?

My beloved room: Die Meta-Ebene

Es geht aber in der Tat schon in diese Richtung, wenn man mit dem Kind die Meta-Ebene nutzt. Etwas, das ich persönlich eh immer gern mal empfehle: In Partnerschaften ebenso wie in der „Erziehungs“-Beziehung.

Die Meta-Ebene ist ein Ort, an dem weder Vasen noch Schimpfworte fliegen. Dort trifft Verstand auf Verstand. Und das Drumherum wird draußen gelassen. Ein sicherer Raum, in dem jeder sprechen kann. Der/die eigene, innere/r MediatorIn spricht und hört hier zu.

Bei uns geht das so:

„Okay, Kinder, ihr wundert euch, warum ihr in letzter Zeit mehr Aufgaben im Haushalt bekommt. Das erkläre ich euch, damit ihr nicht etwas übergestülpt bekommt, dessen Hintergrund ihr weder kennt noch zu dem ihr etwas sagen könnt. Ich habe das probeweise so eingeführt, weil ich bemerkt habe, wie ihr in eine Dysbalance geratet, weil ihr den gesamten Nachmittag im Bett liegt. Es ist wichtig, dass man Phasen von Entspannung mit Phasen von gesunder Anspannung abwechselt. Einseitige Überbetonung führt zu allerlei mistigen Gefühlen. Wie fühlt ihr euch, nachdem wir das nun einige Tage so ausprobiert haben?“

So habe ich das hier erst vor wenigen Tagen gesagt. Und schon habe ich die Kinder, die sich durch diese Art meines Respekts gewertschätzt und wahrgenommen fühlen, ein Stück weit auf der Meta-Ebene. Sie protestieren zwar dennoch maulend, wenn sie anschließend die Küche aufräumen müssen, aber sie tun es im Bewusstsein unserer Begegnung auf der Meta-Ebene. Und nehmen es an, weil sie zuvor einräumten, es sich eigentlich so zu wünschen: Mehr Aufgaben und dadurch auch mehr innere Ausgeglichenheit sowie das gute Gefühl, ein konstruktiver Bestandteil der Familie zu sein.

Die Meta-Ebene.png

Und das mache ich schon mit dem Kleinsten so.

„Ich würde dir supergerne gläserweise Bonbons geben, mein Süßmann. Aber das geht nicht. Dann würdest du schlechte Zähne bekommen und wärst irgendwann ganz dick und könntest krank werden. Leider darf ich das nicht. Ich würde gerne, aber es geht nicht.“

Ja, er weint dann trotzdem vielleicht im Gedanken an Gläser voller Süßkram, aber er versteht, dass auch ich nicht die allmächtige Entscheiderin bin. Es geht eben nicht um Macht, sondern um Notwendigkeit und Sachzusammenhänge.

Später sagte er dann: „Ich will noch einen Keks. Ich will dick werden. Das finde ich schön.“

Gut Ding will Weile haben und so …

Die Dosis macht’s

Das Nein verwende ich nicht inflationär, sondern mit Bedacht. Und meist lasse ich es einfach weg. Außer es hat konkret einen rhetorischen Nutzen.

„Können wir tauschen?“

fragt Nummer 4 gerne, wenn er sein Eis fast weggeschleckt hat und dann auf meines guckt.

„Nein. Ich habe mich auch auf mein Eis gefreut. Und du hattest schon eines. Aber ich lasse dich gerne mal lecken.“

Na klar kann die brave, aufopferungsvolle Mama hier sofort eilends und fast beschämt über das eigene Eisschleckbedürfnis hinweg ihre Kaltspeise komplett weiterreichen. Und genau das habe ich früher auch getan. Mir fehlte einfach der Mut, mich entgegen dem pädagogischen Mainstream zu verhalten (Hoch lebe der Mythos der aufopferungsvollen Mutter ohne eigene Bedürfnisse!). Das ist aber falsch. Denn die Lehre des Kindes hierdurch ist:

„Die sagt immer Ja und gibt mir alles. Als Mutter denkt man nie an sich. Wenn ich mal Mutter werde, dann gebe ich auch immer allen alles bis ich ganz leer und erschöpft bin. Ich bekomme als Kind immer, was ich will und als Erwachsene gar nicht mehr. Vielleicht sollte ich schön viel an mich reißen, so lange ich klein bin und dann am besten nicht erwachsen werden, denn immer mein Eis abgeben zu müssen stinkt mir bereits jetzt schon.“

Vielleicht ist es gut, Kindern zu zeigen, was wichtig ist. Und was nicht. Sich ein Eis zu gönnen ist gut und richtig. Sich alles wegschlecken zu lassen nicht unbedingt. So sehe ich das zumindest inzwischen. Daher gibt es dann ein gesund abgegrenztes Nein von mir.

So viel aus unserem Hause zum Thema Nein.

 

 

 

 

 

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Immer mal wieder

Ich möchte gerne heute und in Zukunft mit Euch teilen, was ich bei meinen verehrten Blogger-KollegInnen an lustigen, spannenden, interessanten oder nachdenklichen Artikeln entdeckt habe.

Ich werde das von Zeit zu Zeit und erst einmal nicht unbedingt regelmäßig machen. Wenn ich merke, dass es Euch besonders gut gefällt, dann kann ich dies gerne als neue Rubrik einführen. Ansonsten teile ich einfach immer mal wieder.

Die Reihenfolge spiegelt nicht die Beliebtheit wieder, sondern unterliegt dem gerechten Gesetzt des Zufalls.

1. Schockierend und berührend

Am 15. Juni erschien der Artikel Der vierte Mann von Tina auf Werden und Sein. Der Text wird sicherlich vielen, besonders Müttern, unter die Haut gehen. Ich habe in meinem Kommentar dazu bereits angedeutet, das mich nicht mehr viel umhaut, weil ich selbst so viel erlebt habe. Zugleich aber besitze ich natürlich viel Empathie – aus demselben Grund. Daher überlese ich das, was weniger belastete Menschen erschreckt einfach als Fakt und nehme wahr, was aus dem einstigen traumatisierten Kind wurde. Wie es als erwachsener Mensch schreibt und empfindet.

Ich freue mich immer, wenn jemand es schafft, auszudrücken, was ihn einst prägte. Und sei es noch so negativ und traumatisierend. Solche Erlebnisse hinterlassen auch nach Jahrzehnten ihre deutlichen Spuren. Und zugleich geben sie die Chance, sehr stark zu werden.

Tinas Artikel hat eine Triggerwarnung: Es geht um alkoholkranke Eltern und Gewalt gegen Frauen.

2. Vorbeugen und heilen

Mara macht sich Gedanken heute, am 23. Juni, Gedanken über mütterlichen Burnout und wie man ihm vorbeugend begegnen kann. Dazu hat sie einen sehr informativen Artikel der Rheinischen Post gefunden. Narzissmus und Burnout – wie gehört das denn zusammen? Und wieso haben Frauen (Mütter!) inzwischen viel häufiger Erschöpfungszustände als Männer? Lässt sich herausfinden – einfach mal ‚rüberhüpfen zu Maras Gedanken.

3. Tick-Tack oder wie aufregend Warten doch sein kann

Bella wartet auf’s Baby. Zusammen mit Familie Berlin tun wir das auch. So ganz solidarisch, weil wir das große Warten ja auch schon vier Mal hinter uns haben…

Da Bella fragt, wie bei uns die Geburten starteten:

1. Mal: Spontan mit Wehen, zuhause (na ja, 14 Tage nach dem Termin ist spontan ein großes Wort …:D).

2. Mal: Aufwachen mit leicht gerissener Fruchtblase um 10 Uhr. Wehen dann ab 15 Uhr.

3. Mal: Wehen nach Einleitung per zweimaligem Priming bei ET+7 (auf Wunsch der total erschöpften Mutter nach unzählbaren Stunden schmerzhafter, Schlaf raubender Senkwehen – würde ich allerdings nicht noch einmal so entscheiden. Nummer 3 trägt mir den Rausschmiss immer noch nach und heute denke ich auch selbst anders darüber. Aber ihr wisst ja: Eine erschöpfte Schwangere will nichts mehr als Erleichterung …)

4. Mal: Beginn mit Wehen zu Hause. Abwarten, ob es regelmäßig wird. Der berühmte Schleimpropf (den persönlich hab ich nie zu Gesicht bekommen) verabschiedet sich, was ich durch Blut bemerke. Anruf bei Ehemann, Opa, Hebamme, Krankenhaus und so weiter …

4. Viel durchgemacht und nun ein wunderschöner Tag

Eva, die während der Schwangerschaft die Diagnose Blutkrebs bekam (und mein Anlass war, mich bei der DeutschenKnochenMarkSpende DKMS zu registrieren) hat nicht nur eine Facebookseite, sondern auch einen Blog. Auf diesem entdeckte ich am 20. Juni den Artikel über ihren herrlichen Tag der Hochzeit und Taufe ihrer Tochter. Wir rührend und wunderbar zu sehen, wie glücklich sie ist und wie gut es ihr geht!

5. Voll dufte, ey!

Niemand –  außer der von mir so gern als einmalige Wortvirtuosin betitelte Rike – kann den Umstand eines Haufens Kinderkacke auf’m Teppich so wunderbar erzählen. Es geht um Sauberkeitserziehung. Bitte esst nicht beim Lesen, wenn Ihr da empfindsam seid😀

Ich habe mich übelkeitsfrei bekringeln können: Habe ja bekannter Maßen diverse Kinderchen. Ich wurde bepinkelt, bekackt und mir wurde schon in’s Gesicht gekotzt – ja, meinen Mund hatte ich zu diesem Zeitpunkt offen, weil ich „Ooooh, du Arme, dir ist schlecht…“ sagen wollte und es nur bis zum „Ooooh“ schaffte, als die Ladung kam. Diese lief mir dann zusätzlich in den Ausschnitt des Nachthemds und am nackten Körper runter, bis sie auf den Boden tropfte. Na, noch Appetit?

Mich gibt es auch auf Rezept als Appetitzügler bei Diäten. Oder Ihr nehmt Rikes Artikel. Rike forte. Fragt mal Eure Ärztin danach. Oder Euren Arzt.

Kleider, Fotos, Wissen

Ich lese sehr gerne auf dem Blog Textile Geschichten. Es ist kein Mama-Blog. Ich mag ihn sehr gern, weil ich einfach ein absoluter Fan des Themas Mode und Kleidung bin. Auch und besonders der historische Part von Kleidung interessiert mich. Wer gerne mal in vergangene Zeiten tauchen möchte und wissen will, ob es wirklich Schneider mit zerrissenen Hosen gab, der kann hier hinein gucken.

 

Der Nachzügler: Alles auf Anfang

Erstens kommt es anders …

Unsere ersten beiden Kinder kamen recht rasch nacheinander: Es trennen sie nur 17 Monate. Dann gab es drei Jahre Pause und Nummer 3 wurde geboren.

Zu diesem Zeitpunkt war für mich die Familienplanung abgeschlossen. Ich hatte immer mein Motto:

„Mit 30 bin ich durch dem Kinderkriegen“

3 reichen

Ich genoss es, mit dem Baby nebst Schwestern auf Spielplätze zu gehen, Stadtbummel zu machen und Parks zu besuchen. Dort frühstückten wir im Sommer gerne in Form eines Picknicks an Sonntagen.

Ich hatte das Gefühl, wir seien komplett. Ja, ich hätte furchtbar gerne einen Sohn gehabt, aber da hatte der liebe Himmel – oder wer auch immer – eben andere Pläne und wer weiß schon, wofür die Dinge gut sind, die einem irgendwie nicht gefallen?

Unser Drei-Mädel-Haus war toll: Sie nannten sich Die Fufels, erfanden eigene Verben wie „verfufeln“ und „verhubeln“ (auch als Kombi möglich: „verhubelfufeln“) und lachten sehr viel miteinander. Sie spielten – als Nummer 3 etwas größer war – zusammen, mochten ähnliche Dinge und waren dauernd beschäftigt.

Eingeschworen. Vollkommen. Herrlich mitzuerleben.

Jahre vergingen

Mit der Zeit war mein mickriger Rest an verbliebenem Kinderwunsch, der manchmal aufploppte, wenn ich ein Baby auf dem Arm hatte, verschwunden.

Ich mochte es, mit dem Kinderkriegen durch zu sein.

Ein Cousin meines Mannes, der einen Stiefsohn sowie ein weibliches Zwillingspaar als Kinder hatte, wurde dann im Jahr 2012 von seiner trauten Gattin mit der Nachricht überrascht, sie würden wieder Eltern. Die Zwillinge waren noch recht klein und das Ganze war eine wirklich anstrengende Lage für die Familie.

Bei einem Gespräch über die Zukunft sagte eben jener Cousin einen Satz, den man oft – auch in zahlenmäßiger Abwandlung – hört:

„Ach, wo drei groß werden, werden auch vier groß.“

Wo drei groß werden ....png

Tja und das setzte sich im Kopf meines Mannes fest.

Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Er sprach mich auf seinen neuen Kinderwunsch an – etwas leise, da er meine Haltung zur Familienplanung kannte.

Ich empfand in diesem Moment vor allem eines: Sehr viel Liebe.

Nach allem, was wir zusammen erlebt hatten und nach seiner Erkrankung war das doch etwas, mit dem er das Leben bejahen wollte!

Zudem waren die vorausgegangenen Kinderwünsche immer von mir ausgegangen. Und zeitweise hat das zu Konflikten geführt: Ich fühlte mich stets allein verantwortlich für die Kinder. Dies fiel mir erst auf, als mein Therapeut vor Jahren sagte:

„Spannend, dass sie immer sagen: „meine Kinder“. Ist ihnen das überhaupt bewusst? Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass sie sich allein verantwortlich fühlen.“

Nun wünschte er ein weiteres Kind und da die Umsetzung dieses Wunsches nahezu komplett an mir hängen würde, brauchte ich eine Weile, um darüber nachzudenken. Mein Herz rief Ja!. Allein schon, weil sein Wunsch so eine Liebeserklärung an uns als Familie war. Nachdem ich für meine starken Kinderwünsche zuvor ein schlechtes Gewissen gehabt und mich aus diesem heraus oftmals verausgabt hatte, gab es auch noch diesen Teil von mir, der die Idee großartig fand.

Mein Kopf sagte:

„Bist du vollkommen verrückt? Ein Baby? Erinnerst du dich nicht mehr richtig? Das sind diese kleinen, schreienden Wesen, die dir komplett die Selbstbestimmung nehmen! Sei froh, dass du aus dieser Lebensphase raus bist!“

In der Tat: Ich verdiente mein Geld in Ruhe, während Nummer 3 im Kindergarten war und nicht mit der Uhr vor der Nase während sie als Baby schlief. Ich besuchte meine Freundin (die ein Baby erwartete) zum Frühstück und genoss es, bei diesen Gelegenheiten mal ohne Unterbrechungen ausreden zu dürfen.

Ich war spontan, ging irgendwo frühstücken, genoss es, alleine im Auto ein Ziel in Ruhe zu erreichen, fand ausreichend Zeit für schöne Abende mit meinem Mann und hielt (fast) mein Wunschgewicht. Ich trug gerne Schmuck, schminkte mich und hatte gern schöne Klamotten an. Ich war selbstbestimmt und mit mir im Reinen. Unabhängig. Die Kinder spielten nachmittags zusammen und ich konnte mich auch mal hinsetzen und zeichnen. Oder häkeln oder lesen und Kaffee trinken.

Und dies alles war nicht kompatibel mit „Wickeltasche herumpöngeln, Tragetuch wickeln, Breiflecken, Stillen, nachts geweckt werden, nie alleine das Haus verlassen, Geschrei, Säugling auf dem Schoß balancieren während man pieselt, Greifreflex am Ohrring …“

Wilssst du dasssetwa allesssaufgeben-

Der Wunsch war aber in mir. Und er blieb. Ich wehrte mich lediglich eine Weile gegen mein Herz. Dann entschied ich mich für ein viertes Kind.

Einfacher gewünscht als getan

Ich ging zu meiner Gynäkologin und sprach sie auf unseren Kinderwunsch an. Während der folgenden Routineuntersuchung machte es kurz „Zupp“ und dann zeigte sie mir fröhlich grinsend die frisch entfernte Spirale:

„So, dann können sie nun loslegen. Wie ich sie und ihre Fruchtbarkeit kenne, sitzen sie in spätestens 6 Wochen schwanger wieder hier bei mir.“

Ich fühlte mich richtig ungeschützt in diesem Moment und meine ganzen Ängste kamen hoch. Dann jedoch kam sofort die Vorfreude.

Ein Mal ein Baby nicht wider jede Vernunft bekommen, weil gerade kaum Geld da ist oder noch studiert wird. Oder weil man doch schon zwei Kinder hat. Einmal in Ruhe und Liebe ein Kind einladen, zeugen und willkommen heißen!

Und dann war da noch ein mulmiges Gefühl:

„Ich werde nicht in spätesten 6 Wochen hier sitzen. Ich werde viel später hier sitzen. Es wird ein Jahr dauern,“ schoss es mir durch den Kopf. War das Angst oder Intuition? Wer kann die beiden schon perfekt auseinander halten?

Das war im März 2012. Mein Patensohn (jener Sohn des Cousins) wurde geboren und ich freute mich bei seinem Anblick nicht nur für die Eltern, sondern auch auf mein eigenes Baby.

Ich sprach das folgende stumme Gebet:

„Lieber Gott, liebes Universum,

wenn ich nun doch noch einmal schwanger werde, dann finde ich, nach all meinen Bemühungen, drei zauberhafte und vor allem selbstbewusste, frei begleitete Mädchen irgendwann guten Gefühls ins Leben zu entlassen, hätte ich jetzt echt gern einen Jungen, ja?

Ich will Matsch und Autos und Dinosaurier. Ich will noch viel Bagger als bisher und mehr Rennautos. Ich wünsche mir eine kleine, männliche Mama-Klette mit dunklen Locken und braunen Augen. Ich will mit ihm durch den Garten kriechen und im Boden wühlen. Mit ihm Raketen zu imaginären Planeten fliegen und all das, was ich bei den Mädels im Ansatz miterleben durfte. Ich wünsche mir eine Seele in unserer Mitte, die feinfühlig ist und humorvoll. Und ein richtig warmes Herz hat. Bitte. Vielen Dank.

Amen.“

Wir schritten überaus freudig ans Werk.

Ich merkte schnell, dass ich nicht mehr unter 30, sondern eben eher unter 40 war: Es dauerte. Ich kaufte mir sogar irgendwann Ovulationstests. Der Ehemann war genervt davon – er hatte sich das anders vorgestellt. Aber mal eben entscheiden und sofort umsetzen (unsere altbewährte „Ein-Schuss-ein-Treffer-Taktik“ war echt passé…), ging nicht mehr.

Ich testete monatlich und nix.

Dann, im September gab es den lang ersehnten, zweiten und hauchdünnen Streifen auf dem Test. Juchu! Juchu und ein dumpfes Gefühl.

Und kaum hatte ich begriffen, dass ich schwanger war und begonnen, mich zu freuen, bekam ich morgens im Bett periodenartige Bauchschmerzen und verlor den hauchdünnen Hoffnungsschimmer.

Ich fühlte mich alt und traurig und leer. Aber ich dachte mir:

„Aha, da hat eine Seele uns als Eltern entdeckt und es noch nicht gewagt. Mal sehen, ob sie sich einen zweiten Anlauf traut.“

Das tat sie: Im folgenden Monat bereits war der nächste Test positiv und dieses Mal waren es zwei kräftige, knallblaue Streifen. Ich zeigte sie meinem Mann und einer Freundin. Und rief eine weitere Freundin an, um es ihr zu erzählen.

Der Frauenärztinnentermin wurde gemacht und dort dann ein erster Ultraschall.

Das Bild zeigte sie mir. Da war wieder ein dumpfes Gefühl:

„Äh, die Fruchthöhle ist aber komisch. Wieso ist die länglich und nicht rund?“ fragte ich.

„Das muss nichts heißen. Ich habe schon viele längliche Fruchthöhlen wunderbar rund werden sehen. es wäre natürlich besser, wenn sie von Beginn an rund wäre, aber das muss nichts heißen. Herzlichen Glückwunsch. Beim nächsten Besuch bekommen sie den Eintrag in den Mutterpass.“

„Wieso beim nächsten Mal?“ fragte ich mich, „weil sie auch nicht daran glaubt, dass aus diesem seltsamen Regenwurmgebilde etwas wird.“

Ich durchstreifte das Internet: „längliche Fruchthöhle“ gab ich ein. Und erhielt zig verschiedene und gegensätzliche Antworten. Ich blickte fortan beim Duschen panisch auf meine Hand, weil ich dort Blut fand – das aber wohl von der Beinrasur stammte, wie ich dann pochenden Herzens feststellte. Nach jedem Toilettengang schaute ich ängstlich auf’s Toilettenpapier: war da Blut? Nein – alles in Ordnung.

Ich fuhr über’s Wochenende zu guten Freunden, denen ich die Neuigkeit mitteilte. Beide Männer freuten sich sehr mit mir. Ich wurde verwöhnt und verhätschelt, was ich sehr genoss.

Ich hatte immer noch ein dumpfes Gefühl. Ich horchte zu diesem Baby zum ersten Mal wirklich hin. Und ich spürte dort nichts als Angst. Ich fühlte, dass dort eine sehr ängstliche, Seele hockte, im Begriff ein Junge zu werden und nicht wusste, ob sie den Mut für das Leben fände. Ich sprach mit ihr und blieb auch im Gespräch. So wie bei den drei Schwangerschaften zuvor, aus denen unsere Töchter hervorgegangen waren. Ich kannte ihre Lieblingstiere – und farben lange vor den Geburten. Und Charaktereigenschaften. Sogar eine ungewöhnliche blaue Augenfarbe war mir vor der Geburt auf diese Weise bekannt geworden. Ich konnte meiner Kommunikation und Wahrnehmung in dieser Richtung somit vertrauen.

Ich hatte Gefühle von Angst, Konflikt, Zwiespalt wahrgenommen. Und diese steckten mich an. Den Kindern erzählte ich von meinen Wahrnehmungen und wir nannten das werdende Leben „Prinz Panik“.

Zuhause an einem Sonntagmorgen ging ich in das zukünftige Babyzimmer. Ich wollte noch einmal in mich hineinhorchen und das entstehende Leben beruhigen. Im Zimmer hatten wir Playmobil aufgebaut und nutzten es zum gemeinsamen Spielen.

„Siehst du, das hier wird dein Zimmer, mein Kleiner, wir werden es ausräumen und für dich hübsch machen,“ sagte ich und die gefühlte Antwort entsetzte mich:

„Das kann so bleiben. Ich werde es nicht brauchen!“

Dieser Satz, „gesprochen“ in einer aggressiven und kalten Stimme, hängt mir noch heute in den Ohren. Ja, solche seelische oder intuitive Kommunikation mag befremdlich wirken, aber ich hatte sie bereits ab der ersten Schwangerschaft und sie hat sich wirklich stets als sehr stimmig erwiesen. Also vertraute ich ihr und wusste: Prinz Panik wird uns verlassen.

Ich ging die Treppe nach unten, wo der Rest der Familie frühstückte und setzte mich dazu. Stumm und geschockt. Dann setzten auch schon die Schmerzen ein.

Ich legte mich hin, mein Mann versuchte, mich zu beruhigen. Aber ich bestand darauf, am nächsten Morgen zur Ärztin zu fahren.

Nun ja, was dann folgte, kann man hier nachlesen. Wenn man möchte. Dort findet sich der gesamte Artikel zum Thema Fehlgeburt.

Auf Wiedersehen

Der Nachzügler macht sich auf den Weg

Ich pausierte innerlich, um mich zu erholen. Dann entschieden wir, es weiter zu versuchen.

Eine sehr schöne und leidenschaftliche Nacht war es, die uns den dritten positiven Schwangerschaftstest bescherte. Ich blickte auf die beiden Streifen und spürte sofort:

„Das ist er. Und er bleibt.“

Keine Spur einer panischen Seele oder Unsicherheit. Ich spürte, da war ein kleiner Mann, der sich auf ein Leben in einer liebevollen Familie freute.

Beim Umbau unserer Terrasse schlug ich mit einem Vorschlaghammer die alten Balken der Überdachung kurz und klein. Ich wusste: „Wen das nicht stört, der bleibt.“

Währenddessen hatte ich die Nidationsblutung, aber keine Angst, dass es etwas anderes sein könnte als das. Ich dachte mir, wenn ich den Hammer schwinge und nichts passiert, dann ist meine Angst besiegt. Und so war es auch.

Ich wechselte die Frauenärztin und begann somit ganz von Neuem. Ich musste mir täglich die Spritze niedermolekulares Heparin (wegen der Blutgerinnungsstörung, die als vage medizinische Erklärung für die Fehlgeburten galt) verabreichen und fühlte mich von Woche zu Woche sicherer. Ich schaute immer noch ängstlich auf’s Klopapier. Aber eher aus Gewohnheit.

Als die drei ersten Monate herum waren, beruhigte ich mich noch mehr und wagte langsam, mich richtig zu freuen.

Recht früh sah die Ärztin, dass es wirklich ein Junge werden würde, was sie einige Wochen später unter Beisein der ganzen Familie bestätigte. Ich war überglücklich. Wir alle waren es – fuhren sofort los um Babyklamöttchen zu kaufen. Das war ein schöner Nachmittag, an den ich mich sehr gerne erinnere.

Am 9. Dezember 2013 wurde er dann geboren, der kleine Heißersehnte.

Er hat braune Lochen, braune Augen mit langen Wimpern und lebt das Klischee.

Living Cliché (1).png

Von Freiheit zur Fremdbestimmung

Wer sich einen Nachzügler wünscht oder ihn als Überraschung vom lieben Gott, der lieben Göttin, dem Universum oder woher auch immer erhält, der muss sich eines bewusst machen: Es ist erst einmal so ziemlich Schluss mit lustig.

Und das tut weh.

Denn während man bereits ein Mal oder zwei Mal (oder drei Mal …) mit aller Hingabe durch eine Baby- und Kleinkindphase ging, ist das Fass der „Hingabe“ an die Lebenssituation eher dem neuen Fass „Endlich Freiheit nach der Fremdbestimmung“ gewichen. Und an diesem Teil hängt man mehr, als man denkt.

Und nicht einmal die Dankbarkeit nach der Fehlgeburt (beziehungsweise den beiden) reichte für mich aus, um pausenlos glücklich zu sein. Ich konnte mich daran erinnern und war auch dankbar. Aber auch müde, hier im haus wie eingesperrt und sehr angestrengt.

Denn der Braungelockte war ein High-Need-Baby.

Und ich war bald auch highly needy, ehrlich.

Man ist einfach nicht mehr Mitte Zwanzig.

Sondern eben eher Ende Dreißig. Der Körper ist nicht mehr so fit, die Nerven von den Geschwisterkindern schon angekratzt oder lädiert. Man hat vieles durch und ist entspannt, ja. Zugleich ist man älter und daher sorgenbetonter.

Vorbei das Kaffeetrinken am Morgen mit Freundinnen. Stattdessen ein weinendes Baby im Tragetuch durch das Haus schleppen. Oder im Wagen herumschieben.

Es war so krass anders als mein leben zuvor. fast so, als wäre ich zum ersten mal Mutter geworden. Nur, dass ich noch drei Kinder zusätzlich zu versorgen hatte. Eben krass.

Natürlich gilt das nicht, wenn man weniger Kinder hat.

Da gilt das dann eben weniger.

Aber das Ende der Freiheiten – das ist gleich. Man rennt wieder mit durchweichten Stilleinlagen herum, ließ sich zuvor mal wieder von tausend latexbehandschuhten Händen betatschten und tief befühlen. Man war wieder ein „leerer Walfisch“ nach der Geburt. Und sorgt sich neuerdings um Inkontinenz (in meinem Fall Gott sei dank  umsonst, aber das gibt es bekanntlich auch anders.) Man wiegt wieder zu viel, kommt komplett in seinem Leben zu kurz. Und hat Kinder in anderen Altersstufen, die komplett andere Bedürfnisse haben als Babies oder Kleinkinder. Alle muss man auf dem Sender haben, jeden da abholen, wo er steht. Das kann bedeuten: Die Älteste klagt über Menstruationsbeschwerden oder Schulstress und der Jüngste hat zeitgleich Blähungen.

Tschüss Selbstbestimmung. Bis bald.png

Aber:

Geliebt ohne Ende

Der Nachzügler als solches ist unglaublich geliebt und erwünscht. Er ist noch einmal das Jungsein pur. Man erlebt vieles zwar zum x-ten Mal, aber irgendwie auch wieder neu.

Der Nachzügler ist ein letzter Liebesgruß an das junge, fruchtbare Leben. Während meine ältesten Töchter mich, rein biologisch, bereits zur Oma machen könnten, braucht mein Jüngster noch Windeln. Das zeigt mir die Bandbreite der ganzen Entwicklung sowie des Foranschreitens des Lebens.

Der Jüngste wird von allen geliebt und geduckelt. Und: Man hat viele helfende Hände!

Wir können abends auswärts im Städtchen etwas essen gehen und die Großen babysitten derweil. Unglaublich! Ich kann auch mal schnell zum Supermarkt, während die Schwestern mit dem Kleinen spielen, denn das können sie gut. Sie haben gelernt, sich verantwortlich zu fühlen und sind selbstbewusst darin, ihn zu versorgen. Sie wickeln, sie fütterten und sie gaben Flaschen. Sie brachten ihn davor zum Stillen bei mir vorbei und erkannten genau, was sein Weinen bedeutete. Nummer 2 wollte sogar an den Wochenenden zusammen mit ihm in unserem Elternzimmer schlafen und hat uns auf das Sofa ausquartiert. Hier gab sie ihm die Nachtflasche und liebte es. Er erzählt heute noch davon. Und sie auch.

Alles auf Anfang

Kleine Nachzügler nehmen viel, aber man erhält auch so viel Schönes durch sie!

Man ist älter und ruhiger, man ist achtsamer. Und genussfähiger. Als junge und oft verunsicherte Mutter übersah ich oft kleine Momente oder nahm mir nicht genug Zeit. Nun ist das anders. Und ich genieße es. Der Nachzügler natürlich auch. Wir nehmen uns Zeit für die Schnecken auf den Wegen, für eine glitzernde Perle, die jemand verloren hat oder für eine Taube, die uns gierig auf das Brötchen starrt.

Wir sind auch wirklich viel, viel erschöpfter als je zuvor. Weil das Leben mit Kleinkind plus Teenies und Grundschulkind einfach heftig anstrengend ist.

Manchmal sagt der Ehemann:

„Puh, ist das anstrengend. wenn wir das gewusst hätten, dann …“

ergänze ich ihn in unserem Sinne:

„… würden wir es trotzdem genau so machen.“

P.S.: Besagter Cousin erfuhr neulich zum ersten Mal davon, dass er die Inspirationsquelle des jüngsten Fortpflanzungswunsches war. Entgeistert blickte er mich an, schaute dann zu seinen lärmenden Kindern und sagte lakonisch:

„Oh Mann, das habe ich doch nur gesagt, um mir selber Mut zu machen. Wie man das eben so sagt, wenn man verzweifelt ist.“

😀

 

Entwicklung: Jedes Kind ist anders

Entwicklung: Jedes Kind ist anders

„Deine Kinder sind alle so unterschiedlich! Wieso sind die so?“

Manchmal werde ich gefragt, wieso unsere vier Kinder alle so derart unterschiedlich sind und sage:

„Ich nehme an, das liegt an unserer erzieherischen Grundeinstellung. Sie sollen ihre Persönlichkeiten frei entfalten können – eine Persönlichkeit besteht eben nicht nur aus Kreativität und Empathie. Sondern auch schon mal aus Opportunismus und Taktlosigkeit. Dadurch ist das Ganze anstrengend, aber auch uneingeschränkt bereichernd.

Sie dürfen sich ganz zeigen. Und natürlich begleiten wir sie auch durch analytisches Betrachten aller Anteile, so weit das möglich ist. Das Ziel ist bei allen gleich: Wir möchten sie dabei unterstützen, selbstständige, einfühlsame, selbstbewusste und vor allem zufriedene Erwachsene zu werden. Das ist ein sehr anstrengendes aber auch bereicherndes Unterfangen.“

Jedes Kind ist anders – hört man oft. Was bedeutet das denn genau? Was brauchen Kinder, um sich frei zu entfalten? Und wohin führt das unter Umständen?

Liebevolle Begleitung

Ein Kind wird auf dem Lebensweg begleitet. Es geht die erste Zeit an unserer Hand. Nach und nach lösen wir unseren Griff. Wir gehen dann neben oder hinter ihm. Es selbst wählt aber den Weg.

Es wird nicht gezogen oder geschoben. Manchmal ein wenig gestupst. Aber so selten wie möglich. Das Wort Erziehung stößt uns manchmal auf, weil wir das Verb „ziehen“ darin nicht so gelungen finden. Wir begleiten. Klingt schön, oder? Dennoch wähle ich den Terminus „Erziehung“ dennoch, weil er allgemein gefasst und dadurch ebenso allgemein verständlich ist.

Wir sind dankbar, wenngleich manchmal maßgeblich erschöpft, unsere Kinder anvertraut bekommen zu haben.

Das bedeutet keinesfalls, dass wir nicht etwas wie die „Juulschen Leitwölfe“ sind. Oft geht Erziehung auf Kosten von Beziehung baden. Es ist sehr schwierig, da immer ein Gleichgewicht zu finden. Unsere Kinder sind ein wenig zu sehr vor dem Leben geschont und auch verwöhnt worden. Es ist schwer, das im Nachhinein auszugleichen. Aber während Kinder klein sind, kann man die ganzen Auswirkungen des Umgangs mit ihnen nun mal noch nicht so gut erkennen wie zu späteren Zeitpunkten.

Dennoch ist ihre Persönlichkeitsentwicklung sehr gut gelungen. An der Alltagstauglichkeit arbeiten wir momentan (seit fast einem Jahr) gemeinsam. Auch auf Wunsch der Kinder hin, die sich beklagten, weil sie merkten, dass sie sich etwas unselbstständig fühlten und Einiges dazu lernen wollten. Nun klagen sie über viele Aufgaben, die sie bekommen. Weil sie es gewohnt sind, dass sie ebenso verwöhnt wurden wie viele andere auch – es ist eben halt ein Teil des Zeitgeistes. Und ich hatte nicht immer das Selbstbewusstsein, einen anderen, einen eigenere Weg einzuschlagen. Vor allem, da man mich gelegentlich schon als eine Art Dompteurin oder Felddragoner bezeichnet wurde.

Ja, sie sind verwöhnt – ein Ausdruck, an dem sich viele stoßen. Sie sind an Dinge gewöhnt worden, die sie als Selbstverständlichkeit annahmen. Es ging ihnen übergut. Nun werden viele sagen: Wie passt das denn zusammen? Einerseits von Beziehung quatschen und dann sagen es ging den Kindern zu gut? Es kann einem doch gar nicht zu gut gehen!“

Doch. Das kann es. Und das ist dann wiederum gar nicht mehr gut. Ich habe viel gelernt aus den Ergebnissen meiner Erziehungsüberzeugungen. Und da wir ja noch einen kleinen Menschen hier haben, werde ich bei demselbigen etwas anders vorgehen, wenn auch der Grundsatz der Bedürfnisorientierung bleibt – ich habe gelernt, dass man sich ab drei Kindern eigene und neue Modelle überlegen muss, um diesen Grundsatz zu ergänzen.

So viel zum selbstehrlichen Fazit nach fast 14 Jahren Elternsein mit mehr Beziehung statt Erziehung.

Der individuelle Weg

Auf dem oben erwähnten Lebensweg vermitteln wir Eltern natürlich Regeln und Wertvorstellungen. Diese bilden einen Leitfaden. Der Rest ist individuelles Tempo und eine eigene Entfaltung. Diese wird  – ganz natürlich – durch die Anzahl der in der Familie lebenden Personen beschränkt. Eine One-(Wo)Man-Show kann hier bei uns keiner veranstalten. Dazu bietet eine größere Familie einfach keinen Raum. Dies kann einschränkend sein, aber das nicht nur im negativen Sinne.

Es ist ein ur-natürliches Gefüge, in einer Familie zu leben. Und diese muss nicht nur aus drei Personen bestehen. Wohl und sicher fühlen wir Menschen uns mit einem Kreis aus rund 20 bis 30 Personen. Unserem uralten Sippengefüge. Im Kern befindet sich der jeweils eigene Kreis. Drumherum sind Tanten und Onkel, da sind Großeltern und Geschwister. da sind Schwägerinnen und Großcousinen. Alle helfen mit. Äh, halfen. Heute sieht das etwas mitunter etwas anders aus in der Sozialstruktur:

Mutter+Vater+1,3 Kind(er)

Jede weitere Person, schränkt ein und bereichert, lehrt und lernt. Es ist ein sehr interessantes Wechselspiel verschiedener Aspekte.

Um Raum und Sicherheiten zu gewährleisten, legen wir Menschen Regeln fest. Auch innerhalb unserer Familien.

Wir sind viele

Klingt, wie aus einer Broschüre, hm?😀

Unsere Haus-Regeln lauten beispielsweise (Auszug): 

  • Jeder trägt seinen Teil zum Familienleben bei. Wir teilen Spaß und Arbeit.

(Das ist mitunter echt anstrengend zu vermitteln.)

  • Unser Umgang ist geprägt von Respekt. Keine Lügen, keine Schimpfwörter.

(Respekt ist unabdingbar. Lügen und Schimpfwörter kommen jedoch vor, werden aber         sofort besprochen.)

  • Jeder darf sich entfalten. Außer er stört den Raum des Anderen.

(Das bekommen wir im Allgemeinen gut umgesetzt. Ging in der Vergangenheit aber              fast ausschließlich auf Kosten der elterlichen Räume-> verwöhnt!)

  • Vorlieben, Abneigungen und Interessen werden geschlechtsunabhängig akzeptiert.

(Das stellt überhaupt kein Problem dar. Man muss sich selbst allerdings fortlaufend               reflektieren und beobachten. Denn manches schleicht sich unbewusst ein.)

  • Niemand geht frustriert oder traurig ins Bett.

(Von meiner Mutter übernommen: Vor dem Schlafengehen wird sich                  vertragen/ausgesprochen)

Unsere Werte sind beispielsweise (Auszug):

  • Unsere Mitmenschen werden respektvoll, höflich und freundlich behandelt. Wir achten besonders auf Andere, die älter sind oder eingeschränkt. Hierbei vergessen wir jedoch nicht unseren Selbstschutz.

(Jeps, unsere Kinder bieten älteren Menschen oder Schwangeren immer einen Sitzplatz an. Sie begrüßen Gäste und beherrschen die allgemeine Etikette erstaunlich gut. Sie können sich im Notfall jedoch auch überwiegend gut verteidigen.)

  • Wir besprechen Probleme miteinander und arbeiten lösungsorientiert zusammen.

(Wir analysieren und überlegen. Irgendwie findet man immer eine Lösung. Problemverliebtheit ist nicht so unser Ding.)

  • Wir respektieren andere Menschen und sind interessiert an ihrem Leben.

(Klappt auch bestens.)

  • Glaube und Philosophie sind Elemente unseres Alltags

(Es ist nicht nur unser Augustinus mit ihrem Tischgebet. Wir reden sehr viel über Weltanschauungen, Psychologisches und Glaubensthemen verschiedener Richtungen.)

  • Wir sind ein konservativer Haufen. Mit einer guten Portion Freigeist.

(Die berühmte Wurzel-und-Flügel-Geschichte Goethes: Die klassischen Werte erden uns und so können wir getrost den Kopf in die Wolken recken. Oder könnten: Denn oft genug vergisst man die Leichtigkeit, wenn man zu lange im Alltagszahnradgetriebe steckte …)

Viele Individuen

Werte und Regeln bilden den Entwicklungsrahmen. Darüber hinaus entfalten sich unsere Kinder frei.

Wir haben oft Vorstellungen davon, wie ein Mensch sein sollte oder könnte. Es ist nicht nötig, jedes Talent zwingend zu nutzen oder jede Anlage fördern zu müssen. Kinder bringen alles mit, das sie brauchen. Wir brauchen nur ausreichendes Vertrauen in sie.

Und in uns selber.

Kinder zu begleiten bedeutet oft auch, sich zurückzunehmen. Und sie machen zu lassen. Manchmal lässt man sie dabei zu sehr alleine und manchmal begluckt man sie zu sehr. Allermeistens passiert Letzteres.

Kinder können sehr gut entscheiden, ob es zu viel oder zu wenig Begleitung ist. Es ist wichtig, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu erschaffen, in der sie dies auch mitteilen können.

„Mama, ich brauche deine Hilfe.“

ist genau so wichtig anzuerkennen wie

„Äh, das kann ich echt schon alleine, Papa!“

Wichtig ist, in sich selbst hinein zu fühlen. Wir alle tragen in uns Zweifel und Ängste. Diese zu erkennen und sorgsam mit ihnen umzugehen, ist eine große Aufgabe. Ich persönlich neige dazu, eine Glucke zu sein. Und während das bei kleineren Kindern noch auf mehr als Toleranz stößt, ist es für größere Kinder hinderlich. Also reflektiere ich:

Ein älteres, persönliches Beispiel:

„Warum möchte ich mich gluckenartig auf meine Küken setzen und immer auf sie aufpassen?“

Antwort: „Weil ich sie sicher und behütet aufwachsen sehen will. Ihnen soll nichts von dem passieren, was mir passierte.“

Lösung: Ich darf meine Ängste und Einschränkungen nicht auf meine Kinder übertragen. Also beobachte ich aufmerksam, wo ich die Grenzlinie zwischen Begleiten und Beglucken ziehe. Und zwar individuell bei jedem Kind. Und nebenbei sollte ich vielleicht noch ein wenig meine Kindheit aufarbeiten, wenn ich mir das so ansehe …

Ehrliche Selbstreflexion ist eigentlich unabdingbar. Dazu ist es sehr schön, eine/n PartnerIn zu haben, mit der oder dem man vertrauensvoll besprechen kann, was man entdeckt. Und in diesem Vertrauen sollte man auch annehmen, was das gegenüber beobachtet. Das fällt uns oft schwer, weil wir alle oftmals so tief verunsichert sind. Alles fühlt sich wie Kritik an und wenn man brav war, dann wird man nicht kritisiert: Wir sind alle Kinder klassischer Erziehung: „Brav „= Lob und „Böse“ = Sanktion.

 

Begleitung voller Aufmerksamkeit ist für mich ein Ausdruck von dem, was ich als Respekt empfinde.

Ich bin gut

Erstes Kind, zweites Kind – noch mehr Kinder

Das Kind entfaltet sich innerhalb des gebotenen Rahmens und dieser verändert sich mit wachsender Familie. Eine Familie entwickelt sich im besten Fall immer weiter.

Wie meine Mutter so schön sagte (und das kann ich trotz meiner hier und auch hier beschriebenen tief sitzenden Probleme mit ihr guten Gewissens teilen):

„Ein Kind nimmt jeden Raum ein, der sich ihm bietet. Er spürt diesen instinktiv und nimmt ihn komplett ein. Das ist seine natürliche Art und auch ein Recht: Sich Raum erarbeiten und für sich sorgen.

Als ich klein war, da war der Raum sehr eng. In den 1950ern. Da mussten Kinder schweigen, wenn Erwachsene sprachen und bekamen durchaus auch Schläge, wenn sie dies missachteten.

Heute fahren Kinder Erwachsenen und auch anderen Kindern einfach ins Wort. Die Mutter lässt sich unterbrechen und wendet sich dem Kind meist sofort zu, wenn sie unterbrochen wird. Das ist sehr viel Raum. Darüber könnte man diskutieren. Es ist aber eine Gegenbewegung zum alten Stil. Und den lehne ich eigentlich ab. Aber das Ganze muss sich noch einpendeln auf ein für beide Parteien gesundes Maß.“

Beim ersten Kind hat man oft genaue Ideen und Vorstellungen. Manchmal sublimiert man Dinge, die man selber  als Kind vermisste. Man beginnt mit dem Elternwerden auch, seine eigene Kindheit und die eigenen Eltern zu hinterfragen.

Durch das erste Kind kommt man seinen Eltern oftmals näher, fragt um Rat und bindet deren Erfahrungen mit ein. Oft hat man auch Vorsätze wie a) Das hat meine Mutter immer gemacht und ich finde es ätzend. Da mach ich glatt das Gegenteil. Oder b) Das hat meine Mutter immer gemacht und ich finde es klasse. Das mache ich auch. Man sucht Orientierung. Und diese oftmals am Anfang in Extremen.

Das zweite Kind zeigt die eigenen Grenzen der Aufmerksamkeit und Leistung auf. Während das erste die gesamte Aufmerksamkeit bekam, kann das zweite auf mehr Freiheit hoffen. Zugleich steckt es natürlich, genau wie das Erstgeborene ab der Geburt jeden weiteren Kindes, in einer Konkurrenzsituation. Auch dies prägt die Entwicklung.

Über das dritte Kind sagen viele (die kein solches haben): „Das dritte läuft so mit!“ Nein. Das tut es nicht. Und das sollte es auch nicht. Es muss ohnehin die elterliche Aufmerksamkeit gleich mit zwei anderen Kindern teilen. Und da sollte es Raum für die eigenen Bedürfnisse erhalten. Hier helfen beispielsweise feste Rituale. Und auch die Erinnerung der größeren Kinder, dass sie eben genau dies sind: Älter und größer. So kann das Jüngste erst einmal in Ruhe ein Küken sein. Das Erstgeborene hat nun zwei „unter sich“, eines davon besonders niedlich (Baby) und eines in der Mitte, das nach oben strebt während es vielleicht regrediert, um mit dem Baby mithalten zu können. Schnell wird das Erste dann „vernünftig“ und zeigt sich als erhaltendes Element im Familiengeflecht.

Kindliche Eifersucht kommt durch Konkurrenzempfinden (unter Anderem, aber es lässt sich darauf zurecht kürzen) und diesem haben wir in unserem Familiensystem immer entgegengewirkt, indem wir klarstellten: „Das Baby ist sehr klein. Es kann nicht viel und darf nicht so viel wie du. Du bist größer, kannst und darfst mehr. Wir alle wollen, dass es dem Baby gut geht. So wie es dir als Baby gut ging. Auch wenn es manchmal anstrengend ist – wir bekommen das hin! Elterliche Liebe wird niemals geteilt. Sie wird immer mehr, je mehr Kinder man hat. Liebe kann wachsen, mache dir da keine Sorgen.“

So kamen die Großen eher in eine verständnisvolle und pflegerische Position. Sie empfanden trotzdem manchmal Eifersucht und teilten diese aber dann vertrauensvoll mit. Wir haben dann immer Lösungen gefunden oder zumindest klärend gesprochen.

Die freie Entwicklung des vierten Kindes ergibt sich bei uns im Rahmen der Überbetreuung durch die gesamte Familie: Alle wollen den kleinen Süßmann kuscheln und mit ihm spielen.

Unser Nachzügler verbringt ganz bewusst jeden Vormittag bis halb Eins bei Tageseltern, die gleichaltrige Kinder betreuen. Als er dort die ersten Mal war, begriff er gar nicht, was für ein seltsamer Vorgang es war, dass ihm jemand etwas wegnahm. Er konnte sich absolut nicht dagegen wehren. Schließlich kannte er es nur so, dass ihm alles gebracht und erleichtert wird. So lernt er bereits vor dem Kindergarten mit seiner großen Gruppensituation mit anderen Kindern auch Konflikte zu erleben.

In Ruhe lassen

Unsere ersten beiden kamen mit nur 17 Monaten Abstand zur Welt. Sie spielten viel zusammen. Ich habe mich immer, wenn sie alleine zu spielen begannen, herausgezogen und auch herausgehalten. Das selbstständige Spielen zu fördern war eine meiner Prämissen. Und ich habe von unseren Kindern bis heute höchstens ein Mal im Jahr „Mir ist laaangweilig“ gehört.

In Ruhe spielen, wachsen, probieren und forschen lassen. Alle Fragen beantworten. Kein „Dafür bist du zu klein“ – weder bei Aktivitäten, noch bei möglichen Antworten.

Alle Fragen werden beantwortet. Ja, auch die peinlichen und unangenehmen. Es hilft auch hier, sich zu selbst zu hinterfragen, warum man bestimmte Dinge nicht so gerne beantworten möchte. So habe ich das zumindest immer gehalten.

Und netter Weise erhalte auch ich immer Antworten. Manchmal muss ich mehrmals nachfragen, aber irgendwann teilen sie sich doch mit. Und dann zumeist recht eloquent.

Jede Familie ist anders – jedes Kind auch

Jede Familie lebt nach ganz eigenen Vorstellungen. Und das ist großartig. Außer die Gesundheit oder sonstige Unversehrtheit der Kinder ist gefährdet – aber davon sprechen wir hier nicht. Sondern von liebenden Eltern, die das Glück der Kinder im Auge haben.

Innerhalb dieser gesunden Vorgaben wachsen die Kinder auf. Wenn man sie nicht in bestimmte Richtungen zieht, sondern eher zuschaut, welche Wege sie selber wählen, dann lernt man sie nicht nur gut kennen, sondern lernt oft auch, wie richtig sie in ihren Selbsteinschätzungen liegen.

Gibt es Leidensdruck, weil bestimmte Probleme immer wieder auftreten, dann ist man natürlich gefragt, direkt zu unterstützen. Manchmal brauchen sie einen Schubser in Richtung Selbstständigkeit, denn das ist etwas, das momentan nicht ganz oben auf der pädagogischen Liste des elterlichen Mainstreams steht. Für manche schon, klar. Aber ich nenne es bewusst Mainstream: Eine Haupt-Strömung ist das.

Kinder entfalten sie sich eigentlich von ganz alleine. Und ich sehe immer wieder Kinder – oder lese bei meinen Blogger-KollegInnen darüber – die frei aufwachsen dürfen. Dies meint keine kleinen Narzissten, um die sich eine ganze elterliche Welt dreht (und die für sie belastender Weise auch der Mittelpunkt der selben sein müssen). Sondern ganz wunderbar freie Menschen, die forschen, basteln, sich mit Matsch beschmieren, in Pfützen springen, Fragen stellen, ihr eigenes Tempo haben und sich selbst kennenlernen dürfen.

Und zum Schluss: Unsere Vier

Einzig nicht artig

Nummer 1 (13 Jahre) hat ein spannendes Spektrum zwischen schüchtern-verzagt und lauthals-für-Andere-einstehend. Sie ist unsere Jeanne D’Arc, die sich für Andere einsetzt und sich zugleich bis vor einer Weile kaum traute, im Supermarkt nach der Schlagsahne zu fragen.

Sie war als Baby ein Schreikind oder High Need Baby. Zugleich hasste sie körperliche Nähe von Beginn an. Wollte aber auch nicht abgelegt werden. Ein Teufelskreis aus malträtierten Nerven, verrücktem Glück und völliger Übermüdung. Sie schlief jedoch mit vier Monaten durch und verlagerte ihre bedürfnisintensive Art auf den Tag. Sie krabbelte mit 7 Monaten, lief mit 12 Monaten, sprach ab 18 Monaten. Davor interessierte Sprache sie wenig.

Sie war bisher immer enig romantisch, bisweilen etwas herb. Sie besitzt eine wundervolle Selbstironie und ist sehr zuverlässig. Aber sie kann auch ganz formidabel prokrastinieren. Was sie jedoch sehr genau weiß und gerne loswerden möchte. Sie bittet um Hilfe, wenn sie welche braucht und bekommt sehr viel ganz alleine hin. Ihre Umarmungen sind herzliche Klopfer, wie ich sie unter Kumpels erwarte. Zugleich ist sie sehr feinfühlig, aber nicht hypersensibel.

Sie ist gerne mit ihrer Familie zusammen und chillt gern. Sehr gern. Gute Leistungen zu erbringen macht sie sehr glücklich.

Sie findet Schminke, Nagellack und Ähnliches ziemlich affig und mag es sehr natürlich. Sie liebt Geschichte und Fremdsprachen udn hat bereits seit Jahren einen festen Berufswunsch. Sie will Lehrerin werden.

Zudem ist sie in der Pubertät und das bedeutet, wir können gespannt sein, was für ein Schmetterling am Ende herauskommt. Vielleicht ist es auch ein Bombardierkäfer. Man weiß es noch nicht❤

Nummer 2

Sie (12 Jahre) ist romantisch und niedlich. Sie liebt süße kleine Dinge, Manga, Animes, Zeichnen und ist sehr verschmust. Sie ist hochsensibel, hatte immer Probleme in der Schule – erst wegen akuter Unterforderung, dann wegen akuten Mobbings.

Sie war ein Speikind, das stets gut gelaunt war. Und hat ab dem Kleinkindalter sehr, sehr, sehr viel geweint. Und gekuschelt. Und geweint. Sie krabbelte mit 6 Monaten, Sprachstart mit 10 Monaten, lief mit 15 Monaten. Lehrte sich das Lesen und Schreiben mit 5 Jahren.

Nummer 2 nimmt vieles persönlich, weil sie durch das Mobbing an dieser Stelle schon echt vorbelastet ist. Dieses ist allerdings gerade im Endstadium durch verschiedene Interventionen von uns und der Schule sowie einer Fachfrau einer Beratungsstelle. Und man spürt deutlich, wie sie aufblüht und sich täglich verändert. Zurück zum weitestgehend unbeschwerten Dasein.

Am liebsten ist sie in ihrem Zimmer bei geschlossener Tür und zeichnet oder liest. Oder kuschelt mit Mama.

Sie denkt dauernd nach, schläft schlecht ein und ist oft müde. Ihr Wissensdurst war durch die gesamte Kindheit riesig. Sie interessiert sich neben dem Erwähnten für Physik, Mode, Subkulturen, Geschichte, Geheimnisvolles. Sie mag Symbole und historische Anekdoten, Romantisches und Niedliches. Sie ist ein verspielter und sehr humorvoller Mensch, der Systeme auf ihre Konsequenz, Haltbarkeit und vor allem ihre Sinnhaftigkeit überprüft. Wer durchfällt, erhält von ihr eine Mitteilung. Bei Lehrern ist das sehr beliebt …

Sie will Psychologin und am liebsten gleichzeitig Mangaka (Zeichnerin japanischer Comcis/Manga) werden und steckt ebenfalls mitten in der Pubertät. Sie ist, wie ihre große Schwester, sehr hoch gewachsen und hat mich bald größenmäßig eingeholt (ich bin 1,72 Meter).

Nummer 3 bezeichnet sich gerne als „Tom Boy“, obwohl ich ebenso gerne darauf hinweise, wie schwierig ich Etikettierungen finde. Aber sie ist 9 Jahre alt und braucht dieselbigen. Sie liebt Motorräder, Baumaschinen, Barbies, ronantische Kleider, coole Lederjacken, Hulk und Tiere. Sie ist eine Idealistin – genau wie ihre beiden Schwestern.

Ihre Lieblingsbeschäftigung ist das Nachstellen einer 80er-Jahre-Kindheit wie ihre Eltern sie hatten. Und das ist großartig: Sie ist dauernd draußen, bei jedem Wetter und nie alleine. Sie hat so ein Freundinnengrüppchen, mit dem sie klettert, schaukelt, baut und rutscht. Sie tauchen in phantasievolle Spiele ein, lachen viel und stromern mit den Rädern durch die Gegend.

Sie will Kriminalkommissarin werden und unbedingt eine Harley besitzen.

Sie trägt ihr Haar gerne kinnlang und asymmetrisch geschnitten. Einfach cool eben. Ihr Vorname bedeutet „Amazonenkönigin“ (Nein, sie heißt nicht Xena …) und das passt so richtig gut zu ihr.

Sie krabbelte mit 9 Monaten, sprach ab 11 Monate, lief mit 17 Monaten. Sie sprach mit zweieinhalb ganze Sätze mit Nebensätzen und startete das religiöse Philosophieren in der Tat im zarten Alter von drei Jahren.

Nummer 4 ist ein herzensguter kleiner Mann mit einem unfassbaren Spachvermögen.

Er kann sehr sympathisch frech sein und das dann aber mit dem passenden Grinsen. Er genießt in vollen Zügen dieses Meer von Liebe, das ihn umgibt. Er wird von einer Bekannten gerne „Glücks-Baby“ genannt und das passt. Er war ein High Need Baby und ist auch immer noch recht needy. Aber durch ungezählte Stunden des Tragens, Singens, Kuschelns und Sich-Beschäftigens ist er voller Urvertrauen.

Was nicht heißt, dass er nicht vorsichtig und bisweilen ängstlich ist. Er spricht seit er 8 Monate alt ist immer mehr. Er hat kaum noch Hilfslaute („g“ ausgesprochen wie „d“ oder Ähnliches). Sätze mit Nebensätzen sind kein Thema für diese Quasselstrippe. Er denkt viel nach, teilt seine Gedanken mit und ist gleich zwei Minuten später wieder total albern.

Zwischen „Ich vermute, es ist keine so gute Idee, was du da machst“ und „Mama, du Achn-Kachn-Äch-Dächn, bist du ein Bagger?“ liegen manchmal nur Sekunden …